Auf die Folgen der Sanktionen reagieren

ZVermehrt heimische Birnen essen

Schon öfters habe ich an dieser Stelle darüber meine Sorge um das heimische Obst zum Ausdruck gebracht. Anlässlich der jüngeren politischen Vorgänge wurde ein Importstopp über unser heimisches Obst verhängt, der natürlich die Produzenten direkt trifft. Ohne diese Maßnahmen auch nur irgendwie gutheißen zu wollen, sind wir dadurch womöglich auf die Qualität der im Herbst heranreifenden Früchte aufmerksam geworden. Gerade noch habe ich im Pfarrhofgarten von Harth eine sonnengereifte frische Birne vom Baum geholt und kräftig hineingebissen. Saftig und voller Süße war diese Zwischendurch-Mahlzeit! Zurzeit fällt bereits überall das Fallobst von den Bäumen. Es tut mir innerlich weh, wenn ich mit meinem Auto auf den Landstraßen unweigerlich über die dort liegenden Mostlieferanten drüberfahren muss, weil niemand mehr da ist, der sie sammelt und auspressen lässt. So möchte ich die gegenwärtigen Sanktionen zum Anlass nehmen, um verstärkt zum Essen des frischen Obstes aus den heimischen Gärten aufzurufen. Vielleicht ist es ja auch möglich, gerade in den Schulen im Zuge des Unterrichts das Bewusstsein hierfür schon bei den Kindern und Jugendlichen zu stärken. Lobenswerterweise sind viele beherzte Lehrerinnen und Lehrer mitsamt den Eltern ohnehin darauf bedacht, regelmäßig gesunde Jausen anzurichten und die Zeit des Lernens so sinnvoll zu unterbrechen. Mir kommt es vor, dass wir ja fast wie in einem Schlaraffenland leben, wenn ich unter den Obstbäumen ein wenig zur Ruhe komme und an ihnen vorbeischlendere. Wir brauchen uns nur zu bücken und den Mund für den Verzehr der saftigen Birnen z. B. bereithalten, um reich beschenkt zu werden. Der Herbst ist die rechte Zeit, um die Dankbarkeit für die Vorsehung des Schöpfers wieder mehr zu kultivieren, indem wir die Gaben der Natur durchaus ganz bewusst in Anspruch nehmen.

Birnen als Nahrungsergänzung:

Trotz eines bereits länger andauernden Umdenkprozesses finden sich noch mehr als genug Speisen auf unseren Tischen, die von Weißmehl dominiert werden. Der Verzehr von frischen und rohen Birnen sowie von gedörrtem Obst dieser Art bildet eine gute Ergänzung zu der ansonsten mineralstoffarmen Nahrung. Zudem helfen sie mir, die Verdauungsgänge schonend zu reinigen.

Birnen ⓒ Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Das Gfrett mit den Tretern

Zwiebel und Füße haben am Boden ihren Platz

Entlang des sandigen Strandes am Meer lässt es sich herrlich spazieren gehen. Je nach Anzahl der dort sich Erholenden werden am Boden die Spuren der Menschen zu finden sein. Es sind Fußabdrücke, die sich bei jedem Tritt in die weiche Grundlage einprägen und ihr ganz individuelles Profil hinterlassen. Nach Zwiebeln wird man in diesem Falle höchstens in der Pfanne im naheliegenden Strandrestaurant Ausschau halten. Aber zurück ans Ufer des Meeres! Die Freiheit, die unsere stützenden und tragenden Körperglieder am Rande einer sommerwarmen See erleben dürfen, ist durchaus gesundheitsfördernd. Dennoch ist es vielen von uns gar nicht so leicht, diese Freiheit zusammen mit den eigenen Zehen, dem Rist und der Sohle auskosten zu können. All jene, die aus verschiedensten Gründen das Joch einer rheumatischen Erkrankung oder der Gicht tragen müssen, wissen, dass sich mehr oder weniger Schmerzen einstellen, die durch die Ablagerungen sowie durch ein fehlgeleitetes Immunsystem selbst in kleinen Gelenken hervorgerufen werden. Je länger und intensiver der Krankheitsverlauf voranschreitet, desto mehr kann es in der Folge zu einer Deformation der ursprünglich überwiegend intakten Fußstellung kommen. Wie viele phytotherapeutische Maßnahmen kann sich auch die Verwendung von Zwiebeln in diesem Fall als hilfreich herausstellen. Gewiss hat in besonders schwerwiegenden Fällen der Arzt mitsamt seiner angewiesenen Medikation Vorrang. Jedoch sollte die Begleitung der Krankheit mit pflanzlichen Wirkstoffen nicht zu gering geschätzt werden. Gewissermaßen ähneln sich die „Lebensbereiche“ der Zwiebeln und unserer Füße. So ist es nicht aus der Luft gegriffen, dass Letztere unseren Gehorganen im Leiden beistehen können.

Zwiebelsaft auspressen:

Bei Fußgicht oder -rheuma wird eine Zwiebel fein gerieben und so gut als möglich ausgepresst. Den gewonnenen Saft streicht man am besten früh und abends über die schmerzenden Stellen. Diese Anwendung hat sich auch als vorbeugend erwiesen, vor allem bei jenen, die mit einer rheumatischen Beeinträchtigung ihrer Füße schon Erfahrung machen mussten. Die Umwelt hat in diesem Fall sicher Verständnis für den vermehrten Zwiebelgeruch.

Zwiebel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Der Ulme unter die Haut schauen

Ihren wertvollen Bast entdecken

Sehen Sie sich gerne gruselige Filme oder die verschiedenen zu später Stunde ausgestrahlten Streifen mit Action und viel Krach und Feuer an? Dabei kann es schon passieren, dass so manche Szene ganz schön unter die Haut geht. In den Kinos wird einem dergleichen auf der Leinwand optisch noch viel größer vor Augen geführt. Da hilft es ein wenig, wenn man – mit schwächerem Gemüt bestückt – sich die Hand vor die Augen hält, um die Gräuel vorüberziehen zu lassen. Den Bäumen draußen in den Parks und unseren Wäldern bleibt das eben Geschilderte nach menschlichem Ermessen erspart. Die Ulmen, die stellvertretend für ihre Kollegen heute vor den Vorhang gebeten werden, haben in fortgeschrittenem Alter eine durchaus dicke Haut, an der Wetter und schädliche Umwelteinflüsse förmlich abprallen. Aber dennoch soll man das Lebewesen Baum in seiner ihm eigenen Sensibilität nicht unterschätzen. Gerade unter der grauen zerfurchten Borke spielen sich die wichtigsten Prozesse ab, die den pflanzlichen Riesen am Leben erhalten. Und dort ist er auch am verletzbarsten, wenn man von der fällenden Tätigkeit der Menschen absieht. Das Schlagwort „Ulmensterben“ weist uns darauf hin, dass es eben auch für Bäume nicht selbstverständlich ist, ein hohes und mehrere Menschengenerationen umfassendes Alter zu erreichen. Schädliche Pilze dringen dabei unter die „Haut“ der Ulmen und verlegen die dünnen Kapillarleitungen, die als Versorgungsbahnen die Korrespondenz zwischen Wurzel und den obersten Zweigen aufrecht erhalten. Der sensible Bereich der Ulmen, der unter ihrer Borke verborgen liegt, steckt auch voller heilender Kräfte. Das wussten schon unsere Altvorderen, die noch genug Ulmen in unmittelbarer Umgebung stehen hatten.

Ulmenbast bei Rheuma und Gicht:

Von im eigenen Garten gewachsenen oder bei Schlägerungen anfallenden Ulmenstämmen und -ästen (am besten von der relativ häufigen Bergulme, Ulmus glabra) kann man die Borke ablösen und die Innenrinde (= Bast) herausschaben. 15 g dieses getrockneten Baumelements werden in 1/2 Liter kaltem Wasser über Nacht angesetzt. Morgens gut aufkochen, abseihen und in eine Thermosflasche füllen. Trinkt man den Absud tagsüber schluckweise, hat dieser eine harntreibende und lindernde Wirkung. Das erweist sich sowohl bei Verdauungsschwäche und Schlaflosigkeit sowie als begleitende Maßnahme bei Rheuma, Gicht und Wassersucht als hilfreich.

Bergulme ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Wärme steigt auf

Den physikalischen Gesetzen Rechnung tragen

Also, offen gesagt war der Unterrichtsgegenstand Physik nicht unbedingt meine Stärke. Die damals dafür verantwortlichen Professoren im Gymnasium haben dennoch eine große Geduld aufgebracht, um mir ein wenig Verständnis für ihren Unterrichtsstoff abzugewinnen. Mit einfachen Dingen komm ich ja noch zurecht. Etwa mit dem Phänomen, dass Wärme nach oben steigt. Diese Tatsache ist nicht zu unterschätzen. Ganz eindeutig können das alle nachfühlen, die sich im Winter an einem feucht-kalten Punkt aufhalten und das Schuhwerk nicht unbedingt den Temperaturen angepasst ist. Der ganze Körper beginnt in der Folge zu frösteln. So gesund das Barfußgehen im Sommer auch sein mag: je kälter es draußen wird, desto mehr dürfen wir Bedacht darauf nehmen, den Leib von unten her zu schützen und zu wärmen. Permanent kalte Füße können Katarrhe der verschiedenen Schleimhäute, der Blase sowie der Harnröhre hervorrufen. Jetzt ist es wiederum angebracht, mithilfe eines einfachen Hausmittels quasi die unterste Region der Beine in regelmäßigen Abständen mit Wärme zu versorgen, damit der ganze Organismus davon Nutzen trägt. Am besten wäre es, wenn es ganz kleine, in die Schuhe integrierte Kachelöfen gäbe, die man am Morgen einheizt und bei Bedarf den Tag über in Anspruch nimmt. Nun, da die Technik noch nicht so weit vorangeschritten ist, um diese Idee Wirklichkeit werden zu lassen, muss man sich wohl anderer Techniken bedienen. ;-) Das ist durchaus möglich. Die erste Voraussetzung dafür ist aber genügend Zeit, um eine vernünftige Vorbeugung durchführen zu können. Mit ein bisschen Disziplin und Selbstwertgefühl ist das machbar. Wir sollten uns das wert sein!

Fußbäder mit Apfelessig:

In der Früh vor dem Tagwerk und abends nach vollbrachter Arbeit ist es sinnvoll, ein warmes Fußbad zu nehmen. In die dafür angerichtete Wanne samt wohlig temperiertem Wasser gibt man ein wenig Apfelessig hinzu. Nach dem Fußbad die Haut an den Füßen gut abtrocknen und mit stark verdünnter Arnikatinktur einreiben. Das Tüpfelchen auf dem I kann es sein, wenn man zusätzlich anschließend eine Schale voll Thymian- oder Quendeltee trinkt.

Apfelessig ⓒ Comugnero Silvan

Öl und Pflanze in gemeinsamem Auftrag

Der Frauenmantel hat dafür ideale Eigenschaften

Wer rastet, der rostet. Sicher ist diese Weisheit bekannt. Vor allem betagteren Zeitgenossen wird diese Maxime zum täglichen Ansporn, solange es geht, möglichst aktiv zu bleiben. Wenn das schon nicht physisch aufrecht gehalten werden kann, dann zumindest geistig. Ich ziehe meinen Hut vor Menschen, die danach trachten, auch in hohem Alter noch hell im Kopf zu bleiben. Vom Denkzentrum abgesehen bedarf auch die Haut einer permanenten Pflege. Der Frauenmantel (Alchemilla vulgaris), der oft unbemerkt unter den Wiesengräsern wächst, versinnbildlicht in seinem Erscheinungsbild diese lang erhaltene Jugend. Denn obwohl er seinem Namen entsprechend seine Blätter in mantelähnliche Falten wirft, bleibt er dennoch taufrisch. Allein schon das Betrachten der Wassertröpfchen, die sich die meiste Zeit auf seiner Blattoberfläche befinden, erinnern an die morgendliche Fitness, die der Tau des Sommers zu vermitteln vermag. Ja, und wenn ein metallenes Gerät Rost ansetzt, so ist es meist das Öl, das wiederum Sauberkeit und Beweglichkeit herbeiführt. Somit ist dieser Stoff kein unbedingter Widerspruch zu einer Tendenz, die danach trachtet, die eigene Haut fit und elastisch zu erhalten. Immerhin ist diese in den bald wiederum mehr als genug geheizten und temperierten Wohn- bzw. Arbeitsbereichen einem sehr trockenen und dadurch austrocknenden Mikroklima ausgesetzt. Das eigene Äußere darf ruhig Zielpunkt ganz einfacher und natürlich zubereiteter Essenzen sein, die mithelfen, das persönliche Wohl mitsamt dem damit verbundenen Empfinden des Selbstwertes zu steigern. Mit dem Frauenmantel kann man sich so gesehen je neu „einhüllen“, um der Haut einen guten, reinigenden und sogar zärtlichen Dienst zu erweisen.

Frauenmantel-Öl für eine reine Haut:

In einem Mengenverhältnis 1 : 4 setzt man zerkleinertes Frauenmantelkraut in kaltgepresstem Olivenöl an. In einem verschlossenen Glasgefäß stellt man beides zusammen 14 Tage lang in einen warmen Raum, am besten an einen sonnigen Platz am Fenster. Nach dieser Phase seiht man das Öl ab und presst zusätzlich die Pflanzenteile aus, wobei das ausgepresste Öl dem abgesiehenen hinzugefügt wird. Die Heilkraft des Olivenöls verbindet sich hierbei mit den entzündungshemmenden Eigenschaften des Frauenmantels. Von Zeit zu Zeit die Haut damit einreiben.

Frauenmantel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Im Wald und auf der Heide

An den Heidelbeersträuchern nicht vorübergehen

Der Zug ist schon längst abgefahren, der Sommer vorüber. Und wer jetzt noch im Wald nach Heidelbeeren Ausschau hält, wird wohl bis nächstes Jahr warten müssen, um Erfolg zu haben. Die Brombeeren an den Wegrainen laufen da schon eher den Blaubeeren den Rang ab, wenn es darum gehen soll, frisches Obst konsumieren zu können. Ja, jede blühende und fruchtende Zeit geht einmal vorbei, auch bei uns Menschen. Je höher die Zahl der Lebensjahre steigt, desto mehr beschleunigt sich gefühlsmäßig die Zeit, die an uns vorüberzieht. Schier unbarmherzig drehen sich die Zeiger der Uhren von einer Stunde zur anderen und immer schwieriger wird es gleichzeitig, das vorgenommene Arbeitspensum in der raren Zeit zu Ende zu bringen. Die Haut bleibt zudem nicht mehr so straff wie in unseren besten Jahren. Oft sind es auch Sorgen und plötzlich hereinbrechende Schicksale, die die Falten auf unserem Gesicht mehr werden lassen. So wird das Hier und Heute umso gewichtiger, die Gegenwart also, die ausgekostet und gelebt werden möchte. Wenn auch an den winzigen Bäumchen der Heidelbeeren die Früchte längst fehlen, so sind sie dennoch in ein Blattkleid gehüllt, das ihnen bis zum Winter noch Schutz und Würde verleiht. Wie mit einem bergenden Mantel bedecken sie damit den Waldboden und hüllen ihn in ein edles Grün. Auch darin steckt Kraft und heilsamer Nutzen. Darum sollten wir diese Pflanzenteile durchaus mit Dank betrachten. Denn dann und wann erweist sich bei vielen Gelegenheiten das Wenige, das man auch in vorangeschrittener Zeit noch besitzt, als wertvoll und wichtig. Die Heidelbeerblätter eignen sich auf jeden Fall, um das zu demonstrieren.

Ein Bad mit Heidelbeer-Blättern:

Wenn jemand eine empfindliche Haut hat, an der sich Falten und Fältchen bilden, kann man zu folgender Maßnahme greifen: 150 g frische oder getrocknete Heidelbeer-Blätter (Vaccinium myrtillus) werden in 2 Liter kaltem Wasser zugestellt, um dieses kurz aufzukochen. 20 Minuten zugedeckt ziehen lassen und den Tee nach dem Abseihen ins Badewasser leeren. 1/4 Stunde darin baden. Um Erfolg damit zu erzielen, sollte man zweimal jährlich 6 Wochen lang einmal pro Woche dieses Bad anwenden. Das hilft auch beim Ausheilen von Ekzemen.

Heidelbeere ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Die letzte Wegwarte

Die Frucht eines Spaziergangs

Ein wenig bin ich durchaus stolz darauf. Nach über einer Woche der Bettlägerigkeit aufgrund einer schweren Entzündung des Halses und der Atemwege versuchte ich bei einem einstündigen Marsch auf den nahen Kollmitzberg bei Raabs an der Thaya meinen Kreislauf wieder gemäßigt auf Schwung zu bringen. Die milden Temperaturen vor einer Woche erlaubten mein geplantes Unterfangen. Bevor ich mit dem Auto danach den Heimweg antreten wollte, fiel mir am Wegrand eine einsame blassblaue Wegwarten-Blüte auf, die mich zum Innehalten bewog. Ich ging in die Hocke, um dem liebenswerten Boten nahe sein zu können. Sie ist wahrlich ein Glückssymbol. In kindlicher Manier zählte ich ihre Blütenblätter: 14 war das Resultat. So sende ich mithilfe meiner Lieblingsblume Wegwarte am heutigen 14. Tag des Septembers meine besonderen Grüße! Es war einst die Cäsarin Helena, die Mutter Kaiser Konstantins, die der Überlieferung nach in Jerusalem das verschollene Kreuzesholz Christi wieder auffand und an einem 14. September auf die Altäre erheben ließ. Mit dem Zeichen des Kreuzes verbinden alle, die daran glauben, Segen, Heil und Heilung. Meine Wegwarte am Feldrain ist in ihrer bescheidenen und dennoch frohen Gestalt ein ganz kleiner Bestandteil der Schöpfung, die sich ebenfalls nach Leben und Erlösung sehnt. Mit ihren heilkräftigen Inhalten vermag meine himmelblaue Freundin durchaus, dem Körper und der Seele den Weg der Gesundung zu weisen. Mir genügt eine herbstlich einsame Blume, um darin das Lächeln des Schöpfers zu erkennen. Gerade für die schlechten Zeiten hat er uns allen Jesus geschenkt, der am Kreuz sein irdisches Leben zur Vollendung brachte. Und der Evangelist Johannes sagt uns im 3. Kapitel seiner Frohbotschaft: „Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“

Durstlöscher für Diabetiker:

Sorgfältig getrocknete Wegwartewurzel enthält einen hohen Prozentsatz an Inulin. Für einen Tee setzt man 2 Esslöffel der zerkleinerten Wurzeldroge in 1 Liter kalten Wassers über Nacht an. Morgens dann kurz aufkochen und abseihen. Tagsüber können vor allem Zuckerkranke diesen Tee zum Löschen ihres Durstes heranziehen und schluckweise zu sich nehmen.

Wegwartenblüte ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Von wegen Saure-Gurken-Zeit!

Ein Gemüse ins rechte Licht heben

In den vergangenen Wochen konnten sich die Journalisten der verschiedensten Medien wohl kaum über Themenmangel beklagen. Zu unruhig verliefen die Tage sowohl im In- als auch im Ausland, so dass sich auf keinen Fall eine gähnende Themenleere breitmachen konnte. Die sprichwörtliche Saure-Gurken-Zeit war in diesem Sommer bloß von kurzer Dauer.
Ursprünglich bezeichnete dieser Begriff eine Phase des Jahres, in der nur wenige Früchte frisch geerntet und somit konsumiert werden konnten. Man musste also auf alles Eingelagerte, darunter eben auch Gurken, zurückgreifen. Heute ist es aufgrund von Glashausgärtnereien und überreichem Importangebot kein Problem, an frische Gurken das ganze Jahr über heranzukommen, wenn man z. B. den meiner Meinung nach herrlichen Gurkensalat anrichten möchte. Als Prämonstratenser bin ich überdies stolz darauf, dass ein ehemaliges Kloster unseres Ordens in Louka (= Klosterbruck) vor den Toren der südmährischen Stadt Znojmo (= Znaim) für die Kultivierung und den guten Ruf der Znaimer Gurken maßgeblich verantwortlich zeichnete. Wenn wir uns die rohe Form der Gurken ansehen, so können wir in diesem Fall nicht unbedingt von einem pflanzlichen Energiespender sprechen. Dennoch haben die aber ihren großen Wert im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung. Durch ihren hohen Basengehalt helfen sie mit, den Körper zu entsäuern und zu entschlacken. Außerdem sieht man den Gurken kaum an, dass sie ebenfalls einen gewissen Anteil an Vitamin C in sich bergen. Wer aber partout keine „grünen Bananen“ konsumieren möchte, hat ja womöglich Lust auf eine schönere Haut.

Die berühmte Gurkenmaske:

Probieren geht über studieren! Nicht lächeln, sondern zuerst einmal anwenden! Millimeterdicke Gurkenscheiben auf die Stirn, das Kinn, die Wangen und die Nase legen. Diese haften ohnehin von selbst. 1/2 Stunde ruhig liegen bleiben, danach die grüne Maske wieder entfernen. Das strafft und vitalisiert die Haut und erweist sich als äußerst kostengünstiges Kosmetikum.

Gurke ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Damit die Bremsen nicht versagen

Ein Blatt Majoran als Kaugummi

Aufhören, wenn es am schönsten ist. Das Besteck weglegen, wenn’s am besten schmeckt. Ein Glaserl Wein nach Moserscher Manier „beißen“, womöglich noch ein zweites, aber keines mehr. – Diese Weisungen hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube, dass ich das schaffe. In meinem Kräutergarten biege ich entlang eines Beetes um die Ecke und lese ganz spontan das Schild: Echter Majoran (Origanum majorana). Jäh werde ich aus meinen genüsslichen Gedanken gerissen, denn ich stecke mir ein Blatt, das ich instinktiv von einem Majoranzweig abgezupft habe, in den Mund und kaue es. Der direkte Kontakt mit meinen Gaumensinnen zeigt mir, wie intensiv der Geschmack des beliebten Gewürzes sein kann. Aber zurück zu meinen Träumereien vom vermeintlichen Schlaraffenland. Als Kinder einer Wohlstandszeit fällt es uns nach wie vor nicht schwer, einen kulinarischen Genuss nach dem anderen zu erleben. Unbemerkt häuft sich mit der Zahl der Tage gleichsam ein Berg zu vieler Köstlichkeiten an, den wir durchaus willentlich erklimmen. Wir reden uns selbst sehr erfolgreich ein, dass es ja auf das eine üppige Mahl oder den einen oder anderen guten Tropfen nun wirklich nicht ankommt. Haben wir einmal die Spitze unseres derartig kultivierten Konsums erreicht, stellt sich womöglich das Verlangen ein, wieder den Rückweg in die Ebenen des gemäßigten Fortgangs anzutreten. Aber wie tun, wenn die Bremsen unseres leiblichen und willensmäßigen „Vehikels“ des eigenen Ichs bereits ihren Dienst quittierten? Und ein Rückweg ohne Bremsen scheint schier ausgeschlossen. Daher rate ich – durchaus im Bewusstsein, selbst zeitweise im Glashaus des eben Geschilderten zu sitzen – regelmäßig mit Kräutern eine dezent und gleichzeitig wirkkräftige Bremse einzubauen.

Der Gaumen als Regulativ:

Von Zeit zu Zeit ist es gut, vom Garten-Majoran 1 oder 2 Blättchen abzuzupfen und ganz bewusst zu kauen. Das hat mehrere Wirkungen. Der in Folge geschluckte Speichel hilft mit, dass sich im Darm die Gasbildung merklich verringert. Zudem bremst der intensive Geschmack des Majorans so manch ungesunden Heißhunger oder schädliches Verlangen nach alkoholischen Durstlöschern ein. Der Majoran ist quasi ein Pädagoge des Gaumens.

Majoran ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Das läuft ja wie geschmiert!

Den Erdrauch an die Haut heranlassen

Fahrradketten, Anhängerradachsen, Nähmaschinen und vieles andere mehr mussten anno dazumal geschmiert werden. Egal, ob es sich um dünnflüssiges Nähmaschinenöl oder um kompaktes Staufferfett handelte: alles trug zu einem reibungslosen Weiterkommen auf den Wegen und in der Arbeit bei. Sand im Getriebe bewirkt da schon das krasse Gegenteil!
Unser heutiger Gewächskumpane Echter Erdrauch (Fumaria officinalis) mag an seinen Standorten so gar nichts mit Fetten und Ölen zu tun haben. Sehr wohl darf der Boden unter ihm nährstoffreich, aber durchaus auch sandig bzw. lehmig sein. Daher entdecken wir ihn oft als florale Begleiterscheinung in der Nähe oder direkt auf landwirtschaftlich genützten Flächen. Doch verschmäht er auch Schuttwege und Mauerritzen nicht, wenn es gilt, mit den eigenen Wurzeln Halt und Überleben zu finden. Bis in den Monat Oktober hinein kann man dieses Kraut blühend antreffen, wenngleich seine Hauptsaison die meist sonnenreichen Monate Juni und Juli sind. Aus den langen Erfahrungen der Volksheilkunde weiß man, dass der Erdrauch eine breite Palette an Wirkungen aufzuweisen hat. An erster Stelle ist hier sein positiver Einfluss auf die Regulierung des Gallenflusses zu nennen. Zudem kennt man seine pulsbeschleunigenden, appetitanregenden und stuhlfördernden Kräfte, die in früheren Zeiten durch die mannigfaltigen Anwendungsweisen zum Tragen kamen. Im Umgang mit der innerlichen Verwendung des besagten Heilgewächses sei aber darauf hingewiesen, dass die aufbereiteten Drogen in den Apotheken nur gegen eine ärztliche Verschreibung bzw. Empfehlung abgegeben werden dürfen. Weniger bedenklich sind die äußerlichen gesundheitsunterstützenden Maßnahmen, die mit Hilfe des Erdrauchkrautes bei Bedarf durchgeführt werden.

Erdrauch-Öl herstellen:

In ein verschließbares breithalsiges Glasgefäß gibt man 60 g gut getrocknetes Erdrauchkraut, das zuvor in einen pulverartigen Zustand zerrieben wurde. 1/2 Liter kaltgepresstes Olivenöl darübergießen und 14 Tage lang bei Zimmertemperatur verschlossen stehen lassen. Täglich durchschütteln. Danach dem Ölansatz noch einmal 40 g Erdrauchpulver beifügen und erneut 14 Tage stehen lassen. Zum Abschluss filtrieren und in Fläschchen abfüllen. Bei Unreinheiten und Ausschlägen die Haut damit einreiben.

Erdrauch ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya