Auf die Nägel schauen

Und den Kreislauf unter die Lupe nehmen

Womit sollen wir die Gesundheit unseres Körpers vergleichen? Es ist doch so, dass wir den Leib oft genauso behandeln wie ein Auto. Wir erwarten, dass alles wie geschmiert läuft und werden erst auf die über lange Zeit verlässlichen Dienste unseres fahrbaren Untersatzes aufmerksam, wenn auf dem Armaturenbrett ein Signal aufleuchtet, das uns auf einen Missstand hinweist. Zur Not bleibt uns nichts anderes übrig, als die nächste Werkstatt aufzusuchen, damit wir danach wiederum unbeschwert die anstehenden Strecken zurücklegen können. Unser Körper hat keine digital gesteuerten Lämpchen oder Signaltöne. Gott sei Dank! Auf unsere Fingernägel schauen wir zwar regelmäßig. Grund dafür ist unsere berechtigte Sorge um ein gepflegtes Äußeres, das vor allem jenen zugutekommt, die uns begegnen. Um nicht zu eitel zu werden, sollten wir aber die äußerste Zone unserer Hände dafür zu Hilfe nehmen, um damit ein wenig die eigene Befindlichkeit unseres Organismus zu diagnostizieren. Die Fingernägel erfüllen so gesehen die Funktion eines Indikators. Leute, die vor allem unter Kreislaufstörungen zu leiden haben, brauchen sich nicht wundern, wenn ihre Nägel bläulich-rot unterlaufen sind. Ohne in Panik zu geraten, dürfen diese einmal ihre momentanen Lebensumstände hinterfragen und vielleicht das eine oder andere an Zeitmanagement oder Ernährung ändern, um wiederum „rund zu laufen“. Schwerer geht es schon, die Mitmenschen, die einem Sorgen oder gar Ärger bereiten, zu ändern. In jedem Fall kann es aber gut sein, die Heilpflanzen ein wenig mitreden zu lassen, damit wir wieder mehr Freude und Elan inmitten des Alltags empfinden und erreichen. Schließlich steht uns bei Kreislaufstörungen eine ganze grüne Brigade zur Verfügung.

Den Kreislauf ins Gleichgewicht versetzen:

Sehr einfach ist es, jeden Tag ein Zeherl Knoblauch zu essen und z. B. Rollgerste als Suppeneinlage zu verwenden. Früh und abends kann man dann je eine Tasse Tee aus folgenden Kräutern trinken: Frauenmantel (Alchemilla vulgaris), Lindenblüten (Tilia), Löwenzahnblätter (Taraxacum officinale), Thymian-Blütenspitzen (Thymus vulgaris) oder Weißdorn-Blüten-Blätter-Gemisch (Crataegus). Ruhig die Sorten abwechseln.

Knoblauch ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Die Eberesche am Waldrand

Herbstliches Angebot auch für uns

Unsere Heimat ist ein Binnenland. Wer das Meer liebt, muss einen weiten Weg auf sich nehmen, um seine Sehnsucht zu stillen. In früheren Jahrhunderten war es üblich, mit von den Riffen der See ertauchten Korallen so manch edles Kunstwerk zu schmücken und als exotische Rarität auszuweisen. Jedes Mal, wenn ich an den heimischen Ebereschen (Sorbus aucuparia) vorbeikomme und die momentan bereits reifen Früchte bestaune, werde ich aufgrund der intensiven Farbe ihrer Beeren an fern entlegene Riffs erinnert, auf denen die skelettbildenden Nesseltiere, wie z. B. die Feuerkorallen, unter dem Wasserspiegel ihre Heimat haben. Letztere mögen ihren uneingeschränkten Schutz genießen, denn um die Lebensbedingungen in den Ozeanen unseres Planeten ist es ja nicht gerade gut bestellt. Und mit den noch nicht bedrohten Ebereschenbeeren kann ich mein Zuhause schmücken, vielmehr aber noch meine Gesundheit stärken. Unabhängig davon, dass aus ihnen der delikate Vogelbeerbrand gewonnen wird, der so manches feine Abendessen auf köstliche Art ergänzen kann, besteht die Möglichkeit, die reifen und frischen Früchte der Eberesche auszupressen und den Saft in konserviertem Zustand zu nutzen. Gewiss ist dieses Getränk von herb-bitterem Geschmack. Grund dafür ist der reiche Gehalt an Gerbstoff sowie an Weinstein-, Apfel- und Bernsteinsäure. Dennoch wird uns dadurch bereits ein sinnenhaft spürbarer Hinweis gegeben, dass womöglich unsere Haut von den Vogelbeeren profitieren kann. Die Kosmetikhersteller wissen um die Vorteile des Inhaltsstoffes Sorbit, der dafür herangezogen wird, um die Haut zu straffen und zu spannen. Mit ein wenig Willen und Geschick kann man das auch selbst zu Hause ausprobieren.

Einreibemittel für die Haut:

Ebereschensaft kann mit etwas hochprozentigem Alkohol verdünnt und zusätzlich mit etwas Wasser gestreckt werden. Mehr bedarf es nicht, um ein Pflegemittel für die Haut zur Hand zu haben, das man mittels regelmäßiger Einreibungen zur Wirkung kommen lassen kann. Gerade in den kalten Perioden des Jahres ist es gut, die äußerste Schicht unseres Körpers zu stärken und in seiner stetigen Regeneration zu unterstützen.

Eberesche ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Kräuter und Wunder

Ein Blick zu alten Quellen

Wozu ist das gut? – Das ist eine Frage, die durchaus vorsichtig eingesetzt werden sollte, wenn es um wesentliche Vollzüge unserer Existenz geht. Nicht, dass sie an und für sich schlecht wäre. Aber vorschnelle und vor allem oberflächliche Antworten können verhindern, dass das Eigentliche des Sinnes zu Tage tritt. In der Kräuterkunde trifft das meiner Meinung nach auf alle Fälle zu. Vor kurzem wurde ein ganz bedeutendes Werk medizinischer Literatur in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Dabei handelt es sich um das Lorscher Arzneibuch, das Ende des 8. Jahrhunderts n. Chr. von Mönchen des einstigen karolingischen Klosters Lorsch als ein Kompendium des damaligen medizinischen Wissens zusammengefasst wurde. Dieses Buch ist wahrlich eine Fundgrube für die Erforschung der heilkundlichen Theorien und Anwendungen, wie sie im frühen Mittelalter gelehrt und praktiziert wurden. Im Duktus der darin befindlichen Texte erkennen wir, dass es den Schreibern darum ging, die jeweiligen Krankheiten nicht als unabwendbare Schicksale zu betrachten, sondern vielmehr mit der Unterstützung der Heilpflanzen praktische Nächstenliebe zu üben. Wichtig ist dabei, dass Mensch und Arznei eine Einheit bilden, die den jeweils Leidenden helfen, ihre Beeinträchtigung zu überwinden und notfalls bis zum bitteren Ende durchzustehen. Dabei werden die Kräuter überhaupt nicht als magische Wundermittel betrachtet. Auch heute, viele Jahrhunderte nach dem Lorscher Arzneibuch, meinen manche immer noch, dass Wirkstoffe, die in Pflanzen vorkommen, isoliert für sich in Anspruch genommen werden könnten, um damit allenfalls nachvollziehbare „Wunder“ zu wirken. Kräuter dienen zu vielem; gewiss aber nicht, um den Schöpfer, dem sie sich verdanken, zu ersetzen oder gar den um ihre Kräfte wissenden Menschen zur Seite zu stellen.

Der Schöpfer und die Heilkräuter:

Unlängst erschien in der St. Pöltner Kirchenzeitung „Kirche bunt“ ein Artikel über das Lorscher Arzneibuch, aus dem ich folgendes Bedenkenswerte zitieren möchte: „Denn aus drei Ursachen wird der Leib von Krankheiten befallen: aus einer Sünde, aus einer Bewährungsprobe und aus einer Leidensanfälligkeit. Nur dieser letzteren könne menschliche Heilkunst abhelfen, den anderen aber allein die Liebe der göttlichen Barmherzigkeit.“

Heilkräuterstrauß ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Urwüchsig und fruchtbar

Die Eichkätzchen schätzen den Wert der Haselnuss

Grad ging ich noch vor die Tür zu den Garagen unseres Klosters. Unterm Nussbaum am Brunnen davor waren zwei süß anzusehende schwarze Eichkätzchen damit beschäftigt, ihren Wanst mit den herabgefallenen Nüssen zu versorgen. Ein Stückchen abseits davon steht ein anderes Ziel ihrer herbstlichen Fresstouren: es ist ein Korkenzieherhaselstrauch, der meine Mitbrüder und mich jährlich mit nicht zu wenigen Früchten seiner Art beschenkt, sofern eben die angesprochenen Baumakrobaten noch etwas davon übrig lassen. Im Wald herrscht nun ebenfalls Hochbetrieb rund um die dort zahlreich wurzelnden Haselnussstauden. Seit Kindheit sind mir diese Gewächse sehr vertraut; dienten sie mir und meinen Freunden als Lieferanten so manchen praktischen Werkzeuges oder Baumaterials. Die Gemeine Hasel (Corylus avellana) kann aber mehr als nur die einstigen kindlichen Phantasien zu säumen. In der botanischen Klassifizierung wird der Strauch zu den Birkengewächsen gezählt. Sehr leicht kann man diesen Umstand im Frühjahr ablesen, wenn die männlichen Kätzchen einen untrüglichen Verweis auf ihre Verwandtschaft liefern. Seit alters her wird die Hasel aber auch als signifikante Pflanze von den Menschen geschätzt. Sie zählt daher zu den floralen Individuen des so genannten Baumkreises, den schon die Kelten benutzten, um gewisse Charaktermerkmale ihrer Mitmenschen zu skizzieren. Wer seinen Geburtstag zwischen dem 22. und 31. März bzw. dem 24. September und dem 3. Oktober feiert, gehört zu all jenen, die im Zeichen der Hasel das Licht der Welt erblicken durften. So wie die zähen und starken Äste des heimischen Gewächses gewachsen sind, so schätzen auch die Haselnuss-Menschen ihr starkes Inneres, das durchaus fähig ist, sich für andere einzusetzen und gegen Missstände jeglicher Art aufzutreten.

Haselnüsse für die Blasenregion:

Wer unter einer schwachen Blase leidet und womöglich auch zum Bettnässen neigt, hat in der Haselnuss eine gute Begleiterin. In jenem Fall empfiehlt es sich, Tag für Tag einen Esslöffel voll Haselnussschrot zu konsumieren. Männer, die täglich ein paar Haselnüsse langsam und gut kauen und schlucken, erhalten auf diese Weise nach einem Ratschlag von Hermann-Josef Weidinger eine pflanzliche Unterstützung für ihre Fruchtbarkeit.

Haselnussblüten und -frucht ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Für die Suppe und die Nächstenliebe

Die Petersilie hat’s in sich

In einem Land des Wohlstandes, wie Österreich nun einmal eines ist, bieten sich viele Gelegenheiten, um Mitbürgern, die aus verschiedensten Gründen durch den sozialen Rost gefallen sind, zu helfen. Gottlob arbeiten gerade die kirchlichen caritativen Institutionen mit einer großen Umsicht sowie mit einer kompetenten Professionalität, so dass viele davon profitieren können. Wenn ich heute über die Petersilie meine Gedanken ausbreite, so kommt womöglich manchem die Verköstigung der Obdachlosen und der Flüchtlinge mithilfe einer warmen Suppe während der kalten Jahreszeit in den Sinn. Um diese Labung für den Magen zuzubereiten, bedarf es manchmal eben auch der Petersilie. Mit Erdäpfeln lässt sich zudem das Kraut des Doldenblütlers ganz herrlich kombinieren, was ja die weniger Bedürftigen durchaus genauso zu schätzen wissen. Im Hinblick auf die Pflanzenheilkunde war es einst schon Hermann-Josef Weidinger ein Bedürfnis darauf hinzuweisen, dass es keine beliebige Meinung bedeutet, ob man mit den Kräften der Pflanzen etwas bewirken kann oder nicht. Vielmehr ist es ein Wissen um die Möglichkeiten, sich selbst einerseits etwas Gutes zu tun und andererseits geplagten Zeitgenossen einen guten Rat zur Linderung ihrer Leiden und Schmerzen geben zu können. Das heißt ganz konkret, füreinander da zu sein. Das geht natürlich nur, wenn der jeweilige Erfahrungsschatz mit einer Grundhaltung ergänzt wird, ohne der sich Hilfe kaum verwirklichen lässt: es ist die Liebe zu den Pflanzen und auf jeden Fall zu den Menschen. Was früher von Generation zu Generation faktisch und mündlich weitergegeben wurde, das darf auch heute wieder in Erinnerung gerufen werden. Und wenn es sich dabei nur um ein archaisch anmutendes Hausmittel handelt. Menschen mit großen physischen und psychischen Lasten haben z. B. oft Rückenschmerzen.

Petersilie für den Rücken:

Bei Problemen mit dem Kreuz auf der Rückseite unseres Körpers gibt es einen alten überlieferten Rat: Petersilienblätter werden ganz fein geschnitten und mit etwas Schweineschmalz abgerührt. Damit bereitet man sich eine Auflage für den schmerzenden Rücken, die über Nacht einwirken soll. Nach vielen Berichten bringt eine mehrmalige Anwendung dieser Maßnahme ein merkliches Schwinden der Beschwerden mit sich.

Petersilie mit Wurzel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Einstieg in die Kräuterkunde

Mit der Kamille beginnen

Sie ist nichts Aufregendes, kein Exot und schon gar keine Rarität. Denn wenn wir von den ersten persönlichen Erfahrungen mit Heilpflanzen sprechen, landen wir sehr schnell beim berühmten Teesackerl, das mit fein zerkleinerten Pflanzenteilen der Kamille (Matricaria chamomilla) gefüllt ist und bei Übelkeit des Magens oder bei Erkältung im Handumdrehen herangezogen wird. Dabei vertrauen viele darauf, dass der Kamillentee hilft. Und diese Haltung ist schon einmal ein guter Ansatz, um ein paar Schritte weiter zu gehen. Ich möchte an dieser Stelle das Allerweltskraut auf keinen Fall gering schätzen. Nur, weil es viele kennen und anwenden, ist es damit nicht gleichzeitig weniger wert. Aber, ich denke, es hat ein wenig mehr an Aufmerksamkeit und Interesse verdient, als eben nur einmal schnell als Feuerwehr der Gesundheit zu dienen, um dann wieder genauso eilig in der Speisekammer bzw. in den Schubladen der Kücheneinrichtung zu verschwinden. Wenn wir es bei der Kamille schon mit einem so genannten Klassiker der Naturheilkunde zu tun haben, dann dürfen wir durchaus in regelmäßigen Abständen die Beziehung zu diesem Kraut hegen und pflegen. Denn immerhin ist es uns allemal recht, wenn uns in kurzen Intervallen für Leib und Seele Wohltaten zuteil werden. Je mehr der Herbst voranschreitet, umso mehr sehnen wir uns nach der immer weniger wärmenden Sonne. Betrachten wir jedoch die Blüten der Kamillen, so entdecken wir allein schon in ihrem bloßen Äußeren kleine Sonnenscheiben mit weißen Strahlenblüten. Sich irgendwo in unseren Breiten nun in die Sonne zu legen und ihre Strahlen auf dem eigenen Bauch landen zu lassen, ist wohl kaum mehr möglich. Die Kamille hilft uns jedoch, Ähnliches zu erleben und auszukosten.

Badezusatz Kamillentee:

Eine Menge von 100 g Kamillenblüten wird mit 2 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten lang ziehen lassen und dann abseihen. In die volle Badewanne leeren und 20 Minuten im wohlig warmen Wasser bleiben. Solch ein Bad hat eine regenerierende und beruhigende Wirkung und hilft mit, den Körper zu entkrampfen. Wird diese Anwendung des Abends durchgeführt, kann man zudem mit einem guten und tiefen Schlaf rechnen.

Kamille ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Im Zeichen der Ringelblume

Die Kraft der Sonne sammeln, auskosten und weiterschenken

Wenn Tag für Tag ein paar Zeilen aus meinem Herzen, dem vorhandenen Hirn und der an der Tastatur meines Computers arbeitenden Finger an dieser Stelle zu lesen sind, so freue ich mich je neu, mit vielen Menschen in Kontakt treten zu können. Dennoch bin ich genauso wie alle anderen auch nur ein Mensch. Ich brauche Rückhalt und Unterstützung. Immer wertvoller scheint mir daher unter diesem Aspekt das Zeichen der Ringelblume (Calendula officinalis). Zum ersten ist sie das Symbol des Vereines Freunde der Heilkräuter mit Sitz in Karlstein an der Thaya. Seit 1978 wird in ununterbrochener Kontinuität und Treue das Wissen über Kräuter gesammelt, beschrieben und mittels Wort und ganz konkreten Naturprodukten an Hilfesuchende weitergegeben. Das ist ein Erbe, das sich als äußerst wertvoller Schatz herausstellt und für das die Geistlichen Pfarrer Karl Rauscher (der Gründer des Vereines starb 1979) und der allseits bekannte Prämonstratenser-Chorherr Hermann-Josef Weidinger (er erlebte am 21. März 2004 seinen Geburtstag für den Himmel) verantwortlich zeichnen. Dass meine Wenigkeit nun den Staffellauf für die Gesundheit an Leib und Seele fortsetzen darf, ist Auftrag und Gnade zugleich. Um Kraft zu schöpfen, blicke ich ganz bewusst auf die offene Blüte einer Ringelblume. Sie kann man getrost mit einer kleinen Sonne vergleichen. Immerhin ist sie imstande, sich unter den offenen Himmel zu stellen, ohne Schaden dadurch zu erleiden. Sie sammelt vielmehr alle Strahlen des wärmenden Himmelskörpers, um sie in ihr ganzes Wesen einzuspeichern. Wer auf die Ringelblume zurückgreift, kann so auf indirektem Weg die Energie der Sonne für sich selbst zunutze machen. Fast möchte man meinen, die goldgelbe Blume ermöglicht etwas Ähnliches wie eine Lichttherapie, die schwermütige Menschen erfolgreich in Anspruch nehmen. Das Licht der Ringelblume dringt selbst in das Innere des Organismus vor, wenn die Pflanzenteile dementsprechend aufbereitet werden.

Falls der Magen eine Baustelle ist:

Getrocknete Ringelblumen-Blütenblätter in der Menge von 2 Teelöffeln mit ca. 1 Tasse (1/4 Liter) kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Dann ungesüßt schluckweise trinken, um den Magen zu beruhigen und gleichzeitig Leber und Galle zu unterstützen. Dieser Aufguss treibt auch den Schweiß bei fiebrigen Erkrankungen und hilft zudem bei Durchfall.

Ringelblumenblüte mit Tautropfen ⓒ Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Beim Jucken der Haut ruhig bleiben

Den Alant das Kratzen ersetzen lassen

Der schwarze kastrierte Kater der Nachbarn des Pfarrhofes in Harth ist mittlerweile mein guter Freund. Egal, ob er zeitig in der Früh über die Mauer klettert und gelaufen kommt, wenn ich in den Garten gehe, um den Gänsestall zu öffnen oder ob ich abends noch ein wenig im Hof neben der Kirche verweile, um die Zeit zu genießen: er erhält jedes Mal eine kräftige Portion Streicheleinheiten. Er genießt es förmlich, gegrault und massiert zu werden und er hat auch nichts dagegen, fahren einmal meine Finger kräftiger durch sein Rückenfell. Dort, wo auf dem Beet der Alant (Inula helenium) wächst, zeigt er seinen Dank für die Freundschaftserweise meinerseits, indem er den Mäusen erfolgreich an den Leib rückt. Selbst im Stall erfüllt er seine katzenmäßigen Polizeiaufgaben. Übrigens: beim Alant werde ich zeitweise auch an das Fell einer Katze erinnert, da die Unterseite der Blätter des Korbblütlers filzig behaart ist. Es gibt Situationen, in denen wir uns in unserer eigenen Haut durchaus nicht so wohl fühlen wie mein Nachbarkater Blacky. Weil es an mehreren Stellen beißt und juckt, möchten wir daher nicht so sehr gestreichelt und massiert, als vielmehr auf erlösende Art und Weise gekratzt werden. Nun, ein derartiges Unterfangen hat bald seine Grenzen. Zudem schadet es der Struktur unserer Haut, die eben nur einem gewissen Pensum an Reibung standhält. Und was nützt es dann, wenn trotz eines heftigen Kratzens der Juckreiz wiederkehrt? Die Mahnungen unserer Eltern aus Kindertagen gilt auch im Erwachsenenalter: Wenn es juckt, nicht mit den Fingernägeln die Haut beackern! Der Alant hat anscheinend Verständnis für unsere Situation und stellt uns seine Kraft zur Verfügung.

Alantwurzel-Tee für die Haut:

Bei Haut- und Altersjucken kann man auf die Hilfe des Alants zurückgreifen. 20 g zerkleinerter Wurzel werden in 1/2 Liter Wasser über Nacht angesetzt. Am Morgen gut erwärmen, aber nicht kochen. Kurz ziehen lassen und abseihen. Die Hälfte des Tees wird getrunken und mit dem Rest reibt man die juckenden Stellen auf der Haut ein, damit sich eine Linderung des lästigen Umstandes einstellen kann.

Alant ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Ins Gesicht schauen können

Mit dem Schwarzkümmel dafür etwas tun

„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“ – So wird Ingeborg Bachmann auf ihrem eigenen Grabstein in Klagenfurt zitiert. Diese nachdenklich stimmende Behauptung verdient im Laufe unseres Lebens wahrscheinlich sehr oft das Ernstnehmen und das Überdenken. Mit Pontius Pilatus dürfen wir gleichzeitig fragen: Was ist Wahrheit? Der Platz hier in der Zeitung ist für das Philosophieren zu eng bemessen. Drum schwenke ich gedanklich hinüber zum Schwarzkümmel und lade zu einer praktischen Übung ein. Das erste ist es, ein Bild der Blüte und der feinen Blätter des Schwarzkümmels herzunehmen und über die Schönheit der vielfältigen Schöpfung Gottes zu staunen. Keiner wird bestreiten, dass es sich bei diesem Hahnenfußgewächs (lediglich die Samenkörner erinnern an den Doldenblütler Kümmel) um ein äußerst adrettes Pflänzlein handelt. Die Kunst der Mode und der Kosmetik müsste sich schon sehr anstrengen, um Ähnliches zu erreichen. Und dennoch ist es gut, dass wir als Menschen auf Erden leben dürfen. Der zweite Schritt also besteht darin, dass jeder sich selbst vor den Spiegel stellt und eine Weile betrachtet. Und wer es als Ermutigung braucht, der möge sich den eingangs zitierten Satz Ingeborg Bachmanns in Erinnerung rufen. Denn ist es nicht so, dass wir uns unzählige Male ohne Rücksicht den anderen in unserer unmittelbaren Umgebung zumuten, uns selbst aber gegenüber tun wir das nicht? Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: es soll hier keineswegs für egozentrischen Narzissmus die Werbetrommel gerührt werden! Nein, sondern einfach sich selber stellen. Nicht so, wie man gerne sein würde, sondern so, wie man ist. Ein Spiegel kann sich hierbei fast zu einem Instrument der Buße und der Demut wandeln. Oder man kommt einfach drauf, dass die Gesichtshaut wieder eine natürliche Unterstützung verdient hätte.

Einreibemittel zur Hautpflege:

In 1/2 Liter 75%-igen Alkohols werden 50 g zerstoßene Schwarzkümmelsamen (Nigella sativa) in einer weithalsigen und verschließbaren Flasche angesetzt. 14 Tage im Zimmer am sonnigen Fensterbrett stehen lassen und täglich einmal durchschütteln. Nach 2 Wochen abseihen und mit destilliertem Wasser auf 20 % Alkoholgehalt abstimmen. Diese Tinktur eignet sich gut zum Einreiben und Reinigen der Gesichtshaut, kann aber auch am ganzen Körper verwendet werden. Bei Austrocknungstendenzen mit Körperlotion dezent nachmassieren.

Schwarzkümmel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Aussaat im eigenen Zimmer

Mit Weizenkeimlingen in den Tag starten

Die Felder sind größtenteils abgeerntet. Dort, wo in diesem Jahr der Regen meinte, länger und öfter mitreden zu müssen, war dies gebietsweise nur schwer möglich. Dennoch ist die Getreideernte wohl oder übel vorüber. Die Felder kommen jedoch bloß kurz zur Ruhe. Je nach landwirtschaftlicher Arbeitsweise geht es nun daran, das Erdreich aufzubereiten und eine Gründüngung auszusäen. Oder es wird schon die so genannte Winterfrucht angebaut. Der Weizen, der bereits in die Lagerstätten eingebracht wurde, steht uns jetzt als wertvolle Nahrungsgrundlage zur Verfügung. Auch wer keinen Acker besitzt, kann das Korn zum Keimen bringen. Dazu gibt es zahlreiche Anleitungen in einschlägigen Büchern und im Internet. Spaßhalber möchte ich hier feststellen, dass wir als Menschen nicht fähig sind, den trockenen und harten Weizen zu essen, um diesen gewinnbringend zu verdauen. Da tun sich die Hühner wesentlich leichter, wie wir alle wissen. Und trotzdem gibt es einen Weg, den Weizen so aufzubereiten, damit sich im Magen kein Klumpen einer äußerst schwer verdaulichen Materie bildet. Man muss die Körner einfach nur dazu bringen, sich von selbst zu öffnen und mit Hilfe von Wasser weich und genießbar zu werden. In den eigenen vier Wänden ist das durchaus möglich. Die Wahl der jeweiligen Technik bleibt jedem selbst überlassen, um den Weizen zum Keimen zu bringen. In Kombination mit anderen Früchten kann man in regelmäßigen Abständen gekeimtes Getreide als Zusatzkost zum alltäglichen Einerlei heranziehen, um den Körper sowie auch den Geist vital und fit zu erhalten. Gerade dann, wenn ein keimender Same sich gleichsam entäußert, sind uns die darin liegenden Kräfte am ehesten zugänglich.

Leichte Kost für „geistige Schwerarbeiter“:

Am Abend werden 5 getrocknete und entkernte Marillen und gleich viele Zwetschken in 1/2 Liter kaltes Wasser gelegt. Am Morgen die Früchte abseihen und die so gewonnene Flüssigkeit auf nüchternen Magen trinken. Das eigeweichte Obst wird fein zerhackt und zusammen mit 2 Esslöffeln Weizenkeimlingen, 1 Esslöffel Honig und 1 Esslöffel gemahlener Walnüsse abgemischt. 1/2 Stunde stehen lassen und mit 2 Stück Zwieback oder Knäckebrot essen. Das fördert den Stuhlgang und verlangt vom Magen keine unnötige Anstrengung.

Weizenkeimlinge ⓒ espro-sprossen.ch