Neubeginn und Hoffnung

Die Chance der ersten Stunden

Allen wünsche ich vorab eine gesegnete Zeit im Neuen Jahr, sowie Gesundheit und ein starkes Herz mit einem guten Charakter! Wenn heute die spätgotische Figur Mariens vom Hochaltar der Pfarrkirche Oberhöflein nahe Geras im Bild zu sehen ist, dann sei dies ein Verweis darauf, dass die römisch-katholische Kirche am 1. Jänner alljährlich das Hochfest der Gottesmutter Maria feiert. Ursprünglich wurde an diesem Tag der Beschneidung Jesu im Tempel und somit auch seiner Namengebung gedacht. Wenn Maria den uns in der Weihnachtszeit so vertrauten Jesusknaben entgegenhält, dann tut sie das in Verantwortung als Mutter des Herrn und Mutter der Glaubenden. Schaut euch das Zeichen der Hoffnung und des Neubeginns an! So ruft sie uns gleichsam entgegen. Bei allem „Prosit!“ und „Guten Rutsch!“ ist mir dieses Bild allemal noch lieber. Denn die Darstellung einer Mutter mit ihrem Kind verheißt Leben und Treue. Wie viele wünschen sich oft einen Neubeginn in ihrem Leben!? Heute ist uns ein ganz neuer Tag geschenkt, dem in diesem Jahr wiederum viele folgen werden. Es gibt so viele Gründe, um Hoffnung zu schöpfen und frohen Mutes das anzunehmen, was die Zukunft mir bringen und auf die eine oder andere Weise auch zumuten wird. Maria ist die große Fürsprecherin der neuen Zeit, der wir alle ans Herz gewachsen sind.

Lebenskraft:

Vielleicht kann ein Motto aus dem Mund von Hermann-Josef Weidinger die ersten Schritte ins Neue Jahr erleichtern: „Leben ist Gegenwart. Erfahrung ist unersetzbar. Verwandlung findet im Herzen statt. Nur wenn Seele, Geist, Körper und Umwelt ein Ganzes werden, tut sich Hoffnung, tut sich Zukunft als ein Tor auf.“

Oberhöfleiner Madonna

Mehr Infos zum Verein Freunde der Heilkräuter, Rezepten und Produkten finden Sie auf www.kraeuterpfarrer.at.

Eine gute Atmosphäre herstellen

Mit der Goldmelisse das Herz öffnen

Der heilige Augustinus (354 – 430) wird in der Ikonographie oft mit einem brennenden Herzen dargestellt. Meist hält er dieses sogar selbst in der Hand. Symbolhaft kommt dadurch die Sehnsucht des Gottesmannes zum Ausdruck, die er zeit seines Lebens nach Gott gespürt hat. Zudem hat er all das, was sich in seinem Herzen gleichsam abgespielt hat, aufgeschrieben und uns Heutigen dadurch zugänglich gemacht. Das kann die eine oder den anderen vielleicht auch dazu motivieren, sprichwörtlich sein eigenes Herz in die Hand zu nehmen und zu öffnen. Hermann-Josef Weidinger hat es einmal meiner Meinung nach ganz treffend formuliert, als er schrieb: „Das Leben des Lebens ist und bleibt die Liebe. Lieben ist ein Ver-Schenken. Ein Her-Geben. Ein Glücklich-Sein durch Geben-Dürfen. Kurz gefasst: Dienst am anderen. Es tut auch dem Physischen, dem Leiblichen gut, erhebt und adelt es.“ Ja, und welche Pflanze steht mir dann zur Seite, um mein Herz liebevoll anzusehen und zu pflegen? Es ist die Goldmelisse (Monarda dydima), die auch aufgrund ihrer Herkunft Indianernessel genannt wird. Die Blüten dieses Heilkrauts lassen sich bei voller Entfaltung trocknen und zur Gewinnung eines Tees verwenden, der mit seiner goldgelben Farbe auch das Auge erfreut. Hat jemand die Goldmelisse im Garten gepflanzt, schätzen das ebenfalls die Bienen aus der Nachbarschaft.

Monardenwein selbst gemacht:

Frische Blütenblätter der Goldmelisse (= Monarde) in einer Menge von 45 g werden mit 1 Liter Rotwein übergossen und 8 Tage in die Sonne gestellt. Danach abseihen und lichtgeschützt im Kühlen lagern. Ab und zu ein Stamperl davon getrunken, fördert das die Herzenswärme und unterstützt die vielleicht gar sehr verborgene Güte im Innern des Genießers.

Goldmelisse mit Schmetterlingen

Ein gutes Frühstück ist was wert

Nicht minder ein guter Gedanke für den neuen Tag

„Solange ich atme, hoffe ich auch!“ – so schrieb es einst Kräuterpfarrer Hermann-Josef Weidinger in eines seiner Bücher. Ich weiß ja nicht, lieber Leser, liebe Leserin, wie Sie heute aufgestanden sind. Aber haben Sie schon einen guten Gedanken gehabt? Oder mussten Sie sich vielleicht etwa gar ärgern? Ich wünsche Ihnen jedenfalls ganz aufrichtig, dass Sie sich schon Zeit für sich selbst nehmen konnten. Das kann sogar darin bestehen, dass Sie die Zeitung in der Hand halten und eben meine Zeilen durchlesen. Ja, eine gute Morgenkultur ist schon was wert! Nicht nur am Sonntag; jeder Tag darf bewusst begonnen werden. Der eingangs zitierte Satz ist dem Buch „Guter Morgentipp vom Kräuterpfarrer“ entnommen. Dieses Sammelwerk an Betrachtungen, Gebeten, Hausmitteln und Rezepten ist in einer Weise abgefasst, durch die sich jeder etwas rausnehmen kann. Für alle Tage des Jahres ist dieser immerwährende Kalender mit einer Fülle an Wissen und Anregungen bestückt, wo für jeden etwas dabei ist. Jetzt, wo sich das Jahr zu Ende neigt, ist es ja nicht das Schlechteste, schon einmal einen Vorrat an Wegweisung und Weisheit für das Neue Jahr anzulegen. Ich wünsche Ihnen von Herzen einen „Guten Morgen!“, ein gutes Frühstück und einen gesegneten Sonntag, der nicht ohne Bedachtsamkeit, ohne Selbstachtung und nicht ohne Genuss in den Montag hinüber schwappen soll. Andernfalls stimmte Weidingers Erinnerung in seinem Buch „Wenn ich mich selber achten würde.“

Ein Buch für Jung und Alt:

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Und warum nicht die Mühe schätzen, die ein Kräuterpfarrer einst aufbrachte, um einen bleibenden Wert zu schaffen? So ist es nur gut und recht, auf ein Buch zurückzugreifen, das auch in den Zeiten des Internets weder an Aktualität noch an Gültigkeit etwas verloren hat. Gerade vor Weihnachten darf an ein Geschenk gedacht werden, mit dem man bestimmt keinen Fehlgriff macht. Hermann-Josef Weidingers „Guter Morgentipp“ ist ab sofort zum Sonderpreis von € 19,90 (statt € 26,50) beim Verein Freunde der Heilkräuter in Karlstein an der Thaya zu beziehen (www.kraeuterpfarrer.at).

Guter Morgentipp vom Kräuterpfarrer

Wenn die Nebel das Land befeuchten

Dann selber drinnen schwitzen

Wir befinden uns im Übergang vom Sommer in den Winter. Der Herbst steht dazwischen und zeichnet sich durch eindeutige Merkmale aus. Nicht nur, dass die Tage kürzer und die Temperaturen niedriger werden. In die bunt gefärbten Wälder, die noch das letzte Laub auf den Bäumen halten, senkt sich der Nebel. Vielleicht drückt diese Zeit auch auf unser Gemüt. Das Schlechteste wäre es, nun vermehrt Trübsal zu blasen und die Hoffnung auf bessere Zeiten ad acta zu legen. Da ist es doch schon besser, in den eigenen vier Wänden nach Möglichkeiten zu suchen, um mir selbst etwas Gutes zu tun und das Wohlbefinden meines Körpers zu ermöglichen. Der Kluge hat vorgebaut und sich einen kleinen Schatz in Form von getrockneten Kräutern und Blüten den Sommer über angelegt. Hat man selbst nichts zu Hause, helfen Freunde sicher gerne aus. Wenn also das neblige Wetter die Luftfeuchtigkeit ums Haus herum erhöht, ist das für mich ein Hinweis, dass ich selbst ein wenig ins Schwitzen kommen darf. Am Abend, dann wenn ich die Wohnung nicht mehr verlasse, ist die beste Zeit dafür. Die Lindenblüten eignen sich hervorragend, um mitzuhelfen, das Blut zu reinigen, die Nerven zu stärken und die Herztätigkeit anzuregen. Wer also ein gesundes Herz hat, kann sich am Abend einen Tee zustellen und eine Schale voller Genuss trinken. Der Winter kommt bestimmt und dann soll ich selbst samt meinem Körper gewappnet sein.

Lindenblüten mit anderen Kräutern kombinieren:

Hermann-Josef Weidinger hat einst eine gute Mischung für die Herbstabende zusammengesetzt. Diese besteht aus 80 g Lindenblüten, 60 g Holunderblüten, 40 g Kamillenblüten und 20 g Waldmeister. Davon nimmt man 2 Teelöffel und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten ziehen lassen, abseihen und schluckweise trinken.

Lindenblüten

Vor dem Winter wächst das Fell

Ein Grund, um uns ums Haar zu kümmern

Mit Haut und Haar! – Alles, was unseren Körper umgibt und schützt, ist wertvoll. Es bezeichnet sozusagen das Ganze, weil wir uns damit mehr oder weniger sehen lassen können. So dient unsere Eitelkeit, die wir im rechten Maße auch pflegen und gleichzeitig damit beherrschen sollen, dafür, dass wir gut miteinander kommunizieren können. Denn wir tun uns ja verständlicherweise auch schwer mit Menschen, die ungepflegt sind. Es darf uns also ruhig etwas wert sein, ein wenig auf unsere äußere Schicht zu schauen. Die felltragenden Tiere haben hierin einen Vorteil, weil sie der Jahreszeit entsprechend ihr Fell jeweils komplett wechseln können. Aufgrund der kulturellen Errungenschaft menschlicher Kleidung haben Haare zum Schutz des Körpers und zur Regelung der Temperatur schon lange an Bedeutung verloren. Dennoch darf der verbliebene Rest vor allem im Bereich unseres Haupts eine liebende Sorge erfahren. Wenn auch die Kosmetikindustrie einiges an Wohltaten für unser Haar bereit hat, dürfen wir ebenfalls die verborgenen Essenzen in Form der Inhaltsstoffe vieler Heilkräuter für unser Äußeres zu Hilfe nehmen. Hier ein konkretes Beispiel:

Kapuzinerkressen-Salat:

Frisches Kraut der Kapuzinerkresse wird zu einem Salat zubereitet, den man je nach Geschmack mit einem bekömmlichen Dressing anrichtet. Regelmäßig genossen, wirkt das über die Verdauung auf die Haarwurzeln und verstärkt so den Haarwuchs. Leute mit einem empfindlichen Magen sollten dem Salat reichlich Öl beigeben, damit die Schleimhäute von Darm und Magen nicht zu sehr gereizt werden.

Kapuzinerkresse

Frühlingsblumen mitten im Herbst

Pflanzen an ihrem Aussehen wiedererkennen

Geht es Ihnen, werte Leserin und werter Leser dieser Zeilen, nicht auch manchmal so, dass Sie meinen, ein Gesicht in Ihrem Leben schon einmal gesehen zu haben? Beim Nachfragen stellt sich dann meistens ohnehin heraus, ob Ihre Vermutung einen realen Grund in einer früheren Begegnung hat oder ob Sie sich einfach getäuscht haben. Beim Betrachten der Pflanzen verhält es sich sehr ähnlich. So brauchen wir, um das eine oder andere Gewächs bestimmen und bezeichnen zu können, die Bilder, die uns zu einer endgültigen Gewissheit verhelfen. Heute wäre ein Mann genau 70 Jahre alt geworden, der mit seinen liebevollen und detailidenten Zeichnungen und Gemälden von Heilpflanzen mithalf, dass unzählige Menschen auf der Suche nach Kräutern auch fündig wurden. Seine Pflanzendarstellungen gehörten einfach wie selbstverständlich zum schriftstellerischen Wirken von Hermann-Josef Weidinger dazu. Leider verstarb Adolf Blaim im selben Jahr, als auch Hermann-Josef Weidinger 2004 das Zeitliche segnete. Die Bilder von Maler Blaim sind aber ein bleibendes Erbe und dürfen so viele, die unsere Kolumne in dieser Zeitung schätzen, auch in Hinkunft begleiten. Lieber Herr Adolf Blaim, ein Dankeschön in die Ewigkeit hinein! Oft sind es eben die Künstler, die uns mit ihren Werken unterstützen, die wunderbaren Spuren des Schöpfers auf Erden zu erkennen.

Die Details nicht übersehen:

Die Pflege unserer ganzheitlichen Gesundheit braucht Zeit. Diese hierfür verwendeten Minuten und Stunden sind sehr wertvoll. Es steht einem jeden Menschen schlicht und einfach zu, auf die gute Verfasstheit sowohl seiner Physis als auch seiner Psyche zu achten. Wer also Pflanzen kennenlernen möchte, nehme sich Zeit, um ihre farblichen und gestaltlichen Feinheiten zu sehen und sich einzuprägen. Dabei fällt automatisch auch eine Phase der Ruhe für den Betroffenen ab, die uns erneut Kraft geben kann.

Frühlingsstrauß von Adolf Blaim