Geheimnisvoller Strauch

Schnee und Eis hindern ihn nicht am Blühen

Wer will heute noch aufbrechen in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten? Ich denke, eine romantische Betrachtungsweise der nördlichen Hälfte des amerikanischen Kontinents ist längst passe. Unlängst fragte ich bei einer meiner Predigten die vor mir sitzenden Kinder, ob sie den wüssten, was Indianer sind, worauf ich nur Kopfschütteln und Achselzucken erntete. Nach Cowboys wagte ich mich daraufhin nicht mehr zu erkundigen. Ich hoffe, Karl May dreht sich nicht im Grabe um, wenn er heute im Jenseits eine Kronenzeitung aufschlägt und diese Zeilen liest.

In unseren Gärten und Parks finden sich aber schon lange Einwanderer aus dem Westen. Dazu zählt unter anderem auch die Virginische Zaubernuss (Hamamelis virginiana), die in ihrer Gestalt und in ihrer Belaubung sehr an unsere heimische Haselnuss erinnert. Es gibt in der botanischen Skala eine eigene Familie der Zaubernussgewächse, deren Arten sowohl in Nordamerika als auch im östlichen Asien vorkommen. Hat ein Strauch, der in einem Garten gepflanzt wurde, einmal die dementsprechende Größe erreicht, dann überrascht er das wache Auge in milden Wintern oft schon im Jänner mit seinen gelben bzw. je nach Art auch rötlich gefärbten Fadenblüten. Ja, eine Nuss, die schon im Winter blüht, bildet durchaus eine Ausnahme zu all ihren Gefährten, die sich noch bis in den Frühling hinein Zeit lassen.

Medizinische Verwendung:

Wer mit den Blutgefäßen und im speziellen mit den Venen Probleme hat, der kann sich in unseren Apotheken nach Produkten erkundigen, in denen die Inhaltsstoffe der Zaubernuss (= Hamamelis) verarbeitet sind. Dabei handelt es sich nicht nur um homöopathische Erzeugnisse, sondern auch um Salben und Tinkturen. In jedem Fall soll vorher der eigene Arzt zu Rate gezogen werden, um die dementsprechende Therapie anleiten zu können.

Ein heilender Klassiker

Die Kamille begleitet behutsam

Mittlerweile sind die Gärten wiederum ausgeräumt und die Beete schauen mit einer schutzlosen Erdschicht zum Himmel. Der Winter soll nun das Seine tun, damit im Frühjahr erneut die Pflanzen unserer Wahl heranwachsen und gedeihen können. Doch was kann ich im nächsten Jahr aussäen, um auch Heilkräuter an meiner Seite zu haben? Da hätte ich einen guten Tipp: Vergessen Sie auf die Echte Kamille (Matricaria chamomilla) nicht. Die Auspflanzung dieses beliebten und bekannten Heilkrauts ist sehr einfach. Hat man sie einmal angesät, so sorgt sie Jahr für Jahr selber dafür, dass es rundherum Nachkommen gibt. Sollten die kleinen Kamillenpflänzchen dort aufgehen, wo man sie nicht haben möchte, kann man sie im zeitigen Frühling ausgraben und versetzen. Natürlich ist es sehr bequem, die im Handel erhältlichen Teebeutel mit Kamillendroge zur Hand zu nehmen. Von einer anderen Qualität ist es aber, wenn man selbst den prominenten Korbblütler zieht und erntet. Will man die Blüten der Echten Kamille lagern, soll darauf geachtet werden, dass die Droge ganz durchgetrocknet ist. Andernfalls leiden der Geschmack und die Wirkung. Durch die ätherischen Öle der Kamille profitiert der Organismus in allen heilenden Prozessen.

Kamillenöl selbst gemacht:

In einem Verhältnis von einem Teil Kamillenblüten und 4 Teilen kaltgepresstem Olivenöl wird beides zusammen in einem weithalsigen Glas angesetzt. Gut verschlossen bleibt es 14 Tage lang in einem warmen Raum abseits der prallen Sonne stehen. Danach wird das Öl durch ein Leinentuch abgeseiht und der Blütenrückstand ausgepresst. Dieses Öl wirkt krampflösend und stillt innere Schmerzen. Den Bauch der Kleinkinder kann man damit einreiben, wenn sie unter Blähungen leiden.

Kamille

Die letzten Chancen nutzen

Den Magen direkt aus dem Garten beschicken

Als ich vor kurzem durch das Marchfeld fuhr, musste ich mich samt meinem Auto ein wenig gedulden, ehe ich einen Traktor, auf dessen Anhänger Kisten voller Karotten gestapelt waren, überholen konnte. Während ich so hinterdrein fuhr, purzelte eine frische orangegelbe Wurzel auf die Straße. Da hinter mir noch mehrere Verkehrsteilnehmer eine kleine Kolonne bildeten, war es mir unmöglich, anzuhalten. Im Nachhinein möchte ich aber diese kleine Begebenheit als Einladung an alle meine Leser weitergeben, die nun im Herbst vielleicht schon daran denken, wie sie wohl den Winter gesund überstehen werden können. Jetzt gibt es mancherorts nämlich noch die Möglichkeit, das letzte Obst, das an den Bäumen hängt und das restliche Gemüse, das sich im Beet befindet, direkt dem Verzehr zuzuführen. Warum immer auf einen „Zwischenhändler“ warten? In den letzten Herbsttagen kann ruhig das Motto gelten: Iss dich gesund, direkt von der Hand in den Mund! Vielleicht entdecken wir dabei unseren eigenen Garten als ein kleines Stück Schlaraffenland, wo uns die Früchte gleichsam vor der Nase hängen und wir uns selbst etwas Gutes tun können, indem wir gleich vom Baum weg so manche gesunde Köstlichkeit genießen. Es ist doch wirklich jammerschade, wenn man zusehen muss, wie viel Obst in unseren Gärten ungenützt verdirbt. Sparsamkeit bedeutet für mich auch, so manch ungenutzte Ressource in der Natur zu nutzen, die uns wieder ein Stück weiterhilft.

Die Natur hat den Tisch reich gedeckt:

Wenn mich jemand fragt, wozu das gut sein soll, wenn man viel frisches und schadstofffreies Obst und Gemüse konsumiert, gibt es eine eindeutige Antwort: der Körper benötigt einige Reserven an Vitaminen und Mineralsalzen, die dann vonnöten sind, wenn das Immunsystem einwandfrei arbeiten soll, um uns die eine oder andere Krankheit im wahrsten Sinne des Wortes vom Leibe zu halten. Frisches Obst und Gemüse liefert diese wichtigen Inhaltsstoffe zusammen mit den für Magen und Darm so wertvollen Ballaststoffen.

Karotten