Ausgewogenheit ernten

Die Fichten haben heilsame Nadeln

Die Bedachtnahme auf vorhandene Rohstoffe bezieht sich meist auf mineralische Materialien und fossile Energiequellen. Dabei sollte man in dieser Hinsicht aber nicht die pflanzlichen Ressourcen übersehen, die uns hierzulande schlicht im Holz in großem Ausmaß zur Verfügung stehen. Betrachten wir unsere Wälder, so wird es manchem Forstmann die Stirn in Runzeln legen, bleibt doch das stets wärmer werdende Klima nicht ohne Folgen für die ihm anvertrauten Baumflächen. So muss sich im Flachland vor allem die Fichte (Picea abies) vermehrt den Herausforderungen stellen, wenn z. B. aufgrund mangelnder Niederschläge der Borkenkäfer ein leichtes Spiel hat. Egal, ob man in einem Wald viel oder wenig Fichten vorfindet: ein Spaziergang darin rentiert sich immer. Einerseits zeigt sich uns dort so etwas wie eine natürliche Geborgenheit, die auch von der Tierwelt in Anspruch genommen wird, andererseits kommt zudem unsere Lunge auf ihre Rechnung. Die frisch von den Bäumen bereitgestellte aromatische Luft lässt den Organismus nach einem arbeitsreichen Tag z. B. wieder ein ausgewogenes Gleichgewicht erlangen. Dieser Effekt steckt aber auch direkt in den Wuchsteilen der Nadelbäume drinnen. Der Anteil an Terpenen und ätherischem Öl tut das Seine, um unserer Physis eine Unterstützung zu gewährleisten, die wir einfach öfter als notwendig brach liegen lassen. Dabei ist es doch relativ einfach, das Gesundheitsfördernde der Waldnatur abzurufen, um damit uns selbst etwas Gutes zu tun. Das ist zudem von den Jahreszeiten unabhängig.

Fichtennadel-Bad

Zu jeder Zeit können Fichtennadeln von den Bäumen geerntet und getrocknet werden. Davon nimmt man 150 g und kocht sie in 2 Liter Wasser gut auf. Danach abseihen und dem Badewasser beigeben. Durch das Erwärmen verdampfen die ätherischen Öle der Fichte und wirken sich mittels unserer Atmung und der Haut schleimlösend und stoffwechselanregend auf unseren Körper aus. Zudem ist die beruhigende Wirkung eines Fichtennadel-Bades nicht zu unterschätzen.

Fichtenzweig und Fichtenzapfen ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Flüssiges Fasten

Apfelsaft verstärkt einsetzen

Kehrtwende im Essen und im Denken! Das ist leichter gesagt als getan. Vielleicht hat man schon viele Versuche gestartet, die wieder im alten Schlendrian endeten, da man sich vorgenommen hat, mehr auf die Gesundheit zu achten. Ein Argument, am Tisch samt dem guten Essen kürzer zu treten, liefert ja ohnehin der Körper selbst: nämlich immer dann, wenn es uns auf irgendeine Art und Weise schlecht geht, verringert sich automatisch auch der Appetit. So soll heute am Aschermittwoch der Apfel das Sagen haben. In den kirchlichen Geboten der verschiedenen christlichen Konfessionen ist das Fasten ein fixer Bestandteil. Aus den vielen medizinischen Studien zum Thema Fasten weiß man überdies, dass ein Aussetzen der festen Nahrungsaufnahme immer eine gewisse Reinigung und Klärung des “Gesamtprojektes” Mensch mit sich bringt. Das trifft ebenfalls zu, wenn man sich mit Obst ernährt bzw. mit dem, was daraus zu machen ist. Beim Apfel liegt es nahe, diese herrlichen und wertvollen Früchte zu pressen. Auf verschiedene Weise wird das flüssige Produkt haltbar gemacht, sodass man es auch jetzt durchaus genießen kann. Um zu fasten, muss man sich nicht unbedingt zu einem extra dafür bereitgestellten Kurs zurückziehen, so lobenswert dies auch ist. Vieles an Beruf und häuslicher Verpflichtung versagt es einem oft, aus dem gewöhnlichen Alltag von heute auf morgen auszusteigen. Aber mit dem Apfelsaft hat man ein gutes Hausmittel zur Stelle, das einem in Sachen Gesundheit weiterhilft. Hermann-Josef Weidinger, dessen 100. Geburtstag wir ja heuer besonders bedenken, hat einmal gemeint: “Vernünftig fasten geht nie daneben.”

Apfelsaft als Tagesgetränk

Möglichst frischer oder gut aufbereiteter Apfelsaft in Form von Süßmost kann bewusst für die Entgiftung des Körpers eingesetzt werden. Über den Tag verteilt trinkt man davon 3mal jeweils 1/4 Liter, so dass man abends eine aufgenommene Menge von 3/4 Liter Apfelsaft resümieren kann. Das wirkt begleitend und vorbeugend in Sachen Verdauungs-, Gallen- und Leberstörungen, bei Magen- und Darmproblemen. Unterstützt ebenso ein häusliches Teilfasten.

Äpfel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Gegen die Erschöpfung

Ein wenig Rosmarin verkosten

Auszeit für die Vernunft – so könnte man den heutigen Tag bezeichnen, mit dem der Fasching mit Masken, Konfetti und so manch ausgelassenem Trubel zu Ende geht. Hat man noch einmal die Gelegenheit, auszugehen und sich im Kreis der Freunde zu unterhalten, so sollte man dies ruhig tun. Das Thema Wachsamkeit spielt dabei eine wichtige Rolle, weil man ganz pragmatisch betrachtet nicht mitten in der frohen Runde einschlafen sollte. Dazu braucht man die nötige Energie und vor allem die vorhandene Frische. Im Rosmarin (Rosmarinus officinalis) dürfen wir ein Gewächs vorfinden, das gut zum Fasching passt. Der “gebürtige” Südländer aus der Familie der Lippenblütler liebt die Sonne und ist wie die Menschen rund um das Mittelmeer ein heiterer und lebenslustiger Geselle. Er speichert überdies die Energie für uns, damit wir sie gerade dann verwerten können, wenn es gilt, aufgrund fortgeschrittener Stunde den Organismus und den Geist munter zu halten. Dies geschieht vor allem dadurch, dass unser Blut gut zirkuliert und alle Organe und das Gehirn gut mit Sauerstoff versorgt. Dieser Effekt kann natürlich auch zu anderen Gelegenheiten genutzt werden. Bevor wir uns mit manch fraglicher Substanz oder einem nicht unbedingt gesundheitsfördernden Getränk aufputschen, sollte man eher dem Rosmarin den Vorrang einräumen. Gewiss sagt einem der Hausverstand, dass man den Rosmarin jedoch eher meiden soll, wenn man Ruhe und einen tiefen und ausgewogenen Schlaf sucht. Dafür stehen dann andere Kräuter parat. Und die Wachsamkeit ist durchaus eine Tugend, die in der kommenden Fastenzeit von einem ganz anderen Blickwinkel aus betrachtet werden wird. Ich wünsche allen noch einen frohen und vor allem heiteren Ausklang des Faschings!

Rosmarin-Tee belebt

1 1/2 Teelöffel voller Rosmarinblätter werden mit 1/4 Liter kaltem Wasser übergossen. Beides zusammen am Herd bis zum Sieden erhitzen, bald wieder von der Platte nehmen und abseihen. Ist jemand vermehrt müde und schlapp wie z. B. nach überstandenen Infektionskrankheiten und einer Grippe, dann ist es gut, von diesem Tee morgens und mittags je eine Schale voll schluckweise zu trinken. Der Tee eignet sich auch dafür, um einere längere Wachphase am Abend zu unterstützen.

Rosmarin ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Stimmung heben

Fenchelöl als Unterstützung

Zu Hause ist es doch am schönsten! Das kann man vor allem dann sagen, wenn man womöglich spätabends nach einem gesellschaftlichen Event heimkommt und ohne viel zu überlegen gleichsam ins Bett fallen darf, um sich im Schlaf zu erholen. Daheim kommt man ebenso dazu, das eine oder andere für sich selbst zu tun. Gerade, wenn man meint, dass die eigene Stimmung nicht die beste ist, braucht man Pausen und Zeiten der Erholung. Kräuter können uns dabei sehr gut unterstützen. Deswegen ist heute wieder einmal der Fenchel (Foeniculum vulgare) dran. Schauen wir trotz des Winters auf seine Wuchsform. Ganz leicht erhebt sich das fiederartige Blättergerüst zu einer beachtlichen Höhe und oben drauf sitzt der Rispenschirm, der nach der Blüte die wertvollen Samenkörner beinhaltet. Gewiss ist vielen bekannt, dass der Fenchel bereits Müttern und Kleinstkindern beistehen kann, wenn es im Bauch der Babys unangenehm zwickt und reißt. Oder man denke nur an die Blattknollen, die von einer bestimmten Zuchtform des Fenchels stammen und so manches Gericht geschmacklich bereichern. In den Fenchelsamen ist ein ätherisches Öl enthalten, das man gesondert extrahieren und zur Anwendung bringen kann. Es versteht sich, dass in diesem Zusammenhang eine äußerliche Anwendung naheliegt. Wenn eingangs schon das Zuhause als Ort der Erholung und Entspannung gepriesen wurde, so möchte ich dazu einladen, die Badewanne wieder einmal aufzusuchen, um dort neue Kraft zu tanken. Wenn z. B. das Gemüt am Boden liegt, heißt das noch lange nicht, dass man dagegen nichts tun könnte. Es zahlt sich aus, mit dem Fenchel etwas auszuprobieren.

Baden mit Fenchel-Öl

Um das Gemüt zu stärken und so besser manche Feierstunde genießen zu können, ist es möglich, ein Bad durchzuführen. Dazu benötigt man ein naturreines ätherisches Fenchel-Öl. 10 Tropfen davon mischt man mit 1 Esslöffel voll Weizenkeimöl ab und gibt noch 1 Esslöffel Schlagobers oder Honig als Emulgator dazu. Das Ganze rührt man in die bereits mit warmem Wasser gefüllte Badewanne, um ca. 15 Minuten darin zu verweilen.

Fenchel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Sauer macht lustig

Das gilt auch fürs Sauerkraut

Wenn heute am Faschingssonntag so manche Veranstaltung vonstattengeht, die das Zwerchfell zum Schwingen bringt, um dem Lachen freien Lauf zu lassen, so ist das nur recht und gut. Und im Hinblick auf eine gesunde Ernährung dürfen wir ruhig heute ebenso ein Auge zudrücken. Wo es nicht unbedingt notwendig ist, muss das Leben keineswegs aus einer einzigen Diät bestehen. Aber dafür braucht es auch gute körperliche Voraussetzungen. Die kann man oft nicht im Handumdrehen herstellen. Doch da kommt mir eine praktische Hilfe namens Sauerkraut in den Sinn. Gemeint ist das Weißkraut, das im zurückliegenden Sommer noch auf den Beeten und Feldern heranwachsen konnte. Frisch geerntet, wurde es dann fein geschnitten und schließlich im Fass eingestampft, gepresst und durch einen Gärungsprozess haltbar gemacht. Wenn wir auf unsere gegenwärtige Lebenskultur blicken, so wissen wir, dass es uns oft an ausreichender Bewegung mangelt und wir andererseits recht üppig unser tägliches Essen gestalten. Das sind nun einmal nicht unbedingt gesundheitsförderliche Komponenten. Trotz des Faschings möchte ich durchaus einen liebevollen Appell an unsere Vernunft richten. Dabei sollen wir schlicht und einfach darauf Bedacht nehmen, dass unsere Verdauung auf Trab bleibt. Durch die Zulieferung der lebenswichtigen Stoffe auf der einen Seite und den Abtransport der nicht mehr verwertbaren und somit überflüssigen Abfallprodukte läuft die Verdauung in geregelten Bahnen, was wiederum zu einem guten Gesamtbefinden von Leib und Seele führt. Wer beständig auf eine gute Gesundheit schaut, der kann es sich auch eher leisten, einmal – wie man so schön sagt – über die Schnur zu hauen.

Sauerkraut in kleinen Portionen

Der Genuss von rohem Sauerkraut und dem damit verbundenen Saft animiert den Darm positiv, so dass er nicht träge wird. Verdauungsstörungen oder Magengeschwüre werden somit gleich an der Wurzel gepackt und haben fast keine Chance, den ganzen Körper samt unserem Gemüt in Mitleidenschaft zu ziehen. Sauerkraut ist ein einfaches Mittel, um sich generell wohl zu fühlen und daher gleichzeitig gut drauf zu sein. Wie schon gesagt: sauer macht lustig!

Sauerkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Das Blut säubern

Heidekraut stärkt so die Haut

Wenn man einen Haushalt einrichtet, kann Frau oder Mann schon auf sehr viele Hilfsmittel zurückgreifen, die einem der Handel im Übermaß anbietet. Viele technische Erfindungen erleichtern so die täglich anstehende Arbeit in Zimmer, Küche und Flur. Nichtsdestotrotz wird man auf das ganz Herkömmliche kaum verzichten können. Dazu zählt nun auch einmal der Besen. Da dieses handfeste Utensil auch in der Zukunft nicht aus der Mode kommen dürfte, möchte ich ein Gewächs bedenken, das damit in direktem Zusammenhang steht. Es ist das Heidekraut (Calluna vulgaris). Dieses Gewächs ist u. a. unter dem Namen Besenheide bekannt. Das Heidekraut wächst normalerweise bis zu einer Höhe von 30 oder 40 cm. Es siedelt sich gerne an mageren und sandigen Böden in Heiden, Mooren und lichten Wäldern an. Zu seinen Verwandten zählen ebenso Lieferanten delikater Früchte mit Namen Heidelbeere und Preiselbeere. Heidekraut ist ein Hausmittel, das den ganzen Menschen ergreift und anspricht, körperlich und seelisch. Blicken wir in die Erfahrungsgeschichte mit dieser Heilpflanze, so hat man seine Zweige nicht nur zum Auskehren der Stuben und Ställe benutzt. Interessanter Weise dient die reinigende Wirkung, die in diesem Kraut drinnen steckt, der Säuberung des Blutes. Der rote Lebenssaft hat eine immens wichtige Funktion für unseren Körper. Wir dürfen uns seine weit verzweigten Bahnen in Form der Blutgefäße so vorstellen, als wären es Straßen, die es ermöglichen, Notwendiges zu liefern und Überflüssiges abzuführen. Wenn nun auf diese Weise Gift- und Schadstoffe, die ebenso in unserem Leib anfallen, entsorgt werden, spiegelt sich das vor allem auf der Konsistenz der Haut wider.

Die Haut unterstützen

Aus getrockneten und zerkleinerten Triebspitzen samt Blüten des Heidekrautes kann man sich einen Tee zubereiten. Dazu nimmt man 2 Teelöffel der beschriebenen Droge und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und abseihen. Leidet jemand unter Hautausschlägen oder gar einem Ekzem, sollte man eine Zeit lang jeweils 1 Tasse des Tees am Morgen und am Abend trinken, um so mitzuhelfen, das Blut zu reinigen und damit indirekt die Haut zu stärken.

Heidekraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Schmerz und Fieber schwächen

Mit der Kraft der Weidenrinde

Es gibt bei verschiedenen Völkern aus längst zurückliegenden Zeiten überlieferte Rituale, die sich mit dem Wechsel der Jahreszeiten Winter und Frühling auseinandersetzen. Nicht selten wird dabei ein Kampf symbolisch dargestellt, bei dem Väterchen Frost und Frau Holle zu guter Letzt das Nachsehen haben. In unserem Körper spielt sich öfter als uns lieb ist ebenso ein Ringen um die Gesundheit der einzelnen Organe oder der ganzen Physis ab. So sei wieder einmal auf die Weiden (Salix) verwiesen, in deren Nähe sich in Form der Bach- und Flussbette ja auch eine gewisse Dramatik von Auftauen der Eisschichten, dem daraus folgenden Hochwasser und dem erneuten Freiwerden überfluteter Wiesen vollzieht. Diesmal stehen nicht so sehr die voreilig aufbrechenden Kätzchen der Weide im Vordergrund, sondern eher die Rinde. Unter ihrer Schutzschicht verbirgt sich nämlich eine verborgene Lebenskraft, die spätestens beim Blühen und Blattaustrieb derselben auch äußerlich sichtbar wird. Die Wirkstoffe der Weidenrinde setzen sich vor allem aus Gerbstoffen und Salizin zusammen. Wird letzteres durch den Stoffwechsel in den Blutkreislauf eingebracht, entsteht in weiterer Folge Salizylsäure, die im Körper wiederum scherzlindernde und sogar antibiotische Prozesse auszulösen vermag. Daher sind vor allem jene gut beraten, der aufbereiteten Weidenrinde zuzusprechen, die u. a. unter Gelenksrheumatismus leiden oder sich infolge einer Grippe mit fiebrigen Zuständen abquälen müssen. Bei Letzterem kommt noch hinzu, dass die Weidenrinde auch mithilft, besser schwitzen zu können. Im Ringen um eine bessere und gesündere Konstitution des Körpers sollten wir also auf den Beistand der Weiden nicht vergessen.

Weidenrinde ansetzen

Im zeitigen Frühjahr ist es ideal, von dünnen Zweigen der Weidenarten, vorzüglich der Salweide, die Rinde abzuschälen und gleich gut zu trocknen. Vom Resultat, das man zusätzlich zerkleinert, nimmt man dann 3 Teelöffel voll und setzt sie über Nacht in 1/4 Liter kaltem Wasser an. Am folgenden Morgen kurz aufkochen und gleich abseihen. Den Tee über den Tag verteilt schluckweise trinken.

Weidenrinde ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Gegen das saure Aufstoßen

Sodbrennen mit Wacholder mindern

Mit dem nahenden Frühling dürfen wir uns schon wieder auf das erneute Grünen der Natur freuen. Dies trifft da genauso zu, wo sich derzeit noch die Schneemassen türmen, als auch dort, wo im Flachland der Traum von einem weißen Winter so gut wie gar nicht in Erfüllung ging. Dessen ungeachtet haben vor allem die Nadelbäume es niemals aufgegeben, ihr grünes Kleid zu behalten. Dies tun nicht nur die großen und mächtigen Holzlieferanten, sondern es gilt ebenso für den Gemeinen Wacholder. Der besitzt überdies eine ganz eigene Spezialität in Form seiner Beeren, die gar keine sind. Im Laufe des Heranwachsens einer so genannten Wacholderbeere verschmelzen nämlich die ursprünglichen drei Schuppen des Zapfens und umhüllen sich mit Fruchtfleisch. Seit jeher waren die blauen Gaben der nadeligen Sträucher für den Haushalt und insbesondere für die Küche von Begehr. In früheren Zeiten war es ja kaum möglich, eine große Anzahl von exotischen Gewürzen einfach im Geschäft gleich um die Ecke zu besorgen. Da musste man auf das zurückgreifen, was die angestammte Natur zu bieten hatte. Und aus der Verwendung des Wacholders erwuchs dann ebenso manch brauchbare Erkenntnis im Bezug auf den heilsamen Wert der Früchte. Sie sind imstande, unser Immunsystem zu stärken und helfen darüber hinaus mit, dass die Verdauung ihren Dienst gut versieht. Apropos Verdauung: da kommt mir gerade in den Sinn, dass ich immer wieder auf das Problem Sodbrennen angesprochen werde. Dazu möchte ich heute einen praktischen Tipp in Erinnerung rufen, bei dem der Wacholder eine tragende Rolle spielt. Übrigens: leidet jemand unter schwachen oder angegriffenen Nieren, sollte man eher Abstand von der Verwendung der Wacholderbeeren nehmen.

Maßnahme gegen Sodbrennen

Bei lästigem Sodbrennen kann man durchaus auf die Wirkung der Kräuter zurückgreifen. Hat man frische Wacholderbeeren zur Hand, so können je 3 davon bei Sodbrennen in den Mund genommen werden. Gut und bedächtig durchkauen und mit genügend Speichel vermengen, bevor diese dann geschluckt werden. So kann man den unbehaglichen Zustand wiederum einer Besserung zuführen. Die Wacholderbeeren sollte man jedoch nur an sauberen Standorten in entsprechender Distanz zu einer vielbefahrenen Straße von den Zweigen pflücken.

Wacholder ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ausgeglichen werden

Mit der Melisse

Das Leben ist ein ständiges Auf und Ab. Freudiges und Trauriges wechseln einander ab. Manchmal liegt es ganz nah beieinander. Aber das gehört nun einmal zu unserer Existenz dazu wie das tägliche Brot. Da wir jetzt verstärkt den Fasching feiern, liegt es zudem nahe, mehr als sonst über die sogenannten Stränge zu schlagen. Das bedeutet soviel, wie den Genüssen kulinarischer Art zu frönen und den Ernst des Lebens so gut wie möglich zu verbannen. Nun, das mag alles seinen Platz und seine Berechtigung haben. Mit einem Heilkraut möchte ich jedoch auch dagegen ein wenig ansteuern. In vielen Gärten wächst im Sommer die Melisse (Melissa officinalis), die aufgrund ihres frischen Aromas sehr häufig Zitronen-Melisse genannt wird. Aufgrund der positiven Wirkungen, welche die Melisse besonders auf den weiblichen Körper ausübt, gibt es überdies die Namen “Frauenkraut” oder “Mutterkraut” für dieses beliebte Gewächs. Die heilenden Hilfen der Melisse dürfen aber ebenso von männlichen Erdenbürgern in Anspruch genommen werden. Denn alles was uns von außen oder innen beeinflusst oder gar belastet, wirkt sich nicht bloß auf die Nerven, das Gemüt und den damit manchmal verbundenen Hormonhaushalt aus. Der Magen wird dabei ebenso in Mitleidenschaft gezogen wie auch der gesamte Verdauungstrakt. Also ist es vielleicht nicht das Schlechteste, den gesamten Körper in einer Balance zu halten, die ihrerseits wiederum mithilft, die Schwankungen des Lebens abzufedern. Im Winter kommt es überdies häufiger dazu, dass wir eher zu depressiven Phasen neigen als zur warmen und lichtreichen Zeit des Jahres. Greifen wir daher öfter zur Melisse.

Melissentee mit Honig

Gerade im Winter kann es von Nutzen sein, einmal pro Woche die Melisse in seine Sorge um die Gesundheit einzubauen. 2 Teelöffel von getrockneten und zerkleinerten Blättern der Zitronenmelisse werden dabei mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und hernach abseihen. In die bereits gefüllte Schale noch 1 bis 2 Teelöffel Honig einrühren und dann genüsslich und ruhig den Tee austrinken. Entweder am Nachmittag oder am Abend durchführen.

Melisse ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Auf die Finger schauen

Die Pfefferminze hilft pflegen

Mit dem Stichwort “Kontrolle” verbinden wir meist unangenehme Gefühle. Denken wir nur zurück an die Zeit des Eisernen Vorhanges, wo man an den Grenzen zu den Staaten des Ostblocks förmlich durchgefilzt wurde. Und es gäbe viele andere Beispiele mehr, wie ein Gang zum Zahnarzt, der das eine oder andere Loch an einem Zahn zum Vorschein bringt. Jemandem auf die Finger zu schauen, muss jedoch nicht immer mit negativen Impressionen einhergehen. Nehmen wir doch z. B. die Pfefferminze (Mentha piperita) mit ins Boot, wenn es gilt, den taktilen Teilen der Hand eine gute Pflege zuteil werden zu lassen. Einerseits betrifft das in erster Linie die Haut, aber vollständig wird diese Zuwendung erst, da die Nägel ebenso eine adäquate Beachtung erfahren. Diese hornigen Deckschichten der Fingerenden kommen ja mit allem, was wir im wahrsten Sinne des Wortes begreifen wollen, in Berührung. Somit ist es wichtig, dass sie eine gute Konsistenz aufweisen. In der Pfefferminze finden sich ätherische Substanzen, die mithelfen, um die Nägel sozusagen auf Trab zu halten. Sie sollen einerseits nicht zu hart und in der Folge dann brüchig sein und andererseits nicht zu weich und bei jeder kleinsten Gelegenheit schon einreißen. Wenn also der Tag mit dem Gang ins Bad abgeschlossen wird und man sich anschickt, sich schlafen zu legen, darf man dieses Ritual durchaus damit beenden, indem man bewusst auf die Finger schaut. Eine Pflege der Hände kann so gleichzeitig ein vorausschauendes Stärken der Nägel beinhalten.

Nagelpflege-Öl

Von getrockneten und zerkleinerten Blättern der Pfefferminze nimmt man die Menge von 35 g und setzt sie 14 Tage lang in 1/4 Liter kaltgepresstem Olivenöl oder einem Pflanzenöl der eigenen Wahl an. Danach abseihen und den Rückstand zusätzlich auspressen. Das gewonnene Pfefferminzöl dann extra in dunkelglasige Fläschchen abfüllen. Lichtgeschützt und kühl lagern. Jeweils am Abend damit die Nägel an den Fingern und bei Belieben an den Zehen vor dem Schlafengehen gut einfetten.

Pfefferminze ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya