Gemütsschwankungen ausgleichen

Den Beifuß aufgießen

Der April, der April, der macht wohl was er will! So lautet ein althergebrachter Reim, der sich noch auf Zeiten bezog, da wir davon ausgehen konnten, dem Wetter eine normale Abfolge an Sonnen- und Regentagen zutrauen zu können. Und im gegenwärtigen Monat war bis vor kurzem das Wetter eben sehr oft wechselhaft. In meiner Heimat, dem nördlichen Waldviertel, würden wir uns freuen, wenn dem wirklich so wäre. Im Vergleich dazu ist das menschliche Gemüt hingegen von der Meteorologie weitgehend unabhängig. Und dennoch gibt es gerade dort einen Wechsel von Hochs und Tiefs. Daher möchte ich mich dem Beifuß (Artemisium vulgare) zuwenden. Dieser ist eine Pflanze, die sich als eine genügsame Partnerin erweist, wenn es um deren Standort geht. Sie bevölkert gerne sandige und schottrige Halden oder Brachen und ist auch auf mageren Böden an den Wegrändern lichter Wälder zu entdecken. Sie wird zudem als Wilder Wermut bezeichnet, da sie mit dem bekannten Bitterkraut aus dem Garten eng verwandt ist. Den Beifuß hat man seit alters her eher als Gewürzkraut verwendet. Seine Inhaltsstoffe werden vor allem vom Vorhandensein eines ätherischen Öls und einem hohen Anteil an Bitterstoffen bestimmt. Das macht fetthaltige Speisen leichter verdaulich, weil durch sie die Tätigkeit der Leber und der Gallendrüsen angekurbelt wird. Aber es gibt auch andere Effekte, die damit in Verbindung stehen. Das Gedächtnis und die Konzentrationsfähigkeit des Gehirns profitieren auf jeden Fall, wenn man bittere Substanzen zu sich nimmt. Und all das kann in weiterer Folge auch das Gemüt wach und ausgeglichen machen. Wenn also im übertragenen Sinne in der eigenen Seele „Aprilwetter“ vorherrscht, so darf man den Leib und den Geist durchaus mit dem Beifuß unterstützen. Niemand sollte sich jedoch vor dem bitteren Geschmack scheuen, der mit dem Trinken eines Beifuß-Tees einhergeht. Man kann dies durchaus als eine gute Übung ansehen, dem Gaumen etwas zuzumuten, um so den Zugang zu Heilsamem aus dem Schatz der Natur möglich zu machen.

Tee für Verdauung und Gemüt

Von getrockneten und zerkleinerten Blättern des Beifußkrautes nimmt man bloß 1 gehäuften Teelöffel voll und übergießt ihn mit 1/4 Liter kochendem Wasser. Danach 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und abseihen. Schluckweise trinken. Dabei ist zu beachten, dass man einen bitteren Tee niemals süßen sollte, sondern ihn immer pur konsumiert, um die Wirkung nicht abzuschwächen. Oft reicht schon eine Tasse von diesem Aufguss. An einem Tag jedoch nicht mehr als 3 Schalen trinken.

Beifuß mit Wurzel und Blütendetails (Artemisia vulgaris) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Muntermacher in Pflanzenform

Der Rosmarin belebt

Wer möchte wohl nicht den freien Tag im Urlaub oder am Wochenende dazu verwenden, um es in der Früh ein wenig gemütlicher anzugehen? Oder vielleicht nach einem Abend in froher Runde, der womöglich länger dauerte, einfach auszuschlafen? Gewiss kann man sich das nur selten leisten, aber dann und wann tut es gut, unter keinem Zeitdruck zu stehen. Im Gegensatz dazu muss man genauso sagen, dass die Morgenstunden sehr viel wert sind und sprichwörtliches Gold im Mund tragen. Im Rosmarin (Rosmarinus officinalis) finden wir einen pflanzlichen Partner, der durchaus mithelfen kann, die eine oder andere Startschwierigkeit zu Beginn des Tages oder zwischendurch zu beheben. Dieser südländische Lippenblütler ist allein schon von seinem Wesen her ein fröhlicher Geselle. Jetzt, wo es gilt, den Garten, den Balkon oder die Terrasse erneut mit Gewächsen zu bestücken, die ein gutes sommerliches Flair besitzen, zählt wohl der Rosmarin zu den Favoriten der Topfpflanzen. An dem Duft, der den Blättern und Zweigen anhaftet, merken wir schon, dass er eine Menge an guten ätherischen Ölen in sich birgt. Er besitzt aber ebenso Gerbstoffe und Flavone, die dem Körper dienlich sind. Sucht man nach einer natürlichen Hilfe, die sich belebend auf die Physis und in weiterer Folge auch auf den Geist auswirkt, so ist man bei diesem Heilkraut an der richtigen Adresse. Denn es gibt mehrere Gründe, die ein Schwächegefühl oder eine gefühlte Müdigkeit mit sich bringen. Das kann der Frühling mitsamt der eben umgestellten Sommerzeit sein. Eine Wetterfühligkeit könnte ebenso zu diesem Empfinden beitragen sowie ein niedriger Blutdruck. Sensible Zonen an unserem Leib sind die prädestinierten Stellen, die sich besonders dafür eignen, sie mit den Wirkstoffen des Rosmarins in Berührung zu bringen, so die Hände, die Füße und das Gesicht. Es versteht sich wohl von selbst, dass vor allem der Morgen dafür verwendet werden darf, um sich selbst mit pflanzlicher Unterstützung neuen Schwung zu verleihen. Im Prinzip geht das ganz einfach.

Rosmarin-Waschung

Von getrockneten und zerkleinerten blühenden Triebspitzen des Rosmarins nimmt man 2 Esslöffel voll. Mit 1/2 Liter kochendem Wasser übergießen und zugedeckt 15 Minuten ziehen lassen. Danach abseihen und zuwarten, bis der fertige Tee auf eine verträgliche Temperatur abgekühlt ist. Nun das Gesicht, die Hände und die Füße damit abwaschen, um so den Kreislauf anzukurbeln und eine allfällige Müdigkeit oder ein Schwächegefühl besser zu überwinden. Das trägt dazu bei, dass man sich sogleich erfrischt und froher fühlt.

Rosmarin mit Blütendetails (Rosmarinus officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Gliederschmerzen begleiten

Die Schlüsselblumen stehen bereit

Es ist immer wichtig, im Leben nach dem Guten Ausschau zu halten. Die Aufmerksamkeit ist wohl das wichtigste charakterliche Instrument dafür. Hinzu kommt noch die Dankbarkeit für das was ohne unser Zutun auf Erden vorhanden ist. In der Natur finden wir wohl unzählige Beispiele dafür. Ein Spaziergang, der uns aus der Geschäftigkeit des Alltags herausholt genügt, um das eine oder andere Wertvolle zu entdecken. Vergangenen Sonntag sind mir in diesem Sinne die Echten Schlüsselblumen (Primula veris) aufgefallen, die ich an den Hängen eines Hohlweges entdecken durfte. Sie bedeuten für mich sehr viel. Denn sie sind ein Gruß des Schöpfers, der eine blühende Gestalt angenommen hat, damit ich Freude empfange und Hoffnung schöpfe. Seit jeher gelten die Schlüsselblumen als wertvolles Heilkraut. Nimmt man z. B. einen Stängel derselben her und hält ihn nach dem Abpflücken eine Weile in die Höhe, so wird man merken, dass sich daraus ein schleimiger Film löst, der in Tropfen zu Boden trieft. Das ist schon ein Hinweis, dass dieses Gewächs dienlich sein kann, um festsitzenden Schleim in den Atemwegen zu lösen und somit eine Unterstützung zu bieten, dass wir nach einer Erkältung wieder freier und unbehinderter Luft schöpfen können. In den Schlüsselblumen finden sich darüber hinaus Substanzen, die einen schmerzlindernden Effekt auslösen können. Das Augenmerk darf hierbei vor allem auf den Gelenken und Gliedern unseres Leibes liegen, die doch bei vielen mit fortschreitendem Alter Probleme mit sich bringen. Diese Beschwerden sind meist die Folgen einer hohen Beanspruchung des Muskel- und Gelenkapparates, die einerseits durch eine schwere manuelle Arbeit erfolgen kann oder andererseits das Resultat einer längerfristig ruhenden Position im Sitzen oder Stehen ist. Jedenfalls empfinden wir es gewiss als unangenehm, wenn die Beweglichkeit ihre eindeutigen Grenzen erfährt. Die Schlüsselblumen können dann mithelfen, besser damit zurechtzukommen.

Vorbeugender Tee

Von frischen oder getrockneten Blüten der Echten Schlüsselblume nimmt man 2 Teelöffel voll, die man mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießt. Noch 15 Minuten ziehen lassen, bevor man den fertigen Tee abseiht. Kennt man die eigene Neigung zu Gelenks- und Gliederschmerzen, so trinkt man den Tee mindestens 3 Wochen lang jeweils am Morgen, um eine vorbeugende Maßnahme in diesen Belangen zu ergreifen. Es reicht, wenn man jeweils 1 Tasse davon zu sich nimmt. Nach einer Pause, die 1 Woche beträgt, kann man die Kur nochmals 3 Wochen lang fortsetzen.

Echte Schlüsselblume (Primula veris) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Wenn der Bauch rumort

Arnika bei Durchfall

Wir hegen nur allzu oft einen Wunsch, der die Sehnsucht nach Harmonie und Ruhe zum Ausdruck bringt. Dabei stellen wir uns immer wieder die Möglichkeit vor Augen, dass in Familie und Beruf alles klaglos funktioniert, einer den anderen schätzt und versteht und sich gleichzeitig in Betrieben ein wirtschaftlicher Erfolg einstellt. Die banale Realität zeigt uns meist früher und öfter auf, dass dies ein unerfüllter Traum zu bleiben scheint. Oder schauen wir doch auf unseren Körper. Da wissen wir auch nur allzu gut, dass die Gesundheit ein Geschenk ist und bleibt, das man nicht per Knopfdruck abrufen kann. Die Arnika (Arnica montana) ist eine Heilpflanze, die seit alters her ein hohes Ansehen genießt. Sie gehört zur großen Familie der Korbblütler. Im alpinen Bereich findet man sie zerstreut auf Bergwiesen und -weiden. Im Hügelland kommt sie ebenfalls an naturbelassenen Standorten vor. Diese Pflanze zählt zu den kostbaren Raritäten unserer heimischen Flora. Daher sollte man auf jeden Fall darauf achten, ihren Bestand zu schützen und zu hegen. Schauen wir aber vorerst einmal auf die Wirkstoffe der Arnika. Sie beinhaltet Bitterstoffe, ätherisches Öl, Gerbstoffe, Inulin, Cholin und einen hohen Anteil an Flavonen, die vor allem in den Blütenblättern angesiedelt sind. Aus der Praxis der Verwendung der goldgelb blühenden Blume wissen wir, dass ein alkoholischer Ansatz dieses Heilkrautes früher in den Haushalten ein fixer Bestandteil der pflanzlichen Apotheken war, der dazu diente, Wunden und Abschürfungen bei Groß und Klein zu behandeln und zu desinfizieren. Darüber gibt es wohl genug Erlebnisberichte. Mein Augenmerk richtet sich heute jedoch eher Richtung Verdauung. Denn wir sind über eine harmonische Ordnung im Bauch sehr glücklich. Im Gegensatz dazu sind wir nicht sehr erfreut, wenn plötzlich ein Durchfall einsetzt und womöglich nicht bald abklingt. In diesem Fall kann man ebenso die Arnika beanspruchen, um mitzuhelfen, dass es gerade dort, wo Magen und Darm ihre Arbeit verrichten, wieder bergauf geht. Die Wurzel ist dann das geeignete Mittel dafür. Übrigens: in Fachgärtnereien werden Arnikapflanzen angeboten, die man im eigenen Garten ziehen und ernten kann. In der freien Natur steht die Pflanze nämlich unter strengem Naturschutz!

Wurzelpulver auflösen

Von der getrockneten Wurzel der Arnikapflanze aus eigener Kultur nimmt man kleine Stücke, die man im Mörser zu einem Pulver zerreibt. Davon werden 3 g in 1/4 Liter warmem Wasser eingerührt und aufgelöst. Dann schluckweise trinken. Das ist ein altüberliefertes Hausmittel von Bergbauernhöfen, das sich auch heute noch anwenden lässt, wenn man von einem länger anhaltenden Durchfall gequält wird.

Arnika (Arnica montana) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Rahmenbedingung für einen Tag

Morgens und abends Quendeltee

Was bringt ein Bild in Form eines Gemäldes, eines Reliefs oder eines Fotos so richtig zur Geltung? Es ist meist der Rahmen, der die Darstellung einerseits eingrenzt und andererseits durch eine qualitätsvolle Beschaffenheit zusätzlich betont. Unser Leben wird auch meist dadurch geordnet, indem wir uns für ganz Bestimmtes entscheiden, wie etwa Beruf oder Beziehung. Das ist ebenfalls mit einem Rahmen zu vergleichen, der uns Halt und Orientierung verleiht. Mit dem Quendel (Thymus serpyllum) möchte ich heute mit meinen Lesern bloß auf einen einzigen Tag blicken, der allein schon dadurch begrenzt ist, dass er nur 24 Stunden zählt. Einen Teil davon verbringen wir im Schlaf. Die Zeit, in der wir wach agieren und uns den Herausforderungen stellen, die uns jeweils zugemutet werden, erstreckt sich meist von den frühen Morgenstunden bis zum frühen Abend. Eben in dieser Phase kann es sinnvoll und gewinnbringend sein, sich des Quendels zu entsinnen und ihn zu verwenden. Schauen wir doch einmal auf die Heilwirkungen des Feldthymians, wie dieser Lippenblütler auch gerne bezeichnet wird. In erster Linie richtet sich seine fördernde Kraft auf die Atemwege, die oft mit einem Zuviel an Schleim zu kämpfen haben. Dann ist es gut zu wissen, dass der Quendel mithilft, diese Belastung der Bronchien wiederum gut abhusten und somit verringern zu können. Zudem finden sich im Quendel, der reich an ätherischen Substanzen ist, keimtötende und krampflösende Eigenschaften. Nicht minder stärkt er die Nerven und beruhigt das Gemüt. Letzteres ist somit sehr gut geeignet, um einen Tag damit abzustecken. Konkret meine ich die Verwendung des Quendels am Beginn und beim Ausklingen eines Arbeitstages. Mit einem Tee, der ganz unkompliziert aufgegossen und konsumiert werden kann, erreicht man das auf eine wirksame Weise.

Tee mit Honig und Zitrone

Von getrocknetem und zerkleinertem blühenden Kraut des Quendels nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt die Kräuterdroge mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten lang zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Zusätzlich etwas Honig einrühren und noch den Saft einer halben Zitrone dazugeben. Trinkt man am Morgen nach dem Aufstehen eine Tasse davon und am Abend nach getaner Arbeit, so stärkt man auf diese Weise die Nerven und sorgt für eine gute physische Entspannung, die sich auch positiv auf das Gemüt auswirkt.

Quendel oder Wilder Thymian (Thymus serpyllum) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Wertvolle Hilfe vom Baum

Die Eichenrinde nutzen

Die Dimension des Wertes hängt nicht unbedingt immer von der räumlichen Größe oder der Menge des Vorhandenen ab. Das dürfen wir bei so vielen Sachverhalten feststellen, mit denen wir uns Tag für Tag beschäftigen. Wenn heute an einem freien Sonntag ein wenig Zeit bleibt, um die uns umgebende Natur zu genießen und zu bestaunen, ist es möglich, diese Tatsache gleich mit einer konkreten Anwendung für die eigene Gesundheit zu verbinden. Die großen Eichenbäume etwa – meist wird es sich dabei um die Stieleiche (Quercus robur) handeln – sind ein wichtiges gestaltendes Element in der Landschaft oder auf Plätzen in Dörfern und Städten. Wenn diese Pflanzen schon viele Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte auf dem Buckel haben, so beeindrucken sie unsere Augen mit ihrem mächtigen Stamm. Dieser ist von einer dicken Borkenschicht umgeben, die tief zerfurcht als Schutz für den ganzen Baum dient. An den Zweigen jedoch, die nun darauf harren, bald Blätter zu tragen, findet sich noch die glatte Rinde. Und sie ist es, die einen hohen Wert in der Naturheilkunde besitzt. Denn sie liefert unheimlich viel an Gerbstoff. Wenn man z. B. die Schleimhäute in unserem Körper damit „konfrontiert“, dann kommt es dort zu einer gewissen Straffung der Zellen, die zu einer Abdichtung führt. Damit wird in weiterer Folge schädlichen Bakterien der Nährboden und zugleich die Möglichkeit entzogen, sich einzunisten. Diese Erkenntnis kann man sich durchaus auf mehrfache Weise zunutze machen. Wichtig ist aber zu allererst, dass man darum weiß und eben auf die Kräfte der Natur vertraut, die uns der Herrgott gerade im Frühling so mannigfaltig zur Verfügung stellt. Unlängst war in verschiedenen Radiosendungen wieder einmal von der Notwendigkeit die Rede, den Mund- und Rachenbereich samt den Zähnen und das Zahnfleisch von frühester Kindheit an gut zu pflegen. Wir Erwachsenen können dabei auf die Eichenrinde zurückgreifen, die jetzt ganz gut von fingerdicken Zweigen geschält und zum Aufbewahren getrocknet werden kann.

Gurgelmittel

Von getrockneter und zerkleinerter Eichenrinde nimmt man 1 Esslöffel voll und übergießt diese Menge mit 1/4 Liter kaltem Wasser. Ca. 8 Stunden stehen lassen. Dann kurz aufkochen und gleich abseihen. Danach auskühlen lassen und lauwarm verwenden. Um das Zahnfleisch und die Mundschleimhaut zu unterstützen, kann man mit dem Eichenrindentee sowohl morgens als auch abends gurgeln und die Mundhöhle spülen. Das festigt den ganzen Bereich und macht ihn gegen Entzündungen resistenter.

Eichenrinde mit Keimling ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Heilsames im Frühling

Knospenkraft von Pappeln

Wenn wir die verschiedenen Tugenden aufzählen wollten, mit denen unsere Mitmenschen ausgestattet sein sollten, so wird uns gar vieles einfallen. Und selbst möchte man ja schließlich auch das eine oder andere Gute an sich entdecken und zur Entfaltung bringen. In der christlichen Spiritualität ist so gesehen manchmal von der Kunst des Maßhaltens die Rede. Oft ist ein wenig schon ausreichend, um etwas zu bewirken. Das denke ich mir immer, wenn ich an den Zweigen der Bäume die Knospen entdecke, die am Ende des Winters anschwellen, um sich danach im Licht der Sonne zu entfalten und als Blatt in Erscheinung zu treten. Das verhält sich auf den Schwarzpappeln (Populus nigra) wie auf anderen holzbildenden Gewächsen so. In einer kleinen Kapsel befindet sich geballt und konzentriert, was nach einer langen Zeit des Wartens und Duldens zur Entfaltung kommt, um schließlich nach einer Periode von warmen Monaten verwirkt zu sein. Die Naturheilkunde hat schon seit jeher die unterstützenden und aufbauenden Wirkungen der verschiedensten Knospen an Bäumen erkannt und zu deren Verwendung geraten. In den Exemplaren der Schwarzpappeln finden sich vor allem viele Mineralelemente wie etwa Kalzium und Eisen. Überdies sind sie reich an Gerbstoffen. Es ist also durchaus möglich, diese natürlichen Speichergebilde gerade vor dem Blattaustrieb zu sammeln und zu trocknen. Damit hat man eine sinnvolle Reserve parat, die man auf verschiedene Weise aufbereiten kann. So sollte ein Tee damit aufgegossen werden, um die Physis gerade im Frühling positiv anzuspornen und die Seele zuversichtlich in die neue Zeit blicken zu lassen. Auf der Haut wiederum ist es angebracht, sich eines Öles zu bedienen, das die Pappelknospen zur Grundlage hat.

Öl selbst ansetzen

Von gut durchgetrockneten Pappelknospen nimmt man 5 Esslöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kaltgepresstem Olivenöl. In einem verschlossenen Glasgefäß 14 Tage lang an der Sonne stehen lassen, täglich schütteln und letztlich abseihen. Dann in dunkle Fläschchen abfüllen und bis zur konkreten Verwendung kühl und lichtgeschützt lagern. Das Öl soll nur in geringen Mengen auf die Haut aufgetragen werden, damit es gut einziehen kann. Heilende Vorgänge nach Verwundungen oder Verbrennungen lassen sich damit unterstützen. Aber selbst bei Abszessen und Furunkeln, bei juckenden Hämorrhoiden und bei Hautflechten ist es angezeigt, das Pappelknospen-Öl als lindernde Begleitung anzuwenden.

Schwarzpappel Knospen und Blüten (Populus nigra) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Für starke Nerven

Hopfen und Lavendel mischen

Mir kommt vor, dass sich im Laufe der letzten Jahrzehnte sehr viel geändert hat. Damit meine ich aber nicht bloß die technischen Erneuerungen auf allen Ebenen, die Art weltweit miteinander zu kommunizieren oder die Bevölkerungsentwicklung inner- und außerhalb Europas. Die Art der Belastung, der jemand standhalten muss, ist eine andere geworden. Ich denke da bewusst an die Generation meiner Großeltern auf dem Lande, wo man sich am Bauernhof und auf den Feldern mühte und abrackerte, weil vieles rein per Hand geschehen musste. Das blieb nicht ohne physische Spuren. Wenn ich heute den Hopfen (Humulus lupulus) und den Lavendel (Lavandula angustifolia) förmlich auftische, so scheint es mir äußerst angebracht, eben an diese Heilkräuter zu erinnern. Das, was sich so sehr in den Zeiten rund um die Jahrtausendwende gewandelt hat, ist natürlich die Inanspruchnahme der Nerven, die meiner Meinung nach stetig zunimmt. Eine Schnelllebigkeit und die Aufforderung seitens wirtschaftlicher Strömungen, möglichst viel unter einen Hut zu bringen, bleiben ja letztendlich auch nicht ohne Folgen. Das zeigt sich am Phänomen des so genannten Burnout-Syndroms, das nicht selten zu konstatieren ist. Im Hopfen, genauer gesagt in seinen weiblichen Blütenzapfen, finden sich neben konservierenden Gerbstoffen auch ausgleichende und entspannende Substanzen. Die ätherischen Öle wiederum, die besonders die Lavendelblüten auszeichnen, helfen mit, freier zu atmen und indirekt den Willen zu stärken. Kombiniert man nun beide natürlichen und pflanzlichen Gaben des Schöpfers miteinander, kann man sich selbst einen Beistand an die Seite holen, der Leib und Seele streichelt, wenn einem einfach alles zu viel wird. Gerade in Zeiten der mentalen und nervlichen Erschöpfung ist es ungemein wichtig, innezuhalten und den Leib mit Gesundem zu versorgen. Ein Tee kann daher sicher nicht schaden.

Mischung aufgießen und trinken

Zu gleichen Teilen mischt man getrocknete und zerkleinerte Blüten des Hopfens mit denen des Lavendels. Davon nimmt man dann 2 Teelöffel und übergießt diese Menge mit 1/4 Liter siedendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Abseihen und bedächtig schluckweise trinken. Das ist vor allem nach einem anstrengenden und nervenaufreibenden Arbeitstag am Abend sehr sinnvoll. Der Tee eignet sich somit recht gut, um nervöse Erschöpfungszustände zu begleiten.

Hopfen (Humulus lupulus) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Lavendelzweig (Lavandula angustifolia) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Blütenfreude und Heilkraft

Am Schlehdorn entdecken

In musikalischen Kompositionen finden sich über den Notenlinien verschiedenste Hinweise in Form von Wörtern oder Zeichen, die eindeutige Verweise auf die Lautstärke bzw. die Schnelligkeit einer Melodie geben. Das ist sowohl für die Dirigenten als auch für die Ausführenden wichtig, um so die Intentionen des Schöpfers eines Werkes möglichst getreu wiedergeben zu können. „Crescendo“ bedeutet so viel wie lauter oder kräftiger. In der Natur findet nun ebenfalls eine Zunahme an Intensität statt. Sobald der Schlehdorn (Prunus spinosa) blüht, erkennen wir, dass es mit der Beschaulichkeit des Winters endgültig vorbei ist und alles der neuen sonnenreichen und warmen Zeit zusteuert. Das Leben drängt auch auf den Pflanzen nach einer Vermehrung und einer Fülle, die alles Alte und Verbrauchte hinter sich lässt. Wir dürfen in dem dornenbewehrten Rosengewächs einen wahren Schatz entdecken. In erster Linie erfüllt der mittelgroße Strauch die Funktionen des Schutzes und der Bodenbefestigung. Angesichts der Tatsache, dass unberührte Bereiche an Rändern von Feldern und Wäldern immer mehr zur Mangelware werden, sollte uns bewusst werden, dass wir den Schlehdorn für ein ausgewogenes Gleichgewicht in der uns umgebenden heimischen Natur unbedingt benötigen. Die Früchte sind wohl vielen bekannt, die viel an organischen Säuren und Gerbstoffen enthalten. Sie wären nicht da, würde die Zeit der Blüte nicht die Voraussetzungen für ihre Existenz schaffen. Und um die weiße Pracht an den Stauden geht es mir heute. Wenn also an warmen Tagen die Blüten ganz geöffnet sind, sollten sie gepflückt werden. Man kann auch die bereits abfallenden Kronblätter sammeln, indem man ein Tuch darunterlegt. Dann behutsam und gründlich im Schatten trocknen. Im Hinblick auf ein reines Blut können sie gute Dienste erweisen. Wichtig ist es, die Phase der weißen Herrlichkeit an den Rainen und Wegrändern nicht zu verpassen, um sich so ein gutes Hausmittel einzulagern.

Tee aus Schlehdorn-Blüten

Getrocknete Blüten des Schlehdorns haben ein elfenbeinfarbiges Aussehen. Von ihnen nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. Danach 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und abseihen. Schluckweise trinken. Das kann sich als hilfreich erweisen, wenn man eine stuhlfördernde Unterstützung braucht. Den Blüten wird auch eine krampflösende Wirkung zugeschrieben. Und ein sauberes und gereinigtes Blut kann man mit diesem Aufguss ebenso ansteuern.

Schlehdorn oder Schwarzdorn (Prunus spinosa) mit Blüten und Früchten ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Das Antlitz pflegen

Mit Fenchel vorgehen

Wir hängen oft viel zu sehr davon ab, wie uns andere sehen und beurteilen. Irgendwo sitzt uns da die Angst im Genick, wir könnten zu wenig gelten und – was ganz fatal wäre – zu wenig geliebt werden. Daher trachten wir danach, dass nur unsere guten und gemeinhin braven Seiten festgestellt werden und unsere Mängel und Sünden verborgen bleiben. Will man dieses Verhalten mit einem Bild beschreiben, so heißt es dann, dass wir unser Gesicht nicht verlieren möchten. Nun, das muss auch nicht sein. Der Fenchel (Foeniculum vulgare) kann uns nämlich dabei helfen, in der Tat für unser Antlitz etwas zu tun, jedoch nur für die Haut darauf. Jetzt, wo sich unser Leben wieder mehr nach draußen verlagert, ist es nicht schlecht, eben für das Gesicht und dessen Aussehen zu sorgen, indem man mithilfe pflanzlicher Unterstützung die Struktur der äußersten Schicht fördert. Natürlich kommt es auf den Typus an, der sich dort abzeichnet. Nicht wenige sind damit unzufrieden, weil sich vielleicht durch eine fettige Beschaffenheit der Haut nur allzu leicht Unreinheiten bilden, die in weiterer Folge dazu beitragen können, dass sich Entzündungen und Pickel einstellen. Das sollte in erster Linie Anlass dafür sein, die Weise zu überdenken, wie man sich ernährt. Mit dem Fenchel kann man zusätzlich eine wohltuende Pflege anwenden. Das Samenkorn des Doldenblütlers enthält nämlich wertvolle ätherische Öle, die auf gute Art zum Tragen kommen können. Sie wirken reinigend und stärkend. Und es kann spannend sein, ein Hautwasser aus eigener Produktion dafür zu verwenden. Auf Hausgemachtes darf man ja zu Recht stolz sein. Den Fenchel kann man in guter biologischer Qualität ganz einfach erwerben. Und dann braucht es nur noch ein wenig Geschick samt Geduld, um sein Gesicht zu pflegen. Es ist natürlich auch nicht schlecht, seine inneren Qualitäten und Charakterstärken zu fördern. Das ist aber dann eine andere Geschichte!

Hautwasser fürs Gesicht

4 Esslöffel voll Fenchel in einem Mörser zerstoßen, mit 3/4 Liter kochendem Wasser übergießen und 30 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Abseihen, auskühlen lassen und in eine Literflasche gießen. Mit 70%igem Alkohol auffüllen, verschließen, durchschütteln und noch 14 Tage dunkel stehen lassen. Danach zur Verwendung in braune Fläschchen abfüllen. Morgens und abends das Gesicht damit abtupfen. Das trägt für einen schönen Teint bei und fördert zudem die Widerstandsfähigkeit der Haut.

Fenchel (Foeniculum vulgare) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya