Lockerung für Leib und Seele

Die Königskerze als Hilfe

Entspannungsübungen gibt es viele. Manche Techniken dürfen aber dahingehend befragt werden, ob sie nicht auch gleichzeitig eine religiöse oder zumindest weltanschauliche Draufgabe mitliefern, die kaum etwas mit unseren europäischen Wurzeln zu tun haben. Bei Kräutern können wir auf Nummer sicher gehen, dass sie uns nicht etwas weismachen und uns schon gar nicht bekehren wollen. Aber sie geben uns eindeutig etwas vor, wie z. B. die Königskerze (Verbascum densiflorum). In erster Linie weist ihr aufwärtsstrebender Wuchs augenfällig die Richtung zum Himmel. Von dorther bezieht die Pflanze auch ihre Kraft, denn ohne Wärme und Licht, die seitens der Sonne auf die Erde treffen, würde sie kümmern und kaum zur Entfaltung kommen. Mittels ihrer Wirkkräfte transformiert die Königskerze dann gleichsam die vorhandene sommerliche Energie und speichert diese, damit wir sie von Zeit zu Zeit dort abrufen können. Sosehr die Wollblume, wie dieses Kraut auch gerne bezeichnet wird, für das Ausheilen entzündeter oder verschleimter Atemwege herangezogen wird, sollte man dennoch die Bandbreite ihrer anderen förderlichen heilsamen Wirkungen nicht unterschätzen. Die Überlieferung unserer Altvorderen beschreibt, dass die Königskerzenblüten blutreinigend, harntreibend, auswurffördernd und beruhigend sind. Darüber hinaus erweisen sie sich als erweichend auf die Haut, die Muskeln und das Gemüt. Und genau Letzteres dürfen wir gerade in den freien Zeiten des Sommers unterstützen. Da stehen die Blüten der Königskerze ohnehin griffbereit im Garten sowie am Wegrand da und warten förmlich darauf, verwendet zu werden.

Entspannender Tee

Getrocknete Königskerzenblüten werden im herkömmlichen Heißaufguss aufgebrüht und nach 15 Minuten nicht nur abgeseiht, sondern vorsichtshalber noch filtriert, da sie mit kleinsten Flimmerhärchen bestückt sind, die unsere Atemwege reizen könnten. Um sich körperlich und seelisch zu entkrampfen bzw. nach Anstrengungen lockerer zu werden, kann man eine Zeitlang den Tee morgens und abends nicht nur trinken, sondern ihn ebenfalls für Körperwaschungen verwenden, um ihre Heilkraft auch über die Haut wirken zu lassen.

Königskerze ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





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