Von Kopf bis Fuß

Mit Weihrauch die Haut pflegen

Mit dem Start der Badesaison hat man heuer länger zuwarten müssen als sonst. Die Temperaturen waren alles andere als einladend. Die Hoffnung, sich im Freien wieder ins erfrischende Nass schmeißen zu können, dürfte aber in den kommenden Tagen an Berechtigung zulegen. Die Haut ist für so manche sonnigen Minuten dankbar, sofern man nicht zu empfindlich auf die Bestrahlung reagiert. Mit dem Weihrauch kann man übrigens ebenso etwas für die äußere Schutzschicht tun. Sowohl der liturgisch verwendete als auch der medizinisch verarbeitete Weihrauch ist nichts anderes als ein Gummiharz aus dem Stamm des Weihrauchbaumes Boswellia. Bei Erhitzen desselben kommt es zur allseits bekannten aromatischen Rauchentwicklung, die an und für sich schon eine reinigende und desinfizierende Wirkung zeigt. Eine extra aus Weihrauch aufbereitete Lotion hilft mit, die Haut zu straffen und zu stärken. Da aber unsere Körperoberfläche jeweils das Gute, das sie erfährt, an die darunterliegenden Bereiche weitergibt, profitieren nicht zuletzt schmerzende Gelenke und Muskeln von dieser Anwendung. Und die benötigen wir ebenfalls beim eingangs angesprochenen Schwimmen. Manchmal heißt es nach einer sportlichen oder sonstigen anstrengenden körperlichen Betätigung auch nachzuarbeiten, weil vielleicht der Bewegungsapparat zu sehr in Anspruch genommen wurde und sich mit mehr oder weniger schmerzlichen Symptomen zu Wort meldet. Gerade hierbei dürfen wir in der Sorge um unser Wohlbefinden auf den Weihrauch in Form einer flüssigen Aufbereitung zugreifen. Fast bin ich versucht, das Motto der Feuerwehren im Hinblick auf den Weihrauch und seiner naturheilkundlichen Verwendung umzuformulieren: Gott zur Ehr, den Menschen zum Wohle! Einen erholsamen Sonntag Ihnen allen!

Weihrauch-Lotion und Johanniskraut-Öl

Mit regelmäßigen Einreibungen mittels der von Hermann-Josef Weidinger entwickelten Weihrauch-Lotion erzielt man eine Straffung der Haut und ein Verzögern der Faltenbildung. Bei Gelenksschmerzen und Muskelkater, bei Verspannungen oder rheumatischen Leiden ist eine Einreibung mit derselben ebenso zu empfehlen. Zusätzlich wäre es sinnvoll, nach dem Auftragen der Lotion die Hautstellen mit Johanniskraut-Öl zu massieren. Etwas Vorsicht ist dann geboten, da Johanniskraut die Haut sonnenempfindlich macht. Während der Zeit der Anwendung eher im Schatten aufhalten. Die Lotion und den Ölauszug kann man im Kräuterpfarrer-Zentrum mit ausführlicher Beratung anfordern (Tel. 02844/7070-DW 11 od. 31), per E-Mail: bestellung@kraeuterpfarrer.at oder auch im Webshop: www.kraeuterpfarrer.at


Weihrauchkörner und Gefäß ⓒ Foto: Kräuterpfarrer Benedikt O.Praem.





Das Denken auffrischen

Der Quendel leistet seinen Beitrag dazu

Es gibt den berühmten Ausspruch, der einen scherzhaft auffordert, das Denken den Pferden zu überlassen. Nun, manche werden schon dankbar sein, wenn die Möglichkeit besteht, die geistige Tätigkeit unseres Gehirns delegieren zu können. Doch in der Regel sind wir alle gern selbst und ganz persönlich Herr über unsere Sinne und Gedanken. Und dennoch kann es manchmal auch einfach zu viel werden, wenn z. B. ein Termin den anderen jagt oder drei Dinge zur selben Zeit erledigt werden sollten. Unter den Kräutern gibt es Gewächse, wie es z. B. der Quendel (Thymus serpyllum) ist, dem man aufs Erste gar nicht zutraut, etwas mit den kognitiven Anstrengungen zu tun zu haben. Meist übersieht man diesen Lippenblütler in freier Natur aufgrund seines niedrigen Wuchses, die es notwendig macht, genau auf den Wiesenboden zu blicken, um diesen wertvollen Gesellen auszumachen. Hilfreich ist jedoch das Aroma, das sich aus dem sonnenbeschienenen Grasbewuchs erhebt und vom dort wurzelnden heilkräftigen Lippenblütler ausgeht. Oft halte ich gerne fest, dass die mit ätherischen Ölen und der Nase schmeichelnden Düfte erfüllte Luft uns automatisch dazu animiert, ganz bewusst und tief einzuatmen. Die damit verbundene erhöhte Zufuhr an Sauerstoff bewirkt über den Blutfluss bereits, dass sich ein gestresster Körper entspannt und ein angespannter Geist ein wenig lockert, um wiederum besser zu Sinnen zu kommen. Manchmal ist es einfach gut, etwas völlig anderes zu tun, als es uns der Arbeitsalltag vorzugeben scheint. Das kann z. B. eine manuelle Tätigkeit im Garten sein. Übrigens lässt sich der Quendel auch ganz praktisch in Form einer Anwendung für unsere geistigen Tätigkeiten zum Einsatz bringen.

Einreibung für Kopf und Rücken

Von Blütenspitzen des Quendels, die prinzipiell ab Mai geerntet werden können, nimmt man eine Menge von ca. 150 g und gibt sie in ein verschließbares Weißglasgefäß, in das zusätzlich 1 Liter 75%iger Ansatzalkohol gefüllt wird. 14 Tage ans Fenster stellen und einmal am Tag durchschütteln. Zum Schluss abseihen und mit 1/2 Liter destilliertem Wasser verdünnen. Somit hat man eine wertvolle Einreibung gewonnen, die man ab und zu für die Stirn, den Nacken und die Wirbelsäule verwenden kann, um Entspannung und zugleich eine Stärkung des Gedächtnisses und der Denkkraft zu erhalten.


Quendel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Blatt um Blatt sammeln

Das Birkenlaub trocknen und nutzen

Die Gunst der Stunde bietet sich einem oft recht selten dar. Manchmal meint man, es habe sich alles gegen einen verschworen, will man eine Idee oder ein Projekt in die Tat umsetzen. Meist braucht es eine lange und zähe Geduld, bis jemand seine Vorstellungen verwirklichen kann. In der Natur kehrt jedoch so manche Gelegenheit Jahr für Jahr wieder. Bei diesem Gedanken fällt mein geistiger Blick auf die Birken. Durch ihre Schnellwüchsigkeit bewahren sie sich etwas Jugendliches, etwas Frisches. Genau dieser Wesenszug kann in gewisser Weise auf unseren Körper übertragen werden. Wenn die Birken jetzt nämlich in vollem Laub stehen, darf man darangehen, ihre jungen, aber bereits voll ausgebildeten Blätter zu sammeln. In den Monaten Mai und Juni besitzen sie die meiste Kraft. Zudem sind sie noch nicht so hart und ledrig wie dann in den kommenden Sommermonaten. An einem schattigen Platz legt man das duftende Grün in dünner Lage auf Packpapier auf, um es schonend zu trocknen. Damit gewinnt man eine Reserve, die sich das restliche Jahr über gut einsetzen lässt. Es wäre schade, wiederum ein Jahr warten zu müssen, um das Versäumte nachzuholen. Achten wir auf unsere Gefäße, die für den Transport des Blutes zuständig sind, so ist es sicherlich gut, wenn diese nicht verhärten und somit geschmeidig bleiben. Ablagerungen sollten dort ebenso hintangehalten werden. Nutzen wir also die Gunst der Stunde, um mithilfe der Birken einen guten Zustand der Adern zu unterstützen.

Birkenblätter als Tee

2 Esslöffel gut getrockneter und fein zerschnittener Birkenblätter werden mit 1/2 Liter kalten Wassers übergossen. Danach kurz aufwallen und 15 Minuten ziehen lassen. Abseihen und mit etwas Honig süßen. Nach dem Abkühlen den Tag über verteilt trinken. Das wirkt einer Verhärtung der Adern entgegen und kann die Gefahr der Arteriosklerose verringern.


Birkenblätter und Blüten ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Küchengrün für die Verdauung

Das Basilienkraut ist dafür bestens geeignet

In der Schule ist es von großer Bedeutung, nicht nur technisches oder rechnerisches Können auf den Lebensweg mitzubekommen. Schließlich ist der Mensch alles andere als eine Maschine. Auch lediglich Grammatik auswendig zu lernen und zu beherrschen, wird noch keinen lyrischen Zeitgenossen aus einem machen. Insofern hatte Bundeskanzler Kreisky schon recht, wenn er meinte: „Lernen Sie Geschichte, Herr Reporter!“ Tun wir das einmal bei den Kräutern. Im alten Ägypten z. B. schätzte man durchaus die Gewürzpflanze Basilikum, deren Zweige in Form eines Kranzes als Grabbeigabe dienten. Ursprünglich wuchs das Basilienkraut, oder eben besser als Basilikum (Ocimum basilicum) bekannt, im tropischen Asien, von wo es mithilfe von Händlern bald in den Mittelmeerraum gelangte. In unseren Breiten ist diese Heilpflanze ausschließlich ein Gartengewächs, das extra gepflanzt und vor Frost geschützt werden muss. Glücklicherweise gedeiht das Basilikum auch im Blumentopf am Fensterbrett und blüht zwischen Juni und September. Will man das Kraut ernten, sollte man dies aber schon vor der Blütezeit tun. In der Küche verwendet man sowohl die grünen Blätter als auch die getrocknete Pflanze. Aufgrund des hohen Gehalts an ätherischem Öl soll man aber die frisch geerntete Ware niemals mitkochen. Basilikum wirkt appetitanregend. Hustenstillend und schweißtreibend. Und es hat noch einen Vorteil für unsere Verdauung. Im Zuge des Essens gelangen verschiedene Gemüsesorten in den Magen, die in weiterer Folge unangenehme Blähungen auslösen können. Doch das kann durchaus ein wenig eingedämmt werden.

Weitgefächertes Gewürz

Um die Speisen am Tisch einerseits mit einem besonderen Geschmack zu bereichern und gleichzeitig für die Gesundheit etwas zu tun, kann man nach dem Basilikum in jeglicher Form greifen. Damit meine ich frische, getrocknete oder pulverisierte Blätter des Krautes. Besonders bei Gemüse wie Kohl, Erbsen, Linsen oder Bohnen sollte das Basilikum beigegeben werden, um Blähungen im Darm hintan zu halten. Doch auch bei Fleischspeisen und allen nicht süßen Gerichten kann man das Basilikum hinzufügen, solange der Gaumen nichts dagegen hat.


Basilikum ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Auf die Haut geschaut

Und an die Schwarzerle denken

Lebensbegleiter sind wahrlich oft gefragt. Einmal sind es psychologische Spezialisten, die mit so mancher Therapie etwas wieder ins Lot bringen können, das unser Wesen entstellt und ein andermal wirken gute Freunde einfach stabilisierend in dem Auf und Ab unserer Tage und Jahre. Nicht zu vergessen seien hier auch die geistlichen Begleiter, die mit ihrem Ohr, ihrem Mund und dem kirchlichen Sakrament der Versöhnung Heil bewirken. Die Flüsse haben sich anscheinend Pflanzen für diesen Dienst erkoren. Die Schwarzerlen (Alnus glutinosa) sind wohl hierzulande an erster Stelle zu nennen. Kaum ein Bach oder ein Fluss, der sich eines natürlichen Bettes erfreuen darf, kommt offenbar ohne sie aus. Denn die Wurzeln der Schwarzerlen sind wahre Meister im Befestigen der Bach- und Flussufer und gehen gleichsam eine Symbiose mit den Gerinnen ein. Dann und wann muss auch ein Erlenbaum gefällt werden. An den Schnittstellen leuchtet in der Folge das Holz rotorange auf, so dass man zudem an diesem Merkmal feststellen kann, dass es sich um Erlenholz handelt. Im Möbelbau ist dieser Grundstoff durchaus von hohem Interesse. Bei einer Renaturierung eines Gewässers sollten auf jeden Fall die Schwarzerlen ein Wort mitzureden haben. Im Blick auf unsere gesundheitliche Begleitung ist es die Haut, die durch die Nähe dieses Birkengewächses einen Profit erhält. Es handelt sich dabei aber weder um ein Harz, das von dem Baum gewonnen würde noch fällt für unsereins eine Frucht davon ab. Die Blätter vermögen jedoch, die eine oder andere Wohltat zu vermitteln, wenn es da und dort juckt und beißt oder die Spannkraft unserer Schutzschicht nachlässt. Immerhin dürfen wir jetzt schon damit beginnen, uns der Erlen zu bedienen.

Hautstärkendes Bad

150 g frische oder getrocknete Blätter der Schwarzerle werden zerkleinert und mit 2 Liter kochendem Wasser übergossen. 20 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Dann den Tee abseihen, ins Badewasser gießen und 20 Minuten darin baden. Damit lässt man der Haut eine Unterstützung bei Hautausschlägen zukommen. Die Anwendung bewährt sich ebenso bei Hautunreinheiten und hemmt zudem die Faltenbildung.


Schwarzerle ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Trockenlegung im Körper

Brennnessel-Wurzeln leiten aus

Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Man kann dem Gras in der Tat beim Wachsen zusehen. In raueren Regionen wiederum beginnen manche Baumarten gegenwärtig erst mit der richtigen Entfaltung ihres Blattwerkes. Jeden Tag schreitet das Wachstum voran. Gewiss gilt es vor allem im Garten in ein derartiges Ranking einzugreifen, wenn man möchte, dass die eigens gesetzten Blumen oder Gemüsepflanzen ungehindert heranwachsen können. Die Brennnesseln (Urtica) zeigen schon seit den schneefreien Zeiten, was sie an Selbstbewusstsein zur Schau stellen können und nehmen in der Platzwahl daher keine Rücksicht auf menschliches Planen und Wollen. Da nützt ein oberflächliches Ausreißen und Abmähen nichts, will man diesem durchaus liebenswerten Kraut Herr werden. Hier muss man schon an die Wurzeln gehen, die ihrerseits ebenfalls unsere Bewunderung verdienen. Kräftig und weit verzweigt bemächtigen sie sich des vorhandenen Erdreichs und beherrschen somit das ganze Terrain in ihrer Umgebung. Von den grünen Teilen der Brennnesseln wissen wir, wie sehr sie zur Förderung unserer Gesundheit herangezogen werden können. Denkt man in logischer Folge weiter, kommt man schnell zu der Erkenntnis, dass sich ein ähnlicher Vorteil desgleichen in den Wurzeln befinden müsste. Und dies trifft in der Tat auch zu. Die blutreinigende Kraft der wehrhaften Gewächse ist ja ohnehin bekannt. Aber man darf sich ruhig genauso der Vorteile des Brennnesseln bedienen, wenn es gilt, im Körper so manche Ansammlung an Flüssigkeiten wiederum abzuleiten und das Gewebe bildlich gesprochen „trockenzulegen“. Pfarrer Sebastian Kneipp, dessen Todestag sich heuer zum 120. Mal jährt, sagte über die Wurzeln der Brennnesseln, sie würden mit allen faulen Säften im Leib aufräumen. Nun denn!

Brennnesselwurzel-Tee bei Wasseransammlungen

Am besten nimmt man dazu getrocknete Wurzeln der Brennnesseln, die beim Jäten im Garten anfallen. Der Tee wird aus den zerkleinerten Pflanzenteilen in Aufkochung zubereitet, d. h. 2 Teelöffel voll in 1/4 Liter kaltes Wasser geben und 5 Minuten am Herd kochen lassen. Abseihen und in eine Thermosflasche füllen. Bei beginnender Wassersucht am besten 3 Tassen täglich davon trinken, um eine „trocknende Wirkung“ zu erzielen. Voraussetzung dafür ist jedoch ein intakter Kreislauf und ein halbwegs gesundes Herz.


Brennnesseln mit Wurzeln ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Grüne Pirsch

Treibende Kraft der Fichten

Die heilige Kirchenlehrerin und Äbtissin Hildegard von Bingen hat den Begriff der Grünkraft geprägt, mit dem sie das göttliche Leben umschreibt, das die Schöpfung durchdringt. In diesem Sinne kann man ruhig davon sprechen, dass der Schöpfer momentan ganz kräftige Signale an den Menschen schickt. So mancher Forstmann sieht das gewiss mehr ökonomisch, wenn die Nadelbäume zu „schieben“ beginnen. Gerade in gebirgigen Regionen ist die Fichte (Picea abies) zu Hause. Für die heimische Forstwirtschaft ist dieser Wirtschaftsbaum ja gar nicht wegzudenken. Je höher der durchschnittliche Jahresniederschlag ausfällt, desto lieber ist der Fichte ihr Standort und desto höher ist der Zuwachs zu beobachten. In einem Land, wo der Wald eine so wichtige Rolle spielt wie eben in Österreich, dürfen wir uns auch seiner Wertschöpfung in Sachen Gesundheit besinnen. Die Fichtenäste strecken uns derzeit in ihren frischen Trieben gleichsam die Hände entgegen, um mit ihrer Hilfe wieder einen bewussten Schritt Richtung Heilung zu tun. Heute will ich daher auf eine Region hinweisen, die wir in der Regel mehr dem Internisten überlassen, wenn es zwischen den Rippen und dem Nabel zu einem Unwohlgefühl oder gar zu Schmerzen kommt. Dies ist auch durchaus ratsam, wenn man eben negative Veränderungen an sich bemerkt. Mit dem frischen Grün jedoch kann man vorbeugend bzw. fördernd vorgehen, um sich ab und zu etwas Gutes zu tun. Da sich also das Angebot momentan ganz neu und frisch anbietet, sollten wir einfach zugreifen.

Auflagen für den Oberbauch

Frisch treibende Nadeln, junge Sprossen und noch gänzlich grüne Zapfen der Fichte soll man für diese Anwendung als erstes sammeln, aber nur aus dem eigenen Wald bzw. mit Erlaubnis des Waldbesitzers. Darauf achten, keinen Schaden an jungen Aufforstungen anzurichten. Das Erntegut feinsäuberlich zerkleinern und zu gleichen Teilen abmischen. 100 g davon in 2 Liter Wasser abkochen, 10 Minuten ziehen lassen und dann abseihen. 3-mal täglich als Auflage am Oberbauch anbringen und 1/2 Stunde damit ruhen. Das fördert die Durchblutung dieser Region und gleichzeitig die Tätigkeit der darunter liegenden Organe.


Fichtenwipferl und Zapfen ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Den Müttern zum Wohle

Väter profitieren ebenfalls vom Beifuß

Viel Segen, Freude und Wohlergehen allen Müttern, die wir heute besonders für ihren wertvollen Dienst in der Familie ehren wollen! Und weil Sonntag ist, darf ebenso ein gutes Essen nicht fehlen. Dabei tut es nichts zur Sache, ob daheim oder im Gasthaus eingenommen: Hauptsache es schmeckt! Aber dabei kann es sein, dass die Verdauung umso mehr zu arbeiten hat und damit den Magen, die Galle und die Leber belastet. Unsere Urgroßmütter hätten uns in diesem Falle schon zu ihren Lebzeiten den Beifuß anheim gestellt. Dies ist ein Kraut, das fast überall in Schottergruben und auf Böschungen wächst. Man hat es sogar als Einstreu verwendet, um aufgrund der Inhaltsstoffe – in unserem Fall vor allem Thujon und Campher – das Ungeziefer zu vertreiben. Dieses Bitterkraut ist bei uns in Europa heimisch, darüber hinaus in Asien und sogar in Nordamerika. Aus der jahrhundertelangen Erfahrung mit dem Beifuß weiß man, dass dieses Gewürz den Gallenfluss anregt und den Magen und den Darm beim so genannten „Zerteilen“ fetter Speisen hilft. Heute dürfen wir aber besonders Bedacht darauf nehmen, inwieweit der Beifuß der weiblichen Hälfte des Menschengeschlechts beistehen kann. Und dabei werden wir durchaus fündig. Bevor das Kraut zur Blüte kommt – das passiert in der Regel erst im Hochsommer – wird es an unbelasteten Standorten geerntet und getrocknet. So bleibt es ein ganzes Jahr lang halt- und verwendbar. Die Kulinarik wurde bereits angesprochen. In der Leibesmitte der Frau, wo das Leben von uns allen einst seinen Anfang nahm, braucht man auch hie und da eine Unterstützung. Daher soll heute ein konkreter Tipp dazu nicht fehlen.

Beifußtee für die Frau

Aus getrockneten und zerkleinerten Blättern und Triebspitzen des Beifußkrauts kann man einen Tee im Heißaufguss zubereiten. Dazu nimmt man 2 schwache Teelöffel der Droge und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten ziehen lassen und abseihen. Ungesüßt trinken. Das kann von Vorteil sein, wenn es Beschwerden rund um das kleine Beckenorgan der Frau gibt. Ebenso tut dieser Tee gut, um die Periode zu begleiten, im Zuge deren es manchmal zu Unpässlichkeiten kommen kann.


Beifuß ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Beruhigung fördern

Mit Baldrian und anderen Kräutern

Nervosität und Stress sind Gegebenheiten, die man leider aus dem Alltag nicht so leicht verbannen wird können. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Gemütlichkeit und menschengerechtes Tempo bei allem, was zu erledigen ist, scheinen längst der Vergangenheit anzugehören. Was zählt, ist der Profit und nicht so sehr der Mensch an sich. Deswegen braucht man aber auch nicht den Kopf in den Sand stecken. Unterstützung gibt’s hierbei aus dem Reich der Pflanzen. Der Baldrian (Valeriana officinale) gehört z. B. zu den Gewächsen, die mit einem feuchten Standort durchaus gut zurecht kommen. Daran ändert auch ein kurzfristig überflutetes Ufer nichts. Es ist hinlänglich bekannt, dass der Baldrian eine beruhigende Wirkung auf uns hat. Beim ihm verwendet man vor allem die getrocknete Wurzel. In den Reigen der nervenstärkenden Gaben der Schöpfung reiht sich ebenfalls der Echte Hopfen (Humulus lupulus) ein, der uns zumindest aus der Bierbraukunst geläufig ist. Hinzu gesellt sich als Dritte im Bunde die Melisse (Melissa officinalis), die wiederum durch ihr angenehmes Aroma vielen von uns leicht zugänglich ist. Immer wieder kann es im Alltag zu spannungsreichen und damit zu herausfordernden Situationen kommen, denen wir uns umso leichter stellen können, wenn unser Inneres nach Möglichkeit gut gefestigt ist. Dazu benötigt man jedoch nicht gleich eine so genannte chemische Keule. Für den Organismus und den Geist ist es sicher schonender, mit pflanzlichen Substanzen vorzubeugen bzw. manches abzufedern. Im Baldrian und seinen Gefährten finden wir hierein die passende Unterstützung.

Bei starker Nervosität

Von der getrockneten und zerkleinerten Baldrianwurzel , von den ebenso beschaffenen Hopfenblüten und dem Melissenkraut stellt man eine Mischung zu je gleichen Teilen her. Davon nimmt man dann 2 Teelöffel voll, übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser und lässt beides zusammen 15 Minuten zugedeckt ziehen. Danach abseihen. Um die Nerven zu stärken, trinkt man sowohl am Nachmittag und am Abend 1 Stunde vor dem Schlafengehen je 1 Tasse davon. Das kann sich positiv auf die Nachtruhe und in weiterer Folge auf den nächsten Tag auswirken.


Baldrian ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Heilkraft aus Blättern

Vom Holunderstrauch gewinnen

Mir kommt vor, es gibt noch vielerorts Ressentiments, wenn ich u. a. bei meinen Vorträgen dazu einlade, eine richtige Freundschaft mit den Heilpflanzen zu stiften. Nun gut, ein Gewächs hat kein menschliches Antlitz und nicht einmal ein weiches Fell, das man streicheln könnte. Aber immerhin geben uns die Pflanzen sehr viel Heilsames weiter, das uns besser leben lässt. Ein besonders guter Freund ist der Schwarze Holunder (Sambucus nigra). Er wächst ohnehin gern in der Nähe des Menschen und bietet sich jedes Jahr neu mit seinen Gaben an. Bald sendet der Schwarze Holunder visuelle Signale in Form seiner schirmförmigen rahmweißen Blüten sowie einen angenehmen Duft, der aus eben diesen Blüten aufsteigt, aus. Da wird es wieder Zeit sein, um einen köstlichen Saft mit diesen seinen Pflanzenteilen anzusetzen, der nicht nur herrlich schmeckt, sondern darüber hinaus dem ganzen Organismus gut tut. Wenn die Liebhaber dieser Erfrischung dem übrigen Grün auf den Holundersträuchern nicht viel abgewinnen können, so darf man ihnen dies nicht gleich übel nehmen. Dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass es ebenfalls alte Hausmittel gibt, die man zusammen mit den Blättern zur Anwendung bringen kann. Gewiss handelt es sich dabei um eine rein äußerliche Maßnahme. Aber vielleicht kann dem einen oder anderen damit geholfen werden. Öfter als uns lieb ist, treten unter den Nägeln der Finger oder der Zehen Entzündungsherde auf, die gleichzeitig mit unangenehmen Schmerzen einhergehen. Als echter Freund weiß der Holunder den davon Betroffenen beizustehen.

Holunderblätter fürs Nagelbett

Bei Entzündung eines Nagelbetts kann man eine Holunderauflage als begleitende und durchaus heilungsfördernde Maßnahme auflegen. Dazu nimmt man 3 frische Blätter vom Holunderstrauch und reinigt sie unter fließendem Wasser. Danach die Stängel entfernen und die Blätter fein zerkleinern. Mit etwas Wasser unter Umrühren solange kochen, bis ein dicker Brei entsteht. Vom Herd nehmen und ein paar Tropfen kaltgepresstes Olivenöl hinzugeben. Auf ein Leinenfleckerl streichen und am besten abends in Form eines Fingerlings erträglich warm anlegen. Am Tag darauf entfernen, abwaschen und mit Arnikatinktur die entzündete Zone einreiben.


Schwarzer Holunder ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya