Ein bisschen Wärme tut gut

Mit der Zypresse in den Süden blicken

Wer meint, dass Väterchen Frost bereits an Altersschwäche zu leiden scheint, der hat sich mit dieser Annahme im heurigen Winter gehörig geirrt. Trotz aller Nachteile, die gegenwärtige Minustemperaturen mit sich bringen können, geht in der Natur draußen gleichzeitig ein reinigender und ausgleichender Prozess einher, den wir in den letzten Jahren schmerzlich missen mussten. Die Gedanken jedoch bleiben gottlob frei und niemand kann uns daran hindern, über sie in den Süden zu gleiten. In mediterranen Zonen werden die Wege sehr oft von Zypressen (Cupressus sempervirens) gesäumt, die in schlanken Säulen den kargen Fluren ein eigenes Gepräge verleihen. An und für sich strahlt dieser Baum eine Erhabenheit aus, die ihn kühn und ein wenig unnahbar auf den Betrachter wirken lässt. Und dennoch ist es ein liebenswertes pflanzliches Wesen, das in der Lage ist, sowohl der physischen als auch der psychischen Gesundheit etwas Hilfreiches anzubieten. In erster Linie ist es das ätherische Öl, das sich in den grünen Pflanzenteilen wie den Zweigen und den heranreifenden Nüssen birgt. Aus der Antike sind uns z. B. Berichte überliefert, denen zufolge die Damaligen den Wein mit kleinen Zypressenästchen zu würzen pflegten. Das hatte nicht nur auf das Aroma des mehr oder weniger edlen Tropfens eine Auswirkung. Darüber hinaus wurde aus den Zweigen ein balsamisches Harz gelöst, was sich wiederum heilend und stärkend auf die Atemwege auswirkte. Rheuma- und Gichtkranke können sich auch heute noch der Zypressen bedienen, die man dann folgendermaßen aufbereitet.

Ölauszug aus Zypressen

Dort, wo Zypressen gedeihen, kann man im Frühling einige junge Zweigspitzen ihrer Äste abschneiden und zerkleinern. In einem Verhältnis 1 : 4 setzt man die grüne Ware mit einem kaltgepressten Olivenöl oder einem anderen adäquaten Pflanzenöl an und lässt das Ganze 3 Wochen lang stehen. Danach abseihen und noch zusätzlich mit einem reinen ätherischen Zypressenöl aufbessern (1 bis 2% der vorhandenen Menge). Dieses Öl dunkel und kühl lagern. Es eignet sich gut als Massageöl bei Rheuma- und Gichtbeschwerden.


Zypresse ⓒ Grafik von Prof. Emil Jaksch, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





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