Der Blutarmut entgegenwirken

Das Lungenkraut als Bereicherung erfahren

Der Osterspaziergang hat sich ausgezahlt. Endlich hatte ich nach den liturgiereichen Tagen ein wenig Zeit für mich. Entlang des Thayaflusses, der streckenweise die Grenze zwischen Österreich und Tschechien bildet, führten meine Schritte über eine frühlingshafte Wiese, die an einer schattigen Stelle über und über mit Schneeglöckchen übersät war. Beim Zurückkehren nahm ich einen Abkürzer über einen dichten Fichtenwald, wo ich dort am Wegrand einen anderen Frühlingsboten antraf: das Echte Lungenkraut (Pulmonaria officinalis). Vielen ist diese schmucke Blume unter den Bezeichnungen „Brüderchen und Schwesterchen“ oder „Hänsel und Gretel“ bekannt, da ihre Blüten in den Farben rosa und blau variieren. Botanisch gesehen, zählt es zur Familie der Raublattgewächse und ist daher z. B. mit dem Borretsch verwandt. Als Inhaltsstoffe finden sich im Lungenkraut neben Schleimstoffen und Kieselsäure auch Gerbstoffe. Schon Hildegard von Bingen, die das Gewächs als Lungenwurz bezeichnet, empfiehlt dessen Verwendung bei verschiedenen Krankheiten, u. a. auch bei entzündeten Atemwegen. Darüber hinaus lässt sich aber das Lungenkraut noch anders einsetzen. In unserem Organismus spielt das Blut eine tragende Rolle. Dieses braucht genug rote Blutkörperchen, um ausreichend Sauerstoff durch den Leib transportieren zu können. Diesen Prozess kann man vor allem dadurch fördern, indem man danach trachtet, über die Nahrungsaufnahme und die Flüssigkeitszufuhr auch Eisen aufzunehmen. Andernfalls kommt es zu einem Mangel desselben und in der Folge dann zur so genannten Blutarmut. Im Lungenkraut ist das Eisen ebenfalls enthalten. Daher möchte ich es im Gedanken abpflücken und meinen Lesern als einen gesunden Frühlingsgruß überreichen.

Eisenhaltiges Lungenkraut:

Um die Zufuhr an notwendigem Eisen zu steigern, kann man neben anderen Maßnahmen wie das Essen von frischem Gemüse und Vollkornprodukten auch das Lungenkraut in Erwägung ziehen. Eine Tee aus den getrockneten Blättern ist leicht zubereitet: 2 Teelöffel der zerkleinerten Droge werden mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. 2 Tassen pro Tag trinken. Man kann auch frische Triebe der Pflanze in einem geringen Ausmaß unter einen Frühlingssalat mischen.


Lungenkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Sich mit Pflanzenduft umgeben

Rosmarin als Verbesserer der Schrankatmosphäre

Die Nase ist eine ganz wertvolle Hilfe, die uns der Schöpfer mit auf den Weg unseres Lebens gegeben hat. Gewiss ist das Riechorgan bei manchen uns lieb gewordenen Haustieren wie etwa den Hunden viel sensibler ausgebildet, doch sollten wir unsere Fähigkeiten in dieser Hinsicht auch nicht unterschätzen. So wissen wir z. B. öfter als uns recht ist, was uns nicht unter die Nase kommen sollte. Mit dem Rosmarin (Rosmarinus officinalis) möchte ich mich heute ganz bewusst diesem Thema zuwenden. Dieser mediterrane Lippenblütler vermag mit seinen Wirkstoffen den Leib in eine freudige und lebendige Stimmung zu versetzen. Das geschieht entweder durch das Trinken eines Rosmarin-Tees oder durch ein Bad, das mit einem Absud des blühenden Krautes der Gewürzpflanze als Zusatz angereichert wird. Diese unterstützenden Maßnahmen sollten jedoch am besten zwischen dem Aufstehen und dem früheren Nachmittag durchgeführt werden, damit nicht der nächtliche Schlaf durch die Nachwirkungen des belebenden Rosmarins ganz ungewollt verkürzt wird. Unter dem Motto „zurück zur Natur“ kann das Aroma dieser Pflanze, das sich beim Berühren der Zweige derselben sofort an die Finger heftet, auch zu einem kosmetischen Zweck herangezogen werden. Denn nun gilt wahrscheinlich die Aufmerksamkeit der Gartenliebhaber wiederum vermehrt den Topfpflanzen, die den Winter in frostgeschützten Räumen überdauert haben und die sich gleich uns Sonnenhungrigen ebenfalls darauf freuen, erneut ins Freie zu kommen. Vielleicht ist es im Zuge einer geplanten Übersiedlung vor die Haustür auch notwendig, den einen oder anderen Zweig des Rosmarins abzuschneiden. Solange diese noch eine gute Konsistenz aufweisen, kann man sie durchaus für den Kleiderschrank verwenden.

Kleider mit Kräuteraroma bereichern

Beim Lagern und Aufbewahren von alltäglich getragener und verwendeter Wäsche kann man sich eines guten Effekts des Rosmarins bedienen. Blühende Zweige, die bereits vor dem Auswintern von den Topfpflanzen geschnitten werden, legt man in den Kleiderkasten. Das Aroma des Rosmarins verändert so die Atmosphäre im Schrank und begleitet den Träger der Kleidungsstücke in den Tag hinein. Das erhellt nicht zuletzt das Gemüt.


Rosmarin ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein Segen von den Zweigen

Die Esche und ihre Samen

Die ersten Anzeichen des beginnenden Wachstums auf den Bäumen und Sträuchern sind jeweils ein Grund zur Hoffnung und zur Freude. Das hat man in den letzten Tagen besonders bemerkt, als die Palmkätzchen feierlich gesegnet und von den Kirchen mit nach Hause gebracht wurden. Die Weiden sind jedoch nicht die einzigen, von denen so mancher Segen abfällt. In der Naturheilkunde hat auch die Esche (Fraxinus excelsior) ihre besondere Bedeutung. An diesem Baum ist sehr vieles verwertbar. Schätzt man bei der Möbelherstellung besonders das Holz, so kann man die Rinde, die von dünnen Ästen geschält und getrocknet wird, zu einem Tee aufbrühen, der sich bei Infekten als fiebersenkend erweist und zusätzlich eine adstringierende Wirkung mit sich bringt. Letzteres kommt u. a. der Haut zugute. Junge Eschenblätter wiederum sind als Beigabe für schmackhafte Salate nicht zu verachten. In lang zurückliegenden kargen Zeiten hat man wiederum das getrocknete Herbstlaub der Bäume für das Vieh als Einstreu verwendet. Vom letzten Herbst lässt sich aber aktuell eine Gabe der Eschen sehr gut heranziehen, um damit in den neuen Frühling zu gehen. Ich meine die Samen, die zum Teil noch immer an den kahlen Ästen hängen, sofern nicht die Gimpel diese als bekömmliche Winternahrung bereits vor uns geerntet haben. Jetzt ist es besonders angesagt, den Körper beim Entgiften zu helfen. Das geschieht indirekt über eine vermehrte Harnabgabe. Wenn nun der eigene Kreislauf stabil ist sowie das Herz unbelastet und beschwerdefrei seinen treuen Dienst versieht, kann man darangehen, hin und wieder einen Eschen-Tag in das Gesundheitsprogramm des laufenden Frühjahrs einzubauen.

Tee aus Eschensamen:

20 g getrockneten Eschensamen in 1 Liter kaltem Wasser zustellen und kurz aufkochen. Dann 15 Minuten ziehen lassen und abseihen. In eine Thermoskanne gefüllt, dient diese Abkochung als Tagesgetränk, das als harntreibend gilt. Durch diese Maßnahme unterstützt man die Reinigung des Blutes sowie des ganzen Organismus.


Eschenblätter und Blüten ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Fülle der Freude

7 Kräuter halten die Sicht darauf frei

Christus ist erstanden! Er ist wahrhaft auferstanden! Halleluja! – Mit diesem christlichen Ostergruß bin ich sehr froh, mit allen, die diese Zeilen lesen, das Fest der Auferstehung feiern und teilen zu dürfen. Immer wieder begegnen uns Nachrichten und Meldungen, die uns bang ums Herz werden lassen. Beim Ostergeheimnis ist genau das Gegenteil der Fall. Es ist eine gute biblische Tradition, die Zahl 7 zu verwenden, um damit etwas Ganzes oder vielmehr eine Fülle zum Ausdruck zu bringen. So will ich es heute mit Kräutern dieser Anzahl versuchen. In alphabetischer Reihenfolge meine ich konkret die Brennnessel, das Gänseblümchen, die Gundelrebe, den Löwenzahn, die Schafgarbe, die Echte Schlüsselblume und das Wohlriechende Veilchen. Gewiss besitzt jede separate Art dieser Gewächse eine eigene Wirkkraft, die unserer Gesundheit dient. Und da kann ich nochmals in diesen Reigen einsteigen und darauf verweisen, dass die Brennnessel das Blutbild zu „verschönern“ vermag, das Gänseblümchen die Verdauung ankurbelt, die Gundelrebe den Organismus kräftigt, das Löwenzahnkraut die Leber unterstützt, die Schafgarbe krampflösende und entzündungswidrige Effekte weitergibt, die Schlüsselblume das Herz stärkt und den Harn treibt und das Veilchen u. a. den Atemwegen gut tut. Wenn während der Fastenzeit viel von Entschlacken und Entgiften des Körpers die Rede war, so soll mit den österlichen Festgerichten diesem Bestreben kein Ende gesetzt werden. Da nun die Seele einen tiefen Grund zur Freude übermittelt bekommt, dann soll die Sicht darauf durch einen gestärkten und gereinigten Leib frei bleiben und nicht durch eine wie auch immer geartete Katerstimmung getrübt werden. Eine Teemischung mit den 7 Osterkräutern hilft auf hervorragende Weise mit, dass die Fülle des Freuens ebenso mit den Sinnen spürbar wird.

Teemischung „Sieben Osterkräuter“:

Die eben beschriebenen Pflanzen sind in einer eigenen Mischung zusammengefasst und in der Kräuterstube in Karlstein erhältlich. Gönnen sie sich daher etwas ganz Konkretes, um den Organismus aufzubauen und den Körper zu entgiften. So einfach geht’s: 2 Teelöffel der Mischung mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen und 15 Minuten ziehen lassen. Danach abseihen und genießen. Am besten 3 Wochen lang 3-mal täglich eine Schale. Danach eine Woche aussetzen und wiederholen. Das ergibt genau sieben Wochen! Ab kommenden Dienstag kann man den Tee telefonisch anfordern (Tel. 02844/7070 Durchwahl 11 oder 31), im Internet schon vorher (www.kraeuterpfarrer.at).


Gänseblümchen ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Schlüsselblume ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Veilchenblüte ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Aus der Erde auferstehen

Die Meisterwurz ruht darin

Grabesruhe ist angesagt. Damit ist nicht die Zeit gemeint, die uns allen noch bevorsteht. Heute am Karsamstag sind vielerorts in den römisch-katholischen Kirchen die traditionellen Aufbauten für diesen Tag zugänglich, um des Begräbnisses Christi nach seiner Kreuzigung zu gedenken. Aus dem Grabe ist er dann von Gott dem Vater auferweckt worden, denn er hat den Tod überwunden. Unwillkürlich werden meine Gedanken daher zu den unterirdischen Pflanzenteilen der Gewächse geleitet, die bis jetzt auch in der Erde ruhten. Die Meisterwurz (Imperatoria ostruthium) hat nun ebenfalls den Winter auf diese Art überdauert und setzt bald an, sich mit ihren Blättern und in der Folge mit ihren Doldenblüten zu entfalten. Von ihrer ursprünglichen Heimat, den nördlichen Kalkalpen, hat sich die Meisterwurz im Laufe der Zeit über alle europäischen Gebirge ausgebreitet. Der heilkräftige Teil dieser Pflanze ist vor allem der Wurzelstock. Dieser ist mehrköpfig, außen bräunlich und innen milchig weiß gefärbt. Er enthält ätherisches Öl, Harz, Gerbstoffe und die Bitterstoffe Imperatorin und Ostin. In der Volksheilkunde wird die Meisterwurz feingeschnitten in Schnaps angesetzt und äußerlich als Wundheilmittel verwendet. Selbst gegen Alkoholismus wurde Meisterwurz erfolgreich eingesetzt, was ihr unter anderem den Namen Durstwurz einbrachte. Neben all diesen Erfahrungen darf man aber auch die nervenstärkende Wirkung des bergliebenden Doldenblütlers heben und nutzen. Ein ganz sensibler Bereich ist in dieser Hinsicht die Gesichtszone des Kopfes. Hierzu kann ich eine konkrete Empfehlung geben.

Hausmittel bei Gesichtslähmung:

Leider kommt es gar nicht selten vor, dass jemand Probleme mit dem Gesichtsnerv (Nervus facialis) bekommt, der für die Bewegung der Mimik und selbst für die Zunge und das Kauen seine koordinierenden Dienste leistet. Bei einer so genannten Gesichtslähmung, die unbedingt einer ärztlichen Behandlung bedarf, gibt es auch die Möglichkeit, 3-mal täglich 1 Messerspitze voll getrockneter pulverisierter Wurzel der Meisterwurz zu sich zu nehmen. Dazu sollte man überdies je 1 Tasse Beifuß-Tee trinken, die im Heißaufguss aufgebrüht wird. 6 Wochen lang als unterstützende Begleitmaßnahme anwenden.


Meisterwurz ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Eine Blüte in Kreuzform

Der Kren trägt diese und stärkt die Immunkraft

Am Karfreitag steht alljährlich das Kreuz ganz groß im Vordergrund. Dieses christliche Prägemal ziert nicht nur die unzähligen Kirchen und Kapellen, die unserem Heimatland Orientierung und Identität bieten. Es taucht in oft unvermittelt schneller Form bei jenen auf, die sich einem Schicksalsschlag in jeglicher Art und Weise zu stellen haben. Es gibt aber auch Kräuter, die scheinbar das Zeichen des Kreuzes mit sich tragen. Das ist u. a. beim Meerrettich (= Kren; österr. Ausdruck) der Fall. Die Pflanze hat den wissenschaftlichen Namen Armoracia lapathifolia. Sie zählt zu den so genannten Kreuzblütengewächsen und bildet große langstielige Blätter aus. Rispenartig trägt sie im Sommer weiße Blüten, die jeweils vier Kron- als auch Kelchblätter besitzen, die kreuzweise angeordnet sind. Das Wertvolle des Krens liegt unter der Erde. Sein walzenförmiger, ein- bis vielköpfiger Wurzelstock hat es in sich. Sobald man ihn reibt oder kostet, bekommt man die Folgen seines scharfen und im wahrsten Sinne des Wortes reizenden Geschmackes zu spüren. Kaum jemandem bleiben da die Tränen erspart. Durch seine Inhaltsstoffe, die von Vitamin C bis Schwefel reichen, ist die Krenwurzel ein natürliches Antibiotikum. Der Saft wiederum, der aus dem Meerrettich gewonnen wird, belebt die Schleimhäute des Magens und des ganzen Verdauungsapparates. Dies kann man sich gleich am Morgen zunutze machen, indem man ihn zum Frühstück bewusst mit auf den Tisch nimmt. Gerade zu Ostern sind wir doch froh, wenn unsere körpereigenen Abwehrkräfte gut funktionieren und wir nicht die freie Zeit mit einer lästigen Erkältung oder gar mit Fieber im Bett verbringen müssen. Und für die Seele ist es nur recht, wenn einem die schmerzvollen Herausforderungen, die uns mehr als uns lieb ist im Alltag begegnen, nicht total aus unserer Lebensbahn werfen. Der Kren verwandelt das Kreuz in eine Blüte. Das möge all jenen zuteil werden, denen mein Gebet und mein Gedenken unter dem Kreuz des Karfreitags gilt.

Frühstück als Abwehrkraftverstärker:

1 ganzen Apfel reiben und den Saft 1/2 Zitrone dazugeben. Dann 1 Esslöffel Honig und 2 Esslöffel Weizenkleie beifügen, 1 Esslöffel biologische Rosinen unterrühren und als Krönung 1 bis 2 Teelöffel frisch gerissenen Kren drüberstreuen. Alles noch einmal gut abmischen und am besten 1 Stück Knäckebrot dazu essen. Das tut dem Magen gut und fördert ideal die körpereigene Immunkraft.


Kren, Meerrettich mit Blüte ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Mit Kräutern auf Ostern zugehen

Verschiedene Wildkräuter als Suppengemüse

Mit dem Gründonnerstag feiern wir den ersten wichtigen Tag des heiligen Triduums des christlichen Kirchenjahres. In den Kirchen wird heute am Abend des Letzten Abendmahles gedacht, das Jesus mit seinen Jüngern vor seiner Auslieferung gefeiert hat. Im jüdischen Kalender wiederum bestimmt das Pessachfest die Frühlingszeit. Beim familiären Mahl, das im Rahmen dieses mosaischen Gedenkzeremoniells eingenommen wird, spielen Bitterkräuter eine wichtige Rolle. So dürfen auch jene, die als Christen nun den Gründonnerstag begehen, ebenso einerseits auf das Leid, mit dem wir immer wieder konfrontiert werden, durch Wildkräuter hingewiesen werden. Andererseits ist es vom gesundheitlichen Standpunkt aus betrachtet sehr förderlich, gerade in der Nachwinterszeit in hohem Maße das frische Grün aus der erwachenden Natur zu verwenden, um u. a. die tägliche Ernährung damit zu bereichern. Aus Wildkräutern lassen sich viele Spezialitäten zubereiten. Manchmal möchte man fast meinen, dass nicht nur technische Erfindungen den jeweiligen Markt bestimmen. Auch bei Kräutern wechselt offenkundig ein Trend den nächsten ab. Zu Spinat und Spiegelei, die in den heimischen Küchen wahrscheinlich den heutigen Tag dominieren, gibt es aber durchaus Alternativen. All jene, die das Fasten erst nehmen, essen gerne, um bei Kräften zu bleiben, des Öfteren eine Suppe. Heute möchte ich daher eine Wildkräuter-Suppe anempfehlen, um beim Auslöffeln derselben dem Körper etwas Gutes zu tun. Und die Zutaten dafür sind schnell bei der Hand. Ein aufmerksamer Gang durch die Natur ermöglicht bereits das Beschaffen des Notwendigen dafür. Gewiss muss auch die Witterung mitspielen, um all der erwähnten Kräuter habhaft werden zu können. Aber irgendwann kommt nach dem Gründonnerstag bestimmt die Zeit, in der man das nachstehende Rezept verwirklichen kann.

Kräutersuppe:

Folgende Kräuter werden grob gehackt, nachdem man sie gründlich gewaschen hat: Löwenzahn-, Schlüsselblumen- und Schafgarben-Blätter zu gleichen Teilen abmischen. Man kann dann noch ein wenig Quendel oder Gundermann (= Gundelrebe) dazugeben. Alles zusammen mit feingehackter Zwiebel und ein wenig Mehl anrösten. Danach mit Gemüsesuppe aufgießen und gut aufkochen. Zum Schluss die Suppe mit dem Mixstab pürieren und mit gerösteten Semmel- oder Brotwürfeln servieren. Diese Suppe reinigt und stärkt gleichermaßen unseren Organismus.


Löwenzahnblätter ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Gundelrebenzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Eine belebende Maßnahme

Die Brennnessel macht’s möglich

Morgenstund’ hat Gold im Mund! Diese Feststellung bezieht sich auf die antike personifizierte Morgenröte und auf all jene, die noch vor der Sonne aufstehen, um den Tag von seinem Beginn an zu nutzen. Gewiss gibt es viele, die damit keine Probleme haben, sich in aller Frühe aus dem Bett zu wälzen, um mit Elan ans Werk zu gehen. Meiner Meinung nach überwiegt jedoch der Prozentsatz derer, die sich lieber unter der wohlig-warmen Bettdecke noch einmal umdrehen möchten, um den Zustand der Nachtruhe möglichst lange hinauszuzögern. Mit frischen Brennnesseln, die uns schelmisch gesinnte Mitbewohner an die Haut führen würden, wären wir allesamt flugs in unseren Pantoffeln und gleichzeitig hellwach. Nun, ohne den Aberwitz heraufbeschwören zu wollen, möchte ich dennoch bei der Brennnessel (Urtica dioica) bleiben. Sie zählt zu den Kräutern, die sich besonders gut eignen, um den Frühling mit ihnen gleichsam einzuläuten. Konkret bedeutet dies natürlich, z. B. eine Kur mittels eines Brennnesseltees durchzuführen, um dem Organismus dabei zu helfen, das Blut zu säubern und die Entgiftung des Körpers zu fördern. Die Brennnessel vermag ja mit ihren Wirkstoffen eine gute Ausschwemmung des Leibes zu fördern und damit auch arthritische Erscheinungen oder Probleme mit der Blase samt der männlichen Prostata hintanzuhalten. All dies hat in der Folge ebenso positive Auswirkungen auf die Haut. Wenn nun schon die ersten Brennnessel-Triebe aus der Erde hervorlugen, dann ist es gerade richtig, eine weitere Verwendung der sonst in respektvollem Abstand gehaltenen Pflanze in Erwägung zu ziehen. Kräuterbäder sind in der Regel etwas für den abendlichen Tagesausklang. Wenn wir aber auf die Suche nach einem Verweilen in der Badewanne gehen, das eine belebende Wirkung mit sich bringt, so werden wir bei der Brennnessel durchaus fündig. Und die Haut wird obendrein vitaler.

Brennnessel-Bad in aller Früh:

Von den frischen Trieben bzw. Blättern der Brennnesseln, die zuvor zerkleinert wurden, nimmt man eine Menge von ca. 150 g, die man mit 2 Litern kochendem Wasser übergießt. 20 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Dann abseihen und dem Badewasser beifügen. 15 Minuten in der Wanne bleiben, bevor das Tagwerk seinen Lauf nimmt. Dieses Bad belebt den ganzen Organismus und hilft einer empfindlichen trockenen Haut, ihre Spannkraft wieder zu erlangen. Man kann es aber nur durchführen, wenn man auch genug Zeit dafür einplant.


Brennnesseln mit Wurzeln ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Konkrete fleischlose Kost

Die Linsen als Kraft- und Nervennahrung

Wie ernst ein jeder das Fasten nimmt, kann man erfahren, indem man die Leute direkt persönlich danach fragt. Wenn vielleicht so mancher Vorsatz, den man sich am Aschermittwoch vorgenommen hatte, längst nicht mehr realisiert wird, so packt man sich angesichts der begonnenen Karwoche doch noch einmal selbst am Schlafittchen und verzichtet zumindest in der verbleibenden Zeit bis zur Osternacht auf so manches, wie etwa üppige Fleischgerichte. Auf der Suche nach essbaren Alternativen tauchen sicher auch Linsen (Lens culinaris) als mögliche Ernährungsvariante auf. Und das ist gut und recht so. Denn sie stellen entgegen so mancher landläufiger Meinung durchaus eine Kraftnahrung dar. Das fängt schon beim reichlichen Eiweiß- und Kohlehydratgehalt der Linsenfrüchte an. Weiters darf man auch an die Vitamine denken, die über den Genuss der Linsen in den Körper gelangen, wie etwa die Vitamine A, B1, B2, C und E. Darüber hinaus liefern die Hülsenfrüchte dem Organismus eine Menge an Eisen, das wiederum notwendig ist, um den roten Blutfarbstoff ausbilden zu können. In Bedachtnahme auf die persönliche Gesundheit kann man so weit gehen, dass der Probelauf, der jetzt für die nächsten Tage meinerseits anempfohlen wird, durchaus seine Fortsetzung in der Zeit nach Ostern findet und in wöchentlicher Regelmäßigkeit an so genannten fleischlosen Terminen stattfindet. Gewiss ist der Geschmack von Linsen nicht jedermanns Sache. Dennoch liegt es vor allem an der Art der Zubereitung derselben. Und da spreche ich wirklich aus eigener Erfahrung. Ich war lange Zeit kein erklärter Liebhaber von Linsen. Man sollte sie auch nicht solitär im Topf oder in der Salatschüssel anrichten.

Linsen verdaulicher machen:

Isst man Linsen ganz bewusst, um dem Körper etwas Gutes zu tun, dann sollte man sie zusammen mit viel Erdäpfeln oder gekochtem Wurzelgemüse zu sich nehmen. Vor allem schwächliche Personen und jene, deren Nerven nicht die stärksten sind, mögen vermehrt den Genuss von Linsen in unterschiedlichen Zubereitungsvarianten in Erwägung ziehen. Der gesundheitliche Profit wird sich bei konsequentem Wiederholen desselben sicher einstellen.


Linsen ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Kühlendes Gemüse

Mit der Zwiebel Verbrennungen Herr werden

Wo passieren die meisten Unfälle, bei denen man sich oft gar nicht so geringe Verletzungen zuzieht? Ja, Sie haben es erraten: im eigenen Haushalt. Und da könnten wir gleich eine ganze Reihe an Geschichten erzählen, die wir selbst erlebt – oder besser gesagt: erlitten – haben. Im Bekanntenkreis sind sicher auch gute Beispiele für ein jähes Ende einer Tätigkeit zu finden, wo die Beteiligten womöglich gar im Krankenhaus gelandet sind. Egal, wie gravierend eine Verletzung ausfällt: die Erste Hilfe ist überall notwendig. Die Zwiebel hat man logischerweise nicht im Koffer, der nach den Vorschriften des Arbeitsinspektorats mit genügend Verbandsmaterial, Pflaster, Schere und Desinfektionsmittel ausgestattet sein muss. Doch gibt es ja auch die Speisekammer, in der so manches gelagert ist, was ebenso dienlich sein kann, wenn es gilt, Sofortmaßnahmen nach einem Missgeschick zu ergreifen. Bei Verbrennungen leistet z. B. die Zwiebel ganz gute Dienste. Es sind ja nicht nur Kleinkinder, die im Zuge ihrer haptischen Erkundungen ihrer Umwelt auf eine heiße Herdplatte greifen. So oft passiert es auch Erwachsenen, dass sie sich beim Kochen oder sonstigen Betätigungen mit Feuer, siedenden Flüssigkeiten oder anderen erhitzten Materialien die Haut und das darunter liegende Gewebe verbrennen. Je schneller dabei gehandelt wird, desto geringer sind die durchaus schmerzlichen Folgen des Unfalles. Sowohl das kühlende Nass eines Gemüses wie auch die jeweiligen Inhaltsstoffe der Knolle oder Wurzeln tragen das Ihre zu einer beschleunigten Heilung einer Brandwunde bei. Die Zwiebel steht hier an erster Stelle im Rahmen einer pflanzlichen Hausapotheke.

Kleine Verbrennungen behandeln:

Frisch entstandene Brandwunden, die kein großes Ausmaß haben, deckt man am besten mit Zutaten aus der Speisekammer ab. Dazu zerschneidet man eine Zwiebel ganz fein und zerquetscht sie zusätzlich. Danach legt man sie auf die verletzte Stelle auf. Spätestens nach einer Stunde erneuert man die Auflage. Alternativ dazu kann man ebenfalls rohe gerissene Kartoffeln oder auch geriebene Karotten verwenden. Mit einer Mullbinde lässt sich das aufbereitete rohe Gemüse über der verbrannten Stelle fixieren.


Zwiebel mit Wurzel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya