Das Geschäft mit der Angst

Kardamom stärkt Magen und Nerven

Es ist schon eigenartig: je mehr jemand an Reichtum oder technischen Hochleistungsgeräten besitzt, desto höher ist gleichzeitig dessen Sorge um den Erhalt derselben. Die Angst geht um, es könnten Unbekannte etwas rauben oder beschädigen. Die furchterregenden Szenarien machen auch vor der vermeintlichen Insel der Seligen in Form unseres Alpenstaates nicht Halt. Aus Furcht vor mehr Zerstörung durch Muren und Hochwasser wird wiederum viel Geld in die Hand genommen, um Schutzwälle zu bauen. Der Kardamom, der als Gewürz einen guten Ruf hat, ist eine Pflanzenfrucht eines exotischen fernöstlichen Gewächses, das mit dem berühmten Ingwer zu einer botanischen Familie zählt. Normalerweise bringt man die Körner des Kardamoms nicht in Verbindung mit bedrohlichen Aussichten oder zu befürchtenden Naturkatastrophen. Vielmehr steht diese durchaus schmackhafte Speisenbeigabe in Zusammenhang mit einer Zeit, die uns noch in weiter Ferne zu liegen scheint. Denn es ist vor allem der Advent, in dem die Backkünste so Vieler gefragt sein werden, damit spätestens kurz vor Weihnachten genügend Lebkuchen oder ähnliche Köstlichkeiten, die dem Gaumen schmeicheln, zur Verfügung stehen. Doch die Klugen bauen vor und versuchen, etwas dazu beizutragen, damit sie besser mit persönlichen Befürchtungen und Ängsten umgehen können. Dafür erweist sich der Kardamom als wertvolle Unterstützung. Die Vorbereitungen für den kommenden Winter bestehen ja auch darin, die Früchte des Gartens und der Flur haltbar anzusetzen. Ein Gewürz sollte auch dabei nicht fehlen.

Selbstgemachte Liköre anreichern:

Beim Erzeugen von so mancher Köstlichkeit, die wir der sommerlichen Ernte von den in den Gärten befindlichen Bäumen und Sträuchern verdanken, sind feine Liköre eine Form des angestrebten Endproduktes aus eigener Hand. Gibt man den alkoholischen Ansätzen etwas zerstampfte Kardamomkörner bei, bekommt das Getränk eine besondere geschmackliche Note und der Genießer profitiert zudem von der magenfreundlichen und nervenstärkenden Wirkung des exotischen Gewürzes.


Kardamom ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Feine Röschen und ein Salat

Erscheinungsformen des Portulak

Danke für die Blumen! – Ein Fan meines Blogs ließ mich unlängst über facebook wissen: „Ich bin eine begeisterte Leserin. Eine Bitte: Könntest du etwas über Portulak schreiben? Im Moment wächst ziemlich viel auf unserem Grundstück. Und man sagt, was um dich wächst, das brauchst du.“ – Nun, so will ich heute durch diese nette Anregung einen Zugang zum Protulak erschließen. Wahrscheinlich kennen viele Gartenfreaks eine Zierpflanze, die derartig bezeichnet wird. Das Portulakröschen (Portulaca grandiflora) hat seine Heimat auf dem südamerikanischen Subkontinent und wird bei uns sehr gerne aufgrund der prächtigen Blüten ausgesät. Wo der Sommer-Portulak (Portulaca oleracea) oder Gemüse-Portulak ursprünglich wurzelte, lässt sich heutzutage gar nicht mehr genau eruieren. Fest steht, dass er warmes und gemäßigtes Klima gut verträgt und gewissermaßen als Pionierpflanze auch mit mageren und sandigen Böden ganz gut zurechtkommt. Als Gemüse- und Gewürzkraut ist er aber eher in Vergessenheit geraten. Um ihn ein wenig zu beschreiben, sei auf die Blätter des Portulaks verwiesen, die quasi verkehrt eiförmig auf den Trieben sitzen. Die Stängel wiederum sind kahl, fleischig, von Grund auf verästelt und rötlich angehaucht. Unsere eingangs erwähnte Leserin hat schon darauf verwiesen, dass der Protulak sich durchaus rasch verbreiten und wachsen kann. So wird er dadurch sicherlich auch zu Unrecht von vielen als Unkraut eingestuft und kategorisiert. Bevor man das aber tut, sollte man bedenken, dass dieses Heilkraut durchaus in der Lage ist, dem Körper Vitamine zuzuführen und das Blut zu reinigen. Gerade dann, wenn man nach einer Vitamin-C-Quelle Ausschau hält, sollte man nicht nur den Zitrusfrüchten Beachtung zukommen lassen, sondern eben den Blick dem Portulak zuwenden, der schlicht und bescheiden am Boden wächst.

Das Kraut frisch verwenden:

Um in den Genuss der Vorzüge des Sommer-Portulaks (Portulaca oleracea) zu kommen, sollte man auf die frischen Pflanzenteile zurückgreifen, die nicht zum Trocknen geeignet sind. Zum Aufbewahren kann man ihn lediglich einfrieren. Sein angenehm frischer und säuerlicher Geschmack ist sehr gut dazu geeignet, um Salate und Kräutersoßen sowie Suppen und Topfengerichte damit anzureichern. Die gesundheitsfördernde Unterstützung des Portulaks kommt so auf indirektem Wege unserem Organismus zugute.


Sommer-Portulak ⓒ Foto: Flickr, Bob Peterson

An der Wurzel packen

Kann man auch beim Kümmel tun

Termine häufen sich und werden wiederum abgearbeitet. Viele stöhnen unter den zahlreichen Eintragungen im Kalender, die kaum mehr Raum für eine freie und private Zeit lassen. Und dann kommen noch die Vormerkungen beim Zahnarzt dazu. Gut, wenn bei dessen Besuch nichts Gröberes festgestellt wird. Viel unangenehmer wird es da vorübergehend, wenn eine so genannte Wurzelbehandlung durchgeführt werden muss. Ja, aber genau dort sitzt oft das schmerzende Übel. Ein Doldenblütler namens Kümmel kennt weder den Stress, den ein voller Kalender verursacht, noch wird er je die Bekanntschaft mit einem Zahnbohrer oder ähnlichen Instrumenten, die der heilbringenden Therapie im Kieferbereich dienen, machen. In Wahrheit besticht dieses gewürztragende Gewächs durch seine Frucht, die jedermann spätestens dann auffällt, wenn man beim Genuss eines Bratens oder beim Essen des Sauerkrautes darauf beißt. Es ist ohnehin durchaus gesundheitsfördernd, die Kümmelkörner recht oft in der Küche zu verwenden. Ursprünglich war der Kümmel östlich des Mittelmeeres zu Hause. Doch heute kann man ihn überall in den Gärten ziehen und trifft auch in der freien Natur auf die Form des Wiesenkümmels. Eine Art der Verwendung, die jedoch kaum bekannt ist, möchte ich heute ein wenig beleuchten. Wir dürfen uns nämlich auch dem unterirdischen Pflanzenteil dieses Krautes zuwenden. Man kann also im wahrsten Sinne des Wortes diese populäre Pflanze an der Wurzel packen. Dabei handelt es sich weder um ein Übel, noch sind irgendwie geartete Schmerzen damit verbunden. Man muss sich lediglich ein wenig Zeit dafür nehmen. Beim Durchschauen des Kalenders sollte man sich dafür auf jeden Fall ein paar Stunden reservieren.

Nach der Kümmelernte:

Hat jemand bei sich im Garten den Kümmel den Sommer über im Beet gezogen, um von ihm eigenhändig die Samen zu ernten, um sie für den späteren Gebrauch zu lagern, kann man danach herangehen und die Wurzel der Stauden ausgraben und waschen. Man kann die Kümmelwurzeln nämlich durchaus kochen und als spezielles Gemüse verwenden. Sie schmecken sehr fein und sind vor allem für den Magen sehr bekömmlich und leicht zu verdauen.


Echter Kümmel ⓒ wikimedia commons, H.Zell

Absteigen in verborgene Räume

Mit der Blutwurz den Darm erreichen

Kühle und erfrischende Orte haben angesichts des hinter uns liegenden Marathonsommers noch immer Hochsaison. Da selbst in den alten Kirchen die Thermometerwerte in nie dagewesene Höhen kraxelten, sind die unterirdischen Keller und Höhlen wahrscheinlich die einzigen verbliebenen Räume mit einer akzeptablen Kühle. Bei Höhlen in den Bergen besteht aber immer ein gewisses Risiko, das es den Kundigen vorbehalten sein lässt, derartige Gänge zu begehen und zu erforschen. Auf der Suche nach einem Spezialisten, der mit unserer Magen- und Darmgegend zurechtkommt, landen wir u.a. bei der Blutwurz (Potentilla tormentilla). Dieses Rosengewächs hat eine etwas populärere Verwandte in der Form des Gänsefingerkrautes. Schon seit jeher finden wir in den Registern der althergebrachten Naturheilkunde die Blutwurz als oft gebrauchtes Kraut in allen möglichen Anliegen, denn sie besitzt eine stark zusammenziehende Kraft, die vor allem auf der Haut oder im Rachenbereich von hohem Nutzen sein kann. Aber heute geht es mir vor allem um das schwer zugängliche Feld des Verdauungstraktes. Nur allzu leicht kann es passieren, dass gerade durch eine unvernünftige Ernährung das Gleichgewicht einer geregelten Funktion des Magens und des Darmes ins Wanken gerät, was wir in der Folge mehr oder weniger heftig zu spüren bekommen. Doch können in manchen Fällen auch schädliche Bakterien dafür verantwortlich sein, dass es bei uns im Bauch kräftig rumort und der Durchfall nicht nur eine kurzfristige Dauer aufweist. Eben dann ist es ratsam, gleichsam ein pflanzliches Spezialkommando in für uns anscheinend unzugängliche Tiefen zu schicken, um dort erneut für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Da die Blutwurz sehr leicht in Vergessenheit geraten kann, sei hier einmal mehr ihr Name genannt.

Tee aus Blutwurz:

2 Teelöffel voll der getrockneten und zerkleinerten Wurzel der Blutwurz werden in 1/4 Liter kaltem Wasser angesetzt. Gleich danach kocht man beides zusammen gut auf. Dann 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und abseihen. Bei Magenverstimmung oder bei Darmbeschwerden verschiedenster Ursache sollte dieser Tee 3-mal am Tag jeweils in der Menge einer Tasse langsam und schluckwiese getrunken werden, um eine Besserung des Zustandes herbeizuführen.


Blutwurz ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Sanfte Nadeln für die Haut

Auf den Lärchen zu finden

Wie eine Verständigung bzw. eine Unterhaltung zwischen zwei Menschen stattfindet, ist relativ klar: das probateste Mittel hierfür ist die Sprache. Dieses Medium kann aber nur begrenzt eingesetzt werden, wenn es darum geht, einem Tier seine momentanen Empfindungen und Wünsche mitzuteilen. Gewiss reagieren wohlerzogene Hunde aufs Wort. Aber versuchen Sie das einmal bei einer Katze oder gar bei einem Huhn! Um einem Vierbeiner seine Sympathie spürbar zu machen, genügt es ganz einfach, den animalischen Kumpanen zu streicheln. Bei Nadelbäumen würde das wohl keinem einfallen, oder? Die Lärche (Larix decidua) bildet dabei eine Ausnahme. Habe ich bei einer Kräuterwanderung die Gelegenheit, den interessierten Begleitern u. a. eine Lärche vorstellen zu dürfen, so ermutige ich jeweils dazu, die Äste durchaus mit dem Tastsinn zu erkunden. Dabei kann man überraschend feststellen, dass die Lärche ein anschmiegsamer pflanzlicher Zeitgenosse ist, den man ohne Furcht an seine Haut heranlassen darf. Bei Fichten und Föhren, ja selbst bei Tannen, würde sich dieses sinnliche Erlebnis in äußerst engen und beschränkten Grenzen halten. Im Unterschied zu den eben Genannten besitzt die Lärche ein sehr frohes und luftiges Wesen. Das merkt man jeweils, wenn im Frühjahr die frischen jungen Nadeln austreiben oder wenn bis in den frühen Winter hinein das goldgelbe Gewand der Waldbäume heitere Akzente in ihre sonst sehr streng gehaltene Umgebung sendet. Dabei ist die Lärche als Holzlieferant durchaus ernst zu nehmen. Das harzreiche Baumaterial Lärchenholz erweist sich nämlich als sehr brauchbar und vor allem langlebig. Sämtliche Teile des Baumes atmen eine gute Atmosphäre aus. In den Nadeln des anschmiegsamen Waldgenossen sind überdies wertvolle ätherische Öle enthalten, die der Haut zugute kommen. Wer jetzt bis Ende August in die heimischen Forste geht, kann dort oder bei sich im eigenen Garten die Lärchennadeln ernten und trocknen, um sie hernach in der eigenen naturheilkundlichen Apotheke aufzubewahren.

Lästige Hautflechte begleiten:

Wenn jemand von Hautflechte befallen wird, ist es sicherlich Sache des Dermatologen, diese zu diagnostizieren und zu behandeln, weil dabei heimtückische Pilzsporen im Spiel sind. Dennoch besteht auch die Möglichkeit, die Lärchennadeln für eine begleitende Maßnahme zu nutzen. Dazu gießt man einige Esslöffel voll der Nadeln mit kochendem Wasser auf, um sie ca. 15 Minuten zugedeckt ziehen zu lassen. Dann abseihen und als Badezusatz verwenden. Das wirkt auf die Haut äußerst reinigend, antimykotisch und beruhigend.


Lärchenzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Ein adrettes Mädchen am Wegrand

Das heilsame Acker-Stiefmütterchen

Gott sei Dank gibt es viele liebenswerte Menschen! Die stehen an erster Stelle, wenn ich auf so manche Strecke meiner bisherigen Erdentage zurückblicke. Und Gott sei Dank gibt es die Kräuter! Mit einem Augenzwinkern möchte ich feststellen, dass es mir manche unter ihnen ganz besonders angetan haben. Das Acker-Stiefmütterchen (Viola arvensis) zählt sicherlich zu meinen persönlich liebenswertesten pflanzlichen Geschöpfen, die es auf dem Boden unserer schönen Heimat gibt. Es stellt sich ziemlich kokett wie ein kleines und durchaus selbstbewusstes Mädchen zwischen andere weit größere Pflanzen an den Feldrainen. Andernorts reckt es sogar inmitten der ährentragenden Halme eines Getreidefeldes seine hübschen Blütenköpfchen in die Höhe. Ganz schwer kann ich mich diesem Charme entziehen, der von dem eher bescheidenen Gewächs ausgeht. Doch steckt hinter dem meiner Meinung nach schelmischen Wesen des Acker-Stiefmütterchens ein durchaus wertvolles und leistungsstarkes Heilkraut. Es zählt nämlich zu den so genannten Pionierpflanzen und erobert daher leichter als andere unbewirtschaftete Brachflächen und Halden. Mit seinen Wurzeln festigt es den ihm zugrunde liegenden Boden und gibt somit auch seiner Umgebung den nötigen Halt. Die Wirkstoffe des sympathischen Veilchengewächses richten sich vor allem an die Anliegen, die wir im Zusammenhang mit der Gesunderhaltung unserer Haut sowie unserer Atemwege kennen. Genauso stecken aber ebenfalls heilende Kräfte in den unter- und oberirdischen Pflanzenteilen des Acker-Stiefmütterchens. Im Zusammenspiel mit anderen Heilgewächsen, wie etwa dem Eisenkraut und der Ringelblume erweist es sich als geduldige Begleiterin auf dem Weg einer angestrebten Wundheilung. Es zahlt sich also auf jeden Fall aus, beim Acker-Stiefmütterchen stehen zu bleiben und zu fragen: Warum kannst Du mir helfen, kleine und hübsche Dame am Wegrand?

Teemischung zur Wundheilung:

Um eine Teemischung zusammenzustellen, die den Prozess einer Wiederherstellung nach Verletzungen und Operationen unterstützen soll, benötigt man folgende Kräuter: Eisenkraut 4 Teile, Acker-Stiefmütterchen 3 Teile, Ringelblumen-Blüten 3 Teile, Salbei 3 Teile und Wermut 2 Teile. 2 Teelöffel dieser Mischung werden mit 1/4 Liter kochendem Wasser überbrüht. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Kurmäßig kann man in der 1. Woche 3 Tassen pro Tag, in der 2. Woche je 1 Tasse am Morgen und am Abend und in der letzten Woche nur mehr 1 Schale voll auf nüchternen Magen in der Früh trinken.


Acker-Stiefmütterchen ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Zwischen Himmel und Erde

Gesegnete Kräuter als Hoffnungsträger

Gerne möchte ich jetzt schon für morgen allen einen schönen Feiertag wünschen! Das Fest Mariä Himmelfahrt lädt uns ein, eine Pause einzulegen und bewusst unseren Blick zum Himmel zu wenden. Vieles zieht nicht nur unsere Augen, sondern vor allem unsere Sorgen in die entgegengesetzte Richtung wie Kriege, Flüchtlingsströme, düstere Wirtschaftsprognosen und Berichte über Naturkatastrophen sowie Unglücksfälle. So brauchen wir eine Unterstützung, die mithilft, die goldene Mitte zwischen dem Trachten nach momentanen Lösungen und dem Aufzeigen von hoffnungsvollen Visionen zu erreichen. Daher greife ich bewusst nach einem Sträußerl aus getrockneten Kräutern, die für mich so etwas darstellen wie einen wertvollen Rettungsanker inmitten besorgniserregender Prognosen. Ihre Siebenzahl ist schon der erste Hinweis auf das Schöpfungswerk, dessen Initiator Gott selbst ist. In der Tradition der Waldviertler Kräuterpfarrer beinhaltet ein Kräuterbüscherl folgende botanische Individuen, die ich auch gerne als pflanzliche Persönlichkeiten mit einem je eigenen Charakter bezeichne: Dost (= Wilder Majoran), Schafgarbe, Rainfarn, Blutweiderich, Lavendel, Goldrute und Johanniskraut. In ihrer Gesamtheit duften sie im Verbund ganz wunderbar und regen mich dadurch an, tief einzuatmen und die Lunge mit Sauerstoff zu füllen. Gleichzeitig gelangen aber auch die ätherischen Öle, die den getrockneten Pflanzentrieben entströmen, in mein Inneres. Sie zeitigen so auf eine recht sanfte und zurückhaltende Weise eine Wirkung, die mein Gemüt positiv beeinflusst. Wenn also am morgigen kirchlichen Hochfest Mariä Himmelfahrt von sehr vielen engagierten Seelsorgern landauf und landab Heilkräuter gesegnet und den Gottesdienstbesuchern mitgegeben werden, so sind diese getrockneten Gewächse eine konkrete Form eines Segenswunsches und die Erinnerung, dass auch wir Menschen zwischen Himmel und Erde zeit unseres Lebens aufgespannt sind. All das, was uns an Bewährung und an Kreuz und Leid auferlegt wird, möge sich zum Guten wenden und dem Heil an Leib und Seele dienen!

Fragen rund ums Kräuterbüscherl:

Mir selbst ist die Siebenzahl wichtig, die in ein Sträußerl hineingebunden werden. Prinzipiell ist es jedoch möglich, auch mit anderen Zahlen wie etwa 3, 5 oder 9 zu operieren, wenn man die einzelnen beliebigen Kräuter sammelt und für den Himmelfahrtstag Mariens zusammenstellt. Vorrangig ist dabei die Intention der Dankbarkeit gegenüber Gott und dem Dienst der Schöpfung an uns Menschen. Morgen darf ich persönlich einladen, zur Kräutersegnung und dem damit verbundenen Fest nach Karlstein an der Thaya zu kommen: Hl. Messe um 14.30 Uhr in der Dreifaltigkeitskirche.


Kräuterbüscherl ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Schwammerlsaison auf der Haut

Zimtrinden schmecken den Hautpilzen nicht

In diesem Sommer gibt es eindeutig ein West-Ostgefälle. Während wir auch hier im Waldviertel, das mit dem ganzen Bundesland Niederösterreich zur östlichen Hälfte Österreichs zählt, schon allzu lange auf die ersehnten Niederschlagsmengen warten, helfen anscheinend die alpinen Berge mit, dass es im Westen viel öfter blitzt und donnert und somit auch regnet. Fällt das notwendige Nass vom Himmel in Verbindung mit sommerlichen Temperaturen, so feiern die Schwammerl auf feuchtdunklen Waldplätzen scheinbar fröhliche Urständ. Dass dem momentan zwischen Vorarlberg und Oberösterreich so ist, schlägt sich nicht zuletzt auf den Speisekarten unserer wertvollen heimischen Gastronomie nieder. Ob man jedoch zum Würzen eines Pilzgerichtes auch Zimt verwendet, mag ich an dieser Stelle bezweifeln, obwohl ich mich gerne eines Besseren belehren lasse. Mit dem Zimtbaum (Cinnamomum verum), von dem das feine Gewürz stammt, gehen wir aber einen Augenblick im Gedanken weit von unserer liebenswerten Heimat weg. Die ursprüngliche Heimat dieses Gewächses liegt in Sri Lanka. In der botanischen Klassifizierung wiederum zählt der Zimtbaum zu den Lorbeergewächsen (Lauraceae). Im Fernen Osten hat man Zimt schon seit vielen hunderten Jahren als Gewürz verwendet. Nach Europa gelangte es dann schließlich mit den großen Seefahrern des 16. Jahrhunderts. Heute kommt die Zimtrinde fast täglich zum Einsatz, wenn auch die Backsaison vor dem Weihnachtsfest dieser duftenden Zutat ein besonderes Augenmerk schenkt. Kehren wir jedoch zu den eben erwähnten Schwammerln zurück. So lieb diese uns auch auf dem Teller sind, so wenig sind wir zurecht erfreut, wenn die Haut von Pilzen befallen wird. Gemeinsam mit ihren großen Vettern im Wald schätzen sie ebenfalls feuchte Milieus, in denen sie auf potentielle Wirte in Form von Menschen warten. Öffentliche Bäder sind z. B. mögliche Orte der Übertragung von Pilzen. Neben der dermatologischen Behandlung derartiger Veränderungen an der Haut und auf den Nägeln kann der Zimt mithelfen, die „Schwammerl“ dort einzudämmen.

Zimtbad bei Pilzbefall:

5 große Stangen von Zimtrinden werden zerkleinert und mit 1 Liter kaltem Wasser zugestellt. Ca. 5 Minuten lang aufkochen und nach weiteren 10 Minuten Ziehen abseihen. In die bereits mit ziemlich warmem Wasser gefüllte Badewanne hinzugießen und 20 Minuten darin baden. Das ätherische Öl der Zimtrinde hat eine antibakterielle und antimykotische Wirkung und kann daher bei der Behandlung einer äußerlichen Pilzerkrankung als Unterstützung zu Hilfe genommen werden.


Zimtrinde ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Wahrlich niedrige Dienste

Der Vogelknöterich kennt davor keine Scheu

Sobald hohe Prominenz bei einer Veranstaltung angesagt ist, bemüht man sich, das jeweilige Ambiente so herzurichten, dass es sich dem Anlass entsprechend würdig erweist. Immerhin will man sich als Gemeinde, als Verein oder als Firma keine Blöße geben. Bei den Heilpflanzen küren viele ebenfalls Gewächse verschiedenster Art, denen sie aufgrund eigener Erfahrung einen ehrenvollen Stellenwert zubilligen. Meist sind exotische Pflanzen anderer Kontinente damit behaftet. Der Vogelknöterich (Polygonum aviculare) zählt sicherlich kaum zur Kaste der herausragenden Heildrogen, geht man mit der eingangs bewusst geschilderten Werteskala an ihn heran. Ja, es passiert sogar sehr oft, dass viele von uns auf ihn draufsteigen oder ihn schlichtweg im wahrsten Sinne des Wortes übergehen. In Wahrheit handelt es sich hierbei um ein Kraut, das eine große Stärke aufweist. Denn der Vogelknöterich besiedelt als Pionierpflanze Böden und Plätze, an die sich die anderen gar nicht hinwagen würden, weil dort in keinster Weise ihre Existenz möglich wäre. Doch selbst ein mit Pflastersteinen befestigter Weg stellt für den niedrig wachsenden floralen Freund kein Problem dar. Das Schöne, das wir beim näheren Betrachten des Vogelknöterichs entdecken dürfen, ist die Tatsache, dass er seine Kraft in verwandelter Weise auch dem Menschen weiterzugeben weiß, der ihn oft unter den pflanzlichen Gästen rund ums Haus gedanklich in die hinterste Reihe der verschiedenen Heilkräuter verweist. Aber es ist noch nicht aller Tage Abend. Einmal mehr möchte ich an dieser Stelle einem als Unkraut verrufenen Gewächs eine Rehabilitation ermöglichen, die ihm ein waches und aufmerksames menschliches Herz zuteil werden lassen kann. Erkennt man nämlich, dass im Gefüge der Schöpfung oft die kleinen und unscheinbaren Wesen eine tragende Rolle spielen, verblassen manch willkürlich gesetzte Rangordnungen, die selbst in der Naturheilkunde zu manch einseitiger Bewertung der Kräuter führen.

Den Stoffwechsel anregen:

Das blühende Kraut des Vogelknöterichs kann man an sauberen Standorten ernten und vorsichtig trocknen. Von der daraufhin zerkleinerten Droge nimmt man 2 Teelöffel und übergießt diese mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Langsam und schluckweise nach dem Abkühlen trinken. Das zeigt sich vor allem bei Leiden, die mit dem Stoffwechsel in Verbindung stehen, als hilfreich. Ähnlich erfährt ein geschwächtes Gefäßsystem eine stärkende Unterstützung durch den Vogelknöterich.


Vogelknöterich ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Das Wasser anreichern

Fünf Blüten und ein Bad

Schönheit ist eine abstrakte Kategorie unserer Wahrnehmung, die von vielen Seiten her betrachtet werden kann. Sie dient einerseits als Motivation, sich dem Guten und Geordneten vermehrt zuzuwenden und ist gleichzeitig auch Ausfluss eines harmonischen Lebens in der freien Natur genauso wie innerhalb menschlich kultivierter Zivilisation. Bevor jedoch der Mensch imstande war, Musik, Architektur und bildnerische Darstellungen von höchstem Niveau hervorzubringen, hatte Jahrmillionen davor bereits die Schöpfung einen unerreichbaren Vorsprung im Zeigen und Offenbaren des Schönen. Man braucht nur 5 Blüten von bekannten Heilgewächsen herzunehmen, um dies zu erkennen. Die Stockrosen z. B. zeigen momentan ihre volle Pracht und können mit der Hitze recht gut umgehen. Genauso tun es der Lavendel und der Borretsch. Werden darüber hinaus die Ringelblumen stetig mit genügend Wasser versorgt, präsentieren sie ebenfalls ganz stolz und selbstbewusst die goldgelben Blüten, die meiner Meinung nach die Sonne widerspiegeln. Die mir ebenso sehr sympathische Pflanze der Kapuzinerkresse hat es hingegen schon schwerer, gegen die hohen Temperaturen zu bestehen und mit der damit verbundenen Trockenheit des Bodens zurechtzukommen. Dennoch wird sie mancherorts so gut behütet sein, dass sie frisch und froh den Sommer genießen kann. Reines Nutzdenken mancher Zeitgenossen mag nun womöglich einwerfen, dass man ja von der Schönheit nicht abbeißen könne. Nun, das trifft in einem gewissen Maß zwar zu. Jedoch besitzen die ästhetischen Blüten der eben erwähnten Kräuter nicht nur eine äußere Fassade, die das Auge beeindruckt. Sie haben darüber hinaus wertvolle Inhaltsstoffe, die gerade der sommerlich gestressten Haut wohltun und dem Gesamtbefinden unserer selbst einen konkreten Gefallen machen kann.

Badezusatz mit fünf Blüten:

Je 30 g von Lavendel-Blütentrieben, Ringelblumenblüten, Stockrosenblüten, Borretsch- und Kapuzinerkressen-Blüten werden in eins zusammengemischt. Die beiden Letzteren davon sollen jedoch unbedingt frisch geerntet zum Einsatz kommen, wohingegen Lavendel, Ringelblumen und Stockrosen auch in getrockneter Form verwendet werden dürfen. Das fertige Blütengemisch wird mit 2 Liter kochendem Wasser überbrüht. 20 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Der Aufguss kommt als Badezusatz in die bereits gefüllte Wanne. Einmal pro Woche 15 Minuten darin baden, solange die Blühsaison der erwähnten Heilpflanzen noch aufrecht ist, das stärkt Haut und Gesundheit gleichermaßen.


Lavendelblüten ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Ringelblumenblüte ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Stockrosenblüte ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Borretschblüten ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Kapuzinerkressenblüte ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya