Wie ein Christbaum mitten im Sommer

Ihre Blüten erleuchten die Königskerze

Mancherorts stehen immer noch Maibäume, die ein armseliges Bild abgeben. Warum sie nicht entfernt werden, entzieht sich meiner Erkenntnis. Da und dort bekommen auch Geburtstagskinder ein ähnliches Zeichen vor die Haustür gestellt. Kein Wunder, dass bei tropischen Temperaturen die grüne Nadelpracht nicht von Dauer sein kann. Die Königskerze stellt für mich eine hochsommerliche Alternative zu den besprochenen Bräuchen dar. Gewiss ähnelt sie weder in ihrer Gestalt noch in ihrer Farbe einem Nadelbaum, wie wir ihn z. B. auch zur Weihnachtszeit in unsere eigenen vier Wände holen, um ihn mit Wachskerzen zu bestücken. Dennoch hat die Königskerze eine vergleichbare Funktion: mit ihren gelben Blüten sammelt sie das Licht aus den Sonnenstrahlen und gibt dieses verwandelt wiederum weiter. Auch wenn vielen verständlicherweise momentan nicht gerade nach Christkind und dem Drumherum zumute ist, so zaubert doch auf der anderen Seite ein Gedanke an das Geburtsfest Christi ein Lächeln auf unsere Lippen. Unser Inneres ist einfach berührt vom Frieden unter den Menschen und von der Freude des Beschenkt-Seins. Gerade in Zeiten, da kriegerische Auseinandersetzungen über die Schlagzeilen und Sendungen der Medien in unseren Alltag dringen und uns nicht kalt lassen sollten, brauchen wir Lichtblicke, die uns wiederum Hoffnung vermitteln. Um wieviel mehr brauchen das aber die direkt Betroffenen, die mit diesen lebensverachtenden Krisen zurechtkommen müssen?! In der Natur ist es die Königskerze, die aufrecht dasteht und das Licht weitergibt. Vielleicht kann sie uns unterstützen, für den Frieden zu beten und im eigenen Umkreis dafür zu sorgen, dass der Himmel über uns offen bleibt.

Königskerzen zum Frühstück:

Zur Mittagszeit pflückt man die Blüten der Großblütigen Königskerze (Verbascum densiflorum), um diese im Schatten bei ständigem Luftzug zu trocknen. Im Heißaufguss daraus bereiteter Tee kann schon zum Frühstück getrunken werden, um Sonne ins Herz zu bringen und den Geist zu öffnen. Das unterstützt eine positive Lebenseinstellung.

Königskerze ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Männer, es ist Zeit!

Über die Vorteile des Weidenröschens

Als der alte Andreas Hofer dazu mobilisierte, seine Heimat Tirol wieder der Freiheit zuzuführen, hat er wohl kaum daran gedacht, dass sein Aufruf noch nach so langer Zeit durch viele Munde zitiert wird. Gewiss war es einst reine Männersache, die kriegerischen Handlungen durchzuführen. Heute ist es mir ein Anliegen, fernab von zwischenstaatlichen Spannungen jemand anderem den Kampf anzusagen: der falschen Scham. Es kommt in den aufgeklärten und modernen Zeiten wie den unsrigen sowohl bei Mann als auch bei Frau vor, verschiedene Mängel oder Erkrankungen zu verheimlichen. Man ist eben nur etwas wert, wenn alles im Körper „funktioniert“. Ganz besonders empfinden viele das, wenn es um den urologischen oder genitalen Bereich geht. Dort, wo in freier Natur das Wasser fließen kann, also an den Ufern und Böschungen der verschiedenen Gewässer, finden wir bei einer aufmerksamen Wanderung durch die Fluren mit gutem Glück das Kleinblütige Weidenröschen (Epilobium parviflorum). In seiner bescheidenen Erscheinungsart ist es weniger aufsehenerregend als etwa eine seiner zahlreichen Verwandten, die größere Blüten ausbilden. Meiner Meinung nach wird es dadurch zum Sinnbild der Diskretion, die notwendig ist, um vielleicht seine eigene Beschaffenheit ganz nüchtern betrachten zu können. Das Weidenröschen ist sicher nicht daran interessiert, jemanden lächerlich zu machen oder gar in der Öffentlichkeit bloßzustellen. Nein, im Verbund mit anderen Kräutern kann es eine wertvolle Hilfe darstellen, wenn es gilt, die „Männersachen“ unter die Lupe zu nehmen.

Teemischung bei Prostataleiden:

Im Falle einer veränderten oder entzündeten Vorsteherdrüse können Männer nach Konsultation der zuständigen Mediziner folgende begleitende Maßnahme treffen: 3 Wochen lang trinkt man einen Tee, der im Heißaufguss aus folgender Mischung zusammengestellt wird: 3 Teile Kleinblütiges Weidenröschen, 2 Teile Frauenmantel und 1 Teil Fenchelsamen. Am besten 3 Tassen über den Tag verteilt zu sich nehmen.

Kleinblütiges Weidenröschen ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Auf die Krone schauen

Vor allem unter einer Esche

Vor 100 Jahren brach der Erste Weltkrieg aus. Bei genauerer Betrachtung der Geschichte sind dessen Folgen bis heute spürbar, seine Wunden noch nicht endgültig verheilt, wenn auch bald darauf ein noch verheerenderes Übel das Antlitz unserer Erde entstellte. Eine Herrscherkrone bewundern wir Österreicher höchstens noch in den Vitrinen der Schatzkammern in Wien. Bei alten Bäumen, die oft schon viel an sich vorüberziehen gesehen haben, spricht man ebenfalls von einer Krone, die aus den Zweigen und Ästen gebildet wird. Solitär stehende Eschen weisen zuweilen ganz besondere Gebilde dieser Art auf. Jetzt im Sommer flüchten wir bei großer Hitze sehr gerne unter deren Schatten und deren Schutz. Darunter verweilend, gehen die Gedanken womöglich gar in die vergangenen Zeiten zurück, die wir nur allzu schnell als bessere und schönere bezeichnen. Angesichts der kriegerischen Katastrophen, die ich eben skizziert habe, dürfen wir ruhig ein großes Fragezeichen über die Verherrlichung zurückliegender Dezennien setzen. Trotz alledem möchte ich aber niemandem das Schwelgen in der Erinnerung an liebe Menschen oder segensreiche Institutionen vergällen. Zumindest besteht doch bei vielen von uns der Wunsch, noch einmal jung sein zu dürfen. Vor allem dann, wenn einem der Körper immer mehr Grenzen aufweist und die Bewegungsfähigkeit einschränkt, fühlen wir uns ganz leicht dazu animiert, festzustellen, dass dies oder jenes in jüngeren Jahren kein Problem darstellte. Zudem wurden anstehende Arbeiten früher viel rascher erledigt. Die Zeit kann keiner von uns zurückdrehen. Den Körper können wir aber sehr wohl in jedem Alter unterstützen.

Eschenblätter sammeln:

Im Hochsommer können von den Zweigen der Esche (Fraxinus excelsior) einige Blätter gepflückt, entstielt und getrocknet werden. Von der dadurch erhaltenen Ware kann man sich ab und zu im Laufe des Jahres einen Tee im Heißaufguss zubereiten, der mithilft, den Alterungsprozess unseres Organismus zu verlangsamen.

Eschenblätter und Blüten ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Viele kleine Blätter

Die Schafgarbe nützt unserer Gesundheit

Ist die Schafgarbe nun ein Doldenblütler oder nicht? Ihre weißen Blütenschirme erwecken bei Amateuren oft den Eindruck, dass es sich um eine derartige Pflanze handeln könnte. Doch bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus, dass die Schafgarbe (Achillea millefolium) zu den so genannten Korbblütlern zählt. Meiner Meinung nach passt dieses seit Jahrhunderten in der Phytotherapie erprobte Kraut ganz gut zur Urlaubs- und Reisezeit. Denn sehen wir uns seine Verbreitungsgebiete an, stellen wir fest, dass es sich hier um einen ausgesprochenen Kosmopoliten handelt. In ihrer Anpassungsfähigkeit ist die Schafgarbe unübertroffen gut. Durch ihre Inhaltsstoffe wirkt sich die Pflanzendroge desinfizierend, entzündungshemmend und kreislaufstärkend aus. Das kommt auch in ihrer Bezeichnung zum Ausdruck. Im Althochdeutschen bedeutet das Wort „garwa“ ungefähr so viel wie „die Heilende“. Unsere Muskulatur und die verschiedenen Schleimhäute wiederum erfahren durch den Gebrauch der Schafgarbe eine nicht zu unterschätzende Unterstützung und Stärkung. Im Reich der Kräuter hat sie also aus menschlicher Sicht eine Vorrangstellung, die wir ihr auch durchaus zugestehen und gönnen dürfen. Wenn wir in diesem Sinne an unsere Gesundheit denken, dann dürfen wir so etwas wie eine Beziehung knüpfen, die sich später einmal als wertvoll herausstellen kann. Gerne rühmen wir uns doch, dass wir die eine oder andere Prominenz persönlich kennen oder vielleicht sogar duzen dürfen. Warum sagen wir das nicht bei Heilkräutern, die imstande sind, uns einen heil- und segensvollen Weg in die Zukunft zu erschließen? Wer also die Schafgarbe in der Wiese stehen und blühen sieht, kann ruhig ein wenig stolz darauf sein, sie zu kennen.

Schafgarbe als Gewürz:

Junge frische Schafgarbenblätter können nach deren Säuberung fein geschnitten werden, um sie z.B. als Gewürz zu Soßen oder Suppen hinzuzugeben. Bei verschiedenen Käseaufstrichen sollte man sich ebenso nicht scheuen, die herb schmeckenden Schafgarben als Geschmacksbereicherung heranzuziehen.

Schafgarbe ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Sich in Blumen verlieben

Der Schwarzkümmel eignet sich dafür

Es mag vielleicht indiskret erscheinen, wenn ich heute über eine Liebesgeschichte meines Vorgängers Hermann-Josef Weidinger berichte, die sich vor mittlerweile fast 60 Jahren an seinem Wirkungsort Harth abgespielt hat. Ich tue das guten Gewissens, da nämlich mein väterlicher Lehrer einst selbst zur Feder (oder besser: Schreibmaschine) griff, um diese Begegnung der Nachwelt zu erhalten. So darf ich ihn zitieren: „Ein Blumenbeet an der Sonne in meinem Pfarrgarten. Vor fast dreißig Jahren. Damals begegnete ich dem Schwarzkümmel. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ein verliebter Pfarrer! Verliebt in eine Blume. Ein Heilkraut. Jetzt fing ich an zu denken, mich damit zu beschäftigen. – Man lernt eben durch Erfahrung, wenn man Dinge mit Liebe tut. Auch in der Pflanzenheilkunde.“ Der Name des heute so humorvoll vorgestellten Heilkrautes täuscht etwas vor. Denn in Wirklichkeit zählt der Schwarzkümmel zu den Hahnenfußgewächsen innerhalb der botanischen Kategorisierung. Lediglich die Samenkörner haben den Ausschlag dafür gegeben, ihn so zu benennen. Über seine Heilwirkung gibt es unterschiedliche Auffassungen. Ich persönlich schließe mich hier dem reichen Erfahrungsschatz von Kräuterpfarrer Hermann-Josef Weidinger an, der ja, wie eingangs ausführlich dokumentiert wurde, eine ganz besondere Beziehung zum Schwarzkümmel aufgebaut hat. Meiner Meinung nach ist aber jede Pflanze, die wir im naturwissenschaftlichen Interesse unter die Lupe nehmen, schon durch ihre Präsenz heilwirksam. Wenn wir heutzutage gar viel vom Gleichgewicht der natürlichen Schöpfung sprechen und schreiben, sollten wir gerade diesen Aspekt nicht außer Acht lassen.

Schwarzkümmel unterstützt Geisteshaltung:

Wenn so oft von einer Einheit des Körpers und des Geistes die Rede ist, soll der Schwarzkümmel (Nigella sativa) dabei nicht zu kurz kommen. Im Garten kann man also dieses Kraut an sonnigen Stellen aussäen und mit genügend Feuchtigkeit hegen und pflegen. Allein sein adrettes Erscheinungsbild erfreut das Auge, das über ein staunendes und frohes Gemüt die positive Ausstrahlung des Schwarzkümmels an die inneren Organe weiterleitet.

Schwarzkümmel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Viele kleine Blätter

Die Schafgarbe nützt unserer Gesundheit

Ist die Schafgarbe nun ein Doldenblütler oder nicht? Ihre weißen Blütenschirme erwecken bei Amateuren oft den Eindruck, dass es sich um eine derartige Pflanze handeln könnte. Doch bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus, dass die Schafgarbe (Achillea millefolium) zu den so genannten Korbblütlern zählt. Meiner Meinung nach passt dieses seit Jahrhunderten in der Phytotherapie erprobte Kraut ganz gut zur Urlaubs- und Reisezeit. Denn sehen wir uns seine Verbreitungsgebiete an, stellen wir fest, dass es sich hier um einen ausgesprochenen Kosmopoliten handelt. In ihrer Anpassungsfähigkeit ist die Schafgarbe unübertroffen gut. Durch ihre Inhaltsstoffe wirkt sich die Pflanzendroge desinfizierend, entzündungshemmend und kreislaufstärkend aus. Das kommt auch in ihrer Bezeichnung zum Ausdruck. Im Althochdeutschen bedeutet das Wort „garwa“ ungefähr so viel wie „die Heilende“. Unsere Muskulatur und die verschiedenen Schleimhäute wiederum erfahren durch den Gebrauch der Schafgarbe eine nicht zu unterschätzende Unterstützung und Stärkung. Im Reich der Kräuter hat sie also aus menschlicher Sicht eine Vorrangstellung, die wir ihr auch durchaus zugestehen und gönnen dürfen. Wenn wir in diesem Sinne an unsere Gesundheit denken, dann dürfen wir so etwas wie eine Beziehung knüpfen, die sich später einmal als wertvoll herausstellen kann. Gerne rühmen wir uns doch, dass wir die eine oder andere Prominenz persönlich kennen oder vielleicht sogar duzen dürfen. Warum sagen wir das nicht bei Heilkräutern, die imstande sind, uns einen heil- und segensvollen Weg in die Zukunft zu erschließen? Wer also die Schafgarbe in der Wiese stehen und blühen sieht, kann ruhig ein wenig stolz darauf sein, sie zu kennen.

Schafgarbe als Gewürz:

Junge frische Schafgarbenblätter können nach deren Säuberung fein geschnitten werden, um sie z.B. als Gewürz zu Soßen oder Suppen hinzuzugeben. Bei verschiedenen Käseaufstrichen sollte man sich ebenso nicht scheuen, die herb schmeckenden Schafgarben als Geschmacksbereicherung heranzuziehen.

Schafgarbe ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Dem Magen Saures geben

Die Roten Ribisel vom Strauch pflücken

Im Pfarrhofgarten zu Harth stand bis vor kurzem das Gras bereits ziemlich hoch. Bei allem guten Willen schaffen es meine Gänse doch nicht, die große Fläche des Anwesens penibel abzuweiden. Zudem steht ihnen eine große Auswahl an verschiedensten Gräsern und Kräutern zur Verfügung, so dass sie es nicht nötig haben, sich über jeden grünen Trieb herzumachen. Das hohe Gras schützte aber die Ribiselsträucher vor dem schnatternden Federvieh. Immerhin wissen auch Gänse die Köstlichkeiten eines Gartens zu schätzen. Frische Johannisbeeren, wie die Ribisel auch genannt werden, gehören zu den vorzüglichsten Früchten des Sommers. Natürlich gibt es ebenso hier wie anderswo die unterschiedlichen Geschmäcker, welche die menschlichen Geister scheiden. Ich weiß noch, dass ich als Kind den Geschmack der Schwarzen Ribisel nicht mochte. Heute hat sich das ins totale Gegenteil gekehrt. Vor allem dann, wenn die Sonne es fertig brachte, die schwarzen Beerenperlen zur höchsten Reife zu bringen, kullern sie noch viel leichter den Gaumen hinunter. Sie liefern ein äußerst hohes Maß an Vitamin C und anderen wertvollen Mineralstoffen. Etwas säuerlicher munden die Roten Ribisel. Ein erfrischender Sommerkuchen aus Roten Johannisbeeren wird meist auch von denen nicht verschmäht, die sich kaum dazu motivieren lassen, die Früchte frisch vom Strauch zu naschen. Frisches Obst und Gemüse kann auf jeden Fall nur empfohlen werden. Man sollte sich am besten heute noch auf die „Jagd“ nach den wertvollen Gaben der Natur machen, bevor die Saison wiederum gänzlich vorüber ist.

Den Mangel an Magensäure verringern:

Für unsere Verdauung leistet der Magen Beachtliches. Das rechte Maß an Magensäure ist dafür ausschlaggebend, damit sich auch der Rest des Körpers wohl fühlt und der Stoffwechsel gut funktioniert. Einige leiden aber an einem zu geringen Vorhandensein der Magensäure. Für jene ist es daher von Vorteil, sich frisch vom Strauch an den Roten Johannisbeeren zu bedienen und diese direkt zu schnabulieren.


Rote Ribisel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Schwarze Ribisel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Pflanzen per Autostopp

Beim Labkraut anhalten

Es ist Reisezeit. Der Urlaub ermöglicht es, die eigenen vier Wände hinter sich zu lassen. Die Destinationen sind durchaus unterschiedlich. Ebenso die Art, von einem Ziel zum anderen zu kommen. Bei tiefschwarzen Kontozahlen ist es natürlich kein Problem, mit allem Komfort nach Übersee zu fliegen. Aber was machen viele, die sich womöglich den Urlaub vom Mund absparen müssen? Da hilft es nur, mit dem Wohlwollen der Autofahrer zu rechnen. Am Straßenrand steht nun bereits das Gelbe Labkraut in voller Blüte. Gewiss braucht dieses Lebewesen keinen Urlaub. Es wächst unter freiem Himmel und ist mit dem zufrieden, was es rund um seine Wurzeln vorfindet. Der prallen Hitze und den vorüberziehenden Gewittern ist es gewachsen, denn Sonnenhut oder Regenmantel sind ihm fremd. Aus der Perspektive eines Erdenbürgers, der sich des Automobils bedient, um zum Dienst oder in ein paar erholsame freie Tage aufzubrechen, bemerke ich natürlich die blühenden Gewächse, die momentan das Straßenbankett und die daran angrenzenden Böschungen zieren. Mit seinen gelben Blüten macht das schmucke Labkraut auf sich aufmerksam. Es kommt mir so vor, als würde es sagen: Bleib doch stehen und nimm mich mit. Würde ich es in der Folge fragen, wohin ich es bringen sollte, käme als Antwort: Zu dir nach Hause! Wohin denn sonst? Diese Art des Autostoppens hat keine gefährlichen Folgen. Im Gegenteil: unsere Gesundheit profitiert, wenn wir die Zeit des Sommers dafür verwenden, um uns für den Rest des Jahres das eine oder andere Kraut zu ernten und aufzubewahren. Es gibt natürlich noch andere Pflanzen, die entlang der Routen unserer heimischen Reisen zu entdecken sind.

Schlafkissen füllen:

Das Gelbe Labkraut (Galium verum) wird an sauberen Standorten abseits der stark befahrenen Straßen in voller Blüte abgeschnitten und an einer schattigen Stelle gut getrocknet. Anschließend kann man ein Kissen damit füllen. Die duftenden Pflanzenteile verbreiten eine ruhige Atmosphäre und helfen einem, mit der täglich anfallenden Strahlenbelastung verschiedenster Herkunft (Handy, Elektrogeräte etc.) besser fertig zu werden.

Gelbes Labkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Wohltat für Mensch und Tier

Das Bohnenkraut ist seit jeher beliebt

Im Mittelalter war es Kaiser Karl der Große, der den Anbau der Kräuter unterstützte und förderte. So ließ er unter anderem das Bohnenkraut in den Gärten der verschiedenen Stände kultivieren. Das Sommerbohnenkraut (Satureja hortensis), das auch Gartenbohnenkraut genannt wird, und das Winter-Bohnenkraut (Satureja montana), das wiederum als Bergbohnenkraut bekannt ist, haben ihre ursprüngliche Heimat in den Landstrichen rund um das Mittelmeer und das Schwarze Meer. Wie bei so vielen anderen Kräutern halfen ebenso hier die Herrscher und vor allem die Klöster mit, diese in den Regionen nördlich der Alpen Wurzeln schlagen zu lassen. Vor kurzem habe ich mich noch mit einem Imker unterhalten, der die fehlende Tracht für die Bienen aufgrund der mangelnden Niederschläge in meiner näheren Heimat beklagte. Da gingen meine Gedanken sofort zum Bohnenkraut im Kräutergarten unseres Stiftes. Sobald es zu blühen beginnt, stürzen sich die Immen wie wild darauf, um jeden möglichen Nektartropfen aus den Lippenblüten zu bergen. Die geheimnisvolle Natur hat es zudem so eingerichtet, dass sich der Nahrungsflug der emsigen Insekten zugleich positiv für deren Gesundheit samt ihren Immunkräften auswirkt. Leiden die Bienen an Ruhr, kann man ihnen sogar einen Tee aus Bohnenkraut als Tränke reichen, um ihre Verdauung erneut auf Vordermann zu bringen. Ja, was für die Bienen gut ist, sollte desgleichen von uns Menschen in Anspruch genommen werden. Immerhin bedarf unser Magen- und Darmtrakt genauso der Streicheleinheiten, die das Verwenden der Heilkräuter mit sich bringt. Da das Bohnenkraut zudem die Fähigkeit besitzt, Blähungen zu minimieren, eignet es sich folgerichtig als Gewürz für Erbsen- und Bohnengerichte. Lassen wir also öfter das Bohnenkraut unseren Gaumen in seinen verschiedenen Aufbereitungen passieren.

Enthaltene Gerbstoffe einsetzen:

So lieblich das Bohnenkraut auch anzusehen ist, sosehr erweist es sich als starkes Gewächs. Grund dafür ist der hohe Anteil an Gerbstoff in seinen Pflanzenteilen. Bei Durchfall und nervösem Magen können wir also von der stopfenden Wirkung eines Tees profitieren, der im Heißaufguss aus einem der beiden erwähnten Arten der Pflanze zubereitet wird. Das Bohnenkraut schneidet man zur Zeit seiner Blüte und trocknet es im Schatten bei Zugluft.

Bohnenkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Die Ochsenzunge und der Heuschreck

Der Kräuterpfarrer macht eine Pause

Ein Mitbruder im Dienst der Seelsorge, der auch mit mir zusammen die Schulbank im Gymnasium drückte, hat von den Rindern eine sehr hohe Meinung: er bezeichnet sie als äußerst meditative Lebewesen. Ich kann ihm in dieser Anschauung nur beipflichten. Denn wenn viele von uns nun die Zeit nutzen, um im Urlaub auszuspannen, führen die Bergtouren in alpinen Destinationen unweigerlich über die Almwiesen, wo wir die vierbeinigen Milchlieferanten friedlich das Gras abweiden oder beim Wiederkäuen lagernd sehen. Grad noch ging ich durch den Geraser Konventgarten und entdeckte auf einem Stück Wiese eine sehr schmucke Pflanze: eine Gemeine Ochsenzunge (Anchusa officinalis) in voller Blüte samt einem rastenden Heuschreck darauf. Mein Fotoapparat ermöglichte es, dass ich diese Idylle heute direkt meinen Lesern übermitteln kann. Wenn mich nun jemand nach dem Heileffekt dieses durchaus schön erscheinenden Gewächses fragen würde, dann könnte ich die Auskunft geben, dass die Ochsenzunge, die übrigens wie das Vergissmeinnicht zur Familie der Raublattgewächse gehört, in früheren Jahrhunderten durchaus Verwendung fand. Heute aber nimmt man davon Abstand, da ihre Pflanzenteile eine gewisse Giftigkeit aufweisen. Die Momentaufnahme aus unserem Klostergarten hat mich jedoch bewogen, innezuhalten und mir angeregt durch den Namen der schönen Blume zu sagen: Gönne Dir etwas Ruhe, verweile ein wenig mitten in der Natur und denk nicht daran, was in den nächsten Minuten und Stunden schon wieder zu erledigen wäre. Der Ochse und das Rind verwenden ihre Zunge zum Säubern und zum Wiederkauen. Das braucht Zeit. Warum sollte sich der Mensch das nicht ganz bewusst gönnen.

Den Augenblick und die Zeit nutzen:

Bis zum 13. Juli macht der Kräuterpfarrer zusammen mit seiner Kolumne Urlaub. Dabei hat er die Möglichkeit, mitten in der Natur einmal für sich selbst das in Anspruch zu nehmen, was er sonst tagtäglich an dieser Stelle versucht, weiterzugeben. Auftanken, den Augenblick ohne Zutun sein zu lassen und die Zeit als Geschenk annehmen. Der Heuschreck auf dem Bild hüpft auch nicht gleich weiter. Er rastet und genießt. Ich will das ebenfalls tun. Aber nicht, ohne mich bei Ihnen, liebe Leser, bis zum 14. Juli zu verabschieden und im Geiste meinen weißen Hut vor Ihnen zu ziehen. Gott segne auch Ihre Zeit!

Ochsenzunge mit Heuschreck ⓒ Foto: Kräuterpfarrer Benedikt Felsinger O.Praem.