Das dürre Land birgt Hoffnung

Das Johanniskraut und der Advent

Der Prophet Johannes der Täufer hat in der vorweihnachtlichen Zeit viel zu sagen. Interessanterweise verkündet er laut den Aufzeichnungen der Heiligen Schrift seine Botschaft nicht unbedingt dort, wohin der antike und gleichermaßen der heutige Trend die Massen zieht. Das sind eindeutig die urban geprägten Gegenden. Hier pulsiert das Leben in einem Ausmaß, wo selbst die Nacht kaum zur Ruhe kommt. Um wie viel mehr schwindet damit aber gleichzeitig die Möglichkeit des Menschen, in sich ruhig und offen für Gott zu werden?
Das Johanniskraut (Hypericum perforatum) entspricht ganz und gar nicht diesem Trend. Es zählt zu den so genannten Pioniergewächsen, was bedeutet, dass dieses Gewächs dort Wurzeln fasst, wo gerade nichts gedeiht und wo die Bedingungen alles andere als gerichtet und aufgeschlossen sind, um ein Bild von Bauplätzen zu nehmen. Das trifft vor allem auf Brachflächen, Schotterhalden, Kahlschläge, Wegränder und Bahndämme zu. Es weist allein schon der Name des angesprochenen Heilkrautes darauf hin, dass man in seinem Zusammenhang mit brachen Flächen rechnen muss. Denn der heilige Johannes der Täufer lebt und predigt in der Wüste, um die Menschen auf Gott aufmerksam zu machen, abseits vom lauten Getriebe der Marktplätze, Basare und Häfen. Das öde Land ist immer auch Land der Reinigung. Blicken wir nur auf die biblische Erzählung, in der wir den Zug der Israeliten mit verfolgen dürfen, ehe sie in das gelobte Land einziehen können. Das Johanniskraut besitzt für mich in diesen Tagen eine starke Aussagekraft.

Das Leben und seine Seiten:

Der lange naturheilkundliche Gebrauch des Johanniskrautes hing und hängt immer mit einer Schieflage des psychischen Gleichgewichts der jeweils betroffenen Menschen zusammen. Betrachten wir daher mithilfe dieser Seelenhelferin unser Leben. Lassen wir uns nicht einlullen von der Devise: „Dir darf es niemals schlecht gehen!“, sondern nehmen wir unsere derzeitige Existenz ernst, ohne uns ablenken zu lassen. Das Johanniskraut ist da schon einen gesundheitsfördernden Schritt voraus. Und diesen darf man ruhig selbst tun.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Kommentare geschlossen.