Ausprobieren und so studieren

Kräutertinkturen selbst herstellen

In meiner Gymnasialzeit war ich dem Physik- und Chemieunterricht gegenüber nur mäßig aufgeschlossen, so dass sich meine Begeisterung dafür eher in Grenzen hielt. Spannend war es dagegen allemal, wenn unser Professor im gut eingerichteten Saal samt Labor die durchaus sinnlich wahrnehmbaren Experimente durchführte. Dadurch inspiriert, möchte ich heute einmal einladen, zu Hause auf höchst ungefährliche Weise daranzugehen, Kräuteressenzen, wie z. B. eine Tinktur, selbst herzustellen. Dazu hat einst Hermann-Josef Weidinger ein paar Ratschläge aufgezeichnet. Er selbst verwendete dafür 75 %igen Obstbrand. Man kann aber auch Weingeist oder Kornbrand zum Ansetzen heranziehen. Von der jeweiligen Kräutersubstanz nimmt man von krautigen Pflanzenteilen ca. 100 g bis 150 g und von Wurzeln, Früchten oder Rinden bis zu 250 g für einen Liter Alkohol. Die jeweiligen Pflanzenteile sollen gut mit Alkohol bedeckt sein. Beides fügt man in einem weithalsigen Glasgefäß zusammen und stellt es verschlossen 14 Tage lang in ein sonniges Fenster. Täglich gilt es, den Ansatz gut zu schütteln und umzurühren. Am Ende seiht man das Ganze ab und setzt den Rückstand mit 1/2 bis 3/4 Liter abgekochtem Wasser 3 Stunden lang an. Die daraus gewonnene Flüssigkeit fügt man dem abgeseihten Ansatz hinzu, um so den Anteil an Alkohol auf ein brauchbares Maß (ca. 30 bis 40 Volumprozent) herunterzusetzen. Dieses Resultat stellt man wiederum 14 Tage lang geschlossen ins Fenster und füllt die fertige Kräutertinktur zu guter Letzt in kleine dunkelglasige Fläschchen ab. Nach einer geraumen Zeit der Lagerung im Keller ist das Produkt gleichsam einsatzbereit.

Farnkrautwurzel-Tinktur:

Wer den schützenswerten Wurmfarn (Dryopteris filix-mas) auf dem eigenen Grundstück stehen hat, kann im Herbst einige Wurzeln ausgraben, reinigen, zerkleinern und im Verhältnis 1 : 4 (1 Teil Wurzeln, 4 Teile Alkohol) daraus eine Tinktur ansetzen. Diese kann man dann rein äußerlich bei starken Gelenks- und Rheumaschmerzen zum Einreiben verwenden. Niemals innerlich anwenden!

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

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