Standort mit bester Aussicht

Die Hauswurz erklimmt selbst Dächer

Wieder einmal gehen meine Erinnerungen zurück in meine Kindheit. Nur allzu gern hielt ich mich damals bei meinen Verwandten auf dem Bauernhof, aus dem meine Mutter stammt, auf. Dort gab es im Innenhof über einem kleinen Stall ein Dach mit einer flachen Neigung. Die schon etwas älteren Tonziegel boten also einen guten Untergrund für die Hauswurz, die sich darauf befand. Dort auf dem Dach kam sie mit allen feuchten und trockenen Zeiten zurecht und wuchs im Laufe der Zeit zu einem kleinen Hügel heran, der aus lauter kleinen Rosetten der Echten Hauswurz (Sempervivum tectorum) bestand. Selbstverständlich fand sich diese fleischige Heilpflanze auch im Steingarten vor meinem Elternhaus. Die Hauswurz, auch Dachwurz genannt, gehört zur Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae) und wurde schon im Mittelalter als magisches Kraut auf die Dächer der Häuser gesetzt, um die Funktion des erst in der Neuzeit erfundenen Blitzableiters zu erfüllen. Doch stand immer schon der heilende Wert des dickhäutigen Kulturfolgers im Blickpunkt der Menschen.

Hauswurzöl für Kleinkinder:

In 100 g kaltgepresstem Olivenöl werden 25 g zerquetschte frische Hauswurzblätter 14 Tage lang bei Zimmertemperatur ans Fenster gestellt. Danach seiht man das Öl ab und presst die Hauswurzblätter aus. Einmal abgefüllt, wird das gewonnene Öl kühl und dunkel gelagert. Wenn Kleinkinder beginnen zu zahnen, reibt man mit diesem Öl zweimal täglich die Stellen ein, wo die ersten Beißerchen durchbrechen werden. Zusätzlich massiert man auch äußerlich den Kiefer mit dem Hauswurzöl und wäscht die behandelten Stellen nach ein paar Stunden mit Kamillentee ab.

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