Der europäische Lebensbaum

Dem Wacholder gebührt Respekt und Ehre

Wenn es auf Allerheiligen zugeht, strömen wie jedes Jahr viele Leute auf die Friedhöfe, um die Gräber ihrer lieben Verstorbenen in Ordnung zu bringen. Die Ruhestätten der Verewigten werden dabei nicht nur geschmückt, sondern meist auch winterfest bepflanzt. In unmittelbarer Nähe des Grabes von Kräuterpfarrer Hermann-Josef Weidinger hab ich einst einen Wacholder (Juniperus communis) gesetzt, der sich mittlerweile prächtig entwickelt hat. Dieses Zypressengewächs ist durchaus ein Zeichenbaum für das Waldviertel. Als edler Kleinbaum trägt er jahraus und jahrein sein spitznadeliges grünes Kleid. Mir ist aufgefallen, dass man den Wacholder so, wie er bei uns in der Natur vorkommt, nicht leicht in Reih und Glied setzen kann, da jedes Exemplar eine eigenwillige Wuchsform entwickelt. Darin unterscheidet er sich sehr wohl von seinen ausländischen Verwandten, den verschiedenen Thujenarten, die leider immer noch in viel zu großer Zahl rund um unsere Gärten als sterile Hecken gepflanzt werden. Die Wacholderbeeren eignen sich nicht nur zum Würzen und zum Gewinnen eines schmackhaften Destillates. Sie besitzen auch eine Heilkraft, die wir durchaus zu Hilfe nehmen können. Während der Schwangerschaft und bei angeschlagenen Nieren soll man jedoch Produkte aus Wacholderbeeren meiden.

Tropfen und Salbe aus Wacholder:

Vielleicht gibt es bei jemand Probleme mit Blähungen und Gasansammlungen im Verdauungstrakt. Da kann man versuchen, je 5 Wacholdertropfen vor jeder Mahlzeit einzunehmen. Bei Gelenksschmerzen und Rheuma verdünnt man 15 Tropen mit 3 Esslöffeln warmem Wasser und schluckt das Ganze. Die Wacholdersalbe wiederum, in der auch Dachsfett enthalten ist, lindert Blasenschwäche und Blasenentzündung und kann ebenso bei einem Leistenbruch verwendet werden. Wacholdertropfen und Wacholdersalbe können Sie bei unserem Verein „Freunde der Heilkräuter“ erwerben. (Telefonnummer im Rahmen der Kolumne oder www.kraeuterpfarrer.at)

Wacholderzweig

In die nahe Zukunft blicken

Der Thymian hilft vorbeugen

Das Gedächtnis meiner Nase kann sich noch gut an die sonnenbeschienenen Hänge entlang der Thaya in meiner näheren Heimat erinnern, auf denen der Quendel den Sommer über sein angenehmes Aroma verströmte. Diese von ihrem Wuchs her äußerst bescheidene Pflanze lässt mich aber gleichzeitig an den etwas größeren Verwandten denken, der zur selben Zeit in unseren Gärten die warmen Monate genießen durfte. Die Rede ist vom Echten Thymian (Thymus vulgaris), der seine eigentliche Heimat rund um das Mittelmeer hatte und heute gerne als Gewürz in den grünen Oasen ums Haus gezogen wird. Frisch verwendet, harmoniert das Thymiankraut sehr gut mit Petersilie, Zwiebeln und Knoblauch, wenn man auch jeweils darauf achten sollte, den Anteil dieses Gewürzes gering zu halten. Blicken wir in die reiche Erfahrungsgeschichte unserer Urgroßelterngeneration mit Hausmitteln, dann entdecken wir dort vielleicht so manchen Hinweis darauf, dass der Thymian bei Nervenschwäche, bei Krämpfen aller Art, bei Kopfschmerzen und auch bei Erkältungskrankheiten helfen kann. In diesen Fällen wurde und wird ein Aufguss mithilfe des frischen oder getrockneten Krautes hergestellt. Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit, um den Absud aus den Gewächsteilen des Thymians zu verwenden.

Herbstliches Fußbad:

Die wertvollen Stoffe einer Heilpflanze über den Verdauungstrakt aufnehmen, ist eine Möglichkeit. Eine andere besteht darin, sich mithilfe eines herkömmlichen Heißaufgusses aus getrocknetem Thymiankraut ein Fußbad anzureichern, das man in den Abendstunden ca. 15 Minuten lang genießt. Damit wird der ganze Organismus gestärkt und ist somit vorbeugend gegen die mit großer Wahrscheinlichkeit anrückenden Erkältungskrankheiten besser gewappnet.

Thymian

Nicht auf die verschriebene Kur warten

Zu den Weintrauben greifen

Gerne denke ich an meine Schulzeit zurück. Es war eine sehr schöne Zeit, die ich als Gymnasiast in Hollabrunn verbringen durfte. Außerhalb der Unterrichtsstunden in der Schule genoss ich auch im erzbischöflichen Knabenseminar eine gute und anspruchsvolle Erziehung und Herzensbildung. Im Herbst gehörte es einfach dazu, dass meine Mitschüler über und über mit Weintrauben von ihren Elternhäusern versorgt wurden. Das brachte mich als Waldviertler jedes Mal ins Staunen und ich wusste die reiche Lese durchaus zu schätzen, da ja auch für mich jeweils etwas abfiel. Heute erkenne ich im Nachhinein auch den gesundheitlichen Wert, den diese „fruchtige Jause“ mit sich brachte. Nicht nur, dass dem Organismus dadurch ein gutes Maß an Vitaminen und Mineralstoffen zugeführt wurde, sondern der Verdauungstrakt ist gleichzeitig mit den so notwendigen Ballaststoffen beschickt worden. Jetzt, da die Weinlese dieses Jahres wiederum zum größten Teil eingebracht ist, sei erneut daran erinnert, wie wertvoll das Obst ist, das man direkt vor seiner eigenen Haustür bzw. auf den eigenen Fluren heranwachsen sieht. Es ist oft schade, dass viele nicht wissen, welcher Wert auf unseren Bäumen und Rebstöcken draufhängt. Wer also an frische einheimische Trauben herankommt, sollte gleich die Gelegenheit nutzen, um den Körper und die Sinne zu stärken. Vor jedem Genuss von Weinbeeren ist es angeraten, diese mit lauwarmem Wasser gut abzuspülen.

Traubensaft-Kur:

Die leidige Arterienverkalkung ist ein Thema, mit dem viele unserer Zeitgenossen konfrontiert werden. Diesem Übel kann man mit frischem Traubensaft begegnen. 6 Wochen lang trinkt man am besten 3-mal täglich je 1/8 Liter davon. Gleichzeitig ist einsichtiger Weise jeder Genuss von Alkohol und Nikotin, aber auch von Bohnenkaffee zu meiden. Diese Kur kann man bis zu 4-mal im Jahr wiederholen.

Weintrauben rot und grün