Vor dem Winter wächst das Fell

Ein Grund, um uns ums Haar zu kümmern

Mit Haut und Haar! – Alles, was unseren Körper umgibt und schützt, ist wertvoll. Es bezeichnet sozusagen das Ganze, weil wir uns damit mehr oder weniger sehen lassen können. So dient unsere Eitelkeit, die wir im rechten Maße auch pflegen und gleichzeitig damit beherrschen sollen, dafür, dass wir gut miteinander kommunizieren können. Denn wir tun uns ja verständlicherweise auch schwer mit Menschen, die ungepflegt sind. Es darf uns also ruhig etwas wert sein, ein wenig auf unsere äußere Schicht zu schauen. Die felltragenden Tiere haben hierin einen Vorteil, weil sie der Jahreszeit entsprechend ihr Fell jeweils komplett wechseln können. Aufgrund der kulturellen Errungenschaft menschlicher Kleidung haben Haare zum Schutz des Körpers und zur Regelung der Temperatur schon lange an Bedeutung verloren. Dennoch darf der verbliebene Rest vor allem im Bereich unseres Haupts eine liebende Sorge erfahren. Wenn auch die Kosmetikindustrie einiges an Wohltaten für unser Haar bereit hat, dürfen wir ebenfalls die verborgenen Essenzen in Form der Inhaltsstoffe vieler Heilkräuter für unser Äußeres zu Hilfe nehmen. Hier ein konkretes Beispiel:

Kapuzinerkressen-Salat:

Frisches Kraut der Kapuzinerkresse wird zu einem Salat zubereitet, den man je nach Geschmack mit einem bekömmlichen Dressing anrichtet. Regelmäßig genossen, wirkt das über die Verdauung auf die Haarwurzeln und verstärkt so den Haarwuchs. Leute mit einem empfindlichen Magen sollten dem Salat reichlich Öl beigeben, damit die Schleimhäute von Darm und Magen nicht zu sehr gereizt werden.

Kapuzinerkresse

Das Leben hat seine Zeit

Nicht nur die Steckdose benötigt die Erdung

Mit dem leiblichen Tod ist das so eine Sache. Gerne besuchen wir zwar zu Allerheiligen die Gräber unserer lieben Verblichenen, doch den Tag darauf, also Allerseelen, halten wir uns nicht mehr frei. Es wäre vielleicht zu viel des Guten, um sich wirklich ernsthaft mit dem eigenen Sterben auseinander zu setzen. So möchte ich heute unsere menschlichen Urahnen Adam und Eva ins Blickfeld rücken. Im Bild sehen wir einen Ausschnitt aus dem zeitlich gesehen letzten barocken Deckenfresko Mitteleuropas (1805), das sich in meiner klösterlichen Bibliothek in Geras befindet. Der Maler Josef Winterhalder lässt hier die ersten Menschen nach einem Leben in Fülle Ausschau halten, nachdem sie sich eben dieses durch den Sündenfall verwirkt hatten. Ja, nicht wir sind es, die das Leben erhalten können, sondern der Schöpfer, der es uns allen aus seiner Güte heraus überantwortet hat. Wir erheben uns im Laufe der Sorge um unsere Existenz meiner Meinung nach nur allzu leicht über die Erde, aus der wir alle geschaffen wurden. In der lateinischen Sprache lautet das Wort für demütig „humilis“. Da steckt wiederum das Wort Humus drinnen, also der Begriff für eine gute und fruchtbare Erde. Nehmen wir als leibliche und geistige Übung wieder einmal Kontakt auf zum Boden, auf dem wir alle stehen.

Mit bloßen Händen:

Um das Gefühl für die Erde wieder zu gewinnen, ist es angebracht, ohne Handschuhe und ohne Schutz im wahrsten Sinn des Wortes das Fundament des Wachstums der Pflanze zu begreifen. Die letzte herbstliche Gartentätigkeit oder das Herrichten eines Grabes geben uns Gelegenheit dafür. Wer seine Existenz recht bedenkt, wird ein Stück weit dankbarer und setzt sich furchtloser mit dem eigenen Tod auseinander. Denn die ganze Erde liegt in Gottes barmherziger Hand.

Adam und Eva Fresko Stift Geras