Sensibilität ist ihre Stärke

Mit Pflanze und Tier auf Weihnachten zu

Was ist besser? Den starken Mann oder die starke Frau mimen oder sich erweichen lassen? Ja, manchmal scheint es mir, dass meine eigene Sensibilität nichts als Probleme macht. Geht es Ihnen damit auch so? Es gibt eine Pflanze, die wir mit den Begriffen wie Feinfühligkeit oder – negativ betrachtet – Angerührt-Sein direkt in Verbindung bringen: das ist die Mimose. Nun, Mimose ist nicht gleich Mimose. Der eigentliche Strauch dieses Namens (Mimosa pudica) stammt ursprünglich aus Südamerika, hat sich aber als Invasionspflanze im mediterranen Klima Europas bereits ausgebreitet. Diese Mimose kann bei Berührung ihre gefiederten Blätter der Reihe nach zuklappen. Für die Parfümherstellung ist wiederum die aus Südaustralien stammende Falsche Mimose oder auch Silber-Akazie (Acacia dealbata) von Interesse, da ihre gelben Blüten (siehe Illustration) einen angenehmen Duft verströmen, der sich auch auf unser Gemüt auswirken kann. Wie auch immer, die beiden erwähnten Arten gehören auf jeden Fall zur selben Pflanzenfamilie der Hülsenfrüchtler. Auf welche Art wir uns auch mit Mimosen auseinandersetzen, sollen wir uns jedes Mal die Frage stellen, ob wir uns ein gewisses Maß an Feinfühligkeit überhaupt erlauben dürfen oder ob wir schon so unter Leistungsdruck stehen, dass dieser sich auch auf unsere unmittelbaren Lebensgefährten auswirkt. Wenn wir ein bisschen darauf schauen, was der andere braucht, verbessern wir automatisch die Atmosphäre und das Klima in unserer Umgebung.

Guter Duft verändert:

Im Fachhandel gibt es das ätherische Mimosenöl zu kaufen. Dieses Öl verströmt einen intensiven Blütenduft, der ein wenig an Veilchen erinnert. Das Einatmen desselben beruhigt und macht auch ein Stück weit heiter. Die Blüten der Silberakazie, die in Europa auch Mimose genannt wird, ist der Lieferant dafür.

Mimose Falsche

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Ein fliegender Edelstein

Mit Pflanze und Tier auf Weihnachten zu

Ruhig und verträumt liegt die alte Kulturlandschaft rund um unser altes Stift in Geras da. Als prägendes Element dieser Waldviertler Fluren wurden vor Jahrhunderten die Karpfenteiche von Menschenhand angelegt und bilden jetzt einen ganz wichtigen Bestandteil des Grenzlandes südlich von Mähren. Die Teiche ziehen immer wieder die verschiedensten Wasservögel an, die hier entweder Rast halten oder gar ihre Jungen großziehen. Alljährlich hört man dann gerade im Herbst, solange die Wasseroberfläche noch nicht zugefroren ist, ein helles Pfeifen. Das ist unverkennbar die Stimme des Eisvogels, der nach kleinen Fischen Ausschau hält, die er im präzisen Sturzflug anpeilt und meist auch erwischt. Es ist einfach eine Freude, beim Spazierengehen rund um die schilfbekränzten Weiher diesen äußerst prächtigen Vögeln zuzusehen. Ein Weilchen fühlt man sich dabei ins Paradies versetzt, wo Menschen und Tiere wie selbstverständlich das Leben miteinander teilten und so einander ergänzten. Der Eisvogel zählt zu den seltenen Vögeln unserer Heimat, obwohl er gerade im Waldviertel noch oft anzutreffen ist. Er braucht naturbelassene Fluss- und Bachläufe, an deren steil abfallenden Lehmwänden er seine Bruthöhle graben und beziehen kann. Jeder, der einem Eisvogel in freier Natur begegnen darf, soll auch ein kleines Stück mehr dankbar in seinen Lebensalltag schauen.

Carpe diem!

Der Eisvogel sitzt oft geduldig auf einem Schilfhalm, der sich über das Wasser biegt oder auf einem Ast eines Uferbaumes, um von dort die vorüberziehenden winzigen Fischchen zu erhaschen. Der Fisch ist seit alters her ein Symbol für Christus. Heute rate ich allen einmal, die so notwendige Aufmerksamkeit für geistige Vollzüge anhand von Naturbeobachtungen zu trainieren. Jetzt im Advent halten wir ja Ausschau auf das Weihnachtsfest. Nütze also den Tag (= carpe diem), um die erfreulichen Kleinigkeiten nicht zu übersehen.

Eisvogel auf Ansitz (Foto: FokusNatur)

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Aufnehmen und abgeben

Nicht zu schlecht über die Harnblase denken

Der menschliche Körper ist etwas Wunderbares. Je mehr Möglichkeiten die moderne Medizin hat, um unser physisches Leben zu unterstützen und in vielen Fällen zu retten, so sehr bleibt aber auch das Geheimnisvolle und das Staunenswerte im Zusammenspiel der Organe erhalten. So betrachtet gibt es keine geringere oder wertvollere Stelle des Körpers. Wir dürfen allem mit Achtung begegnen. Dazu zählen auch die Prozesse der Reinigung und der Ausscheidung.

Wir bemerken aber deren Wichtigkeit oft erst, wenn es irgendwo zwickt oder etwas nicht nach unserer Gewohnheit funktioniert. Gerade bei der Harnblase fühlen wir uns im Fall einer Entzündung oder Schwächung derselben äußerst gehandicapt und beeinträchtigt. Es liegt durchaus auch an unserem Willen, von Jugend an etwas für unsere Blase zu tun. In direktem Zusammenhang stehen hier ebenfalls die Nieren, die ihren wertvollen Dienst am Sauberhalten des Blutes leisten. Angefangen von einer vernünftigen Ernährung über das regelmäßige Trinken bis hin zu einer gesundheitsfördernden Kleidungskultur gibt es hier genügend Möglichkeiten, um der Beeinträchtigung der Harnausscheidung im Alter vorzubeugen. Nicht zuletzt ist es die Mutter Natur, in deren Kammer das eine oder andere wertvolle Kraut heranwächst, um unserer Blase wiederum die nötige Kraft für ihren „Klärungsauftrag“ zu geben.

Harnblasenentzündung mindern:

In diesem Fall kann man auf die Blätter der Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi) zurückgreifen. 6 Teelöffel der Droge übergießt man mit einem 3/4 Liter kaltem Wasser. Über Nacht stehen lassen und am Morgen dann gut umrühren, abseihen und leicht anwärmen. In einer Thermosflasche bereitstellen und vor jeder Mahlzeit je eine Schale voll trinken. Zusätzlich kaut man am besten noch zwischendurch ein paar geschälte und getrocknete Kürbiskerne. Diese Anwendung 3 Wochen lang durchführen.

Bärentrauben

Die Gesundheit „befestigen“

Mit Heilkräutern einen Wall errichten

Mit einem gesunden Maß an Liebe und Stolz blicke ich auf meine Heimat. Der Ort, in dem ich als Kind heranwachsen durfte, liegt zwar fernab von wichtigen Verkehrsrouten direkt an der Grenze zu Mähren, hat aber eine touristische Besonderheit. Meine Heimatstadt Drosendorf an der Thaya hat eine Stadtmauer, die in ihrer gesamten Länge bis auf den heutigen Tag erhalten ist. Kriegerische Heere hatten es also zwischen dem 13. und dem 18. Jahrhundert äußerst schwer, diese Ansiedlung zu erobern. Jetzt, wenn bald der Winter Einkehr halten wird, braucht auch unser Körper vermehrt Schutz vor herannahenden Erkältungen und Krankheiten. Mutter Natur ist durch die vielen Heilkräuter, die den Sommer über wuchsen, blühten und reiften, durchaus mit einer vielseitig einsetzbaren „Waffenkammer“ ausgerüstet, auf die wir jederzeit zurückgreifen dürfen. Es wäre meiner Meinung nach ziemlich fahrlässig, diese Kräfte nicht zu nutzen. Manche Gewächse haben gleichsam die richtige „Munition“ in ihren Früchten, wie z. B. der Sanddorn, aus denen man einen Saft gewinnen kann, der die Abwehrkräfte stärkt. Vergessen wir auf die emsigen Bienen nicht, deren wertvoller Propolis auch den Menschen stärken kann.

Ein Tee „verwehrt Keimen den Zutritt“:

Die Mischung dieses Tees besteht aus Brombeerblättern, Kamille, Holunderblüten, Wacholderbeeren, Lavendel, Ringelblumenblüten und Thymian. Im richtigen Verhältnis zueinander abgestimmt, kann dieser Tee mithelfen, Erkältungskrankheiten vorzubeugen. Im herkömmlichen Heißaufguss-Verfahren zubereitet, trinkt man am besten 3-mal täglich eine Schale schluckweise und das 3 Wochen lang. Dann eine Woche aussetzen und danach 3 Wochen lang wiederholen. Die fertige Mischung ist erhältlich beim Verein „Freunde der Heilkräuter“ in Karlstein. (Adresse siehe Rahmen oder unter: www.kraeuterpfarrer.at)

Sanddornfrüchte und Blüten

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Der europäische Lebensbaum

Dem Wacholder gebührt Respekt und Ehre

Wenn es auf Allerheiligen zugeht, strömen wie jedes Jahr viele Leute auf die Friedhöfe, um die Gräber ihrer lieben Verstorbenen in Ordnung zu bringen. Die Ruhestätten der Verewigten werden dabei nicht nur geschmückt, sondern meist auch winterfest bepflanzt. In unmittelbarer Nähe des Grabes von Kräuterpfarrer Hermann-Josef Weidinger hab ich einst einen Wacholder (Juniperus communis) gesetzt, der sich mittlerweile prächtig entwickelt hat. Dieses Zypressengewächs ist durchaus ein Zeichenbaum für das Waldviertel. Als edler Kleinbaum trägt er jahraus und jahrein sein spitznadeliges grünes Kleid. Mir ist aufgefallen, dass man den Wacholder so, wie er bei uns in der Natur vorkommt, nicht leicht in Reih und Glied setzen kann, da jedes Exemplar eine eigenwillige Wuchsform entwickelt. Darin unterscheidet er sich sehr wohl von seinen ausländischen Verwandten, den verschiedenen Thujenarten, die leider immer noch in viel zu großer Zahl rund um unsere Gärten als sterile Hecken gepflanzt werden. Die Wacholderbeeren eignen sich nicht nur zum Würzen und zum Gewinnen eines schmackhaften Destillates. Sie besitzen auch eine Heilkraft, die wir durchaus zu Hilfe nehmen können. Während der Schwangerschaft und bei angeschlagenen Nieren soll man jedoch Produkte aus Wacholderbeeren meiden.

Tropfen und Salbe aus Wacholder:

Vielleicht gibt es bei jemand Probleme mit Blähungen und Gasansammlungen im Verdauungstrakt. Da kann man versuchen, je 5 Wacholdertropfen vor jeder Mahlzeit einzunehmen. Bei Gelenksschmerzen und Rheuma verdünnt man 15 Tropen mit 3 Esslöffeln warmem Wasser und schluckt das Ganze. Die Wacholdersalbe wiederum, in der auch Dachsfett enthalten ist, lindert Blasenschwäche und Blasenentzündung und kann ebenso bei einem Leistenbruch verwendet werden. Wacholdertropfen und Wacholdersalbe können Sie bei unserem Verein „Freunde der Heilkräuter“ erwerben. (Telefonnummer im Rahmen der Kolumne oder www.kraeuterpfarrer.at)

Wacholderzweig

Schneeglöckchen und Katechismus

Gedanken zum Jahr des Glaubens

Vor kurzem nahm ich mir aus meinem Bücherregal ein dickes Buch heraus, um mich auf eine Radiosendung vorzubereiten. Es war der „Katechismus der Katholischen Kirche“. Dieses für katholische Christen bedeutende Werk zur Vertiefung des Glaubenswissens wurde vor fast genau 20 Jahren vom seligen Papst Johannes Paul II. allen Gläubigen überreicht. Wer jetzt meint, dieser dicke Wälzer hat nichts mit Kräutern zu tun, der irrt meiner Meinung nach. Denn als ich mein Buch ein wenig intensiver durchblätterte, fielen aus den Seiten zwei getrocknete Schneeglöckchen heraus, die ich im vergangenen Frühjahr als Lesezeichen eingelegt habe. Ich möchte mit meinen Lesern diese private Begebenheit durchaus teilen, um die Erinnerung, die mir meine zwei Schneeglöckchen geschenkt haben, einfach weiterzugeben. Denn wer den Glauben an den Schöpfer mit dem täglichen Leben vereint, bei dem kommt so manches zum Erblühen. Wie vieles ist durch unsere hochnäsig zelebrierte Ratio doch schon missachtet worden? In meinem Katechismus entdecke ich durchaus Lehrsätze, die unsere Würde als Menschen auf eine schöne Weise neu aufleuchten lassen. Wenn wir uns mit der Schöpfung befassen, dann entdecken wir auch neu unsere Rolle darin. Ja, ich danke dem Herrgott, dass ich leben und ein wichtiger Teil seines Bildes hier auf Erden sein darf!

Nach dem Bilde Gottes:

Im Katechismus der Katholischen Kirche findet sich folgendes Zitat der hl. Katharina von Siena: „Was war der Grund, weshalb du den Menschen zu einer so großen Würde erhoben hast? Die unschätzbare Liebe, mit der du dein Geschöpf in dir selbst angeblickt und dich in es verliebt hast, denn du hast es aus Liebe erschaffen, aus Liebe hast du ihm eine Natur gegeben, die an dir, dem ewigen Gut, Freude zu empfinden vermag.“ (KKK. S. 122)

Schneeglöckchen