Die Fülle des Lebens aufspüren

Mit der Rosskastanie Ausschau halten

Am Straßenrand steht ein Kastanienbaum. Ich gehe daran nicht vorüber, sondern bleibe stehen. In den Kirchen wird heute aus dem 13. Kapitel des Markusevangeliums Folgendes zitiert: „Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und die Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist.“ Nun, im Waldviertel gedeihen keine Feigen in freier Natur. Ich begnüge mich eben mit einem Kastanienbaum, um mich im Sinnieren über mein Leben an ihm anzuhalten. Wenn ich dieses mächtige Gewächs mit manchen Typen von Menschen vergleiche, darf ich eine positive Kraft entdecken. Jetzt im Herbst glaubt man ja kaum, welche Pracht dieser Baum im nächsten Frühjahr mit seinen gelappten Blättern und mit seinen Blütenkerzen entfachen wird. So ist es auch bei vielen Zeitgenossen, die ich mit meinen Vorurteilen vielleicht verkenne. Ich ahne gar nicht, was in ihnen steckt. Pflege und kultiviere ich meine Talente? Was mache ich eigentlich aus meinem Leben? Ist die Triebfeder meines Schaffens vielleicht gar das billige Erhaschen der Gunst anderer Menschen, die mich doch zutiefst enttäuschen können? Mein Kastanienbaum am Wegrand weist über sich hinaus. Er streckt seine Äste in den herbstlichen Nebel und ist sich gewiss, dass die Sonne wieder kommt. Heute am Sonntag feiere ich auch die Tatsache, dass Christus vom Tode erstanden ist und schon jetzt sein Leben mit mir teilt. Seine Gegenwart ist es ja, die mich ermutigt, für andere da zu sein und den Schöpfer als Urgrund meiner Existenz zur Sprache zu bringen.

Sorge um eine gute Ruhestatt:

Konkret gemeint ist das Bett, das mich mehr oder weniger gut den Schlaf erleben lässt. Mit manchem Kräuterkissen kann man die Atmosphäre verbessern. Menschen, die unter Rheuma oder Gicht leiden, können sich reife Rosskastanien in einer Schachtel unters Bett legen. Diese wehren auch schädliche Strahlen ab, die den Organismus beunruhigen.

Rostkastanie mit Blüten und Früchten

Frühlingsblumen mitten im Herbst

Pflanzen an ihrem Aussehen wiedererkennen

Geht es Ihnen, werte Leserin und werter Leser dieser Zeilen, nicht auch manchmal so, dass Sie meinen, ein Gesicht in Ihrem Leben schon einmal gesehen zu haben? Beim Nachfragen stellt sich dann meistens ohnehin heraus, ob Ihre Vermutung einen realen Grund in einer früheren Begegnung hat oder ob Sie sich einfach getäuscht haben. Beim Betrachten der Pflanzen verhält es sich sehr ähnlich. So brauchen wir, um das eine oder andere Gewächs bestimmen und bezeichnen zu können, die Bilder, die uns zu einer endgültigen Gewissheit verhelfen. Heute wäre ein Mann genau 70 Jahre alt geworden, der mit seinen liebevollen und detailidenten Zeichnungen und Gemälden von Heilpflanzen mithalf, dass unzählige Menschen auf der Suche nach Kräutern auch fündig wurden. Seine Pflanzendarstellungen gehörten einfach wie selbstverständlich zum schriftstellerischen Wirken von Hermann-Josef Weidinger dazu. Leider verstarb Adolf Blaim im selben Jahr, als auch Hermann-Josef Weidinger 2004 das Zeitliche segnete. Die Bilder von Maler Blaim sind aber ein bleibendes Erbe und dürfen so viele, die unsere Kolumne in dieser Zeitung schätzen, auch in Hinkunft begleiten. Lieber Herr Adolf Blaim, ein Dankeschön in die Ewigkeit hinein! Oft sind es eben die Künstler, die uns mit ihren Werken unterstützen, die wunderbaren Spuren des Schöpfers auf Erden zu erkennen.

Die Details nicht übersehen:

Die Pflege unserer ganzheitlichen Gesundheit braucht Zeit. Diese hierfür verwendeten Minuten und Stunden sind sehr wertvoll. Es steht einem jeden Menschen schlicht und einfach zu, auf die gute Verfasstheit sowohl seiner Physis als auch seiner Psyche zu achten. Wer also Pflanzen kennenlernen möchte, nehme sich Zeit, um ihre farblichen und gestaltlichen Feinheiten zu sehen und sich einzuprägen. Dabei fällt automatisch auch eine Phase der Ruhe für den Betroffenen ab, die uns erneut Kraft geben kann.

Frühlingsstrauß von Adolf Blaim

Wurzeln ausgraben

Das Jahr des Glaubens feiern

Der Herbst ist da. Das ist die große Zeit der Wurzeln. Egal, von welchem Heilkraut diese nun gesammelt werden: die Wurzeln sind voller Kraft und Inhalt, da die Gewächsteile der Pflanzen nun zum Teil abgeworfen werden, um die kalte Jahreszeit zu überstehen. Wenn wir also diesen Vorgang betrachten und für unsere private Heilkunde nutzen, dürfen wir gleichzeitig das Bild dankbar annehmen, das uns hierbei mitgeliefert wird. Ich meine ganz konkret das Bedacht-Sein auf die geistige und geistliche Substanz, auf der unser Leben steht. Es ist doch so, dass wir alle uns oft den wechselnden Verhältnissen unserer Gegenwart aussetzen, ohne zu beachten, dass wir verborgene Grundlagen haben, aus denen wir Kraft schöpfen können. Das kann z. B. die Familie oder das Land unserer Herkunft sein. Viel stärker aber ist noch der Glaube, mit dem und aus dem die Generationen vor uns ihr Leben gestaltet haben. Für die katholische Kirche unseres Erdkreises hat Papst Benedikt XVI. mit dem gestrigen Tag das Jahr des Glaubens eröffnet. Wir sollen dadurch den Glauben nicht nur feiern, sondern ganz bewusst die Wurzeln unseres Glaubens ausgraben, damit dieser unser Leben bereichern möge, genauso, wie sich Kren, Karotten oder Nelkenwurz heilend auf unseren Organismus auswirken können.

Gott erschafft in Weisheit und Liebe

Es ist 20 Jahre her, dass der selige Papst Johannes Paul II. den Katechismus der katholischen Kirche den Gläubigen übergeben hat. Darin lesen wir über die Schöpfung: „Wir glauben, dass Gott die Welt nach seiner Weisheit erschaffen hat. Sie ist nicht das Ergebnis irgendeiner Notwendigkeit, eines blinden Schicksals oder des Zufalls. Wir glauben, dass sie aus dem freien Willen Gottes hervorgeht, der die Geschöpfe an seinem Sein, seiner Weisheit und Güte teilhaben lassen wollte.“ Vielleicht ist es durchaus heilsam, sich über diese Feststellung einmal Gedanken zu machen.

Krenwurzel