Ein Baum in Gefahr

Die Esche steht derzeit unter Stress

Verschiedene Holzarten haben eine durchaus fühlbare unterschiedliche Struktur auf ihrer Oberfläche. Das können meines Erachtens vor allem blinde Menschen bezeugen, die sozusagen über ihren Tastsinn die Welt und ihre Gegebenheiten in ihrem Inneren oft besser wahrnehmen können als so mancher Erdenbürger, der sich glücklich schätzen darf, seine Augen einigermaßen einsetzen zu können. Ich selber nehme ganz gerne ab und zu verschiedene gedrechselte Gegenstände in die Hand, um mit den Fingern darüber zu gleiten, um so das jeweilige Holz bewusster zu spüren. Wenn ich also in diesem Sinne ein Stück aus Eschenholz streichle, dann erleben meine Fingerspitzen eine Fahrt wie über eine wellige Wasseroberfläche. Grund dafür ist eben das abwechselnd fein und grob strukturierte Eschenholz. Die Esche (Fraxinus excelsior) zählt im botanischen Sinn zur Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae) und ist somit auch mit dem Flieder oder den Forsythien verwandt. Als wichtiger Laubholzbaum ist er in fast ganz Europa verbreitet und kommt auch mit feuchteren Standorten gut zurecht. Seit Ende des vorigen Jahrhunderts breitet sich aber eine Gefahr für die Eschen aus, die dieser Baumart zusehends zu schaffen macht. Es ist dies ein gefährlicher Pilz, der sich in die den Baum versorgende Zone der Rinden einnistet und den lebenserhaltenden Saftfluss der Eschen zum Erliegen bringt. Wir kennen dieses Krankheitsphänomen leider auch in ähnlicher Weise von den Feldulmen, deren Bestand sich auf unserem Kontinent dadurch ziemlich reduziert hat. Ja, wir haben mit dem Eschensterben eben wiederum einen Fingerzeig mehr, um verstärkt das ökologische Gleichgewicht vor unserer Haustür erneut zu ermöglichen.

Eschenrinden-Tee:

Will man das Fieber senken oder den Magen stärken, kann man versuchen, von Eschenzweigen geerntete und getrocknete Rinde für einen Tee heranzuziehen. Dazu nimmt man von der zerkleinerten Droge 2 Teelöffel, übergießt sie mit 1/4 Liter kaltem Wasser und kocht den Ansatz kurz auf. Danach 15 Minuten ziehen lassen und abseihen. Früh und abends je eine Tasse ungezuckert uns schluckweise trinken.

Eschenbätter von Adolf Blaim