Eine Zeit geht zu Ende

Heute endet das Kirchenjahr

Sang- und klanglos vollzieht sich an diesem Samstag der Abschluss des liturgischen Jahres der römisch-katholischen Kirche. In dieser Gemeinschaft des Glaubens ist wie auch in den anderen Kirchen des Ostens und Westens die Zeitrechnung gegenüber dem profanen Kalender etwas verschoben. So war der vergangene Sonntag der Tatsache gewidmet, dass Christus ein König ist, der wiederkommen wird. Morgen beginnt der neue Zyklus des Heils durch die Feier der frohen Erwartung des Geburtsfestes Christi. An und für sich sind das ja Banalitäten, die ich da schildere, doch stelle ich immer wieder neu fest, dass selbst geringstes Wissen über das Kirchenjahr gleichsam im Handumdrehen verdunstet ist. Leider ist viel zu wenigen bewusst, dass damit gleichzeitig auch der wichtigste Bestandteil einer gesunden Identität verlorengegangen ist. Wie auch immer, jedes Mal wenn eine Frist oder eine Zeit zu Ende geht, heißt es loszulassen. Nicht immer gelingt uns das im jeweils geforderten Maß. Gottlob hat die Natur vorgesorgt, um uns ganz sanft und unaufdringlich die nötige Hilfe anzubieten, um gelassener zu werden. Spontan fällt mir da das Gänsefingerkraut (Potentilla anserina) ein. Otto von Brunfels (1488 – 1534), ein gelehrter Theologe und Mediziner, hat einmal über dieses Kraut, das er noch „Genserich“ nennt, geschrieben: „Die Glyder damit gerieben kräftiget und stärket sie. Strecket das Hirn und reinigt es.“ Vielleicht ist es ja nicht das Schlechteste, heute die Glieder bewusst eine Weile ruhen zu lassen und unnötige Gedanken aus dem Hirn zu verbannen.

Krampf-Milch trinken:

In 1/2 Liter Milch gibt man 3 Esslöffel voll Gänsefingerkraut und 1 Esslöffel voll Kümmel. Der Ansatz wird dann gut erwärmt. Anschließend abseihen und 1/4 Liter davon gleich am Morgen trinken, den Rest über den Tag verteilt. Dieser Trunk kann schmerzhafte Wadenkrämpfe mindern helfen.

Gänsefingerkraut

Mehr Infos zum Verein Freunde der Heilkräuter, Rezepten und Produkten finden Sie auf www.kraeuterpfarrer.at.

Schneeglöckchen und Katechismus

Gedanken zum Jahr des Glaubens

Vor kurzem nahm ich mir aus meinem Bücherregal ein dickes Buch heraus, um mich auf eine Radiosendung vorzubereiten. Es war der „Katechismus der Katholischen Kirche“. Dieses für katholische Christen bedeutende Werk zur Vertiefung des Glaubenswissens wurde vor fast genau 20 Jahren vom seligen Papst Johannes Paul II. allen Gläubigen überreicht. Wer jetzt meint, dieser dicke Wälzer hat nichts mit Kräutern zu tun, der irrt meiner Meinung nach. Denn als ich mein Buch ein wenig intensiver durchblätterte, fielen aus den Seiten zwei getrocknete Schneeglöckchen heraus, die ich im vergangenen Frühjahr als Lesezeichen eingelegt habe. Ich möchte mit meinen Lesern diese private Begebenheit durchaus teilen, um die Erinnerung, die mir meine zwei Schneeglöckchen geschenkt haben, einfach weiterzugeben. Denn wer den Glauben an den Schöpfer mit dem täglichen Leben vereint, bei dem kommt so manches zum Erblühen. Wie vieles ist durch unsere hochnäsig zelebrierte Ratio doch schon missachtet worden? In meinem Katechismus entdecke ich durchaus Lehrsätze, die unsere Würde als Menschen auf eine schöne Weise neu aufleuchten lassen. Wenn wir uns mit der Schöpfung befassen, dann entdecken wir auch neu unsere Rolle darin. Ja, ich danke dem Herrgott, dass ich leben und ein wichtiger Teil seines Bildes hier auf Erden sein darf!

Nach dem Bilde Gottes:

Im Katechismus der Katholischen Kirche findet sich folgendes Zitat der hl. Katharina von Siena: „Was war der Grund, weshalb du den Menschen zu einer so großen Würde erhoben hast? Die unschätzbare Liebe, mit der du dein Geschöpf in dir selbst angeblickt und dich in es verliebt hast, denn du hast es aus Liebe erschaffen, aus Liebe hast du ihm eine Natur gegeben, die an dir, dem ewigen Gut, Freude zu empfinden vermag.“ (KKK. S. 122)

Schneeglöckchen

Wurzeln ausgraben

Das Jahr des Glaubens feiern

Der Herbst ist da. Das ist die große Zeit der Wurzeln. Egal, von welchem Heilkraut diese nun gesammelt werden: die Wurzeln sind voller Kraft und Inhalt, da die Gewächsteile der Pflanzen nun zum Teil abgeworfen werden, um die kalte Jahreszeit zu überstehen. Wenn wir also diesen Vorgang betrachten und für unsere private Heilkunde nutzen, dürfen wir gleichzeitig das Bild dankbar annehmen, das uns hierbei mitgeliefert wird. Ich meine ganz konkret das Bedacht-Sein auf die geistige und geistliche Substanz, auf der unser Leben steht. Es ist doch so, dass wir alle uns oft den wechselnden Verhältnissen unserer Gegenwart aussetzen, ohne zu beachten, dass wir verborgene Grundlagen haben, aus denen wir Kraft schöpfen können. Das kann z. B. die Familie oder das Land unserer Herkunft sein. Viel stärker aber ist noch der Glaube, mit dem und aus dem die Generationen vor uns ihr Leben gestaltet haben. Für die katholische Kirche unseres Erdkreises hat Papst Benedikt XVI. mit dem gestrigen Tag das Jahr des Glaubens eröffnet. Wir sollen dadurch den Glauben nicht nur feiern, sondern ganz bewusst die Wurzeln unseres Glaubens ausgraben, damit dieser unser Leben bereichern möge, genauso, wie sich Kren, Karotten oder Nelkenwurz heilend auf unseren Organismus auswirken können.

Gott erschafft in Weisheit und Liebe

Es ist 20 Jahre her, dass der selige Papst Johannes Paul II. den Katechismus der katholischen Kirche den Gläubigen übergeben hat. Darin lesen wir über die Schöpfung: „Wir glauben, dass Gott die Welt nach seiner Weisheit erschaffen hat. Sie ist nicht das Ergebnis irgendeiner Notwendigkeit, eines blinden Schicksals oder des Zufalls. Wir glauben, dass sie aus dem freien Willen Gottes hervorgeht, der die Geschöpfe an seinem Sein, seiner Weisheit und Güte teilhaben lassen wollte.“ Vielleicht ist es durchaus heilsam, sich über diese Feststellung einmal Gedanken zu machen.

Krenwurzel