Nerven brauchen eine Unterstützung

Im Andorn besteht eine Möglichkeit dafür

Überall dort, wo Bauten errichtet oder Straßen neu trassiert werden, verändert sich die vorhandene Flora, sofern sie nicht ganz entfernt wird. Was übrig bleibt, sind Schutthalden und Schotterhaufen, eben Flächen von bracher Beschaffenheit. Irgendwie kommt es mir vor, dass ein derart verändertes Erdreich wiederum Zeit zum Heilen und zum Beruhigen braucht. In der Schar der Pionierpflanzen, die einen erneuten Bewuchs derartiger Areale zu Wege bringen, befindet sich neben vielen Arten oft der Andorn (Marrubium vulgare). Er zählt zu den Lippenblütlern und wird in der Verwendungstradition der Naturheilkunde seit langem geschätzt. Studiert man die alten Schriften seit der Antike, stößt man immer wieder auf die Verwendung von Andornkraut als potentes Mittel bei Vergiftungen. Trotzdem man heutzutage andere Methoden verwendet, um solche akuten Notfälle zu behandeln, tut es der Tatsache keinen Abbruch, dass der Andorn auch anderweitig eingesetzt werden kann. So kommt es immer wieder vor, dass durch Veränderungen in unserer Umwelt, durch den Arbeitsdruck im Berufsleben oder durch konfliktreiche Milieus unsere Nerven in Mitleidenschaft gezogen werden. Wie schon oben angesprochen, ist der Andorn unter freiem Himmel fähig, sich auf ein durch Menschenhand verändertes Erdreich zu setzen, um dies gleichsam zu beruhigen und zu festigen. Gemäß den Ansichten der Signaturenlehre, einer traditionell europäischen Sichtweise der Phytotherapie, ist es sicher nicht das Schlechteste, diese scheinbare Kompetenz des Andorns ebenfalls für unsere menschlichen Belange der Physis und der Psyche zu nutzen. In einer sehr angenehmen Weise lässt sich jener bescheidene Lippenblütler im wahrsten Sinne des Wortes zu Gemüte führen.

Andorn-Wein als Aperitif

In einer Flasche mit 1 Liter qualitätsvollen Weißweines setzt man 40 g des getrockneten und zerkleinerten Krautes von blühendem Andorn 8 Tage lang an. Danach gießt man den Ansatz ab, presst den Pflanzenrückstand zusätzlich aus und filtriert die gesamte Flüssigkeit noch einmal. In eine eigene Flasche abfüllen. Kühl und lichtgeschützt lagern. Um die Nerven zu stärken, kann es sich bewähren, eine Zeitlang täglich vor der Hauptmahlzeit in Form eines Aperitifs den Andornwein zu sich zu nehmen.


Weißer Andorn ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





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