Gesunde Kraft und dicke Haut

Hauswurzblätter und Essig

So vieles, das sich derzeit in der Welt abspielt, macht uns Sorgen und geht uns im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut. Kaum jemanden kann das kalt lassen. Gewiss zeigt sich der eine oder die andere durchaus abgebrüht, doch stellt dies meist nur den von außen wahrnehmbaren Zustand dar. Ins Herz oder in die Seele eines Menschen jederzeit Einblick zu nehmen, bleibt wohl nur Gott vorbehalten. Eine Pflanze, die in sich zu ruhen scheint, ist die Dach-Hauswurz (Sempervivum tectorum). Egal, wie karg der Boden unter ihrer Blattrosette beschaffen sein mag, sie kommt auf jeden Fall damit zurecht. Nicht nur das: ein jahrelanges Verweilen auf Dachziegeln, Mauern und zwischen Steinen stellt für die Hauswurz kein Problem dar. Grund dafür ist ihre Zugehörigkeit zur botanischen Familie der Dickblattgewächse. Wie diese Bezeichnung es bereits verrät, sind die Blätter der jeweiligen Gewächse so konstruiert, dass sie Platz für aufgenommenes Wasser bieten, das in Zeiten der Trockenheit das Überleben bzw. den Fortbestand sichert. So kann man den floralen Dickhäuter durchaus einen äußerst bescheidenen und dennoch starken Vertreter in der großen Schar der Heilkräuter nennen. Gerade bei der Hauswurz scheint es nicht naheliegend zu sein, die Pflanzenteile in Essig anzusetzen, wie man das u. a. von Rosmarin oder Estragon kennt. Es ist aber trotzdem möglich, dies durchzuführen. Diesmal dient der Ansatz aber nicht der Aufbesserung eines Salatdressings oder dergleichen. Da die Hauswurz selbst eine feste und kompakte Haut besitzt, dürfen wir daraus schließen, dass die Wirkstoffe des Sukkulenten sicherlich der Haut zum Wohle gereichen. Dazu gibt es auch eine ganz konkrete Anwendung.

Dachhauswurz-Essig-Bad:

Gegen Hautflechten und für das bessere Verebben der Narben von Brandwunden kann man die Hauswurz zu Hilfe nehmen. 75 g der frischen fleischigen Blätter werden in 1 Liter Obstessig 8 Tage lang an einem sonnigen Platz angesetzt. Danach abseihen und die Blätter extra auspressen und den Presssaft der ersten gewonnenen Flüssigkeit beimengen. Den Hauswurz-Essig leicht anwärmen und ca. 35 g Honig darin auflösen, in Flaschen füllen und kühl stellen. Diese Menge reicht aus, um damit 4 Bäder anzurichten, die zudem auch eine harte und schwielige Haut aufweichen.


Hauswurz ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya



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