Aus natürlicher Produktion

Ameisensäure dient nicht bloß der Abwehr

Ein Spaziergang über Wiesen, Felder und durch den Wald tut uns prinzipiell gut. Die Pflanzen, denen wir dort begegnen, haben ja nicht nur wertvolle heilende Kräfte in sich, sondern wirken allein schon durch ihr Aussehen, ihre Anwesenheit und nicht zuletzt durch ihre Ausstrahlung wohltuend auf uns. Bei dezidierten Kräuterwanderungen mache ich meine Begleiter ganz gerne auf das Rundherum der vorhandenen Flora aufmerksam, auf das – um mit den Worten der Kolumne des bereits verewigten Ernst Trost zu sprechen – was dahinter steckt. Die Insekten dürfen daher auf einer derartigen Erkundungstour nicht ausgeklammert werden. Die Ameisen z. B. machen, obwohl sie von äußerst kleiner Gestalt sind, auf verschiedene Weise auf sich aufmerksam. Besonders im Wald gibt es Arten, die mithilfe der herabgefallenen und getrockneten Baumnadeln riesige Haufen bauen, um darin einen ganzen Staat dieser umtriebigen Insekten unterzubringen und zu organisieren. Interessant ist übrigens die Tatsache, dass in der Nähe von derartigen Meisterwerken auf trockenen Lichtungen der Quendel (Thymus pulegioides) zu finden ist, der auch als Feldthymian bezeichnet wird. Da die Ameisen uns Menschen sehr ähnlich sind, verwundert es nicht, dass sie durchaus auch militärische Maßnahmen ergreifen, um sich gegen Eindringlinge zu wehren und ihr kommunales Gefüge zu verteidigen. Dazu stehen ihnen nicht nur ihre berüchtigten Beißwerkzeuge zur Verfügung, die selbst unserer Haut Schmerzen zufügen können. Es ist auch eine chemische Waffe, die bei einer Störung des Friedens zum Einsatz kommt: die Ameisensäure. Im Falle einer Bedrohung wird diese aus den vorhandenen Drüsen auf und gegen alles gesprüht, was vertrieben werden soll. Diese Substanz hat aber nicht nur eine destruktive und defensive Komponente. Es wird womöglich manche überraschen, dass sich Ameisensäure in den Nesselhaaren der Brennnesseln und darüber hinaus in einer äußerst geringen Menge im beliebten Honig findet. Und sie kann durchaus heilend sowie reinigend wirken.

Taschentuch als Medium:

Um an Ameisensäure von Waldameisen zu gelangen, nimmt man bei einem Spaziergang ganz einfach ein Stofftaschentuch und legt es behutsam auf einen bewohnten Ameisenhaufen. Die Einwohner betrachten dies als Bedrohung und besprühen das Stück Stoff automatisch mit ihrem Abwehrgift. Nach ca. 5 bis 10 Minuten kann man das Taschentuch wiederum an sich nehmen, indem man die darauf befindlichen Insekten liebevoll, aber bestimmt, abbeutelt. Das so mit Ameisensäure angereicherte Stoffstück kann man luftdicht zu Hause aufbewahren. Bei Bronchialbeschwerden und Asthma nimmt man es mehrmals pro Tag her, hält es an die Nase und atmet kräftig ein, um eine reinigende und desinfizierende Wirkung zu erzielen.


Ameisenhaufen mit Taschentuch ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


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