Absteigen in verborgene Räume

Mit der Blutwurz den Darm erreichen

Kühle und erfrischende Orte haben angesichts des hinter uns liegenden Marathonsommers noch immer Hochsaison. Da selbst in den alten Kirchen die Thermometerwerte in nie dagewesene Höhen kraxelten, sind die unterirdischen Keller und Höhlen wahrscheinlich die einzigen verbliebenen Räume mit einer akzeptablen Kühle. Bei Höhlen in den Bergen besteht aber immer ein gewisses Risiko, das es den Kundigen vorbehalten sein lässt, derartige Gänge zu begehen und zu erforschen. Auf der Suche nach einem Spezialisten, der mit unserer Magen- und Darmgegend zurechtkommt, landen wir u.a. bei der Blutwurz (Potentilla tormentilla). Dieses Rosengewächs hat eine etwas populärere Verwandte in der Form des Gänsefingerkrautes. Schon seit jeher finden wir in den Registern der althergebrachten Naturheilkunde die Blutwurz als oft gebrauchtes Kraut in allen möglichen Anliegen, denn sie besitzt eine stark zusammenziehende Kraft, die vor allem auf der Haut oder im Rachenbereich von hohem Nutzen sein kann. Aber heute geht es mir vor allem um das schwer zugängliche Feld des Verdauungstraktes. Nur allzu leicht kann es passieren, dass gerade durch eine unvernünftige Ernährung das Gleichgewicht einer geregelten Funktion des Magens und des Darmes ins Wanken gerät, was wir in der Folge mehr oder weniger heftig zu spüren bekommen. Doch können in manchen Fällen auch schädliche Bakterien dafür verantwortlich sein, dass es bei uns im Bauch kräftig rumort und der Durchfall nicht nur eine kurzfristige Dauer aufweist. Eben dann ist es ratsam, gleichsam ein pflanzliches Spezialkommando in für uns anscheinend unzugängliche Tiefen zu schicken, um dort erneut für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Da die Blutwurz sehr leicht in Vergessenheit geraten kann, sei hier einmal mehr ihr Name genannt.

Tee aus Blutwurz:

2 Teelöffel voll der getrockneten und zerkleinerten Wurzel der Blutwurz werden in 1/4 Liter kaltem Wasser angesetzt. Gleich danach kocht man beides zusammen gut auf. Dann 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und abseihen. Bei Magenverstimmung oder bei Darmbeschwerden verschiedenster Ursache sollte dieser Tee 3-mal am Tag jeweils in der Menge einer Tasse langsam und schluckwiese getrunken werden, um eine Besserung des Zustandes herbeizuführen.


Blutwurz ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

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