Wahrlich niedrige Dienste

Der Vogelknöterich kennt davor keine Scheu

Sobald hohe Prominenz bei einer Veranstaltung angesagt ist, bemüht man sich, das jeweilige Ambiente so herzurichten, dass es sich dem Anlass entsprechend würdig erweist. Immerhin will man sich als Gemeinde, als Verein oder als Firma keine Blöße geben. Bei den Heilpflanzen küren viele ebenfalls Gewächse verschiedenster Art, denen sie aufgrund eigener Erfahrung einen ehrenvollen Stellenwert zubilligen. Meist sind exotische Pflanzen anderer Kontinente damit behaftet. Der Vogelknöterich (Polygonum aviculare) zählt sicherlich kaum zur Kaste der herausragenden Heildrogen, geht man mit der eingangs bewusst geschilderten Werteskala an ihn heran. Ja, es passiert sogar sehr oft, dass viele von uns auf ihn draufsteigen oder ihn schlichtweg im wahrsten Sinne des Wortes übergehen. In Wahrheit handelt es sich hierbei um ein Kraut, das eine große Stärke aufweist. Denn der Vogelknöterich besiedelt als Pionierpflanze Böden und Plätze, an die sich die anderen gar nicht hinwagen würden, weil dort in keinster Weise ihre Existenz möglich wäre. Doch selbst ein mit Pflastersteinen befestigter Weg stellt für den niedrig wachsenden floralen Freund kein Problem dar. Das Schöne, das wir beim näheren Betrachten des Vogelknöterichs entdecken dürfen, ist die Tatsache, dass er seine Kraft in verwandelter Weise auch dem Menschen weiterzugeben weiß, der ihn oft unter den pflanzlichen Gästen rund ums Haus gedanklich in die hinterste Reihe der verschiedenen Heilkräuter verweist. Aber es ist noch nicht aller Tage Abend. Einmal mehr möchte ich an dieser Stelle einem als Unkraut verrufenen Gewächs eine Rehabilitation ermöglichen, die ihm ein waches und aufmerksames menschliches Herz zuteil werden lassen kann. Erkennt man nämlich, dass im Gefüge der Schöpfung oft die kleinen und unscheinbaren Wesen eine tragende Rolle spielen, verblassen manch willkürlich gesetzte Rangordnungen, die selbst in der Naturheilkunde zu manch einseitiger Bewertung der Kräuter führen.

Den Stoffwechsel anregen:

Das blühende Kraut des Vogelknöterichs kann man an sauberen Standorten ernten und vorsichtig trocknen. Von der daraufhin zerkleinerten Droge nimmt man 2 Teelöffel und übergießt diese mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Langsam und schluckweise nach dem Abkühlen trinken. Das zeigt sich vor allem bei Leiden, die mit dem Stoffwechsel in Verbindung stehen, als hilfreich. Ähnlich erfährt ein geschwächtes Gefäßsystem eine stärkende Unterstützung durch den Vogelknöterich.


Vogelknöterich ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

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