Kreuzesholz und Lebensbaum

Bäume als Seelenhelfer

Den Menschen mit einem Baum zu vergleichen, ist weder etwas an den Haaren Herbeigezogenes noch Privileg der Esoterik. Ein einfacher Hinweis auf den Psalm 1 im Alten Testament genügt, wo es heißt: „Wohl dem Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, … Er ist wie ein Baum, der an Wasserbächen gepflanzt ist, dessen Blätter nicht welken und der zur rechten Zeit seine Frucht bringt. Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen.“ So stehen wir als intelligenzbegabte Lebewesen durchaus dem Geschöpf Baum sehr nahe. In unübersehbarer Prägnanz kommt diese Nähe am Kreuz Jesu Christi zum Vorschein. Nackt, zerschunden und voller Wunden stellt ihn die religiöse Kunst seit Jahrhunderten dar, die sich wohl an der Passion des Messias Anleihe dafür genommen hat und nimmt. Gewiss kennt man das drastische Bild des geschundenen Heilands erst ab der Zeit der Gotik. In der Romanik ist die Darstellung des aufrechten und manchmal auch gekrönten Messias vorherrschend. Und das Kreuz selbst wird als Baum des Lebens besungen, auf dem der Tod besiegt wurde. Holz und Baum sind mehr als nur bloßes Material oder zierendes Element in Garten und Landschaft. Beides gibt dem physischen wie auch dem psychischen Lebensvollzug etwas mit auf den Weg unserer Erdentage. Bäume lassen uns zur Ruhe kommen angesichts ihrer bewegungslosen Standorttreue. Sie helfen mir persönlich, meine eigenen Gegebenheiten anzunehmen und zu akzeptieren. Dort, wo sie einst durch einen kleinen Samen vor langer Zeit ganz zaghaft ihre ersten Wurzeln trieben, suchen sie bis heute ihrer Aufgabe nachzukommen, um anderen Lebewesen die Luft und den Boden aufzubereiten und darüber hinaus Schutz und Schatten zu spenden. „Heilig’ Kreuz, du Baum der Treue, edler Baum dem keiner gleich!“ singt die Kirche in der Karwoche. Lassen auch wir uns von diesem Zeichen des Lebens wie Christus selbst tragen.

Heilsame Gedanken:

„Der Mensch ist befähigt, das Geschehen der Schöpfung in seine Verantwortung zu nehmen. Er ist aber nicht Maß aller Dinge. Vor Gott selbst hat er sein Handeln zu verantworten. Die gesamte Kreatur ist auf den Schöpfer verwiesen. Diese Abhängigkeit befreit von Selbstvermessenheit und Willkür.“ So Hermann-Josef Weidinger in seinem mittlerweile vergriffenen Buch „Mensch und Baum“.

Alte Föhre bei Weitersfeld mit Kräuterpfarrer Weidinger ⓒ Foto: Thomas M. Laimgruber, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

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