Ein Schlaflied mit gesundem Inhalt

Was Johannes Brahms mit Gewürznelken zu tun hat

Musikalische Menschen haben keine Schwierigkeit, um zu folgendem Text gleich die passende Melodie singend hinzuzufügen: „Guten Abend, gut’ Nacht, mit Rosen bedacht, mit Näglein besteckt, schlupf unter die Deck; Morgen früh, … usw.“ Diese volkstümlichen Reimverse wurden einst von Johannes Brahms vertont. Bei genauem Durchlesen fragt man sich, was denn Nägel im Bett zu suchen hätten. Gemeint sind in diesem Fall einfach die Gewürznelken, die man den Kindern auf einer Schnur um den Hals hing, damit Krankheiten vom nächtlichen Lager fern bleiben sollten. Betrachten wir die Form dieser getrockneten Blütenknospen, so liegt ein Vergleich mit einem Nagel sehr nahe. Wer meint, dass dieses Geschmackselement gar aus dem Land kommt, wo der Pfeffer wächst, hat damit gar nicht unrecht. Denn auf dem Myrtengewächs Gewürznelkenbaum (Syzygium aromaticum), der seine Heimat im indonesischen Raum hat, sind die eben besprochenen Pflanzenteile zu finden, die auf getrocknete Weise seit dem Mittelalter über die verschiedenen Handelswege nach Europa gebracht wurden, wo sie bis heute verwendet werden. Ich trage wahrscheinlich Eulen nach Athen, wenn ich kurz aufzähle, dass bei Zubereitung von Glühwein, Punsch, Likören und Kompotten die Beigabe von Gewürznelken unerlässlich zu sein scheint. Selbst beim Apfelstrudel verfeinert eine Brise von dieser Zutat in pulverisierter Form den Geschmack dieser heimlichen österreichischen „National-Mehlspeise“. Das ätherische Öl des fernöstlichen Aromaelements birgt einen großen Anteil an Eugenol. Somit lassen sich die Gewürznelken auch als naturheilkundliches Mittel einsetzen.

Den Kreislauf ankurbeln:

In ein Glas voll Rotwein, dessen Inhalt man zuvor erwärmt hat, gibt man drei Gewürznelken hinein und lässt das Ganze eine Weile zugedeckt ziehen. Danach schluckweise und bedächtig trinken. Wem es also aus verschiedenen Gründen nicht untersagt ist, Alkohol zu sich zu nehmen, kann sich mit diesem Getränk ein wenig helfen, wenn niedriger Blutdruck, Schwindel und Müdigkeit das Wohlbefinden beeinträchtigen.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

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