Schönheit ist oft relativ

Die Karde hilft zumindest der Haut

Wer ist mit sich selbst denn schon zufrieden? Meiner Meinung nach gibt es nur wenige Zeitgenossen, die rundum mit sich und ihren Lebensumständen ganz im Reinen sind. Zu dieser Form von Akzeptanz braucht es auch ein gerüttelt Maß an Gelassenheit und Selbstvertrauen. Aber diese Tugenden kommen erst im Laufe der Zeit. Manchmal benötigt man dafür sehr viel Geduld. Oft stellt sich das dann ein, nachdem man schon eine Weile aus dem Arbeitsprozess ausgestiegen ist und seine Pension genießen kann. Mit dem Blick auf eine stachelige Schönheit möchte ich aber das Augenmerk vor allem auf junge und heranwachsende Menschen lenken. Die Wilde Karde (Dipsacus fullonum) soll mir dabei ein wenig helfen. Denn gerade in der Jugend mussten auch wir schon mit uns selbst zurechtkommen. Wir waren sprichwörtlich nichts Halbes und nichts Ganzes. Um an der Kittelfalte (= Detail eines Kleidungsstückes vergangener Generationen ;-) nicht wie eine Klette hängen zu bleiben, mussten wir eigene Wege gehen, aber um ganz Mann und Frau zu sein, bedarf es ein wenig mehr als die wachsende Kraft um die Körpermitte samt einem zunehmenden Maß an Coolness und Frechheit. Und außerdem spielte genauso zu unserer Zeit (der Schreiber dieser Zeilen wurde Mitte der 60er-Jahre geboren) die Haut oft nicht mit. Das Schreckgespenst Akne machte auch vor unseren Türen nicht Halt, und die Wimmerl sprossen mehr hervor, als uns lieb war. Heute kann ich darüber ganz gelassen lächeln. Abgesehen von der Veränderung der Haut und des Körpers gibt es da aber ein noch größeres Anliegen, das uns ruhig unter den Nägeln brennen darf. So frage ich ganz bewusst: Wer nimmt sich um die Jugend heute derart an, dass die Erwachsenen dem guten geistigen Heranreifen von Buben und Mädchen gerecht werden? Wer erträgt liebevoll auch heute noch die jungen Menschen, die ganz anders denken als wir Erwachsenen? Oder delegieren wir diese Pflicht an seelenlose Maschinen, die uns allesamt nur eine Scheinwelt auf Bildschirmen vorgaukeln?

Hautwasser bei Akne:

Ein 3/4 Liter abgekühlter Tee aus Kardenwurzeln wird mit 1/4 Liter hochprozentigem Alkohol vermischt. In Fläschchen abfüllen und kühl und dunkel lagern. Das ergibt ein hilfreiches Hautwasser, das man bei Akne und Ekzemen verwenden kann.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

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