Almabtrieb und Heilkräuter

Sich die Kräfte des Enzians heimholen

Erntedank auf alpine Art – so möchte man den alljährlichen Zug des Viehs samt den Sennerinnen und Sennern von den hochgelegenen Almwiesen ins Tal bezeichnen. Wenn der Sommer fast ohne Unfall und Krankheit überstanden wurde, ist das natürlich ein Grund zu feiern. Jetzt stehen die Rinder mittlerweile in den Stallungen. Denn nur allzu schnell kann das Wetter in den Bergen umschlagen und eine Menge Schnee mit sich bringen. Dieses Heimholen hat eine ganz eigene Dynamik. Es zeigt, dass der jahreszeitliche Rhythmus der Natur kein Einerlei ist. Der Mensch darf sich darin wiederfinden und selbst den ihm eigenen Takt des Lebenslaufes entdecken. In diesem Vortasten nach Fülle der momentanen Existenz spielen nicht nur die Nutztiere eine Rolle. Wir sollen dabei auch die Pflanzen nicht übersehen. Stellvertretend für die Flora der baumkargen Höhenregion möchte ich den Gelben Enzian (Gentiana lutea) herausgreifen, der sehr oft mit dem kleinen blauen Verwandten verwechselt wird, dessen Konterfei so manche Schnapsflasche ziert. Kaum jemandem ist es wahrscheinlich bewusst, dass es allein in Österreich bis zu 30 verschiedene Arten aus der Familie der Enziane gibt. Aber nun zurück zum Almabtrieb. Das Vieh ist für den Landwirt ein Kapital. So wird es umsorgt, gefüttert und gepflegt. Es bedarf z. B. einiges an Geschick und Erfahrung, die neugeworfenen Kälber auf den Weiden ausfindig zu machen, um diese nach den landwirtschaftlichen Vorschriften zu markieren und zu registrieren. Das ist für mich auch ein Bild, das ich auf die Heilpflanzen der Almen umlegen möchte. Man kann sich ebenso die Heilkraft des Gelben Enzians nach Hause holen und diese den Winter über griffbereit aufbewahren. Nicht umsonst hat uns der Herrgott so viel Gutes und Schönes vor die Füße gestellt oder besser gesagt wachsen lassen.

Enzianwein herstellen:

Am besten eignet sich zum Ansetzen 1 Liter Süßwein. In diesen gibt man 1 Esslöffel zerkleinerte Enzianwurzel (Gentiana lutea), 5 g Bitterklee, 5 g zerkleinerte Kalmuswurzel, 5 g zerkleinerte Orangenschalen und 3 g Anis. 14 Tage bei Zimmertemperatur ziehen lassen, dann abseihen und abfüllen. Ab und zu ein Stamperl davon trinken, vor allem bei Übelkeit oder einem Mangel an Magensäure.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

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