Ein multifunktionaler Ort

Die Lippen formen unseren Mund

Kleinkinder legen prinzipiell auf gutes Benehmen keinen Wert. Und schon gar nicht auf hygienische Vorschriften. Die Welt will eben erfahren werden, und das möglichst direkt, frontal und spürbar. Da ist es einfach zu wenig, nur mit den Fingern all das, was einem begegnet, zu ertasten. Wozu hat man denn einen Mund? – Wir sehen hier schon, wie eminent wichtig die fleischige und muskulöse Gesichtspartie ist, die unsere Zähne schützt und verhüllt. Es sind die Lippen, die viel mehr darstellen, als nur die Öffnung, die unserer Nahrung Zugang zum Verdauungstrakt verschafft. Um wieder auf die Heranwachsenden zurückzukommen, merken wir als Menschen eben recht bald nach Geburt, dass wir mit unseren Lippen auch tasten können. Nicht zu vergessen sei in diesem Zusammenhang auch die Mimik, die ganz wesentlich von dieser äußerst kleinen Fläche unseres Gesichtes bestimmt und signalisiert wird. Und schließlich ist es unsere Sprache, die unseren Geist und die dadurch gebildeten Gedanken aus uns heraustreten lässt, indem wir mehr oder weniger zusammenhängende Sätze formulieren. Das zu Gehör Gebrachte ist immer ein Stück weit ein Teil unserer selbst. Tag für Tag versammeln sich die Chorherren meines Klosters Geras zum gemeinsamen Gotteslob. Der jeweilige Leiter des gesungenen Chorgebetes setzt der bis dorthin gehaltenen Stille eine Grenze, indem er die erste Bitte des Tages vorsingt, die da lautet: Herr, öffne meine Lippen! Ohne den sensiblen äußeren Rand unseres Mundes wäre es nur eingeschränkt möglich, der Welt zu begegnen und den Schöpfer zu bitten und zu preisen. Daher haben sie durchaus unser Augenmerk verdient.

In der Heizsaison die Lippen pflegen:

Kaltgepresstes Olivenöl hat man schnell zur Hand. Mit sauberen und gewaschenen Fingern werden damit die Lippen ab und zu befeuchtet. Gleichzeitig kann man auch einen Tropfen davon durch die Nasenlöcher aufschnupfen. Gedankenlosigkeit hingegen lässt die Lippen austrocknen und spröde werden, so dass es schädliche Keime leichter haben, unsere Lippen zu beeinträchtigen.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

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