Kurz ein saures Gesicht

Dafür nachher umso frischer

Mit dem Essig ist das so eine Sache. Ich hab ihn an und für sich recht gern. Bei den seltenen Gelegenheiten, einen Heurigen aufzusuchen, lässt mich mein Gaumen bei einem sauren Teller oder einer dementsprechend zubereiteten Presswurst innehalten. Manche mögen aber die vergorene Essenz überhaupt nicht. In früheren Zeiten, als noch kein Kühlschrank, geschweige denn eine Gefriertruhe für die lange Lagerung von Fleisch und Gemüse zur Verfügung standen, mussten sich unsere Vorfahren anderer Mittel bedienen, die das Aufheben von verderblichen Nahrungsmitteln ermöglichte. Ein Hilfsmittel war und ist der Essig. Heute möchte ich mit Ihnen aber keine Znaimer Gurken einlegen. Vielmehr schaue ich auf die erste heiße Zeit in diesem Jahr und auf das vermehrte Schwitzen als Folge davon. Hat man etwas Apfelessig zur Verfügung, kann man 2 Esslöffel voll mit 3 Liter Wasser vermischen und die schwitzenden Hautpartien mehrmals am Tag damit einreiben. Oder man greift zur altbewährten Lotion, die mithilfe von Salbeiblättern einst von Hermann-Josef Weidinger konzipiert wurde und bis heute durch den Verein Freunde der Heilkräuter als eines seiner wirkvollen Hilfen in Karlstein/Thaya hergestellt und angeboten wird. Wer sich nun auf diese Weise das Aroma des Salbeis auf die Haut aufträgt, kann dadurch sogar die lästigen Gelsen auf Distanz halten, die ja im Allgemeinen wenig Respekt vor unserer zarten Außenhülle zu haben pflegen. Eine weitere nützliche Empfehlung wäre, an heißen Tagen mit herkömmlich zubereitetem und ausgekühltem Salbei-Tee, mit dem man einen Waschlappen tränkt, die Schweißdrüsen zu beruhigen. Einfacher aber ist es, die Salbei-Lotion Weidingers griffbereit zu haben. Der darin enthaltene Apfelessig sorgt für die nötige Frische im Fläschchen, die sich bei Gebrauch auf den Benutzer überträgt.

Salbei-Lotion aus Karlstein/Thaya:

Bestandteile zu diesem Originalrezept von Kräuterpfarrer Hermann-Josef Weidinger sind Salbeiblätter, Apfelessig, Menthol und etwas Alkohol für die Haltbarkeit. Die Lotion vermindert die Schweißbildung und stärkt zudem die Nerven. Sie ist besonders an heißen Tagen geeignet und hilft auch bei Schweißfüßen und Wechselbeschwerden. Bestellung dieser Lotion samt kostenloser Beratung von Montag bis Freitag unter 02844 / 70 70 DW 11. Im Internet gelangen Sie auf der Homepage www.kraeuterpfarrer.at direkt nach Karlstein an der Thaya.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Beruhigendes Kräuteröl

Jetzt blüht der Baldrian

Feuchtes Wetter und die zuletzt gottlob höheren Außentemperaturen haben dieses Jahr den meisten Pflanzen eine große Schubkraft verliehen, die man nicht nur am mannshohen Gras in den Wiesen ablesen kann. Der Baldrian (Valeriana officinalis) gehört zu den Gewächsen, die mit einem feuchten Standort durchaus gut zurechtkommen. Daran ändert auch ein kurzfristig überflutetes Ufer nichts. Bei einer Wanderung zusammen mit den jugendlichen Firmlingen aus den Pfarren rund um das Stift Geras entdeckte ich im Randbereich des Thumeritzbaches einige kräftig gewachsene Exemplare des Baldrians. Daheim angekommen, ging ich schnurstracks in unseren Kräutergarten und überzeugte mich davon, dass auch dort schon dieses bekannte Heilkraut seine Blüten geöffnet hatte. Hinlänglich bekannt ist ja die beruhigende Wirkung des Baldrians auf uns menschliche Wesen. Ein Weg, um diese Kraft zu nutzen, wäre die Herstellung eines Ölauszuges. Beim Baldrian verwendet man dazu vor allem die getrocknete und pulverisierte Wurzel. Man nimmt eine Menge von ca. 125 g und mischt sie am besten in einem weithalsigen Glasgefäß mit 1/2 Liter kaltgepresstem Olivenöl, das man gut verschlossen 14 Tage lang ins Fenster stellt. Nach dieser Zeit seiht man das Öl ab und fügt auch noch den ausgepressten Ölrückstand hinzu, bevor man das fertige Kräuteröl in dunkelfarbige Fläschchen abfüllt und an einem dunklen Ort kühl lagert. Es ist also durchaus klug, sich von der Natur selbst im Zuge eines Spazierganges oder einer Wanderung auf ein aktuelles Angebot bzw. später durchzuführende Herstellung einer Wohltat für Leib und Seele erinnern zu lassen.

Äußerliche Anwendung:

Das fertige Baldrianöl kann man heranziehen, wenn man unter Einschlafschwierigkeiten leidet. Mit der fettigen Substanz werden dann Rücken, Hals und Stirn eingerieben. Dieses Öl kann aber auch bei Gelenks-, Kreuz- und Rheumaschmerzen an den betroffenen Stellen einmassiert werden.


ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Einen Weg weitergehen

Über die Tugend der Beständigkeit

Ach, wie wäre das schön! Noch einmal geboren werden können, noch einmal von vorne anfangen dürfen, noch einmal gesund sein können, noch einmal jung zu werden, und, und, und …! In einem ständigen Wechsel der Angebote in den Geschäften und durch allgemeines mediales Vorgaukeln, dass die Willkür und die X-Beliebigkeit die obersten Maßstäbe der persönlichen Lebensgestaltung wären, steigert sich der Wunsch nach einer zu Lebzeiten stattfindenden Wiedergurt ins schier Unermessliche. Doch muss schlicht und einfach festgestellt werden, dass es sich hier um ein utopisches Denken handelt. Ich weiß sehr wohl darum, wie schwer es ist, in sich rasch verändernden Strukturen beständig zu bleiben. Dennoch ist es der Mühe wert, nach Bleibendem und Gültigem Ausschau zu halten, um es mehr und mehr im eigenen Herzen zu verankern. Schließlich helfen uns Mitmenschen, auf die man sich verlassen kann, am meisten, um im Leben nicht unterzugehen. Anders gesagt, ist es die nie widerrufene Zusage eines Du zu uns selbst, die uns zur Entfaltung bringt. Und das wiederum ist nichts anderes als Treue. Die beständige Hinwendung Gottes zu uns Menschen können wir schon im Lesen der Hl. Schrift mitverfolgen. In den vielen Heilpflanzen der Natur dürfen wir ebenfalls so etwas wie die Sympathie des Schöpfers zu uns intelligenzbegabten Erdbewohnern entdecken. Mit der ganzen Schöpfung dürfen wir also auch unser eigenes Leben bejahen und bewahren. Wenn nun die Wegwarte auf den Fluren sich darauf vorbereitet, zu blühen und zu fruchten, werde ich ganz liebevoll daran erinnert.

Inhalt und Verwendung der Wegwarte:

Durch die im Kraut und in der Wurzel enthaltenen Bitterstoffe unterstützt die Wegwarte die Verdauung unseres Körpers. In den Blättern finden wir zudem Flavonoide, in der Wurzel wiederum Kohlenhydrate und Gerbstoffe. In den verschiedenen Arten, die getrockneten Pflanzenteile zu verarbeiten und zu nutzen, erweist sich das in alten Schriften auch als Sonnenbraut bezeichnete Gewächs als Anregungs- und Stärkungsmittel für uns Menschen.

Am ganzen Körper behaart

Der Beinwell ist aber kein Macho

Die meisten von uns werden sich an die 2012 tragisch verstorbene Chanson-Sängerin Margot Werner erinnern, die einst in Salzburg ihre Kindheit verbrachte. Wem der Name momentan aber nichts zu sagen hat, bei dem wird es im Gedächtniszentrum klingeln, sobald ich einen ihrer bekanntesten Lieder zitiere: „So ein Mann, so ein Mann, zieht mich unwahrscheinlich an; dieser Wuchs, diese Kraft, weckt in mir die Leidenschaft …“ Seit 1977 ist dieser Song die geheime Hymne für das angeblich stärkere Geschlecht auf dieser Welt. Medial tritt ja der Mann immer mehr in den Vordergrund, um für die Werbung den gewünschten Effekt bereitzustellen. Als Folge der Emanzipation muss er ebenfalls in vielen Fällen möglichst viel Haut präsentieren. In den Augen der Frauenwelt sind aber auch wie überall die Geschmäcker verschieden. Die einen mögen’s gern glatt rasiert und zusätzlich noch eingeölt, die anderen ziehen wiederum die natürliche Beschaffenheit der männlichen Haut samt den dazu zählenden Haarpartien vor. Gestatten Sie mir einen Schwenk ins Pflanzenreich, um mich dort besser an Details verlieren zu können. Hier finden wir genauso maskulin anmutende Vertreter, die von der botanischen Klassifizierung als Raublattgewächse bezeichnet werden. Stellvertretend dafür steht der Beinwell (Symphytum officinale), der auf allen grünen Pflanzenteilen mit borstigen Haaren überzogen ist. In den Wiesen und an den Böschungen tritt dieses häufig vorkommende Gewächs in der warmen Jahreszeit erneut auf den Plan. Mit seinen glockenähnlichen purpurnen Blüten lockt er vor allem die Hummeln an, die mit ihren langen Rüsseln an die dort gespeicherten Nektartropfen herankommen. Seit langem wird der Beinwell in der Naturheilkunde geschätzt. Dieses Kraut hat aber auch seinen Nutzen für die Gemüsepflege im Garten.

Beinwell-Jauche als Düngung:

Für die Zubereitung benötigt man ca. 1 kg frische, zerschnittene Beinwelltriebe, die mit 10 Liter Wasser in einem offenen Behälter zwei bis drei Wochen angesetzt werden. Täglich einmal mit einem Stock umrühren und zur Geruchsbindung ab und zu eine Handvoll Steinmehl auf die Oberfläche streuen. Nachdem die entstehende Jauche aufgehört hat, zu schäumen und sich alle Pflanzenteile am Boden abgesetzt haben, wird die fertige Beinwell-Jauche im Verhältnis 1 : 10 mit Wasser verdünnt. Damit gießt man den Wurzelbereich von Paradeisern, Zeller und Kraut, die dem Boden viel abverlangen.

Baum und Land in vielen Schattierungen

Eine sehenswerte Ausstellung

Man muss schon extra ins Waldviertel fahren, um diesen Landstrich auch wirklich zu sehen. Oder man wohnt dort. Immerhin ist das die Ecke Niederösterreichs, wo Mutter Natur noch viele Möglichkeiten hat, um in der vollen Breite ihrer künstlerischen Palette selbst Hand anzulegen. Der aufmerksame Mensch braucht es dann lediglich wahrzunehmen. Bei manchen prägen sich in der Folge die gewonnenen Eindrücke derart ein, dass diese auf Fotos, auf Leinwand und Papier ihren Niederschlag finden. Um seine eigene Befindlichkeit samt der Person, die durch Herkunft und Lebensumstände geprägt sind, zum Ausdruck zu bringen, reichen oft die Worte nicht, derer man bedürfen würde. Was soll ein junger Mensch denn sagen, wenn er es nicht gewohnt ist, sprechend einen Dialog zu führen, weil ja das Handy ohnehin die Begriffe vorgibt, die man einander per SMS pausenlos zuschickt? Da ist es der Baum, der hilft, mancher Sprachlosigkeit auf die Sprünge zu helfen, um so vielleicht wieder erneut Wurzeln zu schlagen in einer schnelllebigen und größtenteils fremdbestimmten Existenz. Nicht umsonst steht auch in der Mitte des Paradieses ein Baum, der den Menschen an die Wahrheit seiner Existenz erinnert. In der Tradition des christlichen Glaubens ist es das Kreuz, das oft mit dem Baum des Lebens gleichgesetzt wird. Die köstlichste Frucht davon –nicht austausch- und verwechselbar – ist einzig und allein Jesus Christus, der Sohn Gottes. So wie er am Kreuz, so hängt das Leben derer, die das Geschenk des Glaubens empfangen dürfen, an Ihm, dem Retter und Erlöser. Heute, am Sonntag, dürfen wir gleichsam in seinem Schatten ein wenig ausruhen. Dabei finden wir vielleicht so manche Frucht, die unserer Suche nach Leben zugute kommen: sein Wort in der Heiligen Schrift, seinen Leib in der heiligen Eucharistie und seine Gegenwart in der Gemeinschaft aller, die sich am Tag des Herrn in seinem Namen versammeln.

Waldviertel in Bildern:

Im Stift Geras, der Heimat des Kräuterpfarrers, findet zurzeit eine sehenswerte Ausstellung statt, die das Waldviertel, seine Landschaft und seine Menschen aus vielen Blickwinkeln zeigt. Jugendliche aus Geras, die so manches Kunstwerk hervorbrachten, Künstlerinnen wie Claudia Hüttl und Barbara Krobath sowie der Fotoklub Horn mit seinen Mitgliedern haben es geschafft, miteinander für jeden Geschmack etwas Sehenswertes zusammenzustellen. Eine Reise nach Geras lohnt sich auf jeden Fall. (Öffnungszeiten der Ausstellung im Stift Geras: täglich – außer Montag – von 10.00 bis 17.00 Uhr) Besuch bis 31. Oktober 2013 möglich.

Bild: Astrid Hüttl

Eine gute Farbkombination

Violette Stängel und grüne Blätter

Eben noch hatte ich ein paar freie Minuten und so ging ich unter der Nachmittagssonne mit meinem Hut auf dem Kopf die Wege des klösterlichen Kräutergartens auf und ab. Das gab mir Gelegenheit, den einzelnen frisch gewachsenen Heilkräutern auf den Beeten ein fröhliches „Grüß Gott!“ zukommen zu lassen. Bei einem Beet musste ich dann unbedingt stehen bleiben. Schon ziemlich hoch aufgeschossen, standen die einzelnen Triebe der Echten Engelwurz vor mir. Die Stängel sind nun schon in ihr charakteristisches Violett gehüllt, das kaum ein Farbenmischer in dieser Weise hinbekommen wird, müsste man es erfinden. In nobler Zurückhaltung fügt sich dann das Grün der Blätter und Seitentriebe dazu. Mir blieb nichts anderes übrig, als einfach zu sagen: „Was bist du aber heute wiederum schön, liebe Engelwurz!“ Egal, wie meine Leser nun vielleicht über meine psychische Verfassung denken mögen: Komplimente haben noch niemals geschadet, auch den Pflanzen nicht. Durch meine Augen zur Aufmerksamkeit angehalten, wurde ich durch mein kleines Erlebnis am Kräuterbeet ganz unbemerkt zur Dankbarkeit geleitet. Denn nicht nur das Äußere des hohen Doldenblütlers erweist sich als schön und ästhetisch. In allen Teilen der Pflanze finden sich wertvolle Stoffe, die meiner inneren und äußeren Gesundheit auf die Sprünge helfen können. In all meiner Sorge um das Leben darf ich daher entdecken, dass der liebende Schöpfergott es eigentlich ganz gut mit mir meinen muss, wenn er mir indirekt durch die Pflanzen ein Kompliment macht und mich ermutigt, auf Ihn zu vertrauen.

Mutlosigkeit verringern:

Leib und Gemüt sind eine Einheit. Bei Verzagtheit und Mutlosigkeit kann ich mir die Kräfte der Engelwurz zunutze machen, indem ich getrocknetes Engelwurzkraut zusammen mit Johanniskraut zu gleichen Teilen abmische und im Heißaufguss daraus einen Tee zubereite. Täglich am besten davon 3 Schalen voll trinken.

Die Kraft des Wachstums

Die Fichte und ihr Angebot

Jedes junge Tier erweckt aufgrund des Kindchen-Schemas bei uns Zweibeinern ein Zuneigungsgefühl, das selbst die härtesten Herzen weich und zugänglich macht. Das herzige Gesicht eines jungen Hundes oder einer Katze entlocken uns ein Lächeln und das flauschige Daunenkleid eines Hühner- oder Entenkükens sind einfach gut anzufühlen, sofern die Gelegenheit besteht, das jüngst geschlüpfte Wesen auf die Hand zu nehmen. Bei den Pflanzen kennen wir aber kaum dieses Phänomen. Die im wahrsten Sinne des Wortes kratzbürstige Fichte z. B. entlockt uns höchstens den notwendigen Respektabstand, um nicht von ihren Nadeln beim Vorbeigehen gestreift zu werden. Das gilt aber nicht für jede Zeit des Jahres. Gerade jetzt bemerken wir, dass die Fichten wie auch die Tannen ihre jungen Triebe ausbilden, mit denen ihre Äste länger und ihre Stämme auf der obersten Spitze wiederum ein wenig höher werden. Wer die jungen Wipferl an den Fichten in diesem Stadium betastet, braucht keineswegs zu fürchten, dass die Haut durchstochen wird. Ganz weich und biegsam schmiegen sie sich nun beim Anfassen zwischen die Finger. Die Schubkraft, die also durch das erneute Austreiben in den Fichten steckt, kann für unsere Gesundheit genützt werden. So enthalten die hellgrünen Ästchen sehr viel ätherisches Öl mitsamt Terpenen. In der durch Generationen erprobten Naturheilkunde galten die Fichtenwipferl schon lange als blutreinigendes Mittel. Bei Gicht und Hautleiden wurde ein Tee aus den frischen Trieben getrunken, ebenso bei Magenbeschwerden. Am besten sind natürlich die frisch geernteten Sprösslinge an den Fichtenzweigen zu gebrauchen. Doch die Wipferl lassen sich auch haltbar machen, indem man einen Sirup herstellt. Dieser kann dann löffelweise bei sämtlichen Atemwegsbeschwerden eingenommen werden.

Fichtenwipferl-Sirup:

In einen Topf gibt man ca. 1/2 kg frisch abgezupfter hellgrüner Triebe von Fichtenästen. Darüber gießt man so viel Wasser, dass die gesamte Masse gut bedeckt ist. Unter ständigem Umrühren wird nun alles schnell erhitzt, bis ein dicker Brei daraus entsteht. Dann gibt man 125 g feingehackte Zwiebel mitsamt 250 g Honig hinzu, die man am besten schon griffbereit vorbereitet hat. Alles wird nochmals gut verrührt und dann heiß in weithalsige Gläser gefüllt, die gut und luftdicht verschlossen werden. Nach dem Abkühlen dunkel und kühl lagern.

Die Lebensfreude stärken

Nach dem Odermennig Ausschau halten

Was viele von uns mit großer Intensität vom kommenden Sommer erwarten und ersehnen, ist leicht zusammengefasst: Sonne und trockenen Boden. Genau das sind die Elemente, die auch dem Odermennig aus der Familie der Rosengewächse gefallen, um aufblühen und gedeihen zu können. Gewiss hat sich die ganze Vegetationsperiode in den meisten Gebieten unseres Landes aufgrund der kalten Wetters nach hinten verschoben. Daher ist es vielleicht gar nicht das Schlechteste, den dadurch gewonnenen zeitlichen Vorsprung zu nutzen, um das Wissen um die Heilkräuter ein wenig aufzubessern. Ja, wenn ich vom Odermennig zu den Leuten spreche, fragen nicht wenige, was denn das sei. Wer also nicht das Glück hat, einen pflanzenkundigen Freund zu kennen, der direkt bei einem Spaziergang das eine oder andere Kraut vorstellen könnte, hat doch reichlich auch andere Möglichkeiten, um Heilpflanzen besser bestimmen zu können. Internet, herrlich illustrierte Bücher und Lexika sowie naturkundliche Serien im Fernsehen bieten für jeden Geschmack eine Fülle an gut aufbereitetem Wissen, das man sich aneignen kann. Beim Odermennig zahlt es sich auf jeden Fall aus, diesen nicht nur beschreiben zu können, sondern vielmehr ihn zum Freund zu machen. Dann kann er auch dementsprechend Hilfe gewähren, denn er fördert auf sanfte Weise die Leistungsfähigkeit der Leber. Wer also dieses anmutige Gewächs in seiner Gestalt und Blüte kennt, der kann sich ab Juni auf die Suche machen. Von sauberen Standorten wird das ganze Kraut geerntet und an einem zugigen Ort getrocknet. Sorgfältig aufbewahrt, kann im Falle einer inneren Unpässlichkeit auf diesen Schatz zurückgegriffen werden.

Durchfall zum Abklingen bringen:

Getrocknetes und zerkleinertes Odermennig-Kraut wird in der Menge von 2 Teelöffeln mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten ziehen lassen und dann abseihen. Täglich trinkt man dann bei Durchfall am besten je eine frisch zubereitete Schale des Tees 1/2 Stunde vor den Mahlzeiten. Vor dem Trinken ein wenig Traubenzucker und eine Messerspitze Kochsalz hineingeben und gut umrühren.

Es dauert noch seine Zeit

Bis der Hafer wirklich sticht

Einen Plan konkret in die Tat umzusetzen, bedarf oft vieler Überlegungen, Prüfungen und einer gehörigen Portion unverzagten Mutes. Egal, um was es sich dabei handelt, entscheidend bleibt letztendlich der erste Schritt, der etwas ins Rollen bringt. In der Bibel ist z. B. einmal die Rede von den Talenten, die einem der Herrgott ins Leben mitgibt, um damit zu handeln und zu wuchern. Wer aber sein Talent niemals auspackt, glaubt genau betrachtet gar nicht daran, dass er von seinem Schöpfer eines bekommen hat. Anders gesprochen, zeigt sich so ein großer Mangel an Glauben und Vertrauen, der durch allzu große Vorsicht und Furcht zum Ausdruck kommt. Um eine längere Reise anzutreten, benötigte man in vorindustrieller Zeit das Pferd. Mit Hafer gefüttert, strotzten die Huftiere vor lauter Kraft und wurden hie und da dadurch übermütig. Dieses Bild fand daher seinen Niederschlag in den Redewendungen, die ein Verhalten des Menschen umschreiben. So gesehen liege ich nicht falsch, wenn ich den Hafer für einen kurzen Gedankenanstoß verwende. Jetzt, da er noch grün ist und in den heranwachsenden Rispen ein milchiger Saft fließt, möchte auch ich darüber nachsinnen, wie mein Reifen und Weiser-Werden in mäßigen Schritten ablaufen kann. Komme ich wirklich nur durch Übermut und Ellbogentechnik im Leben voran oder gibt es nicht andere Tugenden, die weder mir noch meiner Umwelt schaden? Muss es immer ein Schicksalsschlag sein, der mich zum Denken und Aufwachen bringt oder kann ich das Ganze auch „billiger“ haben? Mein Leben zu leben und zu gestalten, kann mir letztlich kein anderer Mensch abnehmen. Aber ich muss nicht alles neu erfinden. Vielleicht ist es die Geduld, die Liebe und die Wertschätzung meiner Eltern- und Lehrergeneration, die mich heute an dem Platz meiner Existenz sein lässt, den ich erreicht habe?

Grünen Hafer auspressen:

Pflanzenpresssaft, der jetzt aus biologisch herangezogenem Hafer gewonnen wird, kann mithelfen, nach Grippe und Erkältungskrankheiten wieder auf die Beine zu kommen. Durch seinen hohen Gehalt an Phosphor, Kalium, Kalzium und Magnesium ist er imstande, den Organismus bei nervösen Erschöpfungszuständen zu kräftigen. Fertige Produkte mit Hafersaft gibt es im Handel.

Ein zweiter Frühling

Ich habe die Kornblumen entdeckt!

Der meteorologische Sommerbeginn fiel dieses Jahr buchstäblich ins Wasser. Die Sehnsucht nach Sonne wurde im Osten unseres Bundesgebietes ins schier Unermessliche gesteigert. Viel Wärme und Licht wird es auch brauchen, um all die vielen Flächen und Winkel trocken zu bekommen, die unter der Feuchtigkeit des eben stattgefundenen Hochwassers noch lange leiden werden. Da ist es nicht verwunderlich, wenn manchen die mittlerweile wiederum erhöhten Außentemperaturen vorkommen wie der Abschied vom Winter. Nach Schneeglöckchen und Leberblümchen werden wir aber vergeblich suchen. Dazu gibt es der Jahreszeit entsprechend durchaus Alternativen. Unlängst stand eine Ampel an einer Straßenbaustelle auf Rot. In meinem Auto verweilend, glitt mein Blick in das angrenzende Rapsfeld. Und siehe da: ich erspähte die ersten Kornblumen, die vom nasskalten Wetter noch etwas verschüchtert ihre frischen Blüten Richtung Himmel öffneten. Das war für mich ein Wink von oben. Denn obwohl die permanent geschlossene Wolkendecke fast über Wochen keine Sonnenstrahlung zu Boden fallen ließ, signalisierten mir die Kornblumen mit ihrem tiefen Blau eine Hoffnung, die gewiss ist, dass sich der Himmel nach all den wasserreichen Tagen doch wieder einmal auftun wird. Ich bin sehr froh darüber, dass mir ein unscheinbares Gewächs hilft, mit den widrigen Umständen meines Lebens zurechtzukommen. Manchmal ist es anscheinend ganz gut, wenn ich nicht nur mir, sondern auch anderen auf dieser Welt den Vorrang gebe. Realistischer Weise gewinne ich diese Einsicht in viel zu wenigen Augenblicken meiner Tage. Daher steht so manches Kraut am Lebensweg, um das auch zu ermöglichen.

Ein zweiter Frühling für’s Gesicht:

Eine Menge von 150 g getrockneter Kornblumen-Blüten wird auf einer Metallunterlage angezündet. Die zurückbleibende Asche, die viel Salpeter enthält, wird in 1 Liter Weißwein gemischt, den man 8 Tage lang verschlossen im Fenster stehen lässt. Danach filtrieren und dunkel und kühl lagern. 6 Wochen lang täglich ein Stamperl davon genossen, wirkt sich günstig auf Zellulitis aus und bremst laut Kräuterpfarrer Weidinger die Entwicklung eines „Altersgesichtes“.