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Die Kreuzblume hinzufügen

Die Gotik kennt oft manche filigrane Spielerei in der Steinmetzkunst. Es ist erstaunlich, was da der eine oder andere Meister aus dem relativ weich zu bearbeitenden Sandstein hervorgeholt hat. Den meisten dürfte wohl die dem Meister Anton Pilgram zugeschriebene Kanzel im Wiener Stephansdom als eines der vielen Beispiele bekannt sein. Unter anderem verwendete man an den Spitzen von Giebeln, Fialen und Türmchen ein Zierelement als bekrönenden Abschluss, das man kunsttopographisch als Kreuzblume bezeichnet. Es gibt aber auch eine Pflanze mit diesem Namen, die eine eigene Gattung innerhalb der Ordnung der Schmetterlingsblütler darstellt. In Österreich findet man auch einige Arten davon. Stellvertretend möchte ich heute die Gemeine Kreuzblume (Polygala communis) den Lesern vorstellen.

Sie ist ein ausdauerndes Gewächs, das sich auf grasigen Flächen am wohlsten fühlt. Ihre Blätter sind schmal und lanzettförmig. Die Blüten der Kreuzblume sind ab Mai bis in den Monat Juli hinein zu sehen. Diese sind wiederum blauviolett und in seltenen Fällen auch weiß gefärbt. Früher wurden zu Heilzwecken die Wurzeln, die Blüten und die Blätter gesammelt. Heute sollte man aufgrund des geringen Vorkommens mancher Kreuzblumenarten auf eine Ernte aus freier Natur verzichten, um den Bestand dieser schönen Blume auch für die Zukunft zu sichern.

Aus einem Kräuterbuch von 1896:

„Wohl ist die Ramsel (= Kreuzblume) geruchlos und ihre Bitterkeit sehr stark. Wer aber möchte dieselbe nicht über sich ergehen lassen und segnen, da sie so wohltuende, heilende Wirkung erzeugt? Denn die Kreuzblume gehört zu den kräftigsten Brustmitteln, die es gibt und verdient auch bei Magenleiden und Wassersucht unsere Beachtung.“

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