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11. November 2016Der Frauenmantel erinnert an den Hl. Martin
Schon als Bub habe ich daheim beim Ministrieren zur Statue des hl. Bischofs Martin auf dem Hochaltar der Kirche aufgeblickt. Martin ist ja der Patron des verträumten Städtchens Drosendorf an der Thaya, wo ich groß werden durfte. Zudem jährt sich heuer sein 1700. Geburtstag, der sicherlich heute in allen Martinskirchen zusammen mit den Kindern gebührend gefeiert wird. Die Legende, dass dieser Gottesmann seinen Mantel mit einem Bettler teilte, macht ihn schließlich schon bei unseren Kleinsten populär. Was liegt da näher, als nach einer pflanzlichen Entsprechung dessen Ausschau zu halten? Im Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) werden wir fündig. Aufgrund seiner Zuchtformen, die gerne in den Gärten an Wegrändern und Seitenrabatten als Gestaltungselement gepflanzt werden, ist uns dieses Rosengewächs durchaus vertraut. Zumindest wissen viele um die scheinbaren Tautropfen, die sich tagsüber auf der Blattoberfläche befinden, Bescheid und erkennen darin das augenfälligste Merkmal dieses Heilkrautes. Geht man auf einer Wiese entlang, um den Frauenmantel in seiner ursprünglichen Form in der freien Natur aufzusuchen, muss man schon etwas genauer schauen. Doch die aufgefaltete Blattstruktur, die eben an einen Mantel erinnert, verleiht einem dann auch dort die Gewissheit, bei der richtigen Pflanze angelangt zu sein. Und im rechten Gebrauch teilt dieses Gewächs zumindest seine Heilwirkung, die aufgefächert folgendermaßen ausfallen kann: harntreibend, magenstärkend, durchfallhemmend, entzündungslindernd, adstringierend und blutreinigend. Ja, wenn man nun als leidender Mensch einem Bettler ähnlich wird, so kann man im Frauenmantel einen Boten Gottes entdecken, der durchaus fähig ist, so manches Heilsame mit einem zu teilen und einem wieder den Weg der Genesung zu weisen.Stärkender Tee
Aus getrocknetem und zerkleinertem Kraut des Frauenmantels lässt sich ganz einfach ein Tee im Heißaufguss zubereiten. Dazu nimmt man 2 Teelöffel der Blattdroge und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Langsam und schluckweise am besten ungezuckert trinken. Das kommt vor allem Frauen rund um die Schwangerschaft und die Geburt ihres Kindes zugute und stärkt den Gesamtorganismus, Letzteres natürlich auch bei Männern. Nach dem Ziehen eines Zahnes kann überdies dieser Tee als Gurgelmittel etwas zur besseren Abheilung des Zahnfleisches beitragen.
Frauenmantel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya
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