Ein fliegender Edelstein

Mit Pflanze und Tier auf Weihnachten zu

Ruhig und verträumt liegt die alte Kulturlandschaft rund um unser altes Stift in Geras da. Als prägendes Element dieser Waldviertler Fluren wurden vor Jahrhunderten die Karpfenteiche von Menschenhand angelegt und bilden jetzt einen ganz wichtigen Bestandteil des Grenzlandes südlich von Mähren. Die Teiche ziehen immer wieder die verschiedensten Wasservögel an, die hier entweder Rast halten oder gar ihre Jungen großziehen. Alljährlich hört man dann gerade im Herbst, solange die Wasseroberfläche noch nicht zugefroren ist, ein helles Pfeifen. Das ist unverkennbar die Stimme des Eisvogels, der nach kleinen Fischen Ausschau hält, die er im präzisen Sturzflug anpeilt und meist auch erwischt. Es ist einfach eine Freude, beim Spazierengehen rund um die schilfbekränzten Weiher diesen äußerst prächtigen Vögeln zuzusehen. Ein Weilchen fühlt man sich dabei ins Paradies versetzt, wo Menschen und Tiere wie selbstverständlich das Leben miteinander teilten und so einander ergänzten. Der Eisvogel zählt zu den seltenen Vögeln unserer Heimat, obwohl er gerade im Waldviertel noch oft anzutreffen ist. Er braucht naturbelassene Fluss- und Bachläufe, an deren steil abfallenden Lehmwänden er seine Bruthöhle graben und beziehen kann. Jeder, der einem Eisvogel in freier Natur begegnen darf, soll auch ein kleines Stück mehr dankbar in seinen Lebensalltag schauen.

Carpe diem!

Der Eisvogel sitzt oft geduldig auf einem Schilfhalm, der sich über das Wasser biegt oder auf einem Ast eines Uferbaumes, um von dort die vorüberziehenden winzigen Fischchen zu erhaschen. Der Fisch ist seit alters her ein Symbol für Christus. Heute rate ich allen einmal, die so notwendige Aufmerksamkeit für geistige Vollzüge anhand von Naturbeobachtungen zu trainieren. Jetzt im Advent halten wir ja Ausschau auf das Weihnachtsfest. Nütze also den Tag (= carpe diem), um die erfreulichen Kleinigkeiten nicht zu übersehen.

Eisvogel auf Ansitz (Foto: FokusNatur)

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