Beten lernt man durch Beten

Die Heiligen helfen uns atmen

Freust du dich schon wieder auf die Schule? – Mit dieser Frage hab ich mir noch nie sehr viel Sympathie bei den Kindern erworben, deren Ferien sich dem Ende zuneigten. Ehrlich gesagt hatte ich natürlich auch selbst während meiner Zeit als Schüler und Student die freie Zeit lieber als die räumlich und zeitlich festgesetzten Stunden des Unterrichts. Dennoch blicke ich voller Dankbarkeit in die eben besprochene Spanne meines Lebens zurück. Ich bin noch heute dankbar für die hervorragende Gemeinschaft, die ich zusammen mit meinen Altersgenossen im Gymnasium und im Internat genießen durfte. Das gemeinsame Lernen half mir über einige Hürden hinweg, die ich allein kaum hätte meistern können. Und da war noch etwas, das mir viel wichtiger erscheint: ich lernte das regelmäßige Beten in Gemeinschaft. Heute feiern wir Allerheiligen. Wir blicken daher auf eine schier unübersehbare Schar, die nicht vereinzelt, sondern durch und in Gott verbunden mit uns das Leben teilt. Genauso wie die Verstorbenen auf den Friedhöfen rufen sie uns heute zusammen, damit wir unser eigenes Leben vor Gott stellen und um seinen Schutz bitten. Der christliche Glaube führt auch jeweils dazu, nicht allein zu sein und nicht allein zu bleiben.

Allerheiligen-Litanei:

Gemeinsames Meditieren ist eine zutiefst christliche Gebetshaltung. Dafür gibt es mannigfaltige Formen. Eine davon ist die Litanei, bei der auf verschiedene Nennungen von heiligen Personen bzw. deren Tugenden immer wiederum die gleiche kurze Antwort gegeben wird. Zum Beispiel: Heiliger Petrus – bitte für uns. Heiliger Paulus – bitte für uns … Wer sich auf so ein Gebet in großer Gemeinschaft einlässt, lernt gleichzeitig mit anderen zu atmen und so zur Ruhe zu kommen. Ja, beten ist auch gesund; für Seele und Leib. Nur eines: ohne Beten wird man das Beten nie lernen.

Christusikone vom Berg Athos