Die Adventwurzel

Mit Pflanze und Tier auf Weihnachten zu

Mit unserem Esel Balduin sind wir jetzt schon die längste Strecke des Wegs durch den Advent gegangen. Aber wo soll ich ihn anbinden, um alle Hände frei zu haben, da ich die Krippe in der Pfarrkirche aufstellen möchte? Am besten stell ich ihn zum Symbol in unserem Gotteshaus, das nicht nur an Gewicht, sondern auch an Bedeutung schwer ist. Vor Jahren entdeckte ich einen wunderschönen Wurzelstock, der von einer mächtigen Fichte stammte, die gefällt werden musste. Diesen pflanzlichen Greifarm hab ich geborgen und jährlich stellt ihn mein Mesner auf den Platz, an dem dann zu Weihnachten die geschnitzte Krippe die Menschwerdung Gottes verkündet. Jetzt, bevor die Wurzel für heuer ihren Dienst getan hat und ich alle vier Kerzen auslösche, verweile ich noch ein wenig. Wie alt mag wohl die Fichte gewesen sein, von der mein Adventholz stammt? Wie groß war etwa die Menge an Sauerstoff, die sie ihren Mitgeschöpfen geschenkt hat? Wie viel Stürmen und Gewittern wird sie getrotzt haben? Über ihren Tod hinaus hat vielleicht der Stamm über der Wurzel eine tragende Funktion in einem Haus oder gar als Möbelstück. Ohne Wurzel hätte der Baum nie seinen Dienst auf Erden tun können. So danke ich schlicht dem alten Baum, der mir das Warten erleichtert hat. Jetzt aber, nach Jahrzehnten, sage ich mit meinem Wurzelstock: Nun komme Christus, mein und unser Heiland!

Das Inwendige herrichten:

Weihnachten steht vor der Tür. Noch einmal wird’s hektisch, da für morgen alles bereit sein soll. Aber hoffentlich ist nicht nur das gute Essen vorbereitet worden. Wie sieht es aus in meinem Herzen, meiner Seele? Hab ich nicht nur bezahlte Psychohygiene betrieben, sondern schau ich einfach drauf, dass es gar nicht so weit kommen muss? Bin ich im Glauben, im Charakter und im Leben ein – bildlich gesprochen – verwurzelter Mensch? Am besten ist’s vielleicht, ich stell an mich und erst recht an die anderen keine oft sehr subjektiv geprägten Erwartungen. Viel lieber vertraue ich auf Gott mit dem Gespür des Herzens, das einer Wurzel gleicht.

Adventwurzel

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Tradition und Wissen der Zeit

Das Beispiel des Albertus Magnus

Heute möchte ich mich einmal ein Stück weit outen. Musik ist mir schon sehr früh durch eine kompetente und professionelle Erziehung ans Herz gewachsen. Sei es das Erlernen des Spielens einer Altblockflöte in der Volksschulzeit oder das fast tägliche Chorproben im Internat: vieles hat dazu beigetragen, dass das Medium Musik mir zu einer Sprache wurde, die ich meiner Meinung nach weitreichend verstehen darf. In jeder Zeit gab und gibt es Kompositionen, die mich fesseln können und das zum Ausdruck bringen, was dem gesprochenen Wort nur in einer sehr verkürzten Weise gelingt. Ich bin auch ein Fan von Prof. Dr. Bernhard Trebuch. Meist habe ich das Vergnügen, in die Sendung „Alte Musik – neu interpretiert“, die via Ö1 die Hörer erreicht, während meiner Fahrten zu seelsorglichen Terminen am Abend, einzusteigen und akustisch mir einzuverleiben. Durch den Titel dieser äußerst interessanten Sendereihe angeregt, blicke ich auf einen großen Geist des 13. Jahrhunderts, nämlich den heiligen Dominikanerbischof und Naturwissenschaftler Albertus Magnus. Im Tagesgebet zu seinem Gedenktag am 15. November heißt es: „Gott, du Quelle aller Weisheit, du hast dem heiligen Bischof Albert die Gabe geschenkt, das Wissen seiner Zeit und den Glauben in Einklang zu bringen.“ Die Zeit bleibt nicht stehen. Vieles hat sich seit den Tagen Alberts des Großen verändert. Doch den weiten Blick auf die großen Zusammenhänge unserer Schöpfung im Hintergrund des Glaubens hat die Welt vielleicht heute dringender notwendig denn je.

Alte Zitate – neu aufgelegt:

Wer die Schöpfung in den oben angesprochenen Dimensionen zu sehen vermag, der bekommt auch gleichzeitig den hohen Wert menschlicher Existenz gleichsam mitgeliefert. Albertus Magnus formulierte das einst so: „Der Mensch steht in der Mitte der Schöpfung, zwischen Stoff und Geist; zwischen Zeit und Ewigkeit.“ Heilsam für die Seele ist vielleicht ein anderes Statement des Heiligen: „Wer sich mit göttlichen Dingen beschäftigt, wird nach ihrem Bild umgestaltet.“

Albertus Magnus, Tafelgemälde des Joos (Justus) van Gent, Urbino

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