Die Kraft des Wachstums

Die Fichte und ihr Angebot

Jedes junge Tier erweckt aufgrund des Kindchen-Schemas bei uns Zweibeinern ein Zuneigungsgefühl, das selbst die härtesten Herzen weich und zugänglich macht. Das herzige Gesicht eines jungen Hundes oder einer Katze entlocken uns ein Lächeln und das flauschige Daunenkleid eines Hühner- oder Entenkükens sind einfach gut anzufühlen, sofern die Gelegenheit besteht, das jüngst geschlüpfte Wesen auf die Hand zu nehmen. Bei den Pflanzen kennen wir aber kaum dieses Phänomen. Die im wahrsten Sinne des Wortes kratzbürstige Fichte z. B. entlockt uns höchstens den notwendigen Respektabstand, um nicht von ihren Nadeln beim Vorbeigehen gestreift zu werden. Das gilt aber nicht für jede Zeit des Jahres. Gerade jetzt bemerken wir, dass die Fichten wie auch die Tannen ihre jungen Triebe ausbilden, mit denen ihre Äste länger und ihre Stämme auf der obersten Spitze wiederum ein wenig höher werden. Wer die jungen Wipferl an den Fichten in diesem Stadium betastet, braucht keineswegs zu fürchten, dass die Haut durchstochen wird. Ganz weich und biegsam schmiegen sie sich nun beim Anfassen zwischen die Finger. Die Schubkraft, die also durch das erneute Austreiben in den Fichten steckt, kann für unsere Gesundheit genützt werden. So enthalten die hellgrünen Ästchen sehr viel ätherisches Öl mitsamt Terpenen. In der durch Generationen erprobten Naturheilkunde galten die Fichtenwipferl schon lange als blutreinigendes Mittel. Bei Gicht und Hautleiden wurde ein Tee aus den frischen Trieben getrunken, ebenso bei Magenbeschwerden. Am besten sind natürlich die frisch geernteten Sprösslinge an den Fichtenzweigen zu gebrauchen. Doch die Wipferl lassen sich auch haltbar machen, indem man einen Sirup herstellt. Dieser kann dann löffelweise bei sämtlichen Atemwegsbeschwerden eingenommen werden.

Fichtenwipferl-Sirup:

In einen Topf gibt man ca. 1/2 kg frisch abgezupfter hellgrüner Triebe von Fichtenästen. Darüber gießt man so viel Wasser, dass die gesamte Masse gut bedeckt ist. Unter ständigem Umrühren wird nun alles schnell erhitzt, bis ein dicker Brei daraus entsteht. Dann gibt man 125 g feingehackte Zwiebel mitsamt 250 g Honig hinzu, die man am besten schon griffbereit vorbereitet hat. Alles wird nochmals gut verrührt und dann heiß in weithalsige Gläser gefüllt, die gut und luftdicht verschlossen werden. Nach dem Abkühlen dunkel und kühl lagern.

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