Ein zweiter Frühling

Ich habe die Kornblumen entdeckt!

Der meteorologische Sommerbeginn fiel dieses Jahr buchstäblich ins Wasser. Die Sehnsucht nach Sonne wurde im Osten unseres Bundesgebietes ins schier Unermessliche gesteigert. Viel Wärme und Licht wird es auch brauchen, um all die vielen Flächen und Winkel trocken zu bekommen, die unter der Feuchtigkeit des eben stattgefundenen Hochwassers noch lange leiden werden. Da ist es nicht verwunderlich, wenn manchen die mittlerweile wiederum erhöhten Außentemperaturen vorkommen wie der Abschied vom Winter. Nach Schneeglöckchen und Leberblümchen werden wir aber vergeblich suchen. Dazu gibt es der Jahreszeit entsprechend durchaus Alternativen. Unlängst stand eine Ampel an einer Straßenbaustelle auf Rot. In meinem Auto verweilend, glitt mein Blick in das angrenzende Rapsfeld. Und siehe da: ich erspähte die ersten Kornblumen, die vom nasskalten Wetter noch etwas verschüchtert ihre frischen Blüten Richtung Himmel öffneten. Das war für mich ein Wink von oben. Denn obwohl die permanent geschlossene Wolkendecke fast über Wochen keine Sonnenstrahlung zu Boden fallen ließ, signalisierten mir die Kornblumen mit ihrem tiefen Blau eine Hoffnung, die gewiss ist, dass sich der Himmel nach all den wasserreichen Tagen doch wieder einmal auftun wird. Ich bin sehr froh darüber, dass mir ein unscheinbares Gewächs hilft, mit den widrigen Umständen meines Lebens zurechtzukommen. Manchmal ist es anscheinend ganz gut, wenn ich nicht nur mir, sondern auch anderen auf dieser Welt den Vorrang gebe. Realistischer Weise gewinne ich diese Einsicht in viel zu wenigen Augenblicken meiner Tage. Daher steht so manches Kraut am Lebensweg, um das auch zu ermöglichen.

Ein zweiter Frühling für’s Gesicht:

Eine Menge von 150 g getrockneter Kornblumen-Blüten wird auf einer Metallunterlage angezündet. Die zurückbleibende Asche, die viel Salpeter enthält, wird in 1 Liter Weißwein gemischt, den man 8 Tage lang verschlossen im Fenster stehen lässt. Danach filtrieren und dunkel und kühl lagern. 6 Wochen lang täglich ein Stamperl davon genossen, wirkt sich günstig auf Zellulitis aus und bremst laut Kräuterpfarrer Weidinger die Entwicklung eines „Altersgesichtes“.

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