Das Leben hat seine Zeit

Nicht nur die Steckdose benötigt die Erdung

Mit dem leiblichen Tod ist das so eine Sache. Gerne besuchen wir zwar zu Allerheiligen die Gräber unserer lieben Verblichenen, doch den Tag darauf, also Allerseelen, halten wir uns nicht mehr frei. Es wäre vielleicht zu viel des Guten, um sich wirklich ernsthaft mit dem eigenen Sterben auseinander zu setzen. So möchte ich heute unsere menschlichen Urahnen Adam und Eva ins Blickfeld rücken. Im Bild sehen wir einen Ausschnitt aus dem zeitlich gesehen letzten barocken Deckenfresko Mitteleuropas (1805), das sich in meiner klösterlichen Bibliothek in Geras befindet. Der Maler Josef Winterhalder lässt hier die ersten Menschen nach einem Leben in Fülle Ausschau halten, nachdem sie sich eben dieses durch den Sündenfall verwirkt hatten. Ja, nicht wir sind es, die das Leben erhalten können, sondern der Schöpfer, der es uns allen aus seiner Güte heraus überantwortet hat. Wir erheben uns im Laufe der Sorge um unsere Existenz meiner Meinung nach nur allzu leicht über die Erde, aus der wir alle geschaffen wurden. In der lateinischen Sprache lautet das Wort für demütig „humilis“. Da steckt wiederum das Wort Humus drinnen, also der Begriff für eine gute und fruchtbare Erde. Nehmen wir als leibliche und geistige Übung wieder einmal Kontakt auf zum Boden, auf dem wir alle stehen.

Mit bloßen Händen:

Um das Gefühl für die Erde wieder zu gewinnen, ist es angebracht, ohne Handschuhe und ohne Schutz im wahrsten Sinn des Wortes das Fundament des Wachstums der Pflanze zu begreifen. Die letzte herbstliche Gartentätigkeit oder das Herrichten eines Grabes geben uns Gelegenheit dafür. Wer seine Existenz recht bedenkt, wird ein Stück weit dankbarer und setzt sich furchtloser mit dem eigenen Tod auseinander. Denn die ganze Erde liegt in Gottes barmherziger Hand.

Adam und Eva Fresko Stift Geras

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