Ein Bild der Treue

Die Liebesgeschichte zweier Bäume

Unlängst habe ich noch einen heißen Sommernachmittag genutzt, um den kühlenden Schatten der Wälder entlang des Thayaflusses in Drosendorf aufzusuchen. Eigentlich hielt ich Ausschau nach ein paar Heilkräutern, die die Hänge dieses Flusstales als Standort ausersehen haben. Doch da hat mich am Wegrand eine Erscheinung in ihren Bann gezogen, die ich für die Leser gleich mit meiner Kamera eingefangen habe. Da stehen eine Stieleiche und eine Hainbuche dicht an dicht und scheinen, einander zu umarmen. Der Stärke ihrer Stämme nach zu schließen, dürften sie ziemlich gleichen Alters sein. Da kein Mensch sie selektiert bzw. freigeschnitten hat, wurden sie nicht daran gehindert, direkt nebeneinander dem Licht entgegenzustreben. Fast bin ich versucht, ein Märchen über die beiden verliebten Pflanzen zu schreiben. Doch genügt es mir, auf beide hinzuhören und zu lauschen, wenn der warme Sommerwind durch ihr Laub streicht: „Weiß Du, wir probieren es miteinander. Wir haben beide genug zum Leben. Sollte einmal ein heftiger Sturm kommen, so kann er uns nur halb so viel anhaben als unseren Kollegen, die sich einzeln gegen den großen Winddruck behaupten müssen. Da auch unsere Wurzeln ineinander gewachsen sind, haben wir auch einen doppelt so festen Stand. Wir müssen nicht mehr auf die Suche nach einem uns lieben Partner gehen, denn wir wurden einander geschenkt.“ Da soll noch einmal einer behaupten, Pflanzen könnten uns Menschen nichts fürs Leben mitgeben!

Hainbuchen-Auszug:

Frische Hainbuchenblätter werden klein geschnitten und 5 volle Esslöffel davon 14 Tage lang in 1/2 Liter gutem Obstbrand angesetzt. Danach abseihen und mit 1/4 Liter destilliertem Wasser verdünnen. Die verschlossene Flasche dann noch einmal 14 Tage ins Fenster stellen und zuletzt kühl und dunkel lagern. Mit diesem Auszug reibt man bei Müdigkeit die Stirn ein.

Zwei Baeume umarmen sich

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