Da spricht man nicht so gerne darüber

12. Oktober 2013

Doch ständig sitzt man drauf

Einfach ist das nicht! Eine Gratwanderung für einen Pfarrer. Und dennoch trau ich mich drüber. Denn beim besten Willen lässt sich dieser Teil des Körpers nicht einfach so rausschneiden oder gar wegdenken. Schließlich sitzen wir alle oft stundenlang darauf und würden ohne unser Gesäß nur ganz schlecht zurechtkommen. So soll heute der bodenwärts gerichteten Rückseite unserer Körpermitte die Aufmerksamkeit gelten. Das Heidekraut (Calluna vulgaris) hilft mir bei diesem heiklen Unterfangen. Da gibt es einmal die Hilfestellung des Zur-Ruhe-Kommens. In vielen Berufszweigen müssen die Arbeitnehmer ihren Dienst sitzend vollziehen. Hier tut es schon gut, zwischendurch ein bisschen Bewegung einzubauen, damit die Körperhaltung dementsprechend entlastet wird. Dennoch ist es auch notwendig, sich ganz bewusst außerhalb jeder nutzungs- und gewinnorientierten Tätigkeit einfach auf seine zwei Backen zu setzen, um sich zu sammeln, nachzudenken oder auch ein Gebet zu sprechen. Dankbar dürfen wir dann dieses Verweilen genießen. Und zum Schluss sei noch ein anderes Service bedacht, das ich einfach mit dem Wort „Müllabfuhr“ umschreiben möchte. Ohne die Ausscheidung würde unser Körper über kurze Zeit vergiftet werden und zugrunde gehen. Der Ausgang des Afters ist, sofern der Mastdarm intakt ist, durchaus lebensnotwendig. Schon in aller Frühe kann man daher für den Grundvollzug der Ausscheidung dankbar sein. Ja, das Geringe ist nicht unbedingt das Schlechteste. Aber diese Weisheit lässt sich auch durchaus in allen Lebensbereichen und -vollzügen finden.

Sitzbad für den After:

Im Herbst und im Winter wird der Bereich des Gesäßes wiederum mehr mit Kleidung „eingepackt“. Zur Pflege des Darmausganges darf man das Heidekraut heranziehen. 50 g getrocknete Triebspitzen dieses Gewächses werden mit 2 Liter kochendem Wasser überbrüht. 15 Minuten ziehen lassen und dann abseihen. Dem vorbereiteten Sitzbad beifügen, das man ca. 1/4 Stunde lang durchführt. Nach dem Abtrocknen die Aftergegend am besten mit Rosskastanienöl einreiben. ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya