Bei wechselndem Gemüt

23. Oktober 2026

Beifuß wirkt ausgleichend                                                                                                                                 

Himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt! Anscheinend wusste schon Goethe um die Verfasstheit eines stark wechselnden Gemütes. Aber abseits von kunstvoller Literatur und Lyrik ist es nun einmal so, dass junge wie auch längst erwachsene Menschen sich nach einer Ausgeglichenheit sehnen, die nur selten Platz zu greifen scheint. Daher möchte ich mich diesmal zusammen mit meinen Leserinnen und Lesern an den Beifuß (Artemisia vulgaris) wenden. Dieses Kraut ist eine Pflanze, die sich als ein genügsames Geschöpf erweist, so wir ihren üblichen Standort in den Blick nehmen. Der Beifuß besiedelt nämlich gerne sandige und schotterhaltige Halden und ist auch auf mageren Böden an den Wegrändern lichter Wälder zu entdecken. Er wird überdies als Wilder Wermut bezeichnet. Den Beifuß hat man seit alters her schon als Gewürzkraut verwendet. Seine Inhaltsstoffe zeichnen sich durch einen hohen Anteil an Bitterstoffen aus. Das macht u. a. fetthaltige Speisen leichter verdaulich, weil durch die Zutat des Heilgewächses die Tätigkeit der Leber und der Gallenblase angekurbelt wird. Aber es gibt noch andere Effekte, die mit der Verwendung des Beifußes einhergehen. Das Gedächtnis und die Konzentrationsfähigkeit des Gehirns etwa profitieren auf jeden Fall, wenn man bittere Substanzen zu sich nimmt. Und all das kann in weiterer Folge auch das Gemüt wach und ausgeglichen machen. Wenn es also im übertragenen Sinne in der eigenen Seele bergauf und bergab geht, so können wir diesem Umstand mit dem Beifuß besser beikommen. Niemand sollte sich dann vor dem bitteren Geschmack scheuen, der mit dem Trinken eines speziellen Aufgusses einhergeht.

Bitterstoffe für Leib und Seele

Von getrockneten und zerkleinerten Blättern des Beifußkrautes bloß 1 gehäuften Teelöffel nehmen und mit 1/4 Liter kochendem Wasser überbrühen. Dann 10 bis 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Nach dem Abseihen und Auskühlen schluckweise trinken. Dabei ist zu beachten, dass dieser bittere Tee nicht gesüßt werden sollte. Bei schnell wechselnden Gemütsschwankungen 1 bis 2 Tassen pro Tag konsumieren, um auf diese Weise ausgleichend auf seelische Regungen einzuwirken.

Beifuß (Artemisia vulgaris), © Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum