Die Wunden der Bäume

1. April 2016

Ihr Harz wird zum Segen

In der christlichen Ikonographie steht gegenwärtig die Darstellung des auferstandenen Christus im Vordergrund des betrachtenden Interesses. Die Figur des aus dem Grabe entsteigenden Heilands weist immer noch die Wundmale an den Händen, den Füßen und an seiner Rumpfseite auf, die von seiner Kreuzigung anscheinend weiterhin dem Leib anhaften. Sie sind jedoch verklärt, verursachen daher keinen Schmerz. Wer nun das gute Wetter nutzt, um bei einem Marsch frische Waldluft zu tanken, begegnet in Bäumen pflanzlichen Lebewesen, an denen man ähnliches entdecken kann. Vor allem bei Nadelbäumen, deren Rinde am Stamm oder an den Ästen durch eine äußere Einwirkung geöffnet wurde, sieht man ebenfalls so etwas wie Wunden. Um diese offenen Stellen zu schützen, produzieren die Bäume ihr zähflüssiges Harz, das meist nach dem Austreten hart wird und so eine Schutzschicht für das Darunterliegende bildet. Dieses Harz der Fichten, Föhren, Tannen und Lärchen weist einen hohen Gehalt an ätherischem Öl und Terpenstoffen auf, die ihrerseits nicht nur den Heilungsprozess des wachsenden Holzes unterstützen, sondern auch die eine oder andere Wohltat für den Menschen parat haben. Ein Spaziergang in einem von Abgasen und Feinstaub möglichst freien Forst hat daher gleich mehrere Vorteile. Zum einen wird der Bedarf an Bewegung, den wir tagtäglich brauchen, einigermaßen abgedeckt. Zum anderen bringt nicht nur das Einatmen der Waldluft einen spürbaren Profit für unsere Lunge. Das Harz von Nadelbäumen stellt ein Kurmittel dar, das nebenbei genutzt werden kann.

Frühjahrskur mit Baumharz:

Von den oben erwähnten Arten der heimischen Nadelbäume kann man das erstarrte Harz so abschaben, dass es dem Baum und seinem Wuchs nicht schadet. Es reichen 5 bis 6 kleine Körnchen davon, die man bedächtig während eines Tages kaut. Diese Anwendung stärkt die Immunkraft der Atemwege und wirkt sich auch festigend auf Zahnfleisch und Zähne aus. Das darf man durchaus einige Wochen lang durchführen. Kiefernzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya