Sind wir mit dem Tod verwandt?
2. November 2013Gedanken zu Allerseelen
So richtig gestorben ist noch keiner von uns, die wir heute Morgen aufgestanden sind, um uns das Frühstück zurechtzumachen oder es uns krankheitsbedingt ans Bett bringen zu lassen. Es gibt zwar etliche Berichte über Nahtoderfahrungen, aber all jene sind wieder ins leibliche Leben zurückgekehrt, angewiesen auf die Dimensionen von Zeit und Ort. Gott sei es gedankt, dass wir also die Augen aufschlagen konnten und schlicht feststellen dürfen: Ich lebe! Dennoch wissen wir, dass das Sterben auf dich und mich noch wartet. In Bezug auf Mensch und Tier spricht man sehr leicht vom Tod und möchte diesen nach Möglichkeit verhindern. Bei Pflanzen hingegen fällt es uns schwer, vom Ableben zu sprechen. Es ist viel zu wenigen bewusst, dass es sich auch bei ihnen um Lebewesen handelt. Aber wie viel Pflanzen mussten letztendlich schon ihr Leben lassen, um uns als Nahrung und Mittel zur Heilung zu dienen? In früheren Zeiten war der Tod viel näher an den Leuten als heute in der überzivilisierten Lebenskultur, die mit allen Mitteln versucht, den Tod zu verdrängen. Der heilige Franziskus von Assisi besang sogar einmal den Tod im Sonnengesang. Direkt aus dem Altitalienischen übersetzt, lautet es folgendermaßen: „Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester (per sora nostra!), den leiblichen Tod (morte corporale).“ Sterben bedeutet letztendlich nichts anderes, als sich hinzugeben und loszulassen. Nur so kann neues Leben entstehen. Lehren uns das nicht die Pflanzen in einer ganz milden und geduldigen Weise? Würden sie sich vor dem Sterben fürchten, wäre schon lange kein Samenkorn mehr fruchtbar, um von Neuem zu keimen.Dankbarkeit einüben:
Die Sympathie des Schöpfers tritt für uns Menschen in den Gaben der Natur signifikant zutage. Sooft wir also eine Pflanze, eine Frucht oder ein Heilkraut auf irgendeine Weise zu uns nehmen, dürfen wir im Grunde unseres Herzens ein Dankeschön aussprechen. Und wenn wir heute an den Gräbern unserer Lieben verweilen, dann darf es ein umso herzlicherer Dank sein. Denn ihnen verdanken wir unser Leben.
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