Gut für Hirn und Darm

Tausendguldenkraut ansetzen

Wenn wir uns unserem Bruder Leib zuwenden, um ihn gesund zu erhalten oder bei einer Krankheit wiederum auf die Sprünge zu helfen, dann ist es gut, die Gesamtheit der Physis im Blick zu behalten. Gewiss ist es nicht falsch, punktuell betroffene Organe oder Gliedmaßen zu therapieren. Doch dies spricht nicht gegen die Tatsache, dass zwischen Kopf und Fuß letztlich alles miteinander in Verbindung steht. So erweist es sich als sehr vorteilhaft, wenn gerade Kräuter ihre Wirkung meist breiter streuen als so manches hochspezialisierte Medikament. Greifen wir daher unter den vielen Heilpflanzen das Tausendguldenkraut (Centaurium erythraea) wieder einmal heraus, um damit gleichsam zwischen dem Gehirn und dem Verdauungstrakt eine Brücke zu bauen. Da das Tausendguldenkraut zur botanischen Familie der Enziangewächse zählt, liegt es wohl auf der Hand, dass wir durch die Verwendung desselben gleichzeitig mit einer hohen Konzentration an Bitterstoffen konfrontiert werden. Dies mag wohl nicht unbedingt dem Gaumen schmeicheln, bereitet jedoch so manchen körperlichen Arealen einen Vorteil. Durch die erhöhte Aktivität, die generell in den Köperzellen vonstattengeht, wenn sie mit einer ihnen angemessenen Zufuhr an pflanzlich gespeicherter Bitterkeit in Kontakt kommen, vollziehen sich gleichzeitig auch andere Prozesse besser, die damit einhergehen. Beim Tausendguldenkraut betrifft dies besonders die Denk- und Konzentrationsaktivität des Gehirns und die Verarbeitung der Nahrung durch den Darm. Dieser sollte eben nicht allzu träge sein, um keine unnötigen Gärungsprozesse entstehen zu lassen. Ab und zu tut es ganz gut, dem Bitteren quasi den Vortritt zu lassen, um so die Gesundheit zu fördern.

Tausendguldenkraut-Tee

Bei der Zubereitung eines Tees, für den man lediglich dieses Kraut wählt, nimmt man von den getrockneten und zerkleinerten Teilen 1 Teelöffel voll und gibt diesen am Abend in 1/2 Liter kaltes Wasser. Bis zum nächsten Morgen darin ziehen lassen und dann abseihen. Vor den Mahlzeiten jeweils eine Tasse davon trinken. Nicht extra anwärmen. Das hilft einerseits der Peristaltik des Darmes und andererseits schärft es vor allem den Geist für hohe denkerische Aufgaben.

Tausendguldenkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein bisschen einheizen

Rosmarin fördert die Durchblutung

Der sogenannte Smalltalk wird momentan wohl von so manchen Themen beherrscht, die mit den letzten Tagen des Wahlkampfes in Österreich einhergehen. Bald aber wird wiederum das Wetter dessen Platz im Plausch mit Bekannten auf der Straße einnehmen. Dabei wird vermehrt artikuliert, dass es keine gleitenden Übergänge mehr gibt. Von der Hitze geht’s spontan ins Nasskalte. Damit heißt es auch erneut zu heizen. Wenden wir uns heute einmal an eine Pflanze, die aufgrund ihres natürlichen Habitats ganz gut den Sommer und seine Folgen im Griff hat: der Rosmarin (Rosmarinus officinalis). Zerlegen wir den wissenschaftlichen Namen des angenehm duftenden Lippenblütlers, so stecken darin zwei Worte: ros (=Tau) und marinus (=zum Meer gehörig; oder: vom Meer). Also ergibt die Summe den Begriff Meerestau. Damit sind wir im Ursprungsgebiet der beliebten Gewürzstaude angelangt, in den Gegenden rund um das Mittelmeer. Nicht selten finden wir den Rosmarin auch als Sommergast in den Kübeln und Blumenkisten unserer Gärten. In seinen Pflanzenteilen speichert der Südländer wertvolle ätherische Öle und Gerbstoffe, die nicht nur in der Küche ihren Einsatz finden. Der Rosmarin scheint aber ebenso die Hitze des Sommers in sich zu bewahren und bei Bedarf weiterzugeben. Gewiss erfolgt dies nicht durch einen Vorgang der Verbrennung oder der Zufuhr von Elektrizität. Vielmehr bringt er das Blut in vermehrten Umlauf, das dann die körpereigene Energie in die entlegenen Glieder transportiert, an denen wir mit sinkenden Außentemperaturen auch ein häufigeres Frösteln feststellen können. So ist es nur recht und gut, wenn wir versuchen, uns in diesen Fällen mit einem „Einheizen“ mittels des Rosmarins zu behelfen.

Badezusatz aus Rosmarin

Blühende Pflanzenteile des Rosmarins, die des Sommers geerntet und getrocknet wurden, kann man nun nutzen. Davon zerkleinert man 150 g und übergießt sie mit 2 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. In die bereits gefüllte Badewanne leert man anschließend den abgeseihten Sud, um dann eine Weile darin zu baden. Aufgrund seiner belebenden Wirkung sollte diese Anwendung nur tagsüber und nicht am Abend durchgeführt werden.

Rosmarin ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Bei Fieber und Magenproblemen

Mit Eschenrinde natürlich helfen

Vieles ist für uns selbstverständlich, weil wir es täglich sehen, benützen oder konsumieren. Doch weiß man genauso gut, dass dies eine jähe Wende nehmen kann. Der Klimawandel führt uns momentan vor Augen, wie dies auch in unserer unmittelbaren Lebenswirklichkeit Platz greift. Gegenwärtig fallen jahreszeitgemäß die Blätter von den Bäumen. Somit wird der Blick auf bis dahin Verborgenes freigegeben, das ebenfalls zum Reichtum der natürlichen pflanzlichen Hilfen zählt, die uns noch zur Verfügung stehen. Die Esche (Fraxinus excelsior) zählt im botanischen Sinn zur Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae) und ist somit auch mit dem Flieder verwandt. Als wichtiger Laubholzbaum ist er in fast ganz Europa daheim. Jedoch breitet sich seit Beginn des gegenwärtigen Jahrhunderts eine Gefahr für die Eschen in Form eines gefährlichen Pilzes aus, die dieser Baumart zusehends zu schaffen macht. Wir erhalten mit dem Eschensterben wiederum einen Fingerzeig mehr, damit wir verstärkt das ökologische Gleichgewicht vor unserer Haustür beachten. Um die Verjüngung der Physis zu unterstützen, verwendet man in der Regel die Blätter als aufbauende und helfende Droge. Ohne das Sommerlaub steht uns jetzt bei gesunden Exemplaren der Esche vor allem die Rinde an den fingerdicken Zweigen zur Verfügung, die gerade im Herbst noch abgeschält und in getrockneter Form für die kommende kalte Zeit aufbewahrt werden kann. So lässt sich die stärkende Kraft, die in diesem schützenden Pflanzenteil steckt, dann, wann es angebracht ist, zum Einsatz bringen.

Eschenrinde aufbrühen

Von Eschenzweigen geschälte und getrocknete Rinde kann man für die Zubereitung eines Tees heranziehen. Dazu nimmt man von der zerkleinerten Droge 2 Teelöffel voll, übergießt sie mit 1/4 Liter kaltem Wasser und kocht beides miteinander kurz auf. Danach 15 Minuten ziehen lassen und abseihen. Früh und abends je eine Tasse ungezuckert uns schluckweise trinken. Das erweist sich als zielführend, wenn man eine hoch steigende Fieberkurve wiederum absenken bzw. einem schwachen Magen auf die Sprünge helfen will.

Esche ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Zu Herzen nehmen

Den Genuss von Äpfeln

Trotz allem! – so möchte ich heute gerne meine Zeilen beginnen. Denn blickt man auf die Wetterereignisse des heurigen Jahres zurück, so war vieles dabei, das nicht unbedingt zu einer gedeihlichen Entwicklung des heimischen Gemüses und des Obstes beitrug. Spätfrost, Niederschlagsausfall und Hagelschäden seien hier zur Erinnerung genannt. Ja, trotz allem möchte ich den Apfel wieder einmal vor den Vorhang bitten. Denn dort, wo die Bäume noch einmal glimpflich davonkamen, konnte und kann man auf die vorhandenen Früchte zugreifen, vor allem dann, wenn sie einem ohnehin im eigenen Garten vor der Nase hängen. Obwohl ich wahrscheinlich Eulen nach Athen trage, sei es einmal mehr betont: der Genuss des frischen Obstes versorgt uns mit Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen. Darüber hinaus bringt jeder beherzte Biss in die runde Frucht ein wenig Flüssigkeit mit sich, die der Körper regelmäßig benötigt. Der Apfel darf übrigens eine Alternative zu so manch verlockender Süßigkeit oder einem Stück Schokolade sein, die der Heißhunger zwischendurch vielleicht als Häppchen plausibler erscheinen lässt. Und noch eines: es ist besser, vorbeugende Maßnahmen zu treffen, als einen in die Krise gekommenen Leib wieder auf gesunde Schienen zu bringen. Und gerade das vorhandene Obst macht es uns leicht, quasi im Vorübergehen einen bewussten Schritt in eine gute Zukunft zu setzen. Kaum jemand bedenkt nämlich, dass das Herz der große Profiteur des Apfels sein kann. Übrigens wünsche ich den heimischen Obstbauern von Herzen ein ertragreicheres nächstes Jahr!

Das Herz stärken

Vorzugsweise der regelmäßige Genuss pektinreicher Apfelsorten wie etwa der Lederrenette, des Roten von Boskop, des Berner Rosenapfels oder des Ontario und viele andere mehr können dazu beitragen, dass das Herz eine gute Unterstützung erhält und der gesamte Körper vor allem durch eine bessere Verdauung weniger belastet wird. Es ist nie zu spät, sich für den regelmäßigen maßvollen Genuss zu entscheiden. Das macht sich vor allem im Hinblick auf ein eventuelles Infarktrisiko bezahlt.

Apfel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Das Abschlanken fördern

Haselnusszweige dafür nutzen

Was vereinigt Eichkätzchen, Eichelhäher, Kohlmeise & Co? Die herbstliche Geschäftigkeit des Sammelns. Grund dafür sind die Nüsse, die nun, wo sie heranreifen konnten, von den Bäumen fallen und somit Nachschub für den Magen und manch versteckte Vorratskammer liefern. Dies ist übrigens ebenso bei den kleineren Exemplaren der Fall, die sogar schon im grünen Stadium begehrenswert waren. Wenn für mich persönlich auch nur ein paar Haselnüsse abfallen, so gönne ich es umso mehr den futtersuchenden Tieren, sich an den herbstlichen Wohltaten zu ergötzen. Was für die Tiere zuträglich ist, kann für uns Menschen desgleichen nicht schlecht sein. So ist der Nährstoffgehalt der Haselnüsse bedeutend höher als der des Fleisches. Im Gegensatz zu Letzterem enthält Nusseiweiß kein harnsäurebildendes Purin, das wiederum für Rheuma- und Gichterkrankungen verantwortlich ist. Vom Haselnussstrauch gibt es aber noch mehr zu erhaschen als bloß die reifen Nüsse. Während des frühen Sommers lassen sich bereits die jungen Blätter sowie die noch weichen Triebe als kulinarische Besonderheit in grüne Salate integrieren. Und die männlichen Blütenkätzchen sind darüber hinaus geeignet, um damit einen Tee aufzugießen. Hier und heute möchte ich noch auf etwas Anderes abzielen. Es handelt sich dabei um die Rinde der fingerdicken Äste vom Haselnussstrauch. Im Zuge herbstlicher Säuberungsschnitte im Garten oder an Waldrändern kann es doch sein, dass eben von den früchteliefernden Birkengewächsen namens Hasel auch so einiges an entferntem Gestrüpp anfällt. Das bietet somit die Gelegenheit, von den jüngeren Zweigen die Rinde in Streifen abzulösen und sorgsam zu trocknen. Wenn man z. B. mit dem Zuviel an eigenem Körpergewicht Probleme bekommt und dieses zu verringern wünscht, darf man zur Haselrinde greifen.

Absud bei Fettleibigkeit

Will man seine Kilos reduzieren, bedarf es gewiss zu allererst einer Umstellung der Ernährungsgewohnheiten. Gleichzeitig kann man das hehre Ansinnen auch mit einem Tee begleiten. Dazu nimmt man 4 Esslöffel frische oder getrocknete zerkleinerte Rinde von Haselnusszweigen und kocht sie in 1 Liter Wasser kurz auf. Dann 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und abseihen. In eine Thermosflasche gefüllt, wird der Absud tagsüber langsam und schluckweise getrunken.

Haselnuss ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Wenn Migräne plagt

Zum Liebstöckel greifen

Ein Gang durch die mittelalterliche Literatur über Heilkräuter beinhaltet eine wichtige schriftliche Quelle, die heute wiederum mehr an Bedeutung gewinnt. Wissenschaftliche Forschungen gehen der Frage nach, inwieweit die Wirksamkeit pflanzlicher Anwendungen schon vor Jahrhunderten erkannt und angewandt worden ist. Ein Lehrgedicht, das wir unter dem lateinischen Titel „Macer floridus“ kennen und dessen Urheberschaft dem Mönch Odo Magdunensis zugeschrieben wird, ist hierfür eine wichtige Quelle. Schon darin findet sich z. B. der würzige Liebstöckel (Levisticum officinale). Unter der Bezeichnung Maggikraut vielleicht besser bekannt, steht seine Fähigkeit im Vordergrund, als Würze zu dienen. Doch sein heilender Effekt war durch die Jahrhunderte genauso von Bedeutung. So meinte Hildegard von Bingen, es sei ratsam, den Liebstöckel bei Hals- und Erkältungsbeschwerden zum Einsatz kommen zu lassen. Das ursprünglich aus Asien stammende Heilkraut gedeiht in den warmen Regionen rund ums Mittelmeer auch wild, bei uns wird es gerne in den Gärten gezogen und geerntet. Zu Heilzwecken dienen die Wurzel, die Blätter und Samen der Liebstöckelpflanze. Während der Schwangerschaft oder einer Entzündung der Nieren und Harnwege sollte man den Liebstöckel aber meiden. Was kaum jemand vermuten würde, ist die Tatsache, dass bei rheumatischen Beschwerden und sogar bei Migräne der Liebstöckel durchaus als begleitendes und linderndes Kraut in Frage kommt. Hermann-Josef Weidinger hat gerade für diese Leiden eine praktische Empfehlung gegeben. Diese möchte ich heute wieder einmal in Erinnerung rufen.

Liebstöckelwurzel-Tee

Von der zerkleinerten Wurzel des Liebstöckels nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kaltem Wasser. Danach kurz aufkochen und gleich danach abseihen, ohne den Tee ziehen zu lassen. Dann langsam und schluckweise trinken, um eine Besserung der Beschwerden bei Migräne oder bei starken rheumatischen Schmerzen herbeizuführen.

Liebstöckel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Eine schmucke Hilfe

Das Wilde Stiefmütterchen nutzen

Durchhaltevermögen ist gefragt. Bei sportlichen Wettkämpfen dürfen wir staunend mitverfolgen, zu welch bewundernswerter Leistung der menschliche Körper fähig sein kann. Bei den Zierpflanzen, die wir rund um unsere Häuser hegen und pflegen, finden wir ebenfalls Exemplare, die weit in den Herbst hinein dem Wetter trotzen. Als dankbar, weil pflegeleicht, erweisen sich in dieser Hinsicht die Stiefmütterchen in sämtlichen Variationen. Ihre Ahnen müssen selbst schauen, wie sie zurechtkommen und tun das unmittelbar in nächster Umgebung auf Feld und Flur ganz bravourös. Das Wilde Stiefmütterchen (Viola tricolor) ist jedoch weniger eine gärtnerische Zierde als vielmehr ein wichtiges Glied im Gleichgewicht der pflanzlichen Natur. Und zudem hilft es mit seinen Wirkstoffen dem menschlichen Organismus. Dazu zählen Salizylsäureverbindungen ebenso wie ätherisches Öl, Flavonoide, Gerbstoffe und Schleimstoffe. Wenn nun der Herbstputz angesagt ist, so darf man durchaus ein Scherflein dazu beitragen, damit dies nicht nur im Haus, sondern ebenso im Körper durchgeführt wird. Dort kommt es ja auch zu oft unliebsamen Ablagerungen in Form von Verkalkungen bzw. kristallinen Einlagerungen, die uns ganz schön zu schaffen machen können. Daher ist es sicher gut, hierbei Vorsorge zu treffen und auf die Reinigung der Verdauung und der Gefäße zu achten. Bei Gicht und Rheuma kann das Wilde Stiefmütterchen quasi von Kopf bis Fuß zur Unterstützung herangezogen werden. So hilft es dann den Betroffenen, ein besseres und geduldigeres Zurechtkommen mit den damit verbundenen Beschwerden zu erreichen.

Tee bei Gicht und Rheuma

Von einem Gemisch aus getrocknetem zerkleinerten Kraut bzw. Blüten des Wilden Stiefmütterchens samt den ebenso beschaffenen Wurzeln nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und abseihen. Davon können durchaus bis zu 3 Tassen über den Tag verteilt getrunken werden. Dies kann als eine natürliche begleitende Maßnahme zur Linderung der Schmerzen durchgeführt werden.

Wildes Stiefmütterchen ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Den Hals besänftigen

Mit Dillsamen helfen

Die Vegetationsperiode neigt sich schön langsam dem Ende zu. Mit Recht lassen nun Bäume und Sträucher nach und nach die Blätter fallen, haben sie sich doch einigen Herausforderungen wie etwa langen Hitzeperioden stellen müssen. So soll noch einmal ein Blick auf manches Wertvolle geworfen werden, das sogar einander sehr ähneln kann, wie wir es von der Familie der Doldenblütler her kennen. Relativ einfach ist jedoch z. B. der Unterschied zwischen Dillkraut und Fenchel zu finden. Obwohl beide ganz feingliedrige Blätter besitzen, erreicht der Fenchel eine viel stattlichere Wuchshöhe als der bescheidenere Dill (Anethum graveolens). Das Gurkenkraut, wie der Dill auch gerne genannt wird, stammt ursprünglich aus Vorderasien. Schon die alten Ägypter verwendeten das beliebte Würzmittel, das auch bei den Griechen und im Römischen Reich eine hohe Beliebtheit hatte. Beim Dill lässt sich nicht nur das grüne Kraut zum Einlegen und Anreichern verwenden. Es ist der Same, auf den ebenso unser naturheilkundliches Interesse abzielen darf. Die Wirkung dieser Pflanzendroge ist vor allem im Vorhandensein von ätherischen Ölen begründet. Ferner finden sich auch Gerbstoff, Harz, Schleim und Mineralstoffe in den Körnern vor. Selbst Vitamin C lässt sich im Dillsamen nachweisen. Mit dem angebrochenen Herbst kann es wiederum leicht passieren, dass sich durch eine Erkältung der Hals entzündet und wir uns mit den allseits bekannten Folgen dieser Infektion herumschlagen müssen. Ganz leicht wird dabei ebenfalls die Stimme in Mitleidenschaft gezogen. Beim Dill finden wir gleichsam eine gute Adresse, wenn es gilt, dem Hals samt der Stimme eine Unterstützung zukommen zu lassen.

Dillsamen-Aufguss zum Gurgeln

Falls der Hals kratzt oder schmerzt und der Kehlkopf entzündet ist, kann man zu einem bewährten Hausmittel greifen. Dazu nimmt man 2 Teelöffel Dillsamen und gießt diesen mit 1/4 Liter kochendem Wasser auf. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und hernach abseihen. Erreicht dieser Aufguss eine annehmbare Temperatur, dann verwendet man denselben zum Gurgeln untertags.

Dill ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





An Händen und Füßen

Königskerzen helfen entspannen

Kein Wesen auf der Erde, das Teil der wunderbaren Schöpfung ist, hat es verdient, von uns Menschen als unnütz bewertet zu werden. Nur allzu leicht könnte es dann passieren, dass wir sehr selektiv vorgehen und somit dafür verantwortlich wären, wenn das Gleichgewicht der Natur ins Wanken gerät. Und gewiss ist das schon in einem erschreckenden Ausmaß passiert. So wollen wir uns dankbar einer Pflanze zuwenden, die uns sehr wohl viel Gutes weitergeben kann. Es ist die Großblütige Königskerze (Verbascum densiflorum). Mein Vorgänger Hermann-Josef Weidinger schrieb einst über sie Folgendes: „Die aufrechte Königskerze vermag falsches Feindbild wegzuräumen, weil ihr erhabener Pflanzencharakter alles Niedrige, Beleidigende, Unwürdige abzubauen weiß. Die Wollblume (= andere Bezeichnung für Königskerze) bewahrt sich vor dem holzigen Erstarren durch reichliche Bildung von Schleim, welcher die ganze Pflanze bis in die Blütensubstanz durchdringt. Die Blütenkerze ist das ,königliche‘ Haupt, das sich selbstbewusst erhebt.“ Die unterstützenden Wirkungen, die in der Königskerze drinstecken, können als erweichend, auswurffördernd, hustenstillend und harntreibend bezeichnet werden. Darüber hinaus ist es möglich, eine beruhigende Effektivität von diesem Gewächs entgegenzunehmen. Das ist gar nicht so schwer. Es sind vor allem die Extremitäten wie Hände und Füße, die tagsüber mit allem möglichen in Berührung kommen und die eine oder andere Strecke hetzen müssen. Es ist dann wohltuend, wenn gerade dort eine Ableitung herbeigeführt wird, die uns zur Ruhe kommen lässt.

Hand- und Fußbad zur Beruhigung

Von vorhandenen getrockneten Königskerzenblüten nimmt man 5 Esslöffel voll und überbrüht sie mit 3 Liter kochendem Wasser. Dann ca. 10 bis 15 Minuten ziehen lassen, mit kaltem Wasser temperieren und ein warmes Hand- oder Fußbad nehmen. Nach 15 Minuten beenden. So kommt eine wohltuende Entspannung zustande, die mithilft, leichter in den Schlaf zu gleiten und somit die Last des Tages gut hinter sich zu lassen.

Großblütige Königskerze ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Haut umsorgen

Die Wilde Karde nutzen

Warum kann mir das eine oder andere Kraut helfen? – Diese Frage ist besser geeignet, um sich einer Pflanze zu nähern, als zu sagen: Was nützt mir dieses Gewächs? Denn immerhin lässt es dem wurzelnden Geschöpf mehr Platz für Respekt und Achtung unsererseits. Andernfalls bestimmt zu sehr mein momentanes Bedürfnis den Wert eines Heilkrautes. Dabei kann man sehr leicht noch andere vorhandene Vorzüge übersehen. Wenn ich so meinen Blick in meinem Pfarrhofgarten schweifen lasse, dann fällt er unausweichlich auf einen stacheligen Gesellen, der sich dort sehr wohl fühlt: die Wilde Karde (Dipsacus fullonum). Diese Pflanze der Familie der Geißblattgewächse kann bis zu 2 Meter hoch werden. Im ersten Jahr bildet sich eine Grundrosette aus Blättern, erst im zweiten Jahr treiben verzweigte Blütenstängel. Auf den walzenförmigen Blütenständen schiebt sich von Juli bis August ein Kranz von kleinen violetten Blüten von unten nach oben. Die Schmetterlinge schaffen es mit ihren langen Rüsseln, an den darin verborgenen Nektar zu gelangen, um so mitzuhelfen, dass sich Samen bilden können. Die Blätter der Karde sind lanzettförmig und rau behaart. Werden die frisch blühenden Pflanzenteile von der Homöopathie gerne zum Herstellen von Präparaten verwendet, hat die Volksheilkunde mehr Erfahrung in der Verwendung der Wurzel der Karden. Diese werden im Herbst des ersten Wuchsjahres der anmutigen Schmuckpflanzen geerntet. Nachdem man sie ausgegraben hat, trocknet man die Wurzeln, um sie anschließend in zerkleinertem Zustand in gut verschlossenen Gefäßen aufzubewahren. Obwohl die Wilde Karde ein sehr wehrhaftes Äußeres besitzt, darf ich sie ruhig an meine Haut heranlassen. Dies ist vor allen dann ratsam, wenn sich Entzündungen einstellen oder Akne vorübergehend zum Problem wird.

Ein Tee für innen und außen

4 volle Esslöffel getrockneter und zerkleinerter Kardenwurzeln werden in 1 Liter kaltem Wasser zugestellt, 10 Minuten aufgekocht und abgeseiht. 1/4 Liter davon morgens auf nüchternen Magen trinken. Den Rest in eine Thermosflasche füllen und 1/4 Liter abends vor dem Schlafengehen einnehmen. Mit dem verbleibenden Tee wird bei Akne das ganze Gesicht bzw. entzündete Hautstellen gründlich und langsam gewaschen. Lauwarm nachwaschen und mit verdünnter Arnikatinktur einreiben.

Wilde Karde ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya