Kostbares Erntegut

Goldmelisse hat beruhigende Ausstrahlung

Jetzt im Herbst wird generell Bilanz gezogen, wie gut oder wie schlecht die Ernte des heurigen Jahres ausgefallen ist. Dabei steht wohl das Getreide im Vordergrund, das großflächig auf den Äckern herangereift ist und mithilfe von Mähdreschern eingebracht werden konnte. Auch beim Obst und bei den Weintrauben wurde schon eine Menge in Richtung Verwertung geleitet. Kaum jemand bedenkt aber, dass die verschiedenen Heilkräuter ebenfalls vom Wetter abhängig sind. Und so ist es nicht selbstverständlich, dass am Ende auch genug aufgearbeitet werden kann. Die Blüten der Goldmelisse (Monarda didyma) etwa, die vielfach in der warmen Jahreszeit unsere Gärten zieren, sind bei Kennern sehr begehrt. Und man braucht eine hinreichende Menge, damit man sie später für das Wohl von Leib und Seele nutzen kann. Um die Blütenblätter zumindest für ein Jahr haltbar zu machen, genügt es, sie nach dem Pflücken sorgfältig zu trocknen und vor Feuchtigkeit geschützt aufzubewahren. Dadurch erhalten sich ihre wertvollen Inhaltsstoffe wie Thymol, Geraniol, ätherisches Öl und Gerbsäure. Ein weiterer Weg, der zum Konservieren derselben geeignet ist, besteht darin, die Pflanzenteile mithilfe von Alkohol zu extrahieren und so gebrauchsfertig über längere Zeit verfügbar zu haben. Vielleicht ist es ja ganz ratsam, sich ein beruhigendes Hausmittel anzusetzen, um noch in den kommenden Monaten davon zu profitieren. Der Vorteil eines alkoholischen Auszuges, der mit der Goldmelisse angesetzt wird, besteht darin, dass man ihn sowohl innerlich als auch äußerlich zum Einsatz kommen lassen kann. Es ist gar nicht schwer, sich selbst mit guter Kräuterware zu beschäftigen und eigenhändig für die Gesundheit etwas zu tun.

Beruhigender Goldmelissen-Ansatz

100 g getrocknete Blüten der Goldmelisse, die man selbst vorrätig hat oder im Fachhandel erwerben kann, werden in 1 Liter ca. 40%igem Alkohol angesetzt und 14 Tage in einem verschlossenen Glas auf der Fensterbank ausgezogen. Danach einfach abseihen und fertig ist der aromatische Kräuterauszug. Um den Magen zu beruhigen, kann man vor der Hauptmahlzeit ein Stamperl voll ev. mit etwas Wasser zu sich nehmen. Zur Hautpflege hingegen verwendet man denselben als Einreibung. Über die Haut wirkt dieser Schnaps ebenfalls beruhigend. www.kraeuterpfarrer.at

Goldmelisse (Monarda didyma) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Besser zu sich selbst finden

Mit dem Dost unterstützen

Es ist für mich immer wieder spannend, im Rahmen der Beschäftigung mit Heilkräutern die vielfachen Dimensionen aufzuspüren, die mit diesem Interessensgebiet in Verbindung stehen. Denn es geht dabei ja nicht um eine bloße Verabreichung von Wirkstoffen, geschweige denn ausschließlich um das Würzen von feinen und auch deftigen Gerichten. Hinter der praktisch angewandten Pflanzenkunde samt überlieferter Volksmedizin steckt viel mehr. Deswegen ist es wichtig, auch das seelische Gemütsleben mit den Kräften der Natur in Verbindung zu bringen. So will ich uns einmal mehr den Dost (Origanum vulgare) ins Gedächtnis rufen, der auf wunderbare Weise unser Leben bereichern, ergänzen und begleiten kann. Ich bin immer wieder sehr froh, dem liebenswerten Lippenblütler an vielen Weg- und Straßenrändern meiner Heimat ansichtig werden zu dürfen. Bei einem Spaziergang zupfe ich gerne ein Blatt vom Dost ab, der ja auch als Oregano bzw. Wilder Majoran bezeichnet wird. Beim Zerreiben zwischen den Fingern erkennt die Nase das typische Aroma des würzenden Gewächses. Diese sinnliche Wahrnehmung gibt auch einen Verweis auf das Vorhandensein von ätherischen Ölen im Dost. Darüber hinaus sind noch Harze, Bitter- und Gerbstoffe in seinen grünen Wuchsteilen eingespeichert. Führt man sich dieses Heilkraut zu Gemüte, so muss das nicht ausschließlich durch das Verzehren einer Pizza passieren, worauf der Dost als Beigabe gestreut wurde. Es lässt sich auch ein Tee mit diesem Kraut aufgießen, der eine gute Wirkung auf die Verdauung hat. Gleichzeitig profitiert der seelische Zustand des Menschen davon. Wir dürfen uns immer als Einheit von Leib, Geist und Seele sehen. Die Pflanze des Wilden Majorans kann durchaus mithelfen, dass genau diese wichtigen Größenordnungen in einer guten Balance miteinander harmonieren.

Abendlicher Tee

Vom getrockneten und zerkleinerten blühenden Kraut des Dosts nimmt man 2 Teelöffel voll. Mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen und 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Dann abseihen und auf Trinktemperatur auskühlen lassen. Nach dem Abendessen zum Tagesabschluss schluckweise zu sich nehmen. Das fördert eine gute Verdauung und wirkt ausgleichend auf unser Gemüt. Besänftigt eine übermäßige „Ich-Kraft“ und führt sie in Richtung Vernunft, um Kräuterpfarrer Hermann-Josef Weidinger zu zitieren. www.kraeuterpfarrer.at

Dost oder Oregano (Origanum vulgare) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Beleben und erfrischen

Rosmarin kann beides herbeiführen

Der Beruf und die damit verbundene Arbeit können uns ziemlich in Schach halten. Immerhin wird von uns eine zeitgerecht erbrachte Leistung gefordert, nicht minder von Schülern und Studenten, die wohl gegenwärtig nur mehr von den Ferien träumen können. Zugleich muss auch gesagt werden, dass es ein Privileg ist, einen Arbeitsplatz zu haben und sich qualifiziert weiterbilden zu dürfen. Und dennoch verlangt alles Kraft und Energie, die letztlich auch am körperlichen Elan zehrt. Gottlob gibt es auch in diesem Fall die Kräuter. Der Lippenblütler Rosmarin (Rosmarinus officinalis) ist ein mediterraner botanischer Geselle. In der angestammten Heimat kann er auch die Phasen des Winters überdauern. Bei uns jedoch ist es notwendig, ihn als Kübel- oder Topfpflanze zu ziehen, um den duftenden Zwergstrauch vor frostigen Temperaturen, vor Schnee und Eis zu schützen. Doch noch ist es nicht soweit. Es besteht daher die Möglichkeit, einen wohltuenden Nutzen von dem Sonnenliebhaber abzuschöpfen. Zu den Inhaltsstoffen des Rosmarins zählen Terpene und ätherisches Öl sowie Kampfer, Bitter- und Gerbstoffe. Die Blätter des duftenden Gewächses eignen sich nicht nur als Gewürz für köstliche Bratengerichte, sie sind auch förderlich einerseits für die Erfrischung der Haut und andererseits für die Durchblutung derselben. Momentan dürfte es ganz gut sein, wenn wir genau jene Effekte in Anspruch nehmen. Das kann durchaus in Form einer kurzen Massage passieren, im Zuge derer die Haut abgerieben und mit dem Rosmarin in Kontakt gebracht wird. Und Essig spielt dabei überdies eine tragende Rolle.

Rosmarin-Essig für die Haut

In eine leere Literflasche führt man 3 blühende Zweiglein vom Rosmarinstrauch ein und füllt sie hernach mit einem guten Weinessig auf. 8 Tage bleibt die Flasche samt Inhalt verschlossen auf einer Fensterbank stehen. Danach einfach kühl lagern, ohne die Pflanzenteile abzuseihen. Für eine Hautabreibung gibt man 2 Esslöffel davon auf einen feuchten Lappen und massiert den ganzen Körper damit ein. Diese durchblutungsfördernde Maßnahme wirkt sich sowohl kühlend als auch belebend auf die Haut aus. www.kraeuterpfarrer.at

Rosmarin mit Blütendetails (Rosmarinus officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Sich rundum pflegen

Heidekraut für das Sitzfleisch

Wer weiß, wie lange uns in diesem Jahr ein goldener Herbst beschieden sein wird. Ein paar sonnige Tage mehr können angesichts der hinter uns liegenden verregneten Monate sicher nicht schaden. Aber es kommt wie es kommt. Kälter wird es auf jeden Fall. Und das tut wiederum der Natur gut, die sich so besser nach dem Sommer ausruhen kann. Unsereins darf sich dann wieder in die bergenden und beheizten vier Wände zurückziehen. Das Heidekraut (Calluna vulgaris) kennt weder schützendes Gemäuer noch einen Ofen in der Nähe. Es stellt sich Wind und Wetter. Selbst sein Blühen lässt es sich bei derlei Bedingungen nicht nehmen. Vergleicht man das Heidekraut etwa mit menschlichen Verfassungen, so ist die Besenheide (andere Bezeichnung für das Gewächs) sicher ein Geselle, der sich kaum entmutigen lässt. Daher setzt man es auch ein, um bei einem geschwächten oder verfinsterten Gemüt einen Aufguss aus seinen blühenden Triebspitzen zu trinken, um so die Stimmung zu heben und das Selbstwertgefühl zu festigen. Mit seinen Gerbstoffen tut es im Übrigen auch der Haut gut, die von dem Kontakt mit dem robusten Gewächs ganz sicher einen kräftigenden Profit davonträgt. Das gilt zusätzlich für die Zone, die mit eigenen Augen ohne die Hilfe eines Spiegels nur schwer einsehbar ist. Ohne große Umschweife zu machen, meine ich damit das Gesäß. Auch dort darf die Pflege stattfinden, die sich nicht nur in der Verwendung von Toilettenpapier erschöpfen sollte. Gerade in der kalten Jahreszeit ist es möglich, den Darmausgang zu unterstützen, indem man sich ins Nasse setzt. Keine Sorge, die Wassertemperatur darf bei diesem Unterfangen durchaus angenehm warm sein.

Sitzbad für Gesäß und After

Um die Sitzflächen und den After zu pflegen, der zeitweise von einem Juckreiz geplagt werden kann, gönnt man sich am besten ein Sitzbad. Dazu werden 50 g getrocknete und zerkleinerte blühende Heidekrauttriebe mit 2 Liter kochendem Wasser übergossen. 1/4 Stunde ziehen lassen, abseihen und dem Badegefäß mit ziemlich warmem Wasser hinzugießen. 15 Minuten das Sitzbad durchführen. Gut abtrocknen und die Aftergegend abschließend mit etwas Rosskastanienöl einreiben. www.kraeuterpfarrer.at

Heidekraut oder Besenheide (Calluna vulgaris) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Vorräte schaffen

Gedörrte Zwetschken einlagern

Wir können von der Natur, die uns umgibt, so vieles lernen. Gerade im Herbst ist es angesagt, die Augen für die Vorgänge zu öffnen, die sich rund um uns abspielen. Die meisten Individuen der Vegetation sind nun schon merklich auf ihrem Rückzug. Sie verlagern ihre Kräfte nun wieder mehr in ihre Wurzeln. So können sie besser im nächsten Frühjahr durchstarten. Die Obstbäume bringen die Früchte zur Reife, damit andere etwas davon haben. Dazu zählen auch die Zwetschkenbäume (Prunus domestica), die ihre tiefblauen Gaben zu Boden fallen lassen. Gerne verkoste ich diese, wenn sie süß und saftig sind. Und das tut wiederum meiner Verdauung gut. Für uns alle gilt es wohl, eine vitale Konstitution des Magens und zugleich des Darmes anzustreben und diese zu erhalten. Obst spielt in dieser Hinsicht eine äußerst bedeutende Rolle. Die Zwetschken, die schon seit längerer Zeit von manch exotischen Früchten von den Haushalten verdrängt wurden, dürfen aber nicht in Vergessenheit geraten. Sie sind uns sicher näher als viele andere Köstlichkeiten dieser Art, die, bevor sie auf unserem Tisch landen, bereits die Erfahrung eines Fluges oder einer weiten Schifffahrt hinter sich haben. Zwetschken enthalten viele wertvolle Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe. Diese sollten wir uns auch für die nächsten Monate sichern, um einen gesunden Vorrat im eigenen Haus zu haben. Sowohl im Backrohr als auch in eigenen Dörrautomaten ist es möglich, die frisch geernteten und aufgeschnittenen Köstlichkeiten bei ca. 50 bis 60°C zu dörren. Wer das noch nicht getan hat, kann sich gewiss einen guten Rat aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis dazu holen. Zwetschken in getrockneter Form sorgen u. a. auf natürliche Weise dafür, dass unsere Nahrung von der Aufnahme bis zum Ausscheiden in rechter Weise vorankommt.

Für einen trägen Darm

20 Stück Dörrzwetschken über Nacht in Wasser einweichen. Am nächsten Tag aufkochen und dann durch ein Sieb treiben. Zu dem so entstandenen Brei fügt man 2 Esslöffel Weizenkleie hinzu und verrührt beides gut miteinander. Um die Verdauung zu unterstützen und einen harten Stuhl aufzuweichen, nimmt man den Tag über jede Stunde einen Esslöffel voll davon ein. Dadurch wird eine Darmträgheit vermindert und der Organismus gleichzeitig mit Vitaminen versorgt. www.kraeuterpfarrer.at

Zwetschken (Prunus domestica) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Vorteile für die Haut

Die Birke hat pflegende Kraft

Grenzen rücken momentan wieder mehr ins Bewusstsein als sonst. Durch die Beschränkungen der Reisefreiheit überlegen wir uns wahrscheinlich ganz gut, ob wir in ein anderes Land fahren wollen oder nicht. Viele verbrachten daher heuer den Urlaub auf österreichischem Territorium, was übrigens auch aus ökologischen Überlegungen durchaus zu begrüßen ist. Jeder Körper ist ja ebenso auf die Maße beschränkt, die unsere Haut als Eingrenzung eindeutig vorgibt. Bei einem Baum wiederum wie der Birke (Betula pendula) ist es die Rinde, die als eine vergleichbare Schutzzone fungiert. Sobald der Stamm die typische weiße Farbe annimmt, lassen sich dort ganz feine papierähnliche Schichten in Streifenform abziehen, die einmal mehr einen Verweis auf die menschliche Haut liefern. Bei der menschlichen Schutzschicht unterscheiden wir ganz verschiedene Typen. Ist diese äußerst trocken, so beginnt sie an mehreren Stellen zu schuppen. Die davon Betroffenen werden auch eher über einen Juckreiz klagen als jene mit einer fettigeren Leibesoberfläche. Die Hängebirke, die u. a. ebenfalls als Weißbirke bezeichnet wird, liefert alljährlich eine grüne Blätterpracht, die gerne für Heilzwecke verwendet wird. In ihnen sind wertvolle Flavonoide eingelagert wie auch Gerbstoff und verschiedene pflanzliche Säuren. Ein Tee, den man mit dem Birkengrün aufgießt, erweist sich nach dem Trinken als harntreibend und somit als reinigend für Blut und Nieren. Weniger bekannt ist da schon die Tatsache, dass dieser Aufguss ebenso die Absonderung des Gallensekretes fördert und somit der Verdauung zugutekommt. Doch bleiben wir diesmal bei der Haut, die sicher für eine unterstützende Maßnahme dankbar ist.

Birkenblätter aufgießen und nutzen

Für eine sehr trockene und empfindliche Haut kann man eine einfache Maßnahme ergreifen. Aus getrockneten und zerkleinerten Blättern der Birke bereitet man einen Aufguss zu. Für 2 Esslöffel der Blattdroge verwendet man 1/2 Liter kochendes Wasser zum Überbrühen. Dann 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Einen Teil davon trinkt man über den Tag verteilt ungesüßt als Tee. Mit dem anderen lauwarmen Teil reibt man unter Zuhilfenahme eines Waschlappens die Haut ab. www.kraeuterpfarrer.at

Birkenzweige mit Blättern und Blüten (Betula pendula) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Oft braucht es nicht viel

Eine Tasse Kamillentee

Sobald jemand über seine eigenen Finanzen das Verfügungsrecht zugesprochen bekommt, bedeutet dies einen großen Schritt in Richtung Freiheit und Autonomie. Wahrscheinlich wissen viele noch, was sie sich mit ihrem ersten selbst verdienten Geld angeschafft haben. Aber gleichzeitig weiß man auch um die Grenzen eines Kontos und einer Geldbörse. Bescheidenheit und Sparsamkeit helfen sicher ganz gut, damit man nie mit leeren Taschen dasteht. Im Hinblick auf die Gesundheit gilt ähnliches. Dabei heißt das Stichwort jedoch Vorbeugen. Heute möchte ich die Kamille (Matricaria chamomilla) aus den reichgefüllten Reservoiren der grünenden und blühenden Natur herausgreifen. Mit ihr kann man sich ab und zu etwas Gutes tun, ohne dafür einen hohen finanziellen Aufwand betreiben zu müssen. Dieser Korbblütler ist ohnehin vielen vertraut. Seine verwandten Arten trifft man oft bei Spaziergängen an. Doch wächst die Echte Kamille mittlerweile auch auf Ackerflächen als Beikraut. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet lag aber eher im Süden und Osten unseres Kontinentes. Ätherisches Öl, Flavonoide und Cumarine zeichnen dieses Gewächs als Inhaltsstoffe aus. Und seit eh und je hat man es vor allem auf die Blüten als die eigentliche verwendbare Droge der Kamille abgesehen. Diese gilt es meiner Meinung nach nicht bloß in Zeiten von Beschwerden und Krankheiten zu nutzen. All jene, die etwa gerne einen Kräutertee trinken, können sich ab und zu eine Tasse Kamillentee gönnen. Immerhin profitiert die Verdauung davon, da so der Magen und die Gedärme von innen her gewärmt werden. Das erweist sich sicherlich in den nassen und kalten Monaten, die auf uns zukommen, als vorteilhaft. Wer öfter unter Blähungen leidet, ist mit einem Aufguss aus Kamillenblüten ebenfalls gut beraten, weil damit die Winde abgetrieben werden.

Kamillenblüten aufbrühen

Von getrockneten Blüten der Echten Kamille nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Auf Trinktemperatur abkühlen lassen, ehe man den Tee schluckweise zu sich nimmt. Das tut der Verdauung gut und beruhigt zudem die Nerven. Nicht mehr als 3 Tassen pro Tag davon trinken und nach 3 Wochen Anwendung pausieren. www.kraeuterpfarrer.at

Kamille (Matricaria chamomilla) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die verlorene Ruhe finden

Lindenblüten strahlen sie aus

Es wäre sicher einmal interessant, in ein Fundbüro gehen zu können, um sich dort einfach alle Sachen anzusehen, die von ehrlichen Findern hingebracht wurden und die schon lange darauf warten, von ihren Besitzern abgeholt zu werden. Doch gibt es auch vieles, was wir dort vergeblich suchen würden. Gelassenheit, Entspannung und Ruhe sind auf einem anderen Weg zu erreichen. Gewiss dürfen wir hierfür unsere Seele und unseren Geist als Spürhunde verwenden, die uns auf die richtige Fährte setzen. Aber darüber hinaus gibt es auch Pflanzen, die mithelfen können, in Richtung einer erhöhten Ausgeglichenheit zu gehen. Eine davon ist die Linde (Tilia), die ohnehin zu den beliebten heimischen Baumarten zählt. Sie steht oft großgewachsen und reich an Lebensjahren da, um einen besonderen Ort zu markieren oder eine alte Straße in Form einer Allee zu beschatten. Vielerorts wird sie zudem neu gepflanzt, damit wieder mehr Grün in die Städte kommt. Am ehesten werden wir auf die Bäume aufmerksam, wenn sie in voller Blüte stehen und einen angenehmen Duft in die nähere und weitere Umgebung verströmen. Das zieht auch tausende von Bienen an, die dort ihr Sammelgut finden. In den Blüten selbst sind aber auch Wirkstoffe wie Flavonoide, Glykoside, Schleim- und Gerbstoffe sowie ätherisches Öl vorhanden. Sicherlich kennen viele von den Kräuterkundigen die schweißtreibenden Effekte, die das Trinken eines Lindenblütentees hervorzurufen vermag. Das ist ja in Grippezeiten nicht das Schlechteste. Aber von den kleinen Wuchsteilen des großen Baumes gehen auch beruhigende Wirkungen aus. Somit kann ich heute einmal mehr einen Badezusatz empfehlen, wenn man nach Ruhe und Ausgleich Ausschau hält. Es sollte einem wert sein, die nötige Zeit dafür aufzuwenden, die es braucht, um diese Maßnahme durchzuführen. Das sind nämlich dann sicher keine vergeudeten Minuten, sondern vielmehr eine Wohltat für Leib und Seele.

Lindenblüten-Bad

200 g getrocknete Lindenblüten werden mit 3 Liter kochendem Wasser übergossen. 2 Stunden lang zugedeckt stehen lassen und danach abseihen. Der Ansatz wird dann in die bereits mit warmem Wasser gefüllte Wanne geleert, ehe man hineinsteigt und 20 Minuten darin badet. Diese Anwendung empfiehlt sich vor allem für nervöse Menschen. Sie bringt die verlorene Ruhe wieder zurück. Auch gut zur Linderung von Schmerzen eines Schockzustandes. www.kraeuterpfarrer.at

Lindenblütenzweig (Tilia) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Vorausschauend denken

Rosskastanien ernten und nutzen

Kaum ein Tag vergeht, an dem man nicht neue Schlagzeilen lesen würde, die von allem Möglichen berichten. Meist sind es keine guten Nachrichten, sondern eher News über Katastrophen, Unfälle oder kriminelle Machenschaften. Gottlob gibt es aber auch viel Positives sowie Berichte von Erfolgen und sportlichen Siegen. Unter diesen Neuigkeiten findet sich wahrscheinlich gar keine Bemerkung über den jährlichen Ertrag, der von den Rosskastanien (Aesculus hippocastanum) erzählt. Nun, das muss auch nicht sein. Wichtig ist jedoch, dass wir deren Reife, die in einigen Wochen einsetzt, nicht übersehen, sondern schon jetzt vorausschauend denken. Denn bei den Früchten der Rosskastanien handelt es sich ja nicht bloß um ein Kinderspielzeug oder ein Futter für hungrige Tiere im Winter. Schon lange weiß man um den Vorteil, der in den herbstlichen Gaben mit glänzend brauner Schale steckt. Neben verschiedenen Säuren und Bitterstoffen finden sich darin auch Aesculin und Saponine. Damit in Verbindung stehen sowohl schmerzlindernde als auch zusammenziehende und gefäßstärkende Effekte. Bei verschiedensten Beschwerden ist es klug, sich die Rosskastanie zur Partnerin zu wählen, um damit begleitend zu agieren. Und von dieser Freundschaft sollte man das ganze Jahr über etwas haben. Also ist es sicher gut, sich rechtzeitig so manches Hausmittel herzustellen, das man auch dann verwenden kann, wenn die Saison der von den Bäumen kullernden Rosskastanien längst vorüber ist. In Form eines Ölauszugs bzw. eines alkoholischen Ansatzes ist es wohl am einfachsten, sich der Wohltaten der Natur zu bedienen.

Tinktur und Öl

Frische und reife Rosskastanien schneidet man zuerst mitsamt der braunen Schale in Stücke, ehe man sie durch einen Fleischwolf dreht. Von der entstehenden Masse nimmt man 250 g und setzt sie in 1 Liter kaltgepresstem Olivenöl bzw. in 1 Liter 75%igen Ansatzalkohol an. Die beiden Ansätze 14 Tage lang in einem verschlossenen Glas ins Fenster stellen. Danach abseihen und in separate Fläschchen füllen. Kühl und dunkel lagern. Abwechselnd zum Einreiben verwenden bei Rheuma, Gicht, Arthritis, Bandscheibenschäden, Hämorrhoiden und Krampfadern, um die Beschwerden zu lindern und den Heilungsprozess zu begleiten. Rosskastanien-Ölauszug und Rosskastanien-Hautwasser erhalten Sie im Kräuterpfarrer-Zentrum: Tel. 02844/7070; E-Mail: bestellung@kraeuterpfarrer.at bzw. im Webshop: www.kraeuterpfarrer.at

Rosskastanie mit Blüten und Früchten ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Wohltat für den Kopf

Die Brennnessel in der Volkskosmetik

Pflanzen sind – wörtlich genommen – eine permanente Begleiterscheinung. Überall dort, wo wir uns bewegen bzw. auf den Weg machen, steht das Grün der Natur. Gewiss sind davon sterile und zubetonierte Innenareale ausgenommen. Aber wer würde sich schon gerne und freiwillig da aufhalten wollen? Die Wissenschaft bestätigt zunehmend den wohltuenden und vor allem gesundheitsfördernden Effekt, der allein schon davon ausgeht, wenn der Mensch die Pflanzen zu sehen bekommt, wie etwa nach einem Heilungsprozess im Anschluss an eine Operation. Manche Gewächse drängen sich richtig auf. Dazu zählt wohl sicher die Große Brennnessel (Urtica dioica). Sie schafft es immer wieder, brache Flächen zu erobern und dort flugs die Herrschaft zu übernehmen. Meiner Meinung nach steckt in ihnen eine kaum zu bändigende Lebenskraft. In den Blättern finden sich neben wertvollen Mineralstoffen auch Flavonoide, Fol- und Kieselsäure. Ganz vielfältig lässt sich das Heilkraut im Haushalt anwenden. Sehr bekannt ist ja ein eigens mit Brennnesselblättern zubereiteter Spinat, der vor allem zu den Köstlichkeiten des Frühlings zählt. Heute möchte ich jedoch die Aufmerksamkeit in Richtung Kopf lenken. Immerhin betreibt man in der Regel recht viel Aufwand, um die dort vorhandene Haarpracht zu trimmen, zu waschen und zu pflegen. Die Frisur braucht aber ebenso ein gutes Fundament in Form eines gesunden Haarbodens. Und dieser spricht in der Regel auf die Brennnessel hervorragend an. So möchte ich aus dem Schatz der überlieferten Hausmittel diesmal einen kosmetischen Tipp weitergeben, der den Haaren zugutekommt.

Haarpflege mit Brennnesseln

100 g feingeschnittene Brennnesseln werden vorerst mit 1/2 Liter kochendem Wasser übergossen. Bis zum Erkalten ziehen lassen und dann abseihen. Weiters gießt man 1/3 Liter 5%igen Apfelessig dazu und füllt das Ganze in eine Flasche. Bevor man den Kopfboden damit einreibt und massiert, wärmt man das Brennnessel-Haarwasser auf 38° C auf. Am besten 10 Tage hintereinander abends die Kopfhaut damit einreiben, um dieselbe zu stärken. Das kann den Haarwuchs festigen und die Haare selbst geschmeidiger werden lassen. www.kraeuterpfarrer.at

Echte Goldrute (Solidago virgaurea) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya