Von außen nach innen

Mit Walderdbeerblättern baden

Unlängst habe ich noch im Rahmen einer Predigt über das Wort „erinnern“ sinniert. Es ist meiner Meinung nach ganz nützlich, über die verschiedenen Bedeutungen eines Begriffes in unserer Muttersprache und auch in fremden Sprachen nachzudenken. Und bei der Erinnerung handelt es sich doch wortwörtlich um den Vollzug, etwas von außen Kommendes und Erlebtes ins Innere des Geistes und des Gedächtnisses zu bringen bzw. von dort wieder herauszuholen. Heute möchte ich mich mit Ihnen, die Sie diese Zeilen lesen, an die Walderdbeere (Fragaria vesca) erinnern. Denn dieses Gewächs läuft – bildlich gesprochen – in unserem Gartenalltag nebenher. Dort, wo man nicht viel Hand anlegt und den Boden auch nicht intensiv pflegt, wie etwa auf einer Beetfläche, siedelt sie sich bald an und breitet sich von alleine aus. Da müssen wir nicht viel dazu tun. Die Walderdbeere mag eben so manche brach liegende Fläche und den Bereich am Rande von Hecken. Die Früchte, die wohl ein jeder kennt, besitzen gegenüber den großen Kulturerdbeeren ein wesentlich intensiveres Aroma. Doch bleiben wir heute bei den Blättern des wertvollen Gewächses. Sie spielen in der Naturheilkunde eine nicht unwesentliche Rolle. Durch ihren Gehalt an Gerbstoffen und Mineralsubstanzen wirken sie sich sehr förderlich auf die Verdauungstätigkeit und die mit ihr verbundenen Organe aus. Dieser Vorteil lässt sich aber auch für die Haut abschöpfen. Man wusste schon seit alters her, dass man die Blätter der Walderdbeere für die Festigung des menschlichen Wohlbefindens verwenden kann. Das ist eben dann im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte in Vergessenheit geraten. Mit einem praktischen Tipp darf ich heute dieses Wissen wieder einmal aktualisieren.

Erfrischender Badezusatz

Von getrockneten und zerkleinerten Blättern der Walderdbeere nimmt man eine Menge zwischen 50 und 100 g und gießt diese mit 2 Liter kochendem Wasser auf. 20 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Den Absud gießt man danach gleich in die bereits mit warmem Wasser gefüllte Badewanne und badet 1/4 Stunde darin. Diese Anwendung zeitigt durch ihren zusammenziehenden und reinigenden Effekt eine erfrischende Wirkung und unterstützt gleichzeitig die Darmfunktion.

Walderdbeere mit Blüten und Früchten (Fragaria vesca) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Würzig und pflegend

Melisse für Magen und Haut

Manchmal ist es durchaus angebracht, sich mit seiner Fantasie in ganz außergewöhnliche Vorstellungen hineinzubegeben. Das fällt gewiss Kindern oft leichter als Erwachsenen. Doch was im wachen und oft sorgenbehafteten Tagesgeschäft nicht möglich ist, das erledigt unser Geist beim Träumen. Auf diese Weise ist es dann möglich, sich in die Rolle eines Salatblattes hineinzudenken, das wohlgepflegt auf dem Hochbeet heranwächst und sich zuletzt in einer Salatschüssel wiederfindet, ehe es genussvoll verzehrt wird. Da gehört unbedingt ein gutes Dressing dazu. Wenn sich die heutigen Zeilen um die Melisse (Melissa officinalis) drehen, dann dürfen wir ruhig auf den Boden der Realität zurückkehren. Denn immerhin liegt vor uns die Tatsache, dass wir in dem aromatischen und wohlduftenden Kraut eine probate Unterstützerin an unserer Seite haben, die uns hilft, das Leben mit wohltuenden Akzenten zu versehen. Der Lippenblütler Melisse kann ganz leicht im eigenen Garten gezogen werden. Sobald die Blätter in reicher Zahl vorhanden sind, geht man daran, diese für die Küche zu verwerten. Gerne werden sie als Dekoration am Teller verwendet. Das ätherische Öl, das sich in den Pflanzenteilen der Melisse befindet, hat nicht nur einen angenehmen Duft, sondern wirkt zugleich auch beruhigend und ausgleichend. Daher ist es nur recht und gut, wenn ein Tee mit diesem Heilgewächs aufgegossen und konsumiert wird, um nervöse Zustände zu begleiten. Die frischen Blätter eignen sich zudem dafür, einen Essig aufzubessern. Dieser kann für Speisen genauso verwendet werden wie auch für die Pflege der Haut. Es benötigt wiederum die eingangs angesprochene Fantasie, um so die Melisse wirksam anzuwenden.

Melissen-Essig

In eine Flasche mit Obstessig gibt man ca. 5 bis 7 schöne Melissenzweige und lässt dies 14 Tage an einem hellen Platz stehen. Danach ist dieser Essig schon gebrauchsfertig. Er wird als Ergänzung eines Salatdressings zum Einsatz gebracht. Mit Wasser verdünnt kann er überdies für Hautwaschungen verwendet werden. Das verleiht unserer äußeren Schicht einen guten Teint und wirkt zugleich erfrischend sowie stärkend.

Melisse oder Zitronenmelisse (Melissa officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Zum Trinken und Gurgeln

Eibischtee pflegt Schleimhäute

Alles strebt jetzt nach oben. Wärme und Sonnenschein tun uns nach einer ziemlich kalten Wetterphase ganz gut. Da der Boden mit genügend Feuchtigkeit versorgt wurde, starten jetzt die Pflanzen mit dem Wachsen und Treiben so richtig durch. Das merkt man unter anderem auch am vermehrt notwendigen Mähen des Rasens. Unter der Erdoberfläche tut sich ebenfalls vieles, was zum Gedeihen der Flora notwendig ist. Das wollen wir angesichts einer üppigen Vegetation nicht übersehen. Es leitet mich vielmehr an, das Augenmerk des Interesses den verborgenen und sensiblen Zonen in unserem Körper zuzuwenden. Im Eibisch steht mir ein Heilkraut zur Seite, das mir hilft, mich mit den Schleimhäuten auseinanderzusetzen. Die physischen Teile, die solche besitzen, sind u. a. der Mund, die Nase, die Speiseröhre, der Magen-Darm-Kanal, die Harnröhre samt der Blase und die Nierenbecken. Die Bronchien seien hier ganz besonders hervorgehoben. Letztere reagieren sehr häufig auf Erkältungen. Das äußern sie, indem sie vermehrt an der Bronchialwand Sekrete und Schleim absondern, die dann auch einer Entsorgung bedürfen. Kein Wunder, dass man in so einem Fall wiederholt husten muss. Eine Bronchitis, vor der man leider auch im Sommer nicht gefeit bleibt, ist ein äußerst unangenehmer Zustand. Im Eibisch befinden sich viele pflanzliche Schleimsubstanzen, die sich gerade im Falle eines Katarrhs in der Lunge bewähren. Sie sind aber auch für die Pflege und Stärkung des Verdauungstraktes geeignet. Gewiss ist nun die Zeit, da man die Wurzeln des beliebten Malvengewächses in der Erde lässt, damit sich die darauf sitzenden Triebe gut entwickeln können, um ungehindert das Stadium des Blühens und Fruchtens erreichen zu können. Jetzt greift man daher auf die im letzten Herbst geerntete und sorgfältig getrocknete Droge zurück, um die Schleimhäute zu unterstützen.

Reizlindernder Tee

Von der getrockneten und zerkleinerten Wurzel des Eibischs nimmt man 2 Teelöffel und setzt diese Menge in 1/4 Liter kaltem Wasser 1 Stunde lang an. Gelegentlich umrühren und dann abseihen. Jetzt erst leicht erwärmen. Der Tee eignet sich gut zum Gurgeln bei Entzündungen im Mund- bzw. Rachenbereich. Oder man trinkt ihn, um die Lunge zu stärken. Man kann den Eibischtee in diesem Fall mit ein wenig Honig und Zitronensaft ergänzen.

Eibisch mit Wurzel (Althaea officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Heilpflanze des Jahres 2019

Lavendel für Hypotoniker

Oft gerät schnell etwas in Vergessenheit! Denken wir nur an so manche Kleinigkeiten, die wir jemandem zugesagt haben, die dann aber aufgrund von Stress oder großen Sorgen außer Acht geraten. Da ist es gut, wenn uns jemand wieder liebevoll erinnert und aufmerksam macht. In diesem Sinne darf ich einladen, im täglichen dankbaren Betrachten doch wieder einmal beim Lavendel (Lavandula angustifolia) einzukehren. In den Gärten wächst er sowieso schon zu seiner vollen Größe heran und bereitet sich aufs Blühen vor, das uns vor allem im Sommer große Freude bereiten wird. Sein unverkennbarer Duft ist auf den hohen Gehalt an ätherischen Substanzen zurückzuführen, die sich neben Bitter- und Gerbstoffen positiv auf die Physis auswirken können. Im Übrigen schätzen längst nicht alle das Aroma, das von den blauvioletten Lippenblüten des Lavendels ausgeht. So kann man durch die Verwendung von in Stoffsäckchen abgefüllten getrockneten Lavendelblüten mithelfen, eine gute Atmosphäre in Kleiderkästen und Zimmern zu schaffen, die von lästigen Eindringlingen wie Motten gar nicht goutiert wird. Aber bleiben wir beim Menschen. Hier ist es möglich, mithilfe des Lavendels die Nerven zu stärken. Dazu ist das regelmäßige Trinken eines Tees angetan, der mit getrockneten Lavendelblüten aufgebrüht wird. Dies tut man am besten im herkömmlichen Heißaufguss-Verfahren, wobei 2 Teelöffel der Droge mit 1/4 Liter kochendem Wasser überbrüht werden. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann erst abseihen. Der Tee kann zusätzlich mit Honig gesüßt werden. All jene, die einen niedrigen Blutdruck durch den Arzt oder ein selbst verwendetes Messgerät attestiert bekommen, sollten ebenfalls den Lavendel in Erwägung ziehen.

Lavendel-Bad

Von getrockneten und zerkleinerten Stängeln der Lavendeltriebe nimmt man 100 g oder von den Blüten die Menge von 50 g und übergießt die Kräuterdroge mit 2 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, hernach abseihen und den Absud als Badezusatz verwenden. In der Wanne verweilt man dann am besten 20 Minuten. Eine derartige Anwendung zeitigt für gewöhnlich eine erfrischende Wirkung für Hypotoniker und stärkt auf sanfte Weise angespannte Nerven.

Lavendel, grüner Buschen mit Einzelblüte (Lavandula angustifolia) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Den Schweiß reduzieren

Fußbad mit Huflattich durchführen

Es ist gut und beruhigend, wenn man sich auf jemanden verlassen kann. In diesem Zusammenhang sei einmal auf die Kunst verwiesen, die anstehenden Arbeiten an die dafür geeignetsten Personen delegieren zu können. Nun, angesichts eines Facharbeitermangels landauf und landab fehlen oft die nötigen Ressourcen an Menschen. Gott geb’s, dass sich dieser Umstand wieder einmal zum Besseren wendet. Das Tragen und Bewegen des gesamten Körpergewichts wird an unserem Körper den Füßen zugemutet, die im Laufe des Lebens Beachtliches leisten. Daher möchte ich heute den Huflattich (Tussilago farfara) herausstreichen, der natürlich schon im zeitigen Frühjahr geblüht hat und nun bereits seine schirmartig geformten Blätter ausbildet. Dieses Gewächs zählt zur Familie der Korbblütler und zu den häufig vorkommenden Pflanzen im Kreis der heimischen Flora. Er ist äußerst bescheiden, was die Wahl seines Standortes anbelangt. So finden wir ihn z. B. häufig auf sandigen und feuchten Böden in der Nähe von Wasserläufen, die durch einen Wald führen. Mit einem derartigen Milieu kommt er anscheinend gut zurecht, was wiederum Schlüsse auf seine Verwendung zulässt, die jedoch rein äußerlich durchgeführt werden sollte. Und hierzu eignen sich durchaus auch die Blätter des Huflattichs. Er birgt in sich eine Anzahl an Bitter- und Gerbstoffen. Diese besitzen ihrerseits einen adstringierenden Effekt und können sich zudem als entzündungshemmend erweisen. Im Hinblick auf unsere Füße, die nicht bloß das Abfedern und Schreiten des ganzen Körpers erledigen, sondern sich untertags im Korsett der Schuhe befinden, die nicht immer als atmungsaktiv bezeichnet werden können, steht der Wunsch auf der Liste vieler, dort den Schweiß zu reduzieren. Ein altes Hausmittel gibt die Möglichkeit, hierbei mit Huflattichblättern zu einem konkreten Ergebnis zu kommen.

Aufguss bei übermäßigem Schwitzen

Von getrockneten und zerkleinerten Blättern des Huflattichs nimmt man ca. 50 g und überbrüht sie mit 1 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Zum Fußbadewasser gießen und 2 Esslöffel voll Apfelessig beigeben. Ziemlich warm die Füße darin baden und sie zusätzlich mit der Flüssigkeit abreiben. Das kann sich bei übermäßig schwitzenden Füßen als wohltuende und trocknende Maßnahme herausstellen.

Huflattich mit Blüten und Blättern (Tussilago farfara) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Stauungen im Körper abbauen

Zinnkraut bei Wasseransammlungen

Im Rückblick auf die vergangenen Tage dürfen wir dankbar feststellen, dass es der Himmel mit uns gut gemeint hat. Vor allem jene Gebiete unseres Landes, die unter einer langen Trockenheit litten, dürfen endlich aufatmen, da es geregnet hat. Die Wälder und Felder präsentieren sich so in einem frischen Grün, alles wächst und gedeiht. Aus leidiger Erfahrung wissen wir aber auch um das Zuviel an Nass, das dann zu Überschwemmungen und Murenabgängen führt. Dort, wo sich das Wasser auf Feldern gerne staut, findet sich der Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense). Denn einen lehmigen Boden schätzt dieses Heilkraut, um sich anzusiedeln. Damit dürfen wir im Gedanken einen Schwenk zu gesundheitlichen Beschwerden machen, die sich durch Stauungen bzw. umgangssprachlich als Wasseransammlungen bezeichnete Retentionen äußern. Der Grund hierfür liegt in vielen Fällen in einer Schwäche der Organe wie Herz, Leber oder Nieren. Dabei schwellen Knöchel und Beine an, manchmal auch das Gesäß oder der Bauch. Mit solchen Symptomen ist sicher nicht zu scherzen und die fachkundige ärztliche Betreuung in Anspruch zu nehmen. Darüber hinaus wird es notwendig sein, eine salzarme und möglichst leicht verdauliche Diät zu sich zu nehmen. Im Zinnkraut – so wird der Ackerschachtelhalm häufig genannt – finden wir ein Gewächs, das all jenen, die sich mit den eben beschriebenen Beschwerden auseinandersetzen müssen, eine gute und natürliche Hilfe bietet. Als Ergänzung zu den medizinisch verordneten Therapien kann es sinnvoll sein, die pflanzliche Wirkkraft zum Einsatz zu bringen. Einerseits enthält das Zinnkraut einen hohen Anteil an Kieselsäure und andererseits fördert es die vermehrte Harnabgabe. Es geht einfach darum, den Körper zu erleichtern und zu entlasten.

Zinnkraut-Tee

Von den getrockneten und zerkleinerten grünen Trieben des Ackerschachtelhalms nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt diese mit 1/4 Liter kaltem Wasser. 3 Stunden lang ansetzen und dann kurz aufkochen. 15 Minuten ziehen lassen und abseihen. An einem Tag kann man bis zu 3 Tassen davon trinken, um die Reduktion von Wasseransammlungen zu begleiten. Unbedingt mit dem Arzt abklären, ob dies auch mit dem vorhandenen Zustand des Kreislaufes vereinbar ist.

Ackerschachtelhalm oder Zinnkraut (Equisetum arvense) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Die Gaben des Himmels

7 Kräuter vom Frühling

Christi Himmelfahrt ist ein Fest, das uns darauf hinweist, unsere Orientierung nicht so sehr auf Erden festzumachen, sondern nach dem Ausschau zu halten, das größer ist als wir Menschen und unseren kleinen Planeten Erde bei weitem übersteigt. Schließlich steht alles Geschaffene in einem direkten Zusammenhang mit den kosmischen Vorgängen rund um diese liebenswerte Welt. Das dürfen wir z. B. alleine schon am Wechsel der Jahreszeiten ablesen. Wenn es also zeitmäßig Richtung Sommer geht, dann heißt es wohl oder übel vom Frühling Abschied zu nehmen. Sieben Kräuter wie Brennnessel, Gänseblümchen, Gundelrebe, Himmelschlüssel, Löwenzahn, Schafgarbe und Wohlriechendes Veilchen sind jedoch dazu angetan, sie auch in das übrige Jahr mitzunehmen und zu verwenden. In diesen Gewächsen spiegelt sich der Reichtum der Geschenke des Schöpfers wider, der uns mithilfe der Natur bereichert und uns hilft, sowohl physisch als auch psychisch besser über die Runden zu kommen. In den genannten Heilpflanzen steckt eine Fülle an guten Auswirkungen, die vor allem das Gesamtgefüge der oft so verletzlichen Gesundheit stärken und aufbauen. Dazu zählen blutreinigende und zugleich verdauungsfördernde Kräfte wie wir sie insbesondere in der Brennnessel, im Gänseblümchen, der Gundelrebe und im Löwenzahn vorfinden. Die Schafgarbe kann mithelfen, den Blutdruck auszugleichen und den Hormonhaushalt bei den Frauen gleichermaßen wie bei den Männern zu regulieren. Das Veilchen wiederum enthält Schleimstoffe, die ebenso wie die Himmelschlüssel die Atmung unterstützen. Mischt man diese 7 Kräuter in getrockneter Form und reibt sie zu einem Pulver, kann man sie mit Sauermilch vermengt täglich in kleinen Prisen zu sich nehmen. Oder man setzt ein Öl mit diesen Kräutern an.

Frühjahrs-Öl

Getrocknete und zerkleinerte Blätter und Blüten von Brennnessel, Gänseblümchen, Gundelrebe, Himmelschlüssel, Löwenzahn, Schafgarbe und Veilchen mischt man zu gleichen Teilen. 70 g dieser Kräutermischung übergießt man in einem weithalsigen Weißglasgefäß mit 1 Liter kaltgepresstem Olivenöl. Verschlossen 8 Tage an einem sonnigen Platz am Fenster stehen lassen, öfters durchschütteln. Danach abseihen und in kleine Fläschchen mit dunklem Glas abfüllen. Das fertige Öl verwendet man, um damit Hände, Füße und das Gesicht regelmäßig einzureiben. Das hat eine belebende und hautstärkende Wirkung.

Brennesselzweig (Urtica dioica) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Gundelrebenzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Schafgarbenblatt ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Nieren pflegen

Die gute Wirkung des Eisenkrautes

Wer als Kind in das Leben hineingeht, hat einen spannenden Weg vor sich liegen. Wir alle wissen – und das unabhängig von unserem Alter – sehr wenig bis gar nichts über die Zukunft. Und dennoch legen wir uns einiges an Rüstzeug zu, das uns eine innerliche Festigkeit verleiht. Dazu zählt bestimmt auch der Grundsatz: Wer weniger braucht, hat mehr vom Leben. Daher ist es sicher angezeigt, den Erhalt der eigenen Gesundheit möglichst früh ins Auge zu fassen, die viel mehr bedeutet als ein großes Vermögen und Geld. Das Eisenkraut (Verbena officinalis) stellt aufs erste betrachtet keinen großen Reichtum dar. Befassen wir uns jedoch eigehender mit dem Gewächs, werden wir draufkommen, dass dessen bescheidenes Erscheinungsbild noch nichts über seine Wirkkraft aussagt, die in der Pflanze steckt. Zu den Inhaltsstoffen des Eisenkrautes zählen u. a. Gerbsäuren, ätherisches Öl und Bitterstoffe. Wir dürfen davon ausgehen, dass mehrere Bereiche der Physis davon einen Vorteil haben, wenn man dieses Heilkraut verwendet. Die Erfahrung hat z. B. gezeigt, dass die Nerven dadurch gestärkt und gefestigt werden. Und heute möchte ich besonders auf den Vorteil hinweisen, den die Nieren durch den bewussten Einsatz des Eisenkrautes entgegennehmen können. Solange diese das Blut reinigenden Organe funktionieren, nehmen wir in der Regel kaum bis gar nicht Bedacht auf deren wichtige Aufgabe. Das ändert sich jedoch schlagartig, wenn gerade dort eine Schwäche bzw. ein Leiden diagnostiziert wird. So ist es nur recht und gut, schon im Stadium voller Gesundheit auf die Pflege der Nieren zu achten und erst recht, wenn diese angegriffen und in ihrer Leistung beeinträchtigt sind.

Tee für die Nieren

Bei angeschlagenen Nieren ist es sicherlich notwendig, die anempfohlene Diät beim Essen zu befolgen. Darüber hinaus kann auch ein Tee getrunken werden. Dazu nimmt man 2 gehäufte Teelöffel voll getrockneten und zerkleinerten Eisenkrautes und überbrüht die Droge mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. 2- bis 3-mal täglich eine Tasse davon trinken. Am besten 3 Wochen lang durchführen.

Eisenkraut (Verbena officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Den Darm unterstützen

Mit Vogelknöterich

Der Monat Mai ist innerhalb der römisch-katholischen Frömmigkeitspflege dazu ausersehen, der Gottesmutter Maria die Ehre zu erweisen und sie um ihre Fürsprache zu bitten. Maiandachten und Wallfahrten ermöglichen diesen empfehlenswerten Kult. In Augsburg, genauer gesagt in der Kirche St. Peter am Perlach, wird ein Bild verehrt, das Maria als die Knotenlöserin darstellt. Dieser Umstand baut für mich eine gedankliche Brücke, die mich zu einem ganz besonderen Gewächs führt. Es ist der Vogelknöterich (Polygonum aviculare), der mir spontan dabei einfällt. Dieses robuste und am Boden sich ausbreitende Gewächs schafft es, mit äußerst spärlichen Bedingungen das Auslangen zu finden. Auf Schutt und alten Mauern, auf mageren Grasplätzen und an Wegen können wir es entdecken. Ganz besonders fasziniert mich seine Eigenschaft, aus den Ritzen von verlegten Steinplatten herauswachsen und dort überleben zu können. Gar zu leicht wird der Vogelknöterich als Unkraut abgetan. Daher ist es sicherlich gut, um seine Inhaltsstoffe zu wissen. Die grünen Triebe des Krautes enthalten nämlich Schleim- und Gerbstoffe, kleine Mengen ätherischen Öles, Kieselsäure und sogar Vitamin C. Unsere Altvorderen wussten bereits, dass man mit dem Vogelknöterich etwas anfangen kann, wenn es darum geht, die eigene Gesundheit zu fördern bzw. bei gewissen Leiden die förderlichen Effekte des Gewächses zum Vorteil für die Physis anzurufen. Dies könnte etwa bei Hautkrankheiten der Fall sein, wo man den Vogelknöterich für Waschungen und Umschläge verwenden kann. Den eingangs bildlich zitierten Knoten eines Problems gilt es überdies für all jene zu lösen, deren Darm sich durch eine Entzündung in einem außerordentlichen Zustand befindet. Dies kann sowohl auf den Dünn- als auch auf den Dickdarm zutreffen. Neben einer ärztlichen Therapie, die hierbei auf jeden Fall in Anspruch zu nehmen ist, kann ebenso der Vogelknöterich eine Begleitung genau dieses Leidens darstellen.

Getränk für den Darm

Getrocknetes und zerkleinertes Vogelknöterich-Kraut in der Menge von 4 Esslöffeln mit 1 Liter kochendem Wasser übergießen. Dann 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen und in eine Thermosflasche füllen. Bei einer Darmentzündung als Tagesgetränk zu sich nehmen, sofern dies nicht den ärztlichen Empfehlungen zuwider steht.

Vogelknöterich (Polygonum aviculare) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Unscheinbar und doch hilfreich

Den Odermennig nicht vergessen

Eine gute Konzentration zu besitzen, ist eine wertvolle Gabe. Nur allzu leicht kann es vorkommen, dass wir uns von den Aufgaben, die uns gestellt sind, ablenken lassen und die Aufmerksamkeit gleichsam mit lockeren Zügeln versehen. Um dieses Verhalten wissen Schüler genauso gut wie eben auch Erwachsene. Schade ist nur, wenn dadurch manches übersehen wird oder gar in Vergessenheit gerät. Die Intention dieser Kolumne ist es, vor allem den wertvollen Kräutern eine Bühne zu bereiten, die dem Menschen auf verschiedenste Weise zur Seite stehen können. Daher soll heute der Odermennig (Agrimonia eupatoria) ins Gedächtnis gerufen werden, damit wir gerade jetzt nicht achtlos an ihm vorübergehen. Er zählt zur großen botanischen Familiengruppe der Rosengewächse. Der Odermennig bevorzugt als Standort trockene Stellen an Waldrändern, Kahlschlägen und Lichtungen sowie Wegränder entlang von Wiesen und Weideflächen. So unscheinbar er inmitten der Pflanzengesellschaften, die ihn umgeben auch erscheinen mag, so reich an wertvollen Inhaltsstoffen kann er entdeckt und geschätzt werden. Diese setzen sich aus Gerbstoff, Bitterstoffen, ätherischem Öl und einem hohen Anteil an Kieselsäure zusammen und ergeben somit eine breit gestreute Wirkkraft. Es ist ratsam, vor allem die Blätter dieses Heilkrautes ab dem Monat Mai vor der Blütezeit zu sammeln, zu trocknen und fachgerecht aufzubewahren, um sie für den häuslichen Gebrauch zur Verfügung zu haben. Am einfachsten wird es wohl sein, diese Droge im Heißaufguss aufzubereiten und zum Einsatz zu bringen. Leber und Galle können davon genauso profitieren wie die Haut und der gesamte Verdauungskanal. Wenden wir also erneut genügend Aufmerksamkeit auf, um demnächst beim Odermennig nicht achtlos vorüberzugehen. Besser ist es zudem, ihn auf einem eigenen Beet im Garten wachsen zu lassen.

Heilsamer Aufguss

Von den getrockneten und zerkleinerten Blättern des Odermennigs nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt die mit 1/4 Liter siedendem Wasser, 15 Minuten lang zugedeckt ziehen lassen und abseihen. Bei Leberleiden, bei Problemen mit der Gallenblase oder bei nervöser Erregbarkeit 3 Tassen pro Tag davon trinken. Der Aufguss in entsprechender Menge erweist sich ebenso bei Hautproblemen in Form eines Badezusatzes als wohltuend und lindernd.

Odermennig (Agrimonia eupatoria) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya