Den Juckreiz mindern

Echter Ehrenpreis als Aufguss

Die Diskretion ist eine Grundtugend all jener, denen sich kranke und leidende Menschen anvertrauen. Denn es ist immerhin nicht einfach, sich mit einer Schwächung des Körpers auseinanderzusetzen, müssen wir doch in den Augen anderer ständig fit und vital sein. Und manches ist auch peinlich zu beschreiben, wie etwa ein Juckreiz, der im After sitzt. Pflanzen sind da oft das Richtige, um wieder einen Ausweg zu finden. Die Pflanzenfamilie der Wegerichgewächse besitzt im Echten Ehrenpreis (Veronica officinalis) ein Mitglied, das vor allem in Mitteleuropa heimisch ist. Er bevorzugt trockene Standorte in lichten Wäldern und auf Heiden. Die niedrig wachsende Pflanze bildet aus dem ausdauernden Wurzelstock etliche Triebe, deren Stängel sich bis zu 30 cm über den Boden erheben. Die Blätter des Ehrenpreises sind verkehrt eiförmig und weich behaart. Die Blütezeit fällt in die Monate Mai und Juni. Die Blütentrauben stehen in den Blattachseln und die einzelnen Blüten haben eine blassblaue bzw. leicht violette Färbung. Das blühende Kraut hat einen feinen würzigen Geruch, der aber beim Trocknen der einzelnen Pflanzenteile vergeht. Gerb- und Bitterstoffe, die sich im Ehrenpreis befinden, können in mehreren Bereichen des Körpers segensreich wirken. Das kann sich auch dann zeigen, wenn sich ein Juckreiz im Gesäß als durchaus lästig auf unsere Physis und in weitere Folge auf unsere Nerven auswirkt. Ein altes Hausmittel, das als Wissensschatz über Generationen gehütet wurde, darf ich heute als Weg zur Abhilfe weitergeben.

Ehrenpreis-Tee

Von getrocknetem und zerkleinertem Kraut des Echten Ehrenpreises nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten ziehen lassen und dann abseihen. Bei lästigem Afterjucken 2 Tassen pro Tag trinken. Mit einem Aufguss wiederum, der doppelt so stark zubereitet wird, führt man zusätzlich eine kräftige Waschung im angesprochenen Bereich durch. Da der Juckreiz u. a. ein Symptom für beginnenden Diabetes sein kann, ist eine medizinische Abklärung sicher sinnvoll.

Echter Ehrenpreis ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ruhe am Abend

Die Weiße Taubnessel sorgt dafür

Als Seelsorger darf ich all jenen, die mich gebeten haben, mit ihnen die Hochzeit zu feiern, auch in ihren Vorbereitungen ein wenig beistehen. Dabei gilt es gerade für die kirchliche Feier einiges zu bedenken und zu berücksichtigen. Meist bleibt mir aber verborgen, welche Energie aufgewendet wird, um das Drumherum sorgfältig zu planen, nicht zuletzt die Auswahl der Garderobe für diesen Freudentag. In der natürlich blühenden Schöpfung unserer Fluren und Wälder finden wir einen Lippenblütler, der ebenfalls wie eine Braut geschmückt zu sein scheint. Die Rede ist von der Weißen Taubnessel (Lamium album), deren Blüten nun bald neben den brennnesselartigen Blättern des Gewächses zu entdecken sind. Keine Angst, diese grünen Gewächsteile besitzen keine schmerzverursachenden Härchen wie eben unser Vergleichsbeispiel. Was aber die Weiße Taubnessel und die Brennnessel miteinander verbindet, ist die naturheilkundliche Verwendung bei so manchen Beschwerden und Leiden. Viel zu oft führt eine nervliche Anspannung wie eben die erwähnten Vorbereitungen für eine Trauung dazu, dass man innerlich aufgewühlt ist und gerade dann am Abend schlecht von den Sorgen und offenen Fragen wieder loskommt. Aber viele andere Gegebenheiten sind nicht minder daran schuld, wenn es kaum gelingt, ausgeglichen und gelassen zu werden. Die Weiße Taubnessel versteht es quasi, die Ruhe neuerlich in den Vordergrund zu stellen und sich somit besser in Richtung Schlaf zu begeben. Greifen wir also vermehrt auf das Angebot der Natur zurück, da es gilt, unsere Nerven zu unterstützen.

Beruhigender Tee

Von den gesammelten Blüten bzw. vom gesamten blühenden Kraut nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. Dann 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und abseihen. Ein wenig mit Honig süßen und schluckweise trinken. Es bewährt sich, wenn man dies 1 Stunde vor dem Schlafengehen durchführt und somit eine innere Unruhe mindert.

Weiße Taubnessel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Den Körper dränagieren

Am besten mit Zinnkraut

Die Felder auf unseren Fluren sind längst bestellt. Je nach der jeweils gesäten Frucht sind die einzelnen Entwicklungsstadien mehr oder weniger vorangeschritten. Bis zur Ernte dauert es noch eine Weile. Die Böden müssen eine gewisse Feuchtigkeit in sich tragen, damit die Pflanzen nicht verdursten. Und dennoch: ein Zuviel des kostbaren Nass ist ebenso schädlich. Daher sorgen sogenannte Dränagen dafür, dass sich kein Wasserstau auf den agrarischen Flächen bildet. Am Rande der Äcker und auf Wiesen hat das Zinnkraut, auch Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) genannt, seinen bevorzugten Standort. Wenn wir in längst vergangene Zeiten zurückgehen, wissen wir, dass unsere Altvorderen das Geschirr aus Zinn ganz gerne mithilfe der grünen Gewächsteile des Ackerschachtelhalms gereinigt haben. Daher kommt auch sein landläufiger Name. Heutzutage steht auf dem Tisch Porzellan bzw. anderes pflegeleichtes Material und ein Geschirrspüler erledigt die meiste Arbeit, wenn es gilt, die benutzten Teller und Schüsseln nach dem Essen wieder zu säubern. Was aber immer noch Gültigkeit besitzt, ist die Tatsache, dass das Zinnkraut sehr viel Kieselsäure enthält, die auch unserem Körper zugutekommt. Darüber hinaus hilft diese Heilpflanze mit, um dem Körper eine gewisse Dränage anzulegen. Genau ist damit gemeint, dass überschüssige Flüssigkeitsansammlungen, die sich nun einmal bei geringerer Agilität bilden können, wieder abgeführt werden können. Übrigens sind ebenso überschüssige Fettpolster für den ganzen Organismus eine gewisse Belastung, sodass es gut ist, diese gleichfalls zu reduzieren. Eine mögliche Hilfe dafür findet sich im Zinnkraut.

Zinnkraut-Tee am Morgen

Vom Acker-Schachtelhalm verwendet man nur das grüne Kraut. 1 Esslöffel voll der getrockneten und zerkleinerten Droge setzt man über Nacht in 1/4 Liter kaltem Wasser an. Am Morgen kurz aufkochen und abseihen. Gleich nach dem Aufstehen 1 bis 2 Tassen davon trinken, um dem Körper zu helfen, überschüssige Wasseransammlungen zu reduzieren. Natürlich sollte man dabei auch berücksichtigen, dass der Kreislauf und das Herz dadurch nicht zusätzlich belastet werden.

Acker-Schachtelhalm oder Zinnkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein alternatives Korn

Hirse bereichert den Körper

Abwechslung tut meistens sehr gut. Gewiss sind auch beständige Vollzüge im gleichmäßig verlaufenden Alltag von Vorteil. Dennoch ist es sinnvoll, aus so manchem engen Korsett von Gewohnheiten und Bräuchen auszubrechen, um etwas Neues zu entdecken. Das trifft vor allem für die Ernährung zu, ohne die wir schlicht und einfach nicht leben könnten. Diese Tatsache teilen wir übrigens auch mit der Tierwelt. Beim Getreide namens Hirse denken viele wohl zuerst an die Stubenvögel, die unter der Obhut des Menschen stehen und von ihm seine Pflege erfahren, wobei das Füttern dazuzählt. Doch für uns Zweibeiner kann die Hirse ebenfalls von Vorteil sein. Menschen, die z. B. unter Zöliakie leiden und somit durch das Verzehren von Speisen, die mit herkömmlichem Getreide zubereitet werden und folglich Gluten enthalten, Probleme haben, sind mit dem alternativen Korn Hirse ohnehin mehr vertraut als jene, die Brot und Gebäck ohne Bedenken zu sich nehmen dürfen. Schließlich rentiert sich für alle die Verwendung dieses Alternativkorns. Vitamine und insbesondere eine Menge an Mineralstoffen stecken da drinnen, die u. a. für den Aufbau und die Festigung der Haut, der Haare und der Nägel von Nöten sind. Also ist es angesagt, nach den kleinen Körnern Ausschau zu halten und somit zumindest am Tisch Abwechslung in den Ernährungsalltag zu bringen. Am Angebot in den verschiedenen Fachmärkten und Geschäften mangelt es sicherlich nicht. Wir müssen uns nur jeweils bewusst dafür entscheiden. Und für die eigene Gesundheit dürfen wir ruhig öfter etwas unternehmen.

Nähr- und Mineralstoffzufuhr

Die Weise, wie wir uns tagtäglich ernähren, kann durchaus zu einer Schieflage des Nachschubs an wichtigen Aufbausubstanzen und Nährstoffen führen. Gerichte aus Hirse helfen mit, dies wiederum ins rechte Lot zu bringen. Das kann z. B. schon durch eine leicht anzurichtende Hirse-Vollkornsuppe passieren. Durch den Genuss von Hirse wird zudem unser Immunsystem in seiner keim- und krankheitsabwehrenden Funktion sehr positiv unterstützt.

Hirsezweig mit Brei und Brot ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Allergien bremsen

Zwei Kräuter bei Heuschnupfen

Die Zeit, da nun alles in saftigem Grün vor unseren Augen steht, dürfen wir wahrlich auskosten! Das kommt nämlich einem Kräftetanken gleich, das wir für die Bewältigung unseres Alltags mitsamt seinen Herausforderungen dringend benötigen. So schön die Tage, die uns gegenwärtig geschenkt sind, auch sein mögen, so sehr bedeuten diese für nicht Wenige auch eine zusätzliche Strapaz, die hinlänglich unter der Bezeichnung Heuschnupfen bekannt ist. Zwei pflanzliche Hilfen möchte ich hierzu im gleichen Atemzug nennen, nämlich den Löwenzahn und die Lindenblüten. Die beiden scheinen aufs Erste betrachtet eher wenig miteinander zu tun zu haben. Die gelben Blüten des Löwenzahns übersäen die von der Frühlingssonne beschienenen Wiesen und sorgen ihrerseits für eine goldgelbe Pracht. Mit den Inhaltsstoffen des Korbblütlers unterstützt man am besten die Verdauung und die Entgiftung des Blutes. Auf den hohen und oftmals altehrwürdigen Linden werden dann im Sommer die Bienen für eine emsige Geschäftigkeit sorgen, da es gilt, das Angebot des dort vorhandenen Nektars nicht auszuschlagen. Wir Menschen wiederum profitieren von der schweißtreibenden Wirkung, die uns vor allem in Grippezeiten zugute kommt. Im Hinblick auf allergische Symptome wie eben dem des Heuschnupfens, ist es möglich, eine vorbeugende Maßnahme zu treffen. Dafür möge eine Empfehlung von Hermann-Josef Weidinger allen davon Betroffenen weitergegeben werden.

Vorbeugende Teekur

All jene, die sich mit allergischen Reaktionen, die durch Blühphasen oder die Heumahd ausgelöst werden können, herumschlagen müssen, können Folgendes ausprobieren: In der Früh nach dem Aufstehen gießt man sich einen Tee aus Löwenzahnblättern auf, dem man etwas frisch gepressten Zitronensaft beifügt. 1 Tasse schluckweise trinken, bevor man frühstückt. Am Abend nimmt man stattdessen 1 Tasse Lindeblütentee zu sich. Mindestens 1 Woche lang durchführen.

Lindenblüten mit Blatt ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Löwenzahn ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Duftende Erfrischung

Die Pfefferminze über die Haut aufnehmen

Noch vor Kurzem ging ich am Schaufenster eines renommierten Teehauses vorbei und dachte mir im Vorübergehen, welch herrliches Aroma die einzelnen Dosen beim Öffnen verströmen würden, hätte ich genug Zeit, um mich „durchzuriechen“. Im Gedanken blieb ich aber bei den duftenden getrockneten Blättern und Früchten und entsann mich dessen, was vielleicht ohnehin im Garten griffbereit auf eine Verwendung in Aufgussform wartet. Da wird wohl nicht nur mir die Pfefferminze (Mentha piperita) einfallen, deren Blätter zwischen den Fingern zerrieben eine wahre Wonne für die Nase übrig haben. Man kann sich den Geschmack der Pfefferminze auch in verschiedensten Formen auf den Gaumen holen. Doch sehen wir uns vorerst einmal die Heileffekte des äußerst bekannten Gewächses an. Auf den Magen und Darm wirkt es krampflösend, vor allem, wenn dieses Symptom sich auf eine nervöse Ursache zurückführen lässt. Des Weiteren erweist sich die Pfefferminze als gallen- und leberanregend, als nervenstärkend und keimtötend und ebenso als schmerzlindernd. Nun ist das so eine Sache, wenn manche darangehen möchten, sich einen Tee aufzugießen, um ihn zu trinken. Wie bei vielen anderen Kräutern bleibt es eine individuelle Geschmackssache, ob man den Tee eben mag oder nicht. Viel weniger problematisch ist dies, hat man die Absicht, die Haut als entgegennehmende Zone der Wirkstoffe der Pfefferminze zu erwählen. Da kann ein Bad zum Ziel führen, für die eigene Gesundheit etwas zu unternehmen.

Tee als Badezusatz

150 g an getrockneten und zerkleinerten Pfefferminzblättern werden mit 3 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Der bereits mit warmem Wasser gefüllten Badewanne beifügen und ca. 20 Minuten darin baden. So ist es möglich, einerseits eine pflanzlich unterstützte Erfrischung zu tanken und andererseits eine Stärkung für die einzelnen inneren Organe unserer Physis herbeizuführen. In regelmäßigen Abständen durchführen.

Pfefferminze ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Leichtigkeit am Abend

Der Klatschmohn verhilft dazu

Die jeweiligen Zeiten des Ablaufes eines einzelnen Tages sind, sofern die berufliche Tätigkeit nichts anderes abverlangt, mit unterschiedlichen Verfassungszuständen gekoppelt. Der Morgen steht mehr für Frische und Aktivität und der Abend für ein Zurücknehmen der vorher aufgebrachten Energie, um schließlich zur Ruhe zu kommen und den Schlaf anzutreten. Dies ist aber nicht immer ganz einfach. Ein pflanzlicher Zeitgenosse, der nun im Klatschmohn (Papaver rhoeas) allein schon durch sein intensives Rot am Straßenrand für Aufsehen sorgt, ist so gesehen eher ein Freund des Tages. Gerade dann, wenn die Sonne ihre volle Kraft gen Erdboden schickt, breitet er seine luftig leichten Blütenblätter aus und versetzt so seiner Umgebung einen frohen, ja festlichen Akzent. Machen wir einen forschenden Ausflug in die Aufzeichnungen über die Verwendung des Klatschmohns in der Volksmedizin, werden wir durchaus fündig. Einerseits schätzte man seit jeher seine beruhigenden Eigenschaften, die leider jedoch im Smalltalk oft übertrieben dargestellt werden, und andererseits besitzt dieses Mohngewächs auch noch erweichende und nicht zuletzt schleim- und krampflösende Kräfte, die sich bei Entzündungen und bei Erkältungsfolgen als hilfreich zeigen. Wenn ich es im Kontakt mit vielen Menschen recht beobachte, steigen die Klagen, die sich auf einen schlechten bzw. eher seichten Schlaf beziehen. Meist sind irgendwelche Beschwerden schmerzlicher Natur oder eine unruhige Seele, die sich mit Sorgen herumschlagen muss, daran schuld. So gesehen möchte ich einen Tipp geben, der zumindest physisch ein wenig Last zu reduzieren vermag.

Klatschmohn und Lavendel für ein Fußbad

Tut man sich schwer mit dem Einschlafen, kann man auf eine Unterstützung aus der Natur zurückgreifen. Man mischt in diesem Falle zu gleichen Teilen frisch gepflückte Klatschmohn-Blütenblätter mit getrockneten Lavendelblüten und nimmt 5 Esslöffel voll, um sie mit 3 Liter kochendem Wasser zu übergießen. Nach 15 Minuten abseihen und bei Erreichen einer annehmbaren Temperatur die Füße in diesem unverdünnten üAufguss ca. 15 Minuten baden. Danach die Füße kurz kalt abduschen. Noch ein Rat: nach Möglichkeit nur wenig und leichte Kost am Abend zu sich nehmen.

Klatschmohn ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein Kraut für Frauen

Hirtentäschel in den Wechseljahren

„Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben!“ – Kein Geringerer als der evangelische Kirchenlieddichter Paul Gerhardt hat so die Einladung formuliert, die Schöpfung als Geschenk Gottes zu erkennen. Viele werden selbst das Lied schon in der Kirche oder in ihrer Schulzeit gesungen haben. Angeregt durch diesen schönen Text möchte ich einmal mehr ein bestimmtes Pflänzchen herausgreifen, das uns an den warmen Tagen entgegenwächst. Gemeint ist das Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris). Dieses wird zu den Kreuzblütengewächsen gerechnet, deren Vertreter unter anderem auch der Raps und der Senf sind. Man kann es überall in Europa und somit auch in unserer Heimat antreffen. Vor allem im 18. Jahrhundert wird dieses Kraut in botanischen Abhandlungen ausführlich beschrieben. Es gibt jedoch bereits im Mittelalter Berichte über die Verwendung des Hirtentäschels. In seiner Heilwirkung profitieren wir Menschen vor allem durch seine den Blutdruck ausgleichende und seine leicht blutstillende Kraft, die u. a. bei Nasenbluten oder Hämorrhoidalblutungen zum Einsatz gebracht werden kann. Da wir bald auf den Muttertag zugehen, seien heute die Frauen besonders bedacht, die in ihrer körperlichen und gesundheitlichen Verfasstheit so manch herausfordernde Zeiten zu bestehen haben. Es liegt wohl auf der Hand, dass ich hier besonders auf den Wechsel und auf andere Phasen einer hormonellen Umstellung Bezug nehmen möchte. Unter dem Stichwort „Wallungen“ werden die Betroffenen sofort wissen, wovon die Rede ist. Durch das Hirtentäschelkraut kann gerade hierbei Erleichterung gefunden werden.

Hand- und Fußbad

Frisches Hirtentäschel-Kraut benötigen wir sozusagen als Grundmaterial. Zwei Handvoll davon brüht man mit 3 Liter kochendem Wasser ab. Sobald der Aufguss eine annehmbare Temperatur erreicht hat, kann man damit ein Hand- oder ein Fußbad durchführen. Vor allem dann, wenn man unter Wallungen zu leiden hat, sollte diese Anwendung in die Tat umgesetzt werden.

Hirtentäschel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Den Magen stärken

Mit alkoholfreiem Enzian

Die Natur ist voller kleiner Wunder! Am besten kann man diesen Eindruck gewinnen, wenn man sich die Wanderschuhe anschnallt und bei gutem Wetter und genügend freier Zeit auf den Weg macht, um Unmengen frischer Luft zu tanken. Das tut vor allem in den Bergen gut, wo wir uns auf den Wiesen über der Baumgrenze so richtig frei fühlen dürfen. Dort sieht man des Öfteren ein Gewächs mit breiten Blättern, das wir als den Gelben Enzian (Gentiana lutea) identifizieren können. Und da gehen bei vielen gleich die Gedanken hin zu einem oft kredenzten Schnaps. Zirbe und Enzian sind ja die meist genannten Favoriten für einen Schluck zwischendurch in der alpinen Welt. Letzterer ist aber, wenn es sich um den eigentlichen Gelben Enzian handelt, durchaus auch für die gesundheitsfördernde Anwendungspraxis der Naturheilkunde von Bedeutung. Generell sind die Bitterstoffe, die sich in der Wurzeldroge des Enzians befinden, sehr förderlich für den Vollzug der Verdauung. So denkt man daher in erster Linie an die Weisen der innerlichen Bereitstellung dieses Wirkstoffes. Nun ist es für unseren Magen gar nicht von Vorteil, sich mit etwas Hochprozentigem auseinandersetzen zu müssen, vor allem dann, wenn sich im Verdauungsmuskel ein Leiden wie etwa eine Schleimhautentzündung eingeschlichen hat. Aber es geht durchaus auch ohne Geistiges. Die Wurzel des geschützten Enzians nimmt man nicht aus freier Natur, sondern bedient sich des Angebots, das im Fachhandel wie etwa beim Verein Freunde der Heilkräuter für die Bedürftigen bereitsteht.

Enzian-Tee für die Verdauung

Von der getrockneten und zerkleinerten Wurzeldroge des Gelben Enzians benötigt man bloß 1/2 Teelöffel voll und übergießt ihn mit 1/4 Liter kochendem Wasser. Dann ganze 3 Stunden ziehen lassen, ehe man den Tee abseiht. Tagsüber immer wieder einen zimmerwarmen Schluck davon nehmen. Bei den meisten Magenleiden stellt dies eine stärkende Maßnahme für das angeschlagene Organ dar.

Gelber Enzian ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Zielpunkt Kopf

Mit Quendel stärken

Die Frühjahrsmüdigkeit ist nun schon kein Thema mehr. Schließlich behalten die warmen Temperaturen bereits die Oberhand. Daher hat sich unser Körper mehr oder weniger an die Gegebenheiten der neuen Jahreszeit gewöhnt. Gewiss ringen Allergiker immer noch mit den Folgen des Blütenstaubes, der wohl nirgendwo zu übersehen ist. Und dann gibt es außerdem ein Problem, das uns unabhängig von der Jahreszeit zu schaffen machen kann: die Schmerzen in und rund um unseren Kopf. Somit sind wir in unserer Wahrnehmung und in unserer Wachsamkeit eingeschränkt. Der Quendel (Thymus serpyllum) kommt oberflächlich betrachtet kaum als Hilfe in Frage, die hier Besserung verschaffen könnte. Und trotzdem kann er auf seine Weise mithelfen, dass unser Organismus samt dem Intellekt nicht der Trägheit verfällt. Denn auf sonnigen und trockenen Wiesen sammelt er Licht und Wärme. In der Nähe des Quendels fühlen sich zusätzlich die emsigen Ameisen wohl, die gut organisiert und stets rege für den Erhalt ihres Volkes sorgen. Wenn man das Kraut des Feldthymians, wie das Heilkraut auch bezeichnet wird, z. B. zum Würzen deftiger Speisen mitverwendet, funktioniert die Verdauung besser. Wir wissen alle nur zu gut, wie reichliche und vorzüglich zubereitete Speisen das Blut Richtung Bauch lenken, so dass der Kopf es schwer hat, noch genug für sich in Anspruch zu nehmen. Vielseitig können aber auch die Ursachen dafür sein, dass sich Schmerzen in der Gegend unseres Gehirns bemerkbar machen. Wer Kopfweh hat, dem fällt es zusätzlich schwer, sich den anstehenden Aufgaben mit der nötigen Konzentration zu widmen. Vielleicht bietet ja eine Anwendung mit Quendel eine Möglichkeit, da wieder raus zu kommen.

Quendel-Ansatz für den Kopf

Frisch gesammelte blühende Triebspitzen des Quendels können ab Mai verwertet werden. 150 g davon zerkleinert in 1 Liter 75%igen Ansatzalkohol 14 Tage lang in die Sonne stellen und täglich in dem verschlossenen Glasgefäß einmal durchschütteln. Danach abseihen, mit 1/2 Liter destilliertem Wasser verdünnen und als Einreibemittel bei den oben geschilderten Beschwerden verwenden.

Quendel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya