Drainage für die Organe

Mit Majoran Wasser ausscheiden

Heilkräuter haben viele Vorteile. Man muss nicht unbedingt gleich ein Leiden damit verbinden, wenn man an das eine oder andere Gewächs denkt. Es kann genauso gut ein Genuss oder ähnlich Angenehmes damit in Verbindung gebracht werden. Was würden denn so manch Begabte tun, die herrliche Gerichte auf die Teller zaubern, gäbe es da nicht die verschiedensten Gewürze für die Freude des Gaumens? Doch bleiben wir nicht nur beim Kochen. Von der Küche aus geht da der geistige und konkrete Blick weiter in den Garten. Heute soll er auf den Majoran (Origanum majorana) fallen. Seinen wilden und bei uns heimischen Kollegen Dost kennen viele Kräuterbegeisterte bereits. Der Majoran selbst stammt ursprünglich aus Kleinasien. In Gebieten mit mildem Klima kann er jedoch seit langem ebenso bei uns gepflanzt werden. Beim herrlich würzigen Geschmack des Majorans ist es nicht verwunderlich, dass er schon im alten Griechenland als Symbol für die Glückseligkeit verwendet wurde. Wer mit diesem Küchenkraut die Speisen zubereitet, liefert dem Körper all die guten Inhaltsstoffe des Majorans wie z. B. Flavonoide, Ascorbinsäure sowie Gerb- und Bitterstoffe. Das Kraut dieses Lippenblütlers bringt aber zudem noch andere Dienste mit sich, auf die das Augenmerk von Zeit zu Zeit fallen darf. Denn so sehr wir Wasser für unseren Organismus benötigen, sollte auch hier das rechte Maß den Ton angeben. Alles im wahrsten Sinne des Wortes Überflüssige wird zu einer Belastung, die nach Möglichkeit reduziert werden sollte. In der Suche nach dem Wie bietet sich der Majoran an.

Morgendlicher Majoran-Tee

Bei Wasseransammlungen in den Organen ist es nötig, mit trocknenden Maßnahmen an das Problem heranzugehen. Eine Unterstützung kann dabei darin bestehen, aus getrocknetem und zerkleinertem Majorankraut einen Tee im Heißaufguss zuzubereiten. Diesen sollte man gleich in der Früh auf nüchternem Magen trinken. Das fördert die Flüssigkeitsausscheidung des Körpers. Übrigens ist diese Anwendung auch geeignet, wenn man am vorhergehenden Abend etwas zu tief ins Glas geschaut hat, um das Wohlbefinden wieder einzurenken.

Majoran ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Gesundheit trimmen

Zum Beispiel mit Wacholder

Die Laubbäume haben mittlerweile ihre herbstliche Pracht am Waldboden praktisch ad acta gelegt. Die Sträucher und Büsche an Feldrainen und Böschungen haben es ihnen gleichgetan. Somit tritt so manches wieder in den Vordergrund, was durch Blättergrün und hohes Gras eher leicht übersehen war. Jedes Mal, wenn der Winter Einzug hält, schaue ich bewusst nach einem grünen Freund aus, der mir seit Kindertagen am Herzen liegt. Es ist der Gemeine Wacholder (Juniperus communis), der gottlob noch in meinen heimatlichen Breiten da und dort zu finden ist. Dieses Zypressengewächs ist durchaus ein Zeichenbaum für das Waldviertel. Als edler Kleinbaum trägt er jahraus und jahrein sein spitznadeliges grünes Kleid. Mir ist auch aufgefallen, dass man den Wacholder so, wie er bei uns in der Natur vorkommt, nicht leicht in Reih und Glied setzen kann, da jedes Exemplar eine eigenwillige Wuchsform entwickelt und somit ein charaktervolles Gewächs darstellt. Seine Früchte, die Wacholderbeeren eignen sich nicht nur zum Würzen und zum Gewinnen manch schmackhaften Destillates. Sie besitzen vor allem eine aufbauende und stärkende Kraft, die wir durchaus zu Hilfe nehmen können. Während der Schwangerschaft und bei angeschlagenen Nieren soll man jedoch Wacholderbeeren selbst und Produkte, die mit ihnen in Verbindung stehen, meiden. Hat man z. B. eine direkte Quelle in Form eines Wacholderbaumes im Garten gepflanzt, die einem die blauen Zapfenbeeren zugänglich macht, so kann man abgesehen von den erwähnten Einschränkungen ganz unkompliziert die eigene Gesundheit festigen und das Immunsystem auf die kalte Jahreszeit hin unterstützen.

Wacholderbeeren kauen

Um den Körper fit zu halten, die Verdauung zu fördern und die Abwehrkräfte zu stärken, kann man einige Zeit hindurch am Tag 3 bis 5 reife Wacholderbeeren im Mund gut durchkauen. Es bleibt einem selbst überlassen, ob man hernach die Beeren ausspuckt oder einfach hinunterschluckt. Die Wirkung dieser Anwendung beginnt nämlich bereits über die Mundschleimhaut zu greifen. Man kann sich dabei natürlich auch der geprüften Ware aus dem Handel bedienen.

Wacholder ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Gegen schlechte Stimmung

Ein Likör gegen Anspannung

Eine gute Laune kann man sich nicht um viel Geld kaufen. Immerhin sind wir alle von Stimmungsschwankungen betroffen, die uns je nach dem Befinden die Begegnungen mit den Mitmenschen leicht oder schwer fallen lassen. Ja, oft ist es dann nicht einfach, wenn man ohnehin mit dem sogenannten linken Fuß aufgestanden ist und gleichzeitig eine dicke Nebeldecke die guten Aussichten des Tages zusätzlich minimiert. Es liegt wohl auf der Hand, dass es gerade zu diesem Thema Hilfen gibt, deren Quellen in den guten Inhaltsstoffen der Pflanzen und Früchte in Gottes schöner Schöpfung zu suchen sind. Um sie konkret beim Namen zu nennen, sind dies in erster Linie der Baldrian, der Hopfen und die Passionsblume. Ebenso wird auch dem Haferstroh eine entspannende und gemütserhellende Wirkung zugeschrieben, desgleichen den Fichtenwipferln. Äpfel und Clementinen passen sowieso als Obst in die vorweihnachtliche Zeit des Advents. Nun könnte man aus den erwähnten Gewächsen bzw. Früchten die einzelnen herausnehmen und sie nach ihrer möglichen Aufbereitung hin abhandeln. Da dies ohnehin das Jahr über in den einzelnen Kolumnen an dieser Stelle passiert, möchte ich heute sozusagen die Summe dieser naturheilkundlichen Hilfen in Erwägung ziehen, die in einem Likör am besten zum Tragen kommt. Wenn wir nun auf das Jubiläumsjahr von Hermann-Josef Weidinger anlässlich seines 100. Geburtstages in den nächsten Monaten zusteuern, dann ist es sicher berechtigt, ein ganz praktisch verwendbares Vermächtnis in Erinnerung zu rufen, das vielen schon weitergeholfen hat und im Kräuterpfarrer-Zentrum erhältlich ist.

Kräuterlikör „Frohes Gemüt“

Dieser schmackhafte leicht alkoholische Ansatz hilft mit, um z. B. am Feierabend nach einem stressigen Arbeitstag besser zur Ruhe zu kommen. Dadurch wird zusätzlich die Möglichkeit erhöht, leichter im Bett einschlafen zu können. Es reicht abends ein Stamperl davon, um eine entspannte Wirkung zu erzielen. Bei Niedergeschlagenheit und leichten depressiven Verstimmungen wiederum belebt er, wie sein Name sagt, das Gemüt. Dabei darf man z. B. 6 Wochen lang ruhig 3mal täglich einen Esslöffel des Likörs einnehmen. Dies kann man vor allem rund um Weihnachten durchführen. Den Kräuterlikör „Frohes Gemüt“ erhalten Sie im Kräuterpfarrer-Zentrum in Karlstein/Thaya samt ausführlicher Beratung: Tel. 02844/7070-11 od -31 bzw. per E-Mail: bestellung@kraeuterpfarrer.at oder im Webshop www.kraeuterpfarrer.at

Kräuterlikör “Frohes Gemüt” ⓒ © Foto: Reinhard Podolsky | mediadesign.at





Blätterkraft im Winter

Das Erdbeerengrün nutzen

Manchmal darf man sich ruhig fragen, unter welchen Umständen ein frisch kredenztes Obst in der Winterszeit auf den Tisch gelangt ist. Dabei geht es nicht nur um den Transport, sondern vor allem, wie das Fruchten und Reifen desselben herbeigeführt wird, sodass die niedrigen Außentemperaturen scheinbar keine Rolle spielen. Erdbeeren z. B. wird man nun wohl kaum vom eigenen Gartenbeet pflücken können. Aber gehen wir doch einmal zur Ursprungsform der roten Genussbringer zurück. Damit meine ich konkret die Walderdbeeren (Fragaria vesca). So sehr deren Früchte auch in gutem Ruf stehen mögen, so wenig Beachtung finden die grünen Pflanzenteile des zur großen Familie der Rosengewächse (Rosaceae) zählenden Gewächses. Gewiss schlummern diese momentan in der Verborgenheit der Rhizome und Wurzeln unter dem alten Laub und dem Erdreich, um nach Schnee und Frost wieder ab dem Frühjahr ihre Anwesenheit durch erneutes Sprießen vorzuweisen. Dennoch können wir gegenwärtig das Wissen um die heilsamen Wirkungen der Erdbeerblätter aus dem Erfahrungsschatz der Naturheilkunde hervorkramen. Schon Paracelsus war es, der ihnen aufgrund ihrer lappigen Form einen positiven Einfluss auf die menschliche Leber zuschrieb. Tatsächlich beinhalten die unmittelbaren Nachbarn der roten Feinkost Gerbstoff, Flavone und sogar in geringen Mengen ätherisches Öl, die unser Organismus speziell im Magen- und Darmbereich gut gebrauchen kann. So gesehen sollte man ruhig auch auf die getrocknete Heildroge der Erdbeerblätter zurückgreifen. Auf wirklich frische Erdbeeren darf man gelassen bis zum nächsten Sommer warten.

Wohltat auf der Haut

Um ein Kräuterbad zu nehmen, greift man in diesem Fall auf 150 g getrocknete und zerkleinerte Blätter der Walderdbeeren zurück. Mit 2 Liter kochendem Wasser übergießen und ca. 20 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Danach abseihen und dem Badewasser in der Wanne beigeben. Die Anwendung bewährt sich auf mehrfache Weise. Selbst die Darmfunktion profitiert davon. Auf den Rest des Körpers wirkt dieses Bad erfrischend und reinigend. Das ist gerade im Winter von Vorteil.

Walderdbeere ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Pflanzliche Zahnpflege

Eichenrinde als Hilfsmittel

Die mediale Werbung, die sich vor allem des Fernsehens bedient, will durch verschiedene Bilder die Aufmerksamkeit der Zuseher erhaschen. Schließlich sollen ja die beworbenen Produkte bei diesen landen. Und es gibt favorisierte Themen, die immer wiederkehren. Dazu zählen u. a. weiße Zähne samt einem gesunden Gebiss. So will ich an dieser Stelle für eine Pflanze Partei ergreifen, die sich durchaus eignet, um im Mund die Gesundheit zu fördern. Bei der Eiche (Quercus) lohnt es sich, ein gutes Verhältnis zu ihr aufrecht zu erhalten. Die jungen und dünnen Zweige und Ästchen der Eiche, die bei uns in Österreich am meisten in Form der Stieleiche (Quercus robur) zu finden ist, sind von einer Rinde umhüllt, die sich sehr gut zum Heranziehen naturheilkundlicher Maßnahmen eignet. Man sollte beim Abschälen derselben darauf achten, dass die Schutzschicht der Eichenzweige noch eher glatt ist und nicht bereits eine borkige Struktur aufweist. In kleinen Streifen legt man die Rinde dann zum Trocknen auf und verwahrt sie anschließend in einem geeigneten Gefäß, das kein Licht durchlässt. Eichenrinde enthält einen beträchtlichen Gehalt an Gerbstoffen und an Eichengerbsäure. Dies unterstützt auf ideale Weise Heilungsprozesse, die auf der Haut oder in deren unmittelbaren Nähe zu einem positiven Resultat führen sollen. Aber man kann damit auch weiter vordringen wie etwa in den bereits erwähnten sensiblen Bereich der Mundhöhle. Der feste Halt der Zähne wird nicht zuletzt durch ein intaktes und kräftiges Zahnfleisch gewährleistet. Und dazu kann die Eichenrinde einiges beitragen.

Nachschub an Gerbstoffen

Um das Zahnfleisch zu unterstützen, geht man am besten daran, getrocknete Eichenrinde zu pulverisieren. Davon nimmt man bloß 1 Teelöffel voll, um ihn in den Mund aufzunehmen und mit der Zunge zu verteilen. Gleichzeitig vermischt man sie mit dem einsetzenden Speichelfluss. Hernach mit ein wenig lauwarmem Wasser nachgurgeln und den Mund dabei ausspülen. Das hilft einer allfälligen Zahnfleischerweichung vorzubeugen.

Eichenzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Tageweise fasten

Birnen als einzige Nahrung

Wir steuern gerade in die Zielgerade, die in wenigen Tagen in den Advent einmünden wird. Im Handumdrehen steht wiederum Weihnachten vor der Tür, was voreilig aufgestellte Dekorationen samt Lichterketten uns schon seit einiger Zeit weiszumachen versuchen. Nichts desto trotz gilt es nun bedächtig zu werden. Denn ein Untergehen im allgemeinen Einkaufstrubel ist sicher nicht vonnöten. Wer einen Keller besitzt, in dem auch Obst gelagert werden kann, hat womöglich Birnen vorrätig. Es gibt ja einige Sorten dieser köstlichen Frucht, die eher hart vom Stamm fallen und noch einige Zeit zum Nachreifen benötigen. Je mehr sie aber genießbar werden, desto mehr erschließt sich eine wahre Wonne. Denn ein reiches Angebot an Vitaminen, Mineralstoffen, Fruchtzucker und -säuren kommt durch deren Genuss zum Vorschein. Die Bienen und Wespen wissen sehr wohl darum, wenn sie sich bei wärmeren Temperaturen im Herbst aufmachen können, um ihren Hunger zu stillen. Selbst Schmetterlinge verachten die süßen Verführungen in den Gärten nicht. Nur wir Menschen meinen allzu oft, die Natur ausklammern zu können. Nichts ist aber geeigneter als frisches Obst, um den Körper fit und vital zu halten. Wer also mit dem Blutzuckerhaushalt keine Probleme hat, kann gleichsam als Müllabfuhr des Leibes die Birnen heranziehen. Nicht nur, dass diese saftig munden und so mithelfen, den Flüssigkeitsnachschub den Tag über zu unterstützen, sondern der verdauungsbelebende Input hilft darüber hinaus mit, dass der Stoffwechsel im Gleichgewicht bleibt.

Ein Birnentag pro Woche

Im Advent kann man sich ebenso Vorsätze nehmen wie in der Fastenzeit. So kann man, um die überflüssigen Fettspeicher oder wassersüchtige Anschwellungen ein wenig abzubauen, gesonderte Birnentage halten. Dabei isst man prinzipiell nur Birnen, roh oder gekocht. 2 kg sollten dafür ausreichen. Als Getränk kann man Sauer- oder Buttermilch bzw. Joghurt dazu trinken. Wer mag, darf diese Mahlzeiten zusätzlich mit ein wenig Vollkornbrot ergänzen. Einmal pro Woche durchführen.

Birnen ⓒ Archiv, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Heilpflanze des Jahres 2018

Die Ringelblume als Helferin

Gibt man im Internet den Suchbegriff „Natur des Jahres“ ein, so stößt man auf verschiedenste Favoriten, die in einzelnen Ländern Jahr für Jahr gekürt werden. Es soll mit den jeweils ausgewählten Repräsentanten ein Bewusstsein verstärkt werden, so manches Wertvolle und Seltene zu schätzen und zu hüten. Gestern wurde erstmals für Österreich eine eigene Heilpflanze ausgewählt. Im Rahmen der Generalversammlung des Vereins Freunde der Heilkräuter fiel die Wahl auf die Ringelblume (Calendula officinalis). Allen, die sich mit stärkenden und wirkstoffhaltigen Gewächsen auseinandersetzen, ist dieser Korbblütler sehr wohl ein Begriff. Denn die Ringelblume besitzt hervorragende wundheilende, antiseptische und blutreinigende Heileffekte. Sie erweist ihre stärkenden Dienste dem ganzen Organismus in- und auswendig. Ihre orangegelben Blüten zieren unsere einfachen Gärten wie kleine Sonnen und haben nicht allein dadurch eine gute Ausstrahlung. Da es sich bei der Ringelblume um keine gefährdete Spezies handelt, soll sie wie eine Einladung angesehen werden, um all jene, die der Pflege, dem Anbau und dem Gebrauch immer noch skeptisch gegenüberstehen, dazu zu bewegen, den Kräften der Natur Vertrauen zu schenken und bewusst das eine oder andere auszuprobieren, was dem Körper einfach gut tut. Die Ringelblume ist an und für sich schon wertvoll. Doch schätzt man sie umso mehr, wenn jemand mit ihr eine gute Erfahrung in Verbindung bringen kann. Im Verein Freunde der Heilkräuter in Karlstein/Th. wird nun schon bald 40 Jahre lang all jenen der Weg gewiesen, die dem gesundheitsunterstützenden Dienst der Pflanzen eine hohe Bedeutung zumessen. Nicht zuletzt im Zeichen der Ringelblume.

Hausmittel Ringelblume

2 Teelöffel getrocknete Blütenblätter der Ringelblume übergießt man mit ca. 1 Tasse (1/4 Liter) kochendem Wasser und lässt beides zusammen 15 Minuten lang zugedeckt ziehen. Danach abseihen und schluckweise trinken, um z. B. den Magen zu beruhigen und gleichzeitig die Leber- und Gallenfunktion zu unterstützen. Dieser Aufguss hilft zudem mit, bei fiebrigen Erkrankungen besser zu schwitzen. Selbst bei Durchfall hat sich der Ringelblumentee schon bewährt.

Ringelblume ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Verborgene Energie

Im Samen der Brennnessel

Manche Ressourcen sind nur begrenzt auf unserem Planeten vorhanden. Wer weiß, wie lange noch fossile Brennstoffe verwendet werden können. Da schwingt natürlich gleichzeitig die Sorge um das globale Klima mit, dessen Erwärmung sich wohl kaum mehr bremsen lässt. Alles, was damit in Zusammenhang steht, können wir nur schlecht erfassen. Wir sind nicht nur in dieser Hinsicht auf die seriöse Wissenschaft angewiesen. Kein Zweifel besteht jedoch darin, dass sich Pflanzen wie die Brennnesseln jedes Jahr stetig erneuern. In den heimischen Breiten kennen wir vor allem zwei Arten der Familie der Brennnesselgewächse: die Große Brennnessel (Urtica dioica) und die Kleine Brennnessel (Urtica urens). Seit alters her verwendet man ihre grünen Pflanzenteile, um allerlei daraus zu kochen und anzusetzen. Natürlich wollen wir bei dieser Gelegenheit nicht auf den wertvollen Tee vergessen, der aus getrockneten und zerkleinerten Blättern aufgesetzt werden kann. Dieser hilft Blut reinigen. Der Haut und den Haaren tut er in gleicher Weise gut. Viel weniger ist es aber in das interessierte Bewusstsein von Kräuterfreunden gedrungen, dass man auch die Samen des als Unkraut im Verruf stehenden Heilgewächses verwenden kann, um die vitale Verfasstheit des Organismus zu unterstützen. Die Nesselfrucht besteht aus kleinen, einsamigen Nüsschen, die ab September bis in den späten Herbst hinein reifen. Sie enthalten viel Vitamin E und weisen darüber hinaus einen hohen Gehalt an pflanzlichen Hormonstoffen auf. Gerade im fortgeschrittenen Alter darf man auf die Unterstützung dieser verborgenen Energiequelle setzen.

Zum Einnehmen und Drüberstreuen

Um eine gute Konstitution des Körpers zu fördern, kann man in regelmäßigen Abständen auf die Brennnessel zurückgreifen. Die gut getrockneten Samenkörner werden vorerst in einem Mörser leicht zerstoßen. 3mal täglich nimmt man 1 Esslöffel vor dem Essen ein, um entweder Honig, Wasser oder auch ein Glas Fruchtsaft als Transporthilfe zum Magen in Anspruch zu nehmen. Auf ein Müsli oder über Salate kann man diese Menge ebenfalls darüber streuen.

Brennessel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Mit einem frohen Gesicht

Bohnenkraut für straffere Haut

Gerade, wenn der Herbst ausklingt und der Winter ins Land zieht, sollten wir uns bemühen, unser Immunsystem zu stärken, damit wir nicht einer der vielen Ansteckungsmöglichkeiten erliegen, die durch grassierende Infekte vielerorts vorhanden sind. Da möchte ich aber gleich eine Frage anschließen. Ist es denn möglich, sich auch von etwas Gutem und Schönen gleichsam anstecken zu lassen? Das Bohnenkraut (Satureja montana) soll mir heute helfen, diesen aufgeworfenen Gedanken weiter zu verfolgen. Jener adrette Lippenblütler kann eigentlich gar nicht anders, als Jahr für Jahr elegant zu wachsen und eben schöne und ansprechende Blüten auszubilden. In einer Weise erinnert er uns zusätzlich an die menschlichen Jugendjahre. Es wird ihm nachgesagt, durchaus die Kraft der Lebensweitergabe zu unterstützen. Doch bleiben wir vorerst einmal bei unserer Haut. Es ist angesichts des zu erwartenden höheren Lebensalters der Erdenbürger denke ich ganz normal, dass mit zunehmendem Alter die Spannkraft samt der Elastizität der Haut geringer wird. Zudem bringt es ein geringeres Ausmaß an Bewegung mit sich, dass sich in Folge des guten Essens so manche Fettpölsterchen gerade dort ansetzen, wo wir es im Grunde gar nicht beabsichtigen. Letzteres kann man durch eine gezielt geänderte Essens- und Fitnesskultur in den Griff bekommen. Und für die Haut stellt uns das Bohnenkraut etwas zur Verfügung. Wenn nun schon diese Heilpflanze mit einer Eleganz und einem frischen Aussehen vom Schöpfer ausgestattet wurde, dann dürfen wir uns ruhig davon „anstecken“ lassen.

Die Gesichtshaut trimmen

Zur Förderung der Spannkraft der Haut im Gesicht nimmt man am besten vom Bohnenkraut (Satureja montana) 2 Teelöffel voll entweder frische oder getrocknete blühende und zerkleinerte Pflanzenteile und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten ziehen lassen und abseihen. Nach dem Abkühlen füllt man den Tee in ein Gefäß mit Zerstäuber, um damit die Haut zu besprühen. Von alleine trocknen und einziehen lassen.

Bohnenkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Alles zusammenziehen

Mit Blutwurz den Darm ansteuern

Die Liste der Heilkräuter ist ziemlich lang, wenn wir sie nach dem Nutzen für unsere Gesundheit, der von ihnen abfällt, aufreihen. Gewiss gehen jeweils verschiedene Effekte von den Gewächsen aus, die ihre Inhaltsstoffe anregen. Unter artenmäßig verwandten Kräutern kann es dahingehend oft Unterschiede geben. Vielen ist wahrscheinlich das Gänsefingerkraut bekannt. Sehr ähnlich sind von ihrer Form her die Blätter der nächsten Verwandten, der Blut- oder Tormentill-Wurz (Potentilla tormentilla vel Potentilla erecta), die auch Aufrechtes Fingerkraut genannt wird. In Mitteleuropa kommt diese Heilpflanze sehr häufig vor. So kann es möglich sein, dass viele von uns an dieser Pflanze vorübergegangen sind, ohne sie wirklich zu kennen. Der Wurzelstock der Blutwurz ist im Inneren orange bis rötlich gefärbt und weist allein schon von daher auf seinen Wirkungsbereich, dem roten Lebenssaft, hin, geht man von den Leitlinien der Signaturenlehre aus. Die Blutwurz beginnt erst ab Juni gelb zu blühen. Als Erntegut steht vor allem die Wurzel zur Verfügung, die am besten im Herbst ausgegraben und getrocknet wird. In erster Linie ist die Blutwurz jedoch eine Gerbstoffdroge. Daher besitzt sie eine stark zusammenziehende Kraft. Bei Entzündungen im Mund und Rachen, am Zahnfleisch und an den Schleimhäuten leistet sie wertvolle Hilfe. Doch wir dürfen ruhig physisch noch ein paar Etagen hinuntersteigen, wenn es gilt, dem Darm etwas Gutes zu tun. Nicht selten kann es vorkommen, dass sich unangenehmer Durchfall einstellt. Gerade dann ist es wichtig, wenn durch die Blutwurz eine Rückkehr zu einem geregelten Verdauungsvorgang begünstigt wird.

Tormentill-Wein

Von den getrockneten und zerkleinerten Wurzeln der Blutwurz nimmt man 60 g. Diese übergießt man in einem verschließbaren Glasgefäß mit 1 Liter Weißwein und lässt beides zusammen 10 Tage lang stehen. Danach abseihen und in einer Flasche kühl lagern. Leidet man unter Durchfall, so kann man bis zu 3 Likörgläschen über den Tag verteilt davon trinken, um eine Besserung zu erfahren.

Blutwurz oder Tormentill ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya