Gesundes Getränk

Mit Ysop aufgießen

Eben noch habe ich ein Dessert verkostet, das mir wunderbar mundete. Es kann ja niemand etwas dagegen haben, wenn man sich nach einem guten Essen noch einen Nachschlag süßer oder frischer Natur gönnt. Genießen ist nicht verboten, sofern nicht für sich selbst bzw. andere ein Nachteil daraus erwächst. Es kommt eben ganz darauf an, wie die Ingredienzien beschaffen sind, die man hierfür verwendet. In meinem Fall war es ein Zweig des Ysops (Hyssopus officinalis), der mitsamt seinen aromatischen Blüten der köstlichen Nachspeise den geschmacklichen Kick verschaffte. Meine Nachbarn am Tisch fragten mich auch gleich, was das denn für ein Gewürzkraut sei. Im Ysop finden wir eine Pflanze vor, die mediterranen Ursprungs ist und die seit langem sehr gern in den Kräuter- und Küchengärten nördlich der Alpen gezogen wird. Dieses Gewächs zählt zu den Lippenblütlern und enthält neben ätherischem Öl auch Gerb- und Bitterstoffe in seinen Wuchsteilen, weiters noch Flavonoide und Terpene. In seiner Wirkung unterstützt der Ysop die Tätigkeit vieler Drüsen in unserem Leib. Zudem hellt er das Gemüt auf und wirkt allgemeinen Schwächezuständen entgegen. Daher kann dieses Heilkraut gerade im Sommer von Vorteil sein. Ist man bei wärmeren oder auch vorübergehend kühleren Temperaturen wie gegenwärtig bestrebt, den Flüssigkeitshaushalt in rechter Weise zu beachten, so ist es durchaus angebracht, die einzelnen Kräutertees dabei nicht außer acht zu lassen. Ob man diese jedoch warm trinkt oder vorher auskühlen lässt, bleibt dem eigenen Belieben überlassen. Die Kräuter tragen auf jeden Fall etwas dazu bei, um sich fit und gesund durch den Sommer zu bewegen. Eine Möglichkeit besteht darin, dies mit einem Ysoptee zu praktizieren.

Aufguss mit Ysop

Von dem getrockneten und zerkleinerten Kraut des Ysops nimmt man 2 Teelöffel voll. Mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen und dann 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Abseihen und – wenn gewünscht – mit einem Schuss frisch gepresstem Zitronensaft ergänzen. Als Tagesration 2 Tassen davon trinken. Das hilft mit, eine übermäßige Schweißabgabe zu reduzieren und muntert die ganze Physis auf.

Ysop (Hyssopus officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Für Gesicht und Hände

Dost pflegt und reinigt

Wenn wir unseren Alltag gestalten, so wollen wir das mit möglichst qualitätsvollen Gebrauchsgegenständen, Speisen und sonstigen Annehmlichkeiten durchführen. Falls es das eigene Konto zulässt, sind wir durchaus bereit, auch höhere und gleichzeitig dem eigentlichen Wert entsprechende Summen dafür zu investieren. Die gottgeschenkte Mutter Natur berechnet keine Preise für ihr Angebot, das uns oft in nächster Umgebung zur Verfügung steht. Es bedarf bloß unserer Aufmerksamkeit, um sie für unser Wohl zeitgerecht zu nutzen. Im Dost (Origanum vulgare) finden wir einen derart hoch zu schätzenden Pflanzenfreund vor. Man nennt diesen Lippenblütler auch Wilder Majoran oder einfach nur Oregano. In den sommerlichen Wochen kommt das Gewürzkraut zur vollen Entfaltung und ziert die Böschungen und Wegränder mit seinen zart rosa-violett gefärbten Blüten. Das wissen ebenfalls die fliegenden Insekten zu schätzen und strömen daher in Heerscharen zum Dost, um dort den Nektar abzuholen. Im Wilden Majoran finden sich ätherische Substanzen, Gerb- und Bitterstoffe, das antibakterielle Thymol und sogar etwas an Vitamin C. So sehr diese Palette an Wirkstoffen auch angetan ist, dem Körper von innen her eine Unterstützung zu bieten, wenn man z. B. die Droge für einen Tee verwendet, so sollte man darüber hinaus auf die Haut nicht vergessen. Gerade für die Haut auf unserem Gesicht und unseren Händen kann es gut sein, mit hochwertiger Naturkosmetik dieselbe zu stärken und zu reinigen. Ein ganz einfaches Hausmittel, das weder viel kostet noch kompliziert zuzubereiten ist, kann das ganze Jahr über zur Anwendung kommen. Den Dost, den man dafür braucht, sollte man jedoch gegenwärtig ernten und trocknen, um später nicht leer auszugehen.

Hautreinigung mit Dost

Von einem getrockneten Gemisch aus Blüten und Blättern des Wilden Majorans nimmt man 1 Handvoll und übergießt diese Menge mit 1 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Danach den Absud in einem geeigneten Gefäß mit dem vorgesehenen Waschwasser mischen und das Gesicht und die Hände fest damit waschen und abreiben. Das wirkt sich kräftigend und reinigend auf die Haut aus.


Dost oder Oregano (Origanum vulgare) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Kräuterbad für Jung und Alt

Die Schafgarbe als Zusatz

Was uns in Zukunft als europäische Bürger sehr beschäftigen wird, ist wohl das gute und möglichst konfliktarme Verhältnis zwischen den unterschiedlichen Generationen bzw. Lebensaltern. Gewiss galt es schon zu allen Zeiten, den Jungen den Vortritt zu lassen, um sich in rechter Weise entfalten zu können. Genauso sollten auch die älteren Familienmitglieder in Würde und Geborgenheit ihrem Lebensende entgegenblicken dürfen. Ich denke, dass es angesichts der demographischen Prognosen ziemlich vieler Anstrengungen bedürfen wird, um hier die richtige Balance zu finden. Die Schafgarbe (Achillea millefolium) ist ein Heilkraut, das allein schon durch seine Blattphysiognomie einen Verweis darauf gibt, sehr feinfühlig und sensibel zu sein. Denn die ziselierte und zarte Struktur ihrer grünen Wuchsteile ist alles andere als grob und derb. Zu ihren Inhaltsstoffen zählen, Bitter-, Gerb- und Mineralstoffe, Salicylsäureverbindungen und ätherisches Öl. Und in seiner Wirkung erweist sich der Korbblütler als entzündungshemmend, entkrampfend, schmerzlindernd und antibakteriell. Sucht nun ein schon reiferer Zeitgenosse nach einer Unterstützung seitens der Schafgarbe, so kann dies bei Nervenleiden genauso erfolgen wie bei Juckreiz auf der Haut oder bei Beschwerden, die lästige Hämorrhoiden mit sich bringen. Das Thema Akne oder Nachbehandlung von heilenden Wunden kann für jüngere Erdenbürger mehr auf der Tagesordnung stehen als bei schon Betagten, die bei allem vorsichtiger ans Werk gehen. Generell hat die Schafgarbe die Eigenschaft, bei hormonellen Veränderungen den Betroffenen ausgleichend zur Seite stehen zu können. Das besitzt gerade in der Pubertät und im Wechsel eine nicht zu verleugnende Aktualität. Da nun gerade die hohe Zeit der Schafgarbe auf den Wiesen ihren Verlauf nimmt, wäre es schade, nicht auf dieses wertvolle Gewächs zu achten.

Badezusatz zubereiten

Von einem Gemisch aus Blüten und Blättern der Schafgarbe nimmt man 150 g und übergießt diese Menge mit ungefähr 2 Liter kochendem Wasser. Beides zusammen noch auf den Herd stellen und eine Weile aufwallen lassen. Dann von der Platte nehmen und 20 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Jetzt erst abseihen und dem Badewasser beifügen. Ca. 1/4 Stunde in der Wanne bleiben. Das stärkt die Haut, hilft dem Hormonhaushalt und unterstützt heilende Prozesse.

Schafgarbe mit Wurzel (Achillea millefolium) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Der Blüten hohe Zeit

Auch bei den Königskerzen

Die Zeit nach der sommerlichen Sonnenwende bedeutet nicht nur für viele Kinder und Studenten, endlich die ersehnten Ferien auskosten zu dürfen. Geht oder fährt man offenen Auges durch die Natur, dann wird man unwillkürlich auf eine Pracht treffen, die man eigentlich aus dem Frühling kennt. Dort, wo auf eher trockenen Hängen und Rasenflächen nicht zu sehr die menschliche Hand bzw. Mähmaschine ihr Regiment führt, können viele Arten an Kräutern und Blumen ihre Blüten zur Entfaltung bringen. Dies ist momentan auch bei der Großblütigen Königskerze (Verbascum densiflorum) der Fall. Bildet sie im ersten Jahr wohl eine eher bescheidene Blattrosette aus, ist sie im darauffolgenden Jahr nicht mehr zu übersehen, weil ihr aufrechter Blütenstand eine hohe Zahl an gelben Blüten aufgehen lässt und der prallen Sonne entgegenhält. Sie sammelt gleichsam die Energie des gleißenden Himmelskörpers und ist imstande, diese für die Menschen umzuwandeln. In den Blüten finden sich entzündungshemmende und schleimige Substanzen, die in der Naturheilkunde als wertvoll erachtet und somit auch zur Anwendung weiterempfohlen werden. Das gilt vor allem bei Beschwerden rund um entzündete Atemwege in Form von Erkältungen oder Bronchialkatarrhen. Dann ist es recht und gut, sich einen Tee mit den Blüten der Königskerze aufzugießen. Die Blütendroge lässt sich aber auch noch in anderen Belangen nutzen. Nicht selten kommt es vor, dass jemand unter Ohrenschmerzen leidet. Und immer wieder höre ich von Schmerzen, die jemand aufgrund arthritischer Gelenke zu spüren bekommt. In diesem Fall ist es dann ratsam, die Königskerze äußerlich zu verwenden. Hierfür lässt sich ein Hausmittel herstellen, das sehr gute Dienste leisten kann.

Blüten in Öl ansetzen

Voll ausgebildete Blüten der Königskerze werden vorerst im Schatten gut durchgetrocknet. 25 g davon setzt man 14 Tage lang in 1/2 Liter kaltgepresstem Olivenöl oder einem anderen pflanzlichen Öl eigener Wahl an. Dann abseihen und zusätzlich durch ein Stück Leinen filtrieren. Abfüllen und lichtgeschützt sowie kühl lagern. Bei arthritischen Leiden, die Schmerzen verursachen, kann man das Öl als lindernde Einreibung verwenden.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Lebensfreude und Munterkeit

Fördert das Eisenkraut

Was sind die Vorzüge der sommerlichen Urlaubszeit? – Da wird man wohl eine ganze Palette an Antworten darauf parat haben. Entspannung, Ruhe, in den Tag ohne Druck hineinleben oder einfach nur blau machen sind bloß einige wenige Vorschläge hierfür. Gar viele werden es schätzen, in der Früh länger liegen bleiben zu können. Und doch ist es oft schade, die Zeit dem Sonnengang nach gar nicht wahrzunehmen. Daher ist es durchaus auch angebracht, gerade die ersten Stunden des Tages bewusst in Angriff zu nehmen. Im Eisenkraut (Verbena officinalis) dürfen wir einen Partner entdecken, der uns dahingehend eine Unterstützung bereitstellen kann. In erster Linie sind es die Gerb- und Bitterstoffe, die sich in diesem heilsamen Gewächs befinden, die in mehrerer Hinsicht als die Gesundheit fördernd gelten. Denn immerhin werden Leber, Milz und Nieren dadurch positiv angeregt. In weiterer Folge sind vermehrte Aufmerksamkeit und ein konzentriertes Arbeiten besser möglich. Das Eisenkraut erweist sich jedoch ebenfalls bei Magenbeschwerden, bei Durchfall und Appetitlosigkeit als eine dem Leib zuträgliche Hilfe. In der Regel verwendet man das frische oder das getrocknete blühende Kraut, um sich damit einen Tee aufzugießen. Genau diese Vorgangsweise möchte ich heute empfehlen, um am frühen Morgen besser auf Touren zu kommen. Denn wir wissen aus unserer täglichen Erfahrung nur zu gut, dass uns so manche Starthilfe nach dem Aufstehen nottut. Es muss ja nicht immer die Trägheit sein, die Oberhand gewinnt, um die Zeit ungenützt vorüberstreichen zu lassen. Gerade in den freien Wochen erweisen sich oft die Morgenstunden als ein kostbares Geschenk. Also, warum sollte man daher nicht das Eisenkraut zu Hilfe nehmen, um die Sonne zu begrüßen und den neuen Tag von Beginn an auszukosten?

Morgentee zum Munterwerden

2 gehäufte Teelöffel des frischen oder getrockneten blühenden Eisenkrautes werden mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Mit etwas Honig und einem Schuss frisch gepresstem Zitronensaft aufbessern. Gleich vor dem Frühstück schluckweise trinken. So lässt sich die Morgenmüdigkeit leichter überwinden.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Kühlung vom Baum

An der Rotbuche finden

Unlängst wurde über die Medien eine Erkenntnis verbreitet, welche die Schweizer Wissenschaftler durch intensive Forschungen erreicht und in der Folge auch publiziert haben. Demnach gibt es eine wirkungsvolle Methode, um der globalen Erderwärmung quasi eine Bremse anzulegen. Und diese heißt schlicht und einfach Aufforstung in einem großen Stil. Denn die Wälder können seit eh und je Kohlenstoff binden, der ohne unsere grünen Pflanzenriesen zu sehr die Atmosphäre belasten würde. Nun gut, wir müssen nicht die ganze Zivilisation dafür aufgeben, um auf die Bäume zurückzukehren. Aber dennoch gilt es, diese Pflanzen vernünftig wertzuschätzen, ohne sie jedoch zu vergöttern. In unserer Heimat sind es die Rotbuchen (Fagus sylvatica), die meinen und unseren Respekt abfordern können. Ihre feine und edle Rinde wirkt auf mich sehr nobel, ebenso die zarten Äste, die sie am Rande ihrer Krone nach außen streckt und in den Himmel wachsen lässt. Übrigens war auch schon die große heilige Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen von den Buchen sehr angetan. Sie erkannte in den einzelnen Teilen des Baumes die heilenden Kräfte und empfahl die Verwendung der Buche bei Krämpfen, Fieber und Gelbsucht. Bis heute kann man z. B. die Rinde der fingerdicken Buchenäste abschälen und trocknen, um in weiterer Folge einen Tee damit aufzukochen, den man wiederholt an einem Tag trinken darf, um stark erhöhtes Fieber zu senken. Nun aber möchte ich mich speziell den Blättern der Rotbuche zuwenden, die ihren eigenen Wert besitzen. Übrigens handelt es sich hierbei um einen grün belaubten Baum. Die tiefrote Form der Buche nennt man Blutbuche (Fagus sylvatica atropunicea). In den Blättern der Rotbuche sind vor allem Gerbstoffe enthalten, die für einen entzündungsmindernden Effekt sorgen. Es geht von ihnen gleichzeitig eine Kühlung aus, die auch nicht zu verachten ist.

Auflage bei Gerstenkorn

Bei einem entzündeten Lidrand unseres Auges spricht man für gewöhnlich von einem Gerstenkorn. In diesem Falle kann man sich einen Tee aus frischen oder getrockneten grünen Buchenblättern zubereiten, den man nutzt, um damit eine Kompresse zu tränken, die man auf das geschlossene Auge auflegt. Das hilft mit, das infizierte Augenlid zu kühlen und gleichzeitig eine Heilung desselben zu unterstützen.

Buche oder Rotbuche (Fagus sylvatica) ⓒ Grafik von Prof. Emil Jaksch, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Beruhigung der Blase

Das Heidekraut einsetzen

Du musst viel trinken! – ein Aufruf, den man recht oft zu hören bekommt. Betagte Menschen empfiehlt man die genügende Aufnahme von Flüssigkeit genauso wie eben all jenen, die durch Beruf und viele zu erledigende Termine sich kaum Zeit nehmen, um zwischendurch ein vernünftiges Maß an alkoholfreien Getränken zu sich zu nehmen. In der Tat brauchen wir gerade in diesem Sommer das kostbare Nass für unseren Körper. Im Heidekraut (Calluna vulgaris) begegnen wir einem Gewächs, das sich eher durch einen sparsamen Wasserhaushalt auszeichnet. Denn dort, wo es wächst, ziehen nicht die großen Flüsse oder die rauschenden Bäche vorüber. Es siedelt eher gerne an trockenen Böschungen, in lichten Wäldern und sogar an Dünen an. Aber das Heidekraut kommt auch mit wechselfeuchtem Milieu, das in Mooren vorherrscht, zurecht. Warum ich heute dieses Heilkraut herausgreife, hat seinen Grund in der Tätigkeit der Blase, die den Harn sammelt, bevor er ausgeschieden wird. Sie ist permanent gefordert, weil sich in der Regel bei einem hohen Konsum an Getränken eben auch vieles sammelt, was wieder abgeführt werden muss. Im gleichen Prozess findet auch die Entsorgung so manch überflüssiger sowie giftiger Substanzen statt. Die Blase steht in einem engen Zusammenhang mit den Nieren und bei Männern ebenfalls über den Harnleiter mit der Prostata. Es kann verschiedene Gründe geben, dass es zu einer Irritation dieses sensiblen Bereiches kommt und man daher öfter die Toilette aufsuchen muss als sonst. Als lästig erweist sich das vor allem in der Nacht durch eine Unterbrechung des nötigen Schlafes. Gerbstoffe, Flavonoide und das Glycosid Arbutin sind einige der Inhaltsstoffe des Heidekrautes. So kann man davon ausgehen, dass es gerade die Blase ist, die durch dieses Heilkraut eine Stärkung und zugleich eine Beruhigung erfahren darf.

Bei nervöser Blase

4 Teelöffel voll getrockneter und zerkleinerter blühender Heidekraut-Spitzen werden mit 1/4 Liter siedendem Wasser übergossen. 15 Minuten lang ziehen lassen und abseihen. Vor allem abends 1 Stunde lang vor dem Schlafengehen den warmen Tee schluckweise trinken. Das hat einen beruhigenden Effekt auf die Blase und vermindert einen lästigen Harndrang.

Heidekraut oder Besenheide (Calluna vulgaris) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Bei Kopfschmerzen und Blähungen

Kümmel lindert Beschwerden

Aufmerksamkeit ist eine hohe Tugend. Sie fördert eine gute Kommunikation zwischen den Menschen und hilft mit, die Dinge so wahrzunehmen, wie sie in Wirklichkeit sind. Und trotzdem kann es passieren, dass man so manches in unmittelbarer Umgebung übersieht. Man denkt z. B. darüber nach, wie man sich angesichts mancher körperlicher Beschwerden eine Hilfe verschaffen könnte. Ein Blick in den Gewürzkasten würde das schon eine Möglichkeit aufzeigen können. Dort drinnen befindet sich wohl in den meisten Haushalten der Echte Kümmel (Carum carvi). Gewiss meine ich hiermit nicht die Pflanze mit den grünen Gewächsteilen samt der Wurzel. Vielmehr sind es die reifen Samenkörner, die in getrocknetem Zustand ganz einfach als schmackhafte Zugabe bei Speisen und Backwaren zum Einsatz kommen können. Sie beinhalten sehr viele ätherische Substanzen, die eine lösende, entkrampfende und zusätzlich keimwidrige Wirkung besitzen. Ähnlich wie der Fenchel sind sie dazu angetan, um Gärungsprozesse im Darm, die in weiterer Folge zu Blähungen führen, hintanzuhalten. Darüber hinaus erweist sich der Kümmel für die Atemwege als stärkend. Wenn man mithilfe der Kümmelkörner, die zuvor leicht angestoßen werden, einen Tee in Form eines Heißaufgusses anrichtet und trinkt, hat man damit ein mildes schleimlösendes Mittel für die oberen Luftwege zur Verfügung. Eine Anspannung im Körper, die verschiedene Ursachen haben kann, äußert sich bei gar nicht wenigen von uns durch Kopfschmerzen. Um diesen unangenehmen Umstand erträglich werden zu lassen, greift man nur allzu schnell zu Medikamenten. Die gute Wirkung des Kümmels sollte dabei aber nicht übersehen werden. Die Samenkörner des Doldenblütlers werden dafür jedoch extra aufbereitet.

Hausmittel Kümmel

Vorhandene qualitätsvolle Kümmelkörner mahlt man zu einem Pulver, das man gut verschlossen aufbewahrt, damit sich die Wirkstoffe nicht verflüchtigen können. Bei Beschwerden wie vorübergehende Kopfschmerzen oder zeitweise auftretende Blähungen nimmt man pro Tag 2- bis 3-mal vor den Mahlzeiten jeweils 1 Messerspitze des Kümmelpulvers zu sich und trinkt noch ein paar Schluck lauwarmes Wasser hinterdrein. Das sorgt für eine Entspannung des Körpers, die von Innen heraus über die Verdauung zu wirken beginnt.

Kümmel (Carum Carvi) ⓒ wikimedia.commons/Jerzy Opioła





Zwei Körner als Unterstützung

Für Wellensittiche bei der Mauser

Die Schöpfung ist vielfältig und großartig. Das Faszinosum, das von Tier und Pflanze ausgeht, kann man nur schwer in Worte fassen. Es ist zudem ein spannendes Unterfangen, ein vertrautes Verhältnis zu so manchem Geschöpf anzubahnen, das mit uns das Leben teilt. Deswegen hat der Mensch schon bald begonnen, wilde Tiere zu zähmen und sie zum eigenen Nutzen, oft jedoch zur eigenen Freude zu halten und zu züchten. Fremdländische Vögel werden bis heute gerne in Käfigen und Volieren unter hoffentlich artgerechten Bedingungen gehalten. Buchweizen und Sesam sollen heute hervorgehoben werden, weil ich einen Tipp in Bezug auf die Haustiere namens Wellensittich geben möchte. Die warme Jahreszeit bereitet nämlich gerade diesen kleinen Papageien eine Freude. Wenn wir unter der Hitze stöhnen, fühlen sie sich erst so richtig wohl. Der Energieaufwand ist in den sonnenreichen Tagen ein relativ geringer, was jedoch für notwendige Erneuerungsmaßnahmen gut genutzt werden kann. Das Federkleid sollte auf jeden Fall gewechselt werden. Im Fachjargon heißt diese Phase schlicht und einfach Mauser. In den Samenkörnern finden sich viele wertvolle Substanzen wie etwa Kalzium, Kalium und auch Kieselsäure. Aber es sind ebenso Fettsubstanzen und Eiweißstoffe, die das Ihre zu einer besseren Neubildung des Gefieders beitragen können. Das sollte man bedenken, wenn man rund um die Wellensittiche auf einmal mehr Federn am Boden vorfindet als sonst. Wer sich daher um das Wohl seiner flugfähigen Freunde Gedanken macht, kann sich der guten Erfahrungen so mancher Vogelzüchter und Haustierliebhaber bedienen und sie selbst für die Vögel zur Umsetzung bringen.

Ergänzung des Futters

Befinden sich Wellensittiche in der Mauser, so ergänzt man das Futter durch eine Beigabe von ein wenig Buchweizensamen. Zusätzlich gibt man auch einen Anteil an Sesamkörnern dazu. Letztere kann man zusätzlich leicht anrösten, um sie besser verdaulich zu machen. Ihr hoher Ölgehalt bringt eine gute Unterstützung während der Bildung der neuen Federn mit sich.

Buchweizen (Fagopyrum esculentum) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Beruhigen und erfrischen

Mit der Goldmelisse

Andere Länder, andere Sitten! In der momentan startenden Urlaubssaison haben wiederum viele die Gelegenheit, diesen Spruch in Wirklichkeit zu erleben. Obwohl die Welt schon seit langem zum Dorf geworden ist und Distanzen keine Rolle mehr spielen, so hat sich – Gott sei es gedankt – doch das Charakteristische eines Volkes, eines Landstrichs oder eines ganzen Kontinentes zumindest in Teilen und Relikten erhalten. Die Ureinwohner Nordamerikas schätzten z. B. einst die Pflanzen, die in ihrer unmittelbaren Umgebung wuchsen. Die Goldmelisse (Monarda didyma) wird daher auch als Indianernessel bezeichnet, obwohl sie eigentlich zur Familie der Lippenblütler zählt. Heute wissen nur wenige, dass die Monarde, die in vielen Parks und Gärten hierzulande zu finden ist, ursprünglich im nördlichen Teil Amerikas jenseits des Atlantiks anzutreffen war. Mit der Schifffracht vergangener Jahrhunderte kam so manches pflanzliche Gut dieses Erdteils auch nach Europa, um hier gleichsam eine neue Geschichte zu schreiben. Das Zierende an diesen Gewächsen hatte jedoch lange den Vorrang, ehe man in weiterer Folge ihren gesundheitlichen Nutzen entdeckte. Zu den Vorteilen der Goldmelisse zählt der Gehalt an verschiedenen ätherischen Ölen, die sich positiv auf unseren Leib auswirken können. In vielfältigen gesundheitlichen Anliegen kann man darangehen, dieses Heilkraut zu verwenden und zum Einsatz zu bringen. Vielleicht schreibt ja der eine oder die andere die Körperpflege in den sommerlichen Wochen größer als zur geregelten Arbeitszeit. Mit der Goldmelisse ist es möglich, sich speziell dem Gesicht zuzuwenden. An diesem lässt sich so manche Strapaz oder auch ein geringes Pensum an Schlaf leicht ablesen.

Gesichtswäsche mit Tee

Von getrockneten Blütenblättern der Goldmelisse nimmt man 2 Teelöffel voll und überbrüht sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Diese Menge kann man einige Zeit vor dem Schlafengehen schluckweise trinken. Mit einem doppelten Quantum dieses Aufgusses verwendet man hingegen die eine Hälfte für eine Gesichtswäsche am Abend, wobei man den Tee auf der Haut abschließend eintrocknen lässt. Die zweite Hälfte trinkt man. Das entspannt und beruhigt die Gesichtszüge und lässt einen am nächsten Morgen frisch und munter dreinschauen.

Goldmelisse oder Indianernessel (Monarda dydima) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya