Den Körper entlasten

Wacholder hilft ausleiten

Wer schon einmal von einer Wohnung in eine andere übersiedeln musste, wird wohl ein Lied davon singen können, welch großen Aufwand dieses Unterfangen bedeutet. Meist ist es doch so, dass sich im Laufe der Zeit alles Mögliche ansammelt, das man schon einmal benutzt hat und das dann irgendwo abgestellt wurde. Alles, was nicht mehr benötigt wird, heißt es folglich auszusondern. Unsere Physis ist zwar kein Kellerabteil und kein Dachboden, indem man x-Beliebiges verstauen könnte; es sammelt sich trotzdem genug an verschiedenen Stoffen und sogar schädlichen Substanzen an. Es braucht daher kompetente Hilfskräfte, mit denen man eine Reinigung von innen heraus vornehmen kann. Um den Wacholder (Juniperus communis) zu finden, der uns hierbei gute Dienste erweist, brauchen wir nicht in die Ferne zu schweifen. Er gehört zu unserer angestammten Flora. Wenn mich jemand fragt, der einen engen Bezug zu Zypressen hat und dieselben im eigenen Garten mit mitteleuropäischem kontinentalen Klima pflanzen will, dem rate ich immer dazu, doch als Alternative zu den mediterran beheimateten Bäumen einen Wacholder zu pflanzen. Er zählt zur großen Baumfamilie der Zypressengewächse und teilt sich somit seine botanische Verwandtschaft u. a. mit Lebensbäumen und Mammutbäumen. In unserer Phantasie können wir ein paar Zweige vom heimischen Wacholder herunterschneiden und daraus einen Besen binden. Gewiss wird uns – sollten wir es in der Realität durchführen – ob seines spitzen Nadelkleides recht bald die Lust daran vergehen. Bedenken wir jedoch, dass sich im Wacholdergrün so manch Wertvolles verbirgt: ätherisches Öl, Gerbsäure, Flavone, Harz und vieles andere mehr. Um nun den Körper im „Entrümpeln“ so mancher unnützer Stoffe zu unterstützen, kann man sich des Wacholders bedienen. Dazu benötigt man aber gewiss keinen Besen, sondern vielmehr einen förderlichen Tee.

Tee aus Wacholder-Grün 

Fingerdicke frische Wacholderzweige werden in Scheiben geschnitten und vorerst einmal getrocknet. 1 gehäuften Teelöffel voll davon nehmen und in 1/4 Liter kaltem Wasser zustellen. Kurz aufkochen und dann zugedeckt 15 Minuten lang ziehen lassen. Abseihen und morgens gleich auf nüchternen Magen 3 Wochen lang trinken. Das kann mithelfen, den Körper durch eine vermehrte Harnangabe von innen her zu entlasten. Bei angeschlagenen oder schwachen Nieren sollte man jedoch die Verwendung von Wacholder meiden. www.kraeuterpfarrer.at

Wacholderzweig mit Beeren (Juniperus communis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

 

Erfrischende Wohltat

Pfefferminze in der Badewanne

Ein trautes Heim ist sehr viel wert. In Zeiten, da die Außentemperaturen der Jahreszeit entsprechend sinken und darüber hinaus ein verstärkt zurückgezogenes Leben daheim den erneut in Erinnerung gerufenen Vorsichtsmaßnahmen rund um das Thema Coronavirus entspricht, bekommt diese Einsicht wohl noch mehr an Bedeutung. Damit einem aber nicht die sprichwörtliche Decke auf den Kopf zu fallen droht, ist es sicher klug, das Beste daraus zu machen. Und warum sollen einem die Heilkräuter nicht dabei helfen? Es muss ja nichts Ausgefallenes sein. Die Pfefferminze (Mentha piperita) z. B. zählt wohl zu den bekannten Gartenkräutern, mit denen wir gleichzeitig ein gutes Aroma verbinden. Sicherlich ist es möglich, so manche Speisen oder Süßigkeiten damit aufzubessern. Das ist aber dann Geschmackssache. Für die Haut ist dieses Heilkraut ebenso geeignet. Die naturnahe Parfümherstellung bedient sich u. a. schon seit langem der Vorteile dieses Lippenblütlers. Und generell kann man der Pfefferminze eine erfrischende und sogar eine antiseptische Wirkung zuschreiben, die nicht zuletzt von den in ihr vorhandenen ätherischen Ölen ausgeht. Gleichzeitig erfährt das Nervengeflecht eine gewisse Beruhigung und einen stärkenden Ausgleich, wenn man sich diese beschriebenen Wirkungen auch zunutze macht. Daher geht es mir heute um die Haut, die als erste vom heutigen Tipp profitieren soll. Wie gesagt, man muss eine Zeit, die man zu Hause verbringt, nicht unbedingt totschlagen. Gewinnbringender ist es dann schon, sich selbst etwas Gutes zu tun, um in der Folge auch für andere wieder besser zur Verfügung stehen zu können. Die Pfefferminze ist durchaus geeignet, das gute allgemeine Wohlbefinden zu fördern.

Pfefferminzabsud für die Haut 

Von getrockneten und zerkleinerten Pfefferminzblättern nimmt man ca. 150 g. Mit 3 Liter kochendem Wasser übergießen und 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Danach abseihen und den gewonnenen Aufguss dem Badewasser beifügen. Ca. 20 Minuten in der Wanne genüsslich baden, ehe man heraussteigt und sich abtrocknet. Die Pfefferminze wirkt reinigend für die Haut. Gleichzeitig besitzt sie auch eine nervenstärkende Wirkung. Dieses Bad hilft mit, dass man als Ganzer wieder frischer wird. www.kraeuterpfarrer.at

Pfefferminze (Mentha piperita) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

 

Efeu und Kamille

Diesmal fürs Gesicht

Aufmerksamkeit kann nie schaden. Das weiß jede und jeder, die sich auf irgendeine Art und Weise auf öffentlichen Wegen und Straßen bewegen und somit automatisch zu so genannten Verkehrsteilnehmern werden. Hierbei gilt die Achtung vor allem den anderen. Im privaten Bereich kann man es sich schon eher leisten, ganz wörtlich genommen auf sich selbst zu schauen. Die erste Gelegenheit am Tag bietet der Spiegel im Badezimmer, in den wir mehr oder weniger verschlafen hineinblicken. Dieses Bild möchte ich heute gleichsam mit Efeu (Hedera helix) und Kamille (Matricaria chamomilla) ergänzen. Dabei geht es mir weniger darum eine Vase damit zu bestücken, sondern vielmehr einen Verweis auf eine natürliche und pflanzlich unterstützte Hautpflege zu geben. Den Efeu hat man das ganze Jahr über zur Verfügung. Mehr als uns oft lieb ist, wächst und wuchert er die Mauern empor, erobert Baumstämme oder bedeckt am Boden lichter Wälder sogar ganze Hänge. Zu den Inhaltsstoffen der Blätter des begabten grünen Kletterers zählen Saponine, Flavonoide und sogar ätherisches Öl. Die Kamille wiederum, die ein Korbblütler ist und gerne auf agrarisch aufbereitetem Territorium gedeiht, trägt ebenso ätherisches Öl in sich, darüber hinaus noch Bitter- und Gerbstoffe, Azulen und vieles andere mehr. Wir wissen um die Vorzüge, die uns dieses Heilkraut in Bezug auf Verdauung und Atemwege verschaffen kann. Das ist aber noch kein Hindernis, um ebenso die kosmetischen und somit hautpflegenden Aspekte mit in Betracht zu ziehen. Zuvor möchte ich noch einen Hinweis zum Ansetzen eines Efeu-Öls geben: 125 g Efeublätter, die man durch eine Fleischmaschine dreht und somit zerkleinert, werden 14 Tage lang zusammen mit 1/2 Liter kaltgepresstem Olivenöl in einem verschlossenen Glas angesetzt. Dann abseihen, in Fläschchen füllen und kühl lagern.

Gesichtsfalten im Zügel halten

Am Abend gießt man sich 1/2 Liter Kamillentee im Heißaufguss auf, lässt ihn nach dem Abseihen entsprechend abkühlen und wäscht sich das Gesicht damit ab. Die Haut an der Luft trocknen lassen, ohne ein Handtuch zu verwenden. Danach massiert man sich das Gesicht mit einem Efeu-Ölansatz ein. Am darauffolgenden Morgen kann man sich mit einem stark verdünnten Kräuteressig (z.B. Oregano-Essig) abreiben. www.kraeuterpfarrer.at

 Efeu (Hedera helix) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

 

 

Bei heftigen Träumen

Acker-Stiefmütterchen aufgießen

Will man die verborgenen Dimensionen unseres menschlichen Daseins ein bisschen tiefer ergründen, so gibt es vieles, was man weder visuell noch gegenständlich vor sich bringen kann. Dazu zählen allein schon der Verstand, die Intelligenz und das Denken. Viel geheimnisvoller wird es dann noch, wenn man ins Reich der Träume vordringen möchte. Diese stehen als seelischer Reinigungsfilter jedoch oft der durchlebten Wirklichkeit viel näher, als wir das meinen. Deswegen möchte ich heute auf das Acker-Stiefmütterchen (Viola tricolor) verweisen, das uns in mancherlei Hinsicht eine pflanzliche Unterstützung anbieten kann. Die Inhaltsstoffe, die sich in den Trieben des Veilchengewächses befinden, setzen sich vor allem aus Flavonoiden, Schleimstoffen und Glykosiden zusammen. Die adrette Blume von den Feldrändern ist also nicht bloß schön anzusehen, sondern besitzt auch eine gute Wirkung auf unsere Physis. Davon profitiert u. a. die Haut, auf der sich manche unangenehme Veränderungen feststellen lassen. Aber dies betrifft ebenso die seelische Verfassung, die auch mit mancherlei Krankheiten korrespondiert. Ein geschwächtes und zugleich angespanntes Nervengeflecht ist ein gutes Beispiel dafür. Bei Herzbeschwerden hat man ebenfalls ein erhöhtes Auftreten von Angstgefühlen, die auf irgendeine Weise nach einer Ableitung suchen und in eher unangenehmen Träume münden können. Oder denken wir nur an Asthmaleidende, die im wahrsten Sinne des Wortes nach Luft ringen müssen. All das bleibt in der psychischen Verfassung letztendlich nicht ohne Spuren. Im Acker-Stiefmütterchen finden wir eine Partnerin, die draußen in der freien Natur sehr gut ihre Existenz abzusichern weiß und somit auf oft bescheiden anmutenden Standorten mit den dortigen Bedingungen zurechtkommt. Allein diese Tatsache ist für mich ein Grund, dieses Heilkraut all jenen zu empfehlen, die ihr inneres Wesen in Krisenzeiten festigen möchten.

Festigender Tee 

Vom getrockneten und zerkleinerten blühenden Kraut des Acker-Stiefmütterchens nimmt man 2 Teelöffel voll. Mit 1/4 Liter siedendem Wasser übergießen und 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, dann abseihen. Von diesem Tee trinkt man sowohl in der Früh als auch am Abend jeweils 1 Tasse. Das kann mithelfen, die Nerven zu stärken, während man unter einer Beeinträchtigung der Atemwege, des Herzens oder des Gemütes leidet. Es unterstützt auch einen ruhigeren Schlaf. www.kraeuterpfarrer.at

Acker-Stiefmütterchen oder Wildes-Stiefmütterchen (Viola tricolor) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

 

 

Linderndes Korn

Roggenmehl bei Kopfschmerzen

Mit fortschreitendem Alter verändert sich unser Körper, die Agilität und nicht zuletzt die Beweglichkeit. Je höher die Anzahl der Jahre seit der Geburt steigt, desto mehr besteht der Wunsch, dass man vor allem geistig hell und wach bleibt. Der Kopf soll klar bleiben, der Verstand wach und der Geist dazu noch rege. So will ich heute bei der obersten – über dem Hals angesiedelten – physischen Region verweilen. All das, was ich eben an Wünschen und Vorstellungen geschildert habe, ist ein großes Geschenk. Die pflanzliche Natur kann aber auch etwas dazu beitragen, dass man sich bei Beschwerden Linderung herbeiholt. In der Getreideart Roggen (Secale cereale) ist übrigens nicht nur eine Grundsubstanz zu finden, die für das Brotbacken unerlässlich zu sein scheint. Es gibt darüber hinaus weitere Aspekte der Verwendung des Korns. Vitamine, Mineralstoffe und Aminosäuren zählen zu den wertvollen Inhaltsstoffen des Roggens. In der Landwirtschaft ist man ohnehin bestrebt, ein qualitätsvolles Produkt zu säen und mit Gottes Hilfe auch reichlich zu ernten, um jedes Jahr die nötigen Reserven zur Verfügung zu haben. Ganz kleine Mengen davon können dem Kopf zugutekommen, wenn dieser unter lästigen Schmerzen leidet, die sich durchaus beeinträchtigend auf unser gesamtes physisches und psychisches Befinden auswirken können. Wir dürfen darauf stolz sein, dass es in unserer Heimat einen reichen Erfahrungsschatz an unzähligen erprobten Hausmitteln gibt, die auch kommenden Generationen zur Verfügung stehen. Und vor allem ist deren Einsatz auch gegenwärtig angesagt, wenn Migräne, Wetterumschwung, Wechselbeschwerden und vieles andere mehr eine Ursache dafür sind, dass der Kopf zu schmerzen beginnt. Den Roggen brauchen wir dann in gemahlener Form.

Auflagen mit Roggenmehl und Essig 

Bei starken Kopfschmerzen ist es ohnehin angesagt, sich hinzulegen. Dabei kann man auch eine Anwendung in Form einer Auflage durchführen. Aus Roggenmehl und Apfelessig rührt man einen Brei an, den man zusätzlich gut erwärmt. Danach auf ein entsprechend großes Tüchlein streichen und auf den Nacken und auf die Schultern legen. Beim Ruhen zusätzlich die Füße warm halten. Nach 2 Stunden sollte die Auflage wieder erneuert werden, wenn dies von Nöten ist. www.kraeuterpfarrer.at

Apfelessig und Roggenmehl ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

 

 

 

 

Nach dem Essen

Majoran und Eisenkraut fürs Gemüt

Beim täglichen Essen ist es immer interessant, was auf der Speisekarte steht. Vor allem dann, wenn man nicht selber kocht, freut man sich auf eine süße Nachspeise. Ein üppiger Nachschlag in Form von Zucker und Schlagobers ist für viele eine gefährliche Verführung. Um dieser zu entgehen, möchte ich uns allen den Majoran (Origanum majorana) mitsamt dem Eisenkraut (Verbena officinalis) vor Augen stellen. Bei diesen Heilpflanzen handelt es sich um durchaus bekannte Gewächse, die einerseits etwas beitragen können, um unsere Verdauung zu unterstützen und andererseits den angeschlagenen Nerven zur Seite zu stehen. Sie enthalten einerseits ätherische Öle, aber auch Flavonoide und Gerbstoffe. Wenn nun die Herbstnebel einzufallen beginnen und die Wolkendecke das vorhandene Tageslicht deutlich vermindert, so meldet sich bei nicht wenigen ein depressives Gemüt, das den Tagesverlauf beträchtlich beeinträchtigen kann. In diesem Falle ist es sicher nicht ratsam, die Hände in den Schoß zu legen, um sich dem persönlichen Schicksal zu überlassen. Diesmal möchte ich einen Tipp geben, der sich ausnahmsweise einmal auf die Zeit nach der jeweils eingenommenen Mahlzeit bezieht. Ein Tee kann da sicher nicht schaden und ist schon gar keine Sünde.

Tee aus zwei Kräutern 

Die getrockneten und zerkleinerten Blätter und Triebspitzen von Majoran und Eisenkraut werden zu gleichen Teilen abgemischt. Davon nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Bei depressiven Stimmungen und seelischer Niedergeschlagenheit empfiehlt es sich, diesen Tee mit etwas Honig zu süßen und nach den Mahlzeiten jeweils 1 Tasse schluckweise zu trinken. www.kraeuterpfarrer.at

Eisenkraut und Majoran-Zweiglein (Origanum majorana) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

 

 

Kühlendes Kraut

Hirtentäschel bei Wallungen

Es ist nie einfach, wenn sich durch äußere oder innere Umstände das Leben verändert. Das kann z. B. eintreten, wenn man von einem Wohnsitz in einen anderen umzieht. Oder man wechselt den Beruf. Es gilt übrigens auch für den menschlichen Körper zeit seines Lebens, mehrere Male in eine neue Phase einzutreten, die unsereins als Einheit von Leib und Seele einiges abfordert. Neben der Pubertät ist vor allem der so genannte Wechsel ein Thema, mit dem sich die Betroffenen persönlich auseinandersetzen müssen. Das Hirtentäschelkraut (Capsella bursa-pastoris) stellt eine Pflanze dar, die man in gewissen Zeiten als eine unterstützende Hilfe in Anspruch nehmen darf. Und dazu zählt nun einmal der Wechsel, der sich laut diversen Untersuchungen und Forschungen bei Frauen und Männern auf ganz unterschiedliche Weise vollzieht. Beim weiblichen Geschlecht sind es die Hitzewallungen, die viele als unangenehm und belastend empfinden. Im Hirtentäschel sind Inhaltsstoffe in Form von Flavonoiden, ätherischem Öl, pflanzlichen Säuren und Gerbstoffen enthalten. Es wird der zur Familie der Kreuzblütengewächse zählenden Pflanze auch eine adstringierende Eigenschaft zugesagt. Das kann sich als nützlich herausstellen, wenn man sich aufgrund von Wallungen nicht so gut fühlt. Dann ist es u. a. möglich, sich auf eine äußerliche Anwendung des Heilgewächses zu konzentrieren. Über die sensiblen Zonen der Hände und der Füße lässt sich der wohltuende Effekt, der von der Pflanze ausgeht, auf die gesamte Physis übertragen. Und somit steht dann ein Hausmittel zur Verfügung, für dessen Anwendung man lediglich ein wenig Zeit investieren muss. Daran sollte es prinzipiell nicht scheitern. Es ist auf jeden Fall einen Versuch wert, mit dem Hirtentäschelkraut somit eine gute Erfahrung zu machen.

Aufguss für Hand- und Fußbad

Vom getrockneten und zerkleinerten Kraut des Hirtentäschels nimmt man 5 Esslöffel voll. Mit 1 Liter kochendem Wasser übergießen und dann 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Abschließend abseihen und zum Hand- oder Fußbadewasser gießen. Diese Anwendung kann in Zeiten von Wallungen eine Erleichterung herbeiführen. www.kraeuterpfarrer.at

Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Den Darm stärken

Brombeerblätter aufgießen

Ein Streifzug durch die Natur zahlt sich auf jeden Fall aus. Gerade dann, wenn sich im Herbst die Blätter auf den Bäumen und Sträuchern verfärben, ist es gut, die gesundheitsfördernde Bewegung mithilfe eines Spaziergangs in die Tat umzusetzen, der zudem auch das Auge erfreut. Und dabei entdecken wir so viel Wunderbares, das unserer Physis und darüber hinaus der Psyche zugutekommt. Es bedarf natürlich eines aufmerksamen Blickes, um oft verborgen Wertvolles zu entdecken. Am Waldboden und auf Feldrainen trifft man z. B. auf die Brombeeren (Rubus fruticosus). Diese rankenden Gewächse gibt es natürlich auch in gezüchteter Form in unseren Gärten, wo man Jahr für Jahr einen meist reichen Ertrag an Beeren entgegennehmen kann. Der Genuss dieser Früchte ist nur wärmstens zu empfehlen. Den Drang nach etwas Naschbaren kann man ebenfalls auf diese gesunde Nahrungsergänzung hinlenken, vor allem bei Kindern. Die Blätter der wilden Brombeeren sind überdies von gutem Nutzen. Sie zeichnen sich durch einen beträchtlichen Anteil an Gerbstoffen aus, der gleichzeitig der Pflege unserer Gesundheit dienlich sein kann. Einerseits ist es sinnvoll, die Haut damit zu pflegen und zu stärken und andererseits wissen wir, dass es zudem im Verdauungstrakt angezeigt sein kann, diesen Wirkstoff in Anspruch zu nehmen. Denn dann und wann ist ein unangenehmer Durchfall die Ursache, vermehrt das Haus zu hüten. Um die Tätigkeit des Darmes in geregelte Bahnen zu lenken, dürfen wir uns daher der Blätter der Waldbrombeeren bedienen. Diese sollten vor allem in getrockneter Form aufbereitet werden. Gewiss wird man die Gerbstoffe beim Trinken des Tees auf dem Gaumen zu spüren bekommen. Das soll aber kein Hindernis dafür sein, das allgemeine gute Wohlbefinden wieder herzustellen.

Tee für Magen und Darm 

Von getrockneten und zerkleinerten Blättern der Waldbrombeeren nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten ziehen lassen und dann abseihen. Bei Durchfall oder verdorbenem Magen kann man 3 Tassen davon über den Tag verteilt trinken. Ein positiver Nebeneffekt dieser Vorgehensweise ist es, dass dadurch zugleich die körpereigene Immunkraft unterstützt wird, was sich gerade jetzt im Herbst als vorteilhaft erweist. www.kraeuterpfarrer.at

Brombeerranken mit Blüten und Früchten (Rubus fruticosus) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

 

 

Gute Würze in der Küche

Anis tut auch bei Schluckauf gut

Wenn man den europäischen Kontinent nach gewissen Kriterien einteilt, dann sind dabei sicherlich die Grenzen der einzelnen Staaten die vorrangige Maßgabe. Andererseits spielen u. a. verschiedene Landschaftsformen oder Flussläufe eine Rolle. Was ich sicher nicht übersehen möchte, das sind die kulinarischen Qualitäten, die ganze Regionen auszeichnen. Hierzulande dürfen wir durchaus stolz sein auf die Kunst der Küchen, die uns als Urlaubsdestination beliebt machen. Wenn ich daher heute den Anis (Pimpinella anisum) aus der Schatzkammer der heilsamen pflanzlichen Gaben heraushole, dann ist es naheliegend an die verschiedenen Möglichkeiten zu denken, die der Anis als würzende Beigabe bieten kann. Ganz klar, dass dies bei einer Anzahl von Backwaren der Fall ist. Aber auch bei Aufläufen ist es manchmal gut, auf die schmackhaften Körner des Doldenblütlers zurückzugreifen. Und vergessen wir darüber hinaus das Gemüse wie Rotkraut, Gurken und Karotten nicht, die ebenfalls oft eine Prise Anis vertragen. Als vorrangigen Inhaltsstoff der Samenkörner darf ich das ätherische Anisöl nennen, das ebenso für das charakteristische Aroma des Gewürzes verantwortlich zeichnet. Wie immer auch Anis eingesetzt wird, wirkt er appetitsanregend und zudem blähungswidrig. Ich denke, es ist wichtig, nicht auf die kleinen und stillen Helfer der Gesundheit zu vergessen, die nicht nur den Teller und das, was draufkommt, bereichern, sondern darüber hinaus noch unsere Physis auf wunderbare Weise in Schwung halten. Übrigens kann der Anis auch als Hilfe im Alltag herhalten. Gerade dann, wenn sich das lästige „Schnackerl-Stoßen“ – sprich: Schluckauf – einstellt, ist es gut, auf die würzigen Körner zurückgreifen zu können. Hierzu habe ich einen leicht umzusetzenden Tipp.

Anis-Tee zubereiten und trinken 

Die Menge von 2 gehäuften Teelöffeln voll Aniskörner wird am besten in einem Mörser leicht angestoßen. Danach mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen und 15 Minuten lang zugedeckt ziehen lassen. Abseihen und anschließend den Tee warm und schluckweise zu sich nehmen. Hat sich schon oft als beruhigende Hilfe bei Schluckauf erwiesen. www.kraeuterpfarrer.at

Anis (Pimpinella anisum) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

Wieder zu Kräften kommen

Mit Kalmus probieren

Das Wetter ist sehr oft die Grundlage, um den täglichen Smalltalk mit den Leuten zu führen, denen wir auf der Straße oder im Geschäft begegnen. Das bietet sich vor allem dann an, wenn es wie aus Kübeln regnet, ein scharfer Wind uns den Mantelkragen aufstellen lässt oder gar der erste Schnee die Gehwege und Straßen in rutschige Flächen verwandelt. In Übergangsphasen wie dem Herbst fordert das auch den Organismus heraus und zehrt daher an unseren Kräften. So will ich heute die Aufmerksamkeit auf den Kalmus (Acorus calamus) lenken. Dieses aus dem asiatischen Osten stammende Gewächs ist auch bei uns an stehenden und langsam fließenden Gewässern zu finden und hat sich seit Jahrhunderten in Europa eingebürgert. Im Schlamm entwickelt sich ein langer fleischiger Wurzelstock, aus dem im Sommer die aufrecht linearen Blätter wachsen. Hat jemand im eigenen Garten ein Feuchtbiotop, kann man den Kalmus ohnehin auch hier ziehen und hüten. Am besten wird jetzt im Herbst der Wurzelstock ausgegraben. Nachdem er gut gereinigt ist, halbiert man ihn. Die Wurzelteile werden dann zum Trocknen in einem warmen Zimmer ausgelegt. Danach noch fein schneiden und in gut verschließbaren Gefäßen lichtgeschützt aufbewahren. Es sind vor allem Bitterstoffe und ätherische Öle, die bei der Verwendung des Kalmus zum Tragen kommen. Diese Wurzel zählt somit zu den aromatischen Bitterdrogen. Da wir auf der Haut keine Geschmacksempfindung haben, ist es vielleicht nicht das Schlechteste, dort die Wirkung des Kalmus entgegenzunehmen. Bei Wetterfühligkeit und der daraus folgenden Müdigkeit ist das durchaus sinnvoll. Außerdem bedient man sich dann einer pflanzlichen Kraft, die ihren Ursprung in Gottes geschaffener Natur hat und somit der Physis auf eine sanfte Art und Weise zuträglich ist. Und ein bisschen Entspannung tut am Wochenende sicher auch gut.

Den Kalmus aufbereiten

Bei Müdigkeit infolge des Wetters oder nach einer überstandenen Krankheit kann ein wohltuendes Bad mit Kalmus genau das Richtige sein. Und so geht man vor: 80 g ungeschälter zerkleinerter Kalmuswurzel (frisch oder getrocknet) setzt man in 2 Liter Wasser 1 Stunde lang an. Danach gut aufkochen und abseihen. In eine Wanne mit warmem Wasser leeren und 20 Minuten darin verweilen. Diese Anwendung hilft mit, dass man wieder besser zu Kräften kommt. Hat überdies eine schmerzlindernde Wirkung bei Rheuma, Gicht oder Nervenentzündungen. www.kraeuterpfarrer.at

Kalmuswurzel und Blütenstand (Acorus calamus) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya