Bei wechselndem Gemüt

Den Beifuß aufgießen

Mit unserer Tagesverfassung bzw. mit unserer damit verbundenen Stimmung verhält es sich wie mit dem Wetter. Einmal gibt es lange Phasen eines Hochs und dann wiederum trübere Tage, die mit einem Tief zusammenhängen. Da kann es auch sein, dass sich beides in recht rascher Folge abwechselt, was dann wiederum die Mitmenschen mehr oder weniger heftig zu spüren bekommen. Kräuter können uns dabei aber begleiten. Sie leisten schließlich einen guten Beitrag für die Einheit von Leib und Seele. Speziell möchte ich mich daher dem Beifuß (Artemisia vulgaris) zuwenden. Dieser erweist sich als äußerst genügsam, wenn es um dessen Standort geht. Er besiedelt gerne sandige und schotterhaltige Halden und ist ebenso auf mageren Böden an den Wegrändern lichter Wälder zu entdecken. Der Beifuß wird übrigens auch als Wilder Wermut bezeichnet, da er mit dem bekannten Bitterkraut der Gartenbeete eng verwandt ist. Seine Inhaltsstoffe werden vor allem vom Vorhandensein von ätherischem Öl und einem hohen Anteil an Bitterstoffen bestimmt. Das macht z. B. fetthaltige Speisen, die man damit würzt, leichter verdaulich, weil durch sie die Tätigkeit der Leber und der Gallendrüsen angekurbelt wird. Aber es gibt noch andere Effekte, die von diesem Heilkraut ausgehen. Das Gedächtnis und die Konzentrationsfähigkeit des Gehirns können gefördert werden, wenn man bittere Substanzen zu sich nimmt. In weiterer Folge wird dadurch das Gemüt wach und ausgeglichen. Wenn es also stimmungsmäßig bergauf und bergab geht, darf man den Leib und den Geist durchaus mit dem Beifuß unterstützen. Niemand sollte sich jedoch vor dem bitteren Geschmack scheuen, der mit dem Trinken eines Beifuß-Tees einhergeht.

Tee für eine gute Verfassung 

Von getrockneten und zerkleinerten Blättern der Beifußpflanze nimmt man bloß 1 gehäuften Teelöffel voll und übergießt diese Menge mit 1/4 Liter kochendem Wasser. Danach 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und abseihen. Schluckweise trinken. Dabei ist zu beachten, dass man einen bitteren Tee immer pur konsumiert, ohne ihn zu süßen, um die Wirkung nicht abzuschwächen. Oft reicht von diesem Aufguss schon 1 Tasse pro Tag. www.kraeuterpfarrer.at

Beifuß mit Wurzel und Blütendetails (Artemisia vulgaris) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

Süße orientalische Früchte

Datteln sind kräftigend

Als Kräuterpfarrer beschäftige ich mich nicht nur theoretisch mit den grünen Freunden aus der Natur. Ganz klar, dass ich mich ihrer Kräfte auch bediene, gerade dann, wenn ich diese z. B. nötig habe, um einen kränklichen Zustand zu begleiten und letztendlich zum Besseren zu führen. Kräuter in Teeform haben mir schon oft geholfen, den Körper zu unterstützen. Doch mein persönlicher Appetit führt mich vor allem im Winter zu den Früchten des Nahen Ostens hin, wie sie mir u. a. in Datteln zugänglich sind. Der Baum, der diese köstlichen Früchte hervorbringt, ist die Echte Dattelpalme (Phoenix dactylifera). Irgendwie animiert mich allein schon der wissenschaftliche Name dieses Palmengewächses dazu, mich nicht den wie auch immer gearteten Krankheiten willenlos zu überlassen, sondern es ganz im Gegenteil dem griechischen Fabelwesen des Phoenix gleichzutun, der sich aus der Asche erhob, um dem Licht entgegenzustreben. Gerade in physischen Situationen der Niedergeschlagenheit können Datteln etwas zur Verbesserung des Allgemeinzustandes beitragen. Sie unterstützen vor allem angeschlagene Nerven, den Erneuerungsprozess des Blutes und verringern eine allenfalls vorhandene Stuhlträgheit, die in der Folge zu einer Verzögerung der Entgiftung des Körpers führt. Auch wenn wir das heimische Obst und Gemüse niemals gering schätzen dürfen, spricht doch nichts dagegen, gerade in der kalten Jahreszeit zu Datteln zu greifen. Sie eignen sich übrigens auch hervorragend zum Naschen und helfen überdies mit, auf ein Zuviel an Fleischprodukten zu verzichten, das oft gedankenlos im Vorübergehen hinuntergeschlungen wird. Da ist es doch viel besser, die Vernunft walten zu lassen und sich selbst etwas Gutes zu tun, der Gesundheit zuliebe.

Kraftquelle zwischendurch 

Hier ein kleiner Tipp für Phasen der Rekonvaleszenz: ab und zu kann man dann ein paar Datteln essen, um sich selbst zu stärken. Sie sind im Handel erhältlich und somit für jedermann hierzulande zugänglich. Datteln sind reich an Fruchtsäuren und natürlichem Fruchtzuckergehalt, darauf sollten Diabetiker achten. Die Früchte bringen zudem einen Reichtum an Faser- und Zellulosebestandteilen in die Verdauung ein. www.kraeuterpfarrer.at

Dattelpalme mit Früchten (Phoenix dactylifera) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

Die Spannkraft halten

Am besten mit Bohnenkraut

Wie beim Essen so gibt es auch beim Betrachten von Landschaften ganz verschiedene Vorzüge und Geschmäcker. Lieben es die einen, wenn ganz in der Nähe eine steile und felsige Bergwand gegen den Himmel ragt, so bevorzugen die anderen wiederum eine weite Aussicht in ebenen oder nur leicht hügeligen Zonen. Jede Gegend hat sozusagen auch ihren eigenen Charakter. Das lässt sich durchaus mit unseren Gesichtern in Verbindung bringen, wo auch keines dem anderen gleicht, selbst bei Zwillingen nicht. Um genau dort aber die Haut zu pflegen, möchte ich heute das Bohnenkraut (Satureja) allen, die diese Zeilen lesen, ans Herz legen. Gewiss wird man sich eher im Erwachsenenalter Gedanken darüber machen, wie man die Spannkraft der Haut im eigenen Antlitz aufrecht erhält. Denn in der Jugend spielen ganz andere Probleme eine Rolle wie etwa das Auftreten der meist vorübergehenden Akne oder das richtige Makeup bei den Mädchen, wenn sie einmal ausgehen dürfen. Aber das steht auf einem anderen Blatt Papier. Bleiben wir bei den Geschenken der Natur. Im Bohnenkraut (sowohl im Berg- als auch im Gartenbohnenkraut) finden sich in den Blättern und in den blühenden Triebspitzen neben ätherischem Öl noch Gerb- und Bitterstoffe, weiters Kampfer, Thymol und sogar Vitamine. In erster Linie wird dieses Lippenblütengewächs in den Gärten gezogen, um es als Würze zu verwenden. Es gibt aber darüber hinaus die Möglichkeit, das Heilkraut für die eigene Körperpflege zum Einsatz zu bringen. Ganz klar, dass hierbei mit einer äußerlichen Anwendung die gewünschte Wirkung angestrebt wird. Das Bedarf jedoch keines großen Aufhebens, um hier konkret vorzugehen. Das althergebrachte Hausmittel ist leicht bereitzustellen.

Ins Gesicht sprühen 

Von getrocknetem und zerkleinertem Bohnenkraut nimmt man 2 Teelöffel voll. Mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen und 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, dann abseihen. Nach dem Auskühlen füllt man den Aufguss in eine Sprühflasche, um ihn damit auf der Gesichtshaut zu verteilen. Die Haut an der Luft eintrocknen lassen, damit die Wirksubstanzen des Bohnenkrauts dazu beitragen können, die Spannkraft der Haut zu erhöhen. Das Ganze hat überdies einen erfrischenden Effekt. www.kraeuterpfarrer.at

Bohnenkraut (Satureja) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

Für Geist und Leib

Die Wurzel der Wegwarte

Seit Beginn des neuen Jahres gehört es verstärkt zur Tagesordnung, in den Kalender zu blicken und Termine für die Zukunft festzulegen. Immerhin möchten bestimmt nur wenige planlos in die kommende Zeit hineingehen. Vorbehalte bleiben dabei ohnehin nicht ausgeschlossen, wie wir das wohl alle wissen. Dennoch: eine Ausschau auf die Zukunft darf ruhig mit Hoffnung und Zuversicht bestückt sein. Die Wegwarte (Cichorium intybus) ist ein Heilkraut, das dies durch das gesamte Wesen darstellt. Die Pflanze bildet nämlich während ihrer größten Entfaltung im Sommer täglich neue Blüten, die sie beim Aufgang der Sonne öffnet und dem lichtspendenden Himmelskörper entgegenstreckt. Daher hat man früher gesagt, die Wegwarte sei eine Sonnenbraut, die sich in steter wacher Erwartung einer Schicksalswende entlang der Straßen positioniert. Als besonders wertvoll erweist sich die Wurzel des Korbblütlers, die kräftig ausgebildet ist und tief in den Boden hinunterreicht. Das macht sie auch in Zeiten längerer Trockenheit fähig, an ihrem Standort ohne den fehlenden Regen zu gedeihen. Die Hauptkomponente, die in den Wurzeln steckt, ist das Vorhandensein von Bitterstoffen. Diese wiederum fördern die Verdauung, stärken die Tätigkeit der Leber, unterstützen die Galle und haben darüber hinaus eine gute Wirkung auf die Haut. Zudem wird der Geist durch Bitterstoffe angeregt und das Gemüt aufgebaut. So ist es vielleicht ganz gut, über den Körper auch die seelisch-geistigen Prozesse für die Zukunft zu unterstützen. Und dafür gilt es eine Zeitlang, auf die Wegwarte zurückzugreifen. Sie ist eine geeignete Begleiterin, wenn es gilt, die Hoffnung zu stärken und positiv in die Zukunft zu blicken.

Tee mit Wegwartewurzel

Von der getrockneten und zerkleinerten Wurzel der Wegwarte nimmt man 3 Esslöffel voll. Mit 3/4 Liter kaltem Wasser übergießen und über Nacht stehen lassen. Am Morgen kurz aufkochen, noch 5 Minuten ziehen lassen und abseihen. In eine Thermosflasche gefüllt, kann man diesen Tee über den Tag verteilt trinken, um so die Verdauung zu unterstützen und auch den Geist zu erfrischen. Am besten 3 Wochen lang täglich durchführen. www.kraeuterpfarrer.at

Wegwarte mit Wurzel (Cichorium intybus) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

Mit der Kraft der Natur

Ein stärkendes Nervenbad

Irgendwo auf Grenzen zu stoßen, ist meistens unangenehm. Momentan tritt die Diskussion darüber wieder in den Vordergrund, selbst in Europa zwischen den Ländern die Trennlinien fester zu schließen, um besser der grassierenden Pandemie Herr werden zu können. Viele Fragen tun sich in diesem Zusammenhang auf. Aber bleiben wir vorerst einmal bei uns selbst und unserer momentanen Verfassung. Da spüren wir vielleicht, dass in irgendeiner Art auch unsere Nerven ihre begrenzte Verfügbarkeit signalisieren. Heublumen, Melisse (Melissa officinalis) und Thymian (Thymus vulgaris) bieten eine Unterstützung, die wir gerade in Zeiten wie diesen nicht ausschlagen sollten. Immerhin sollen wir uns Kräfte aufheben, um auch für all das, was wir noch durchstehen müssen, gerüstet zu sein. Ganz bewusst möchte ich daher auf das hinweisen, was nicht aus Menschenhand stammt. Die Natur hat so vieles zur Verfügung, was wir nur allzu oft brachliegen lassen. In den Heublumen, die man gerne auch für viele andere Beschwerden einsetzt, ist eine Fülle von Kräuterbestandteilen enthalten, die eine dementsprechend hohe Anzahl an Inhaltsstoffen und Wirkkräften wie Flavonoide, Gerbstoffe, ätherische Öle und Cumarin aufweisen. Und dieses breite Band an positiven Effekten kann dazu angetan sein, die Physis zu stärken und somit eine spürbare Entspannung zu erzielen. Von der Melisse wissen wir ohnehin, dass sie sehr ausgleichende und die Nerven unterstützende ätherische Öle besitzt. In ähnlicher Weise ist das beim Thymian der Fall, der im Allgemeinen auch als stärkend für die Atemwege gilt. Dazu möchte ich noch bemerken, dass intakte Atemwege einen guten Einfluss auf die Nerven ausüben. Vielleicht ist es daher nicht das Schlechteste, beim häuslichen Relaxen gleichzeitig neue Energie zu sammeln, die Heilkräuter auf ideale Weise vermitteln können.

Heublumenbad mit Melisse und Thymian 

Um sich ein nervenstärkendes Bad anzurichten, ist es gut, auf folgende Hilfe zurückzugreifen: 200 g Heublumen werden mit 25 g zerkleinertem Melissenkraut und ebenso viel Thymian abgemischt und mit 3 Liter kaltem Wasser übergossen. 1 Stunde stehen lassen, dann kurz aufkochen. Danach abseihen und dem Badewasser in der Wanne hinzufügen. 10 Minuten darin baden, dabei den Körper abreiben und massieren. Das tut vor allem den Nerven gut. www.kraeuterpfarrer.at

Blumenwiese für Heublumen ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

Hausmittel für Haut und Hals

Den Odermennig heranziehen

Es stellt je neu ein interessantes und spannendes Unterfangen dar, wenn man sowohl als Historiker oder eben als aufgeschlossener und erkundender Laie mittelalterliche Quellen studiert. Durch die Zurverfügungstellung dieser Dokumente im Internet und deren Veröffentlichung in wissenschaftlichen Arbeiten hat man heutzutage einen guten Zugang dazu. Ein Forschungsbereich, der immer wieder neue Erkenntnisse liefert, ist z. B. die Klostermedizin. Dort spielen unzählige Kräuter eine wichtige Rolle, nicht zuletzt auch der Odermennig (Agrimonia eupatoria). Er taucht übrigens auch bereits in antiken Aufzeichnungen auf. Dieses Rosengewächs hat man in vielerlei Hinsicht als brauchbar erachtet und dementsprechend verwendet. Aus heutiger Sicht wissen wir, dass die Inhaltsstoffe des Heilkrautes letztendlich dafür ausschlaggebend sind. Gerbstoffe, Flavonoide, Kieselsäure, Triterpene und auch ein geringer Anteil an ätherischem Öl zeichnen den Odermennig dahingehend aus. Sowohl der Hals als auch die Haut sind Bereiche, die man mit den Vorteilen des heimischen Gewächses versorgen kann. Halsschmerzen, Entzündungen im Mund- und Rachenbereich aber auch Verletzungen, Geschwüre, Venenleiden und Krampfadern können ein konkreter Anlass dafür sein. Um den Odermennig aufzubereiten, kann man auf verschiedene Art und Weise vorgehen. Eine althergebrachte Empfehlung ist es, das Kraut mit Wein zu übergießen. Für eine Menge von 50 g benötigt man 1 Liter Rotwein. Beides zusammen gut aufkochen, dann abseihen und in dunkle Flaschen abgefüllt im Kühlen lagern. Dieses Produkt eignet sich für Waschungen bei Beschwerden mit Krampfadern und Venen, aber auch bei Verstauchungen und Prellungen. Für den Mund und Rachen gibt’s noch einen anderen Tipp.

Abkochung mit Odermennig 

2 Handvoll von getrocknetem blühenden Odermennigkraut werden mit 1 Liter kaltem Wasser übergossen. Dann solange kochen, bis ca. 1/4 des Wassers verdunstet ist. Danach abseihen und temperieren. In der nicht mehr zu heißen Flüssigkeit löst man zusätzlich 2 Esslöffel Honig auf. Bei Mund- und Halsentzündungen nimmt man diese Abkochung, um damit kräftig zu gurgeln und die Mundhöhle auszuspülen. Kann auch vorbeugend angewandt werden, um damit Halsweh und Angina nach Möglichkeit fernzuhalten. www.kraeuterpfarrer.at

Odermennig (Agrimonia eupatoria) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

Tugendhafte Pflanze

Die Ringelblume für das neue Jahr

Begabungen sind etwas sehr Wertvolles. Das können wir an Menschen ablesen, die irgendeine Kunst besonders beherrschen, sei es etwas Darstellendes in Form von Bild bzw.  Musik oder eben eine technisch praktische Fähigkeit, die in einem Handwerk zur Entfaltung gebracht wird. Nicht vergessen möchte ich natürlich jene, die mathematisch und in den Verwendungsmöglichkeiten der digitalen Hilfestellungen viel drauf haben. Bei den Heilkräutern ist es wohl die Ringelblume (Calendula officinalis), die uns Respekt abringen kann. Sie zählt zu den Korbblütlern und sollte eigentlich in keinem Kräutergarten fehlen. All jenen, die dahingehend ihren so genannten grünen Daumen im kommenden Frühling und Sommer mehr betätigen wollen, sei dieses Gewächs besonders anempfohlen. Die Ringelblume ist nämlich äußerst leicht zu ziehen und sät sich von Jahr zu Jahr dann selbst aus. Flavonoide, Saponine, Bitterstoffe und selbst ätherisches Öl finden sich in den Blütenblättern. Die goldgelb blühende Pracht ist dazu geeignet, um mit ihrer Verwendung u. a. die Funktion der Leber zu stärken und die Verdauung zu unterstützen. Darüber hinaus gilt die Ringelblume als wundheilend und schmerzlindernd. Diesen Effekt kann man sich wiederum auf der Haut zunutze machen. Im Übrigen werden ihr auch leicht abführende und ebenso harntreibende Wirkungen nachgesagt. Um die Hausapotheke also mit pflanzlicher Unterstützung zu bestücken, ist es nicht schlecht, die getrockneten Blütenblätter des Heilkrautes immer auf Vorrat zu haben. Dann ist es einem ganz leicht möglich, bei Bedarf einen Tee aufzubrühen, der dem Leib gut tut und gleichfalls der Seele. Denn immerhin bilden wir eine Einheit von beiden. Diese wird ganz besonders durch die Verwendung der Ringelblume gestärkt.

Tee aus Blütenblättern 

Von getrockneten abgezupften Blütenblättern der Ringelblume nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Danach in eine bereitgestellte Tasse leeren und auf Trinktemperatur abkühlen lassen. 2- bis 3-mal am Tag trinkt man davon je 1 Schale voll am besten 1/2 Stunde vor den Mahlzeiten. Das unterstützt die Verdauung, stärkt die Tätigkeit der Leber und stellt eine innerliche Anwendung für die Hautpflege dar. www.kraeuterpfarrer.at

Ringelblume mit botanischen Details (Calendula officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

Für Ausgeglichenheit

Melissentee in der Früh 

Obwohl es sicher kühn ist, so etwas zu behaupten, möchte ich es dennoch tun: wir stehen prinzipiell auf irgendeine Art unter Anspannung. Das passiert momentan wohl verstärkt, da viele sich nach einem Ende der Einschränkungen anlässlich der vorherrschenden Pandemie sehnen. Im Diskurs mit den weiblichen und männlichen Zeitgenossen fällt auf, dass es immer schwerer wird, nüchtern und bedachtsam die Sachlage zu erörtern. Darum ist es vielleicht nicht schlecht, genau dafür eine Unterstützung zu suchen. Es ist die Melisse (Melissa officinalis), die vielen von uns als Gartenpflanze vertraut ist. Sie lockt nicht nur Menschen, sondern auch nektarhungrige Bienen an, die sich im Sommer von den Blüten des duftenden Gewächses den erhofften Nektar abholen. Das Aroma des Lippenblütlers ist sehr angenehm. Es reicht oft schon, das gewöhnliche Trinkwasser mit den Trieben des Gewächses anzureichern, um eine zwischenzeitliche Erfrischung zur Hand zu haben. Die Wirkkraft der Melisse zielt durch die vorhandenen ätherischen Öle vor allem auf eine ausgewogene Balance unserer Nerven und unserer kognitiven Vorgänge ab, wofür wir gerade am Beginn eines Tages etwas tun dürfen. Gewiss wollen nur allzu viele des Morgens auf einen frischen Kaffee nicht verzichten, um gleich von aller Früh weg voll da zu sein. Dennoch darf man ebenso darangehen, ein Heilkraut gleichsam zum Frühstück einzuladen, um mit diesem die erste Zeit des Tages zu verbringen. Die Melisse eignet sich auf hervorragende Weise, den Tag zu eröffnen. Bedenken wir dabei, dass momentan auch das Wetter die Physis herausfordert. Hier ist es ebenso angezeigt, ein ausgleichendes Kraut zu verwenden.

Mit Melissentee den Tag einleiten 

Versuchen Sie, den Tag einmal anders als sonst üblich zu eröffnen. Zur Abwechslung sollte somit statt des gewohnten Kaffees eine Schale Melissentee mithelfen, die physische und psychische Verfasstheit zu stabilisieren. Im herkömmlichen Heißaufguss zubereitet (2 TL für 1/4 l kochendes Wasser, 15 min. Ziehdauer) kann der Tee bei guter Trinktemperatur schluckweise konsumiert werden, damit die ausgleichende Wirkung bereits über die Mundschleimhaut zum Tragen kommt. www.kraeuterpfarrer.at

Melisse oder Zitronenmelisse (Melissa officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

Entspannend und reinigend

Ein Bad mit Apfelbaumrinde

Noch ruht alles draußen vor dem Fenster. Kälte und Schnee haben all das gebremst, was sich bei höheren Temperaturen anschickt zu wachsen, zu grünen und zu blühen. Nun gut, wir erwarten uns kaum etwas anderes hierzulande, wo gottlob noch unterschiedliche Jahreszeiten erlebt und durchlebt werden können. Sosehr die Sträucher und Bäume auch wie tot dazustehen scheinen, trügt doch dieser Schein. Denn unbemerkt von außen laufen Prozesse ab, die bereits jetzt einer erneuten Entfaltung ab dem kommenden Frühling dienen. Diese lebensspendenden Vollzüge werden auch während der Ruhephasen der holzigen Pflanzen nicht unterbrochen. Das gilt übrigens ebenso für den Apfelbaum (Malus domestica). Natürlich braucht es noch Monate, ehe die herrlichen mit einem zarten Rosa angehauchten Blüten aufbrechen, um die nektarsuchenden Bienen zu sich einladen zu können. Bis dorthin steht aber ein Wuchsteil der praktischen häuslichen Verwendung für die Körperpflege zur Verfügung, den man oft nur allzu leicht übersieht. Es handelt sich um die Rinde der dünnen Zweige, die seit eh und je als wirkkräftig erkannt und folglich gesammelt wurde. Es sind darin nämlich die Wuchsstoffe eingelagert, die für die Äste selbst, für die Blätter und Blüten notwendig sind. Darüber hinaus birgt sich dort ein hoher Anteil an Gerbstoffen, die einen zusammenziehenden und zusätzlich einen keimwidrigen Effekt weitergeben. Also ist es vielleicht nicht schlecht, bei vielen vorbeugenden Gesundheitsmaßnahmen eben die Haut auch nicht zu vernachlässigen, die einen wesentlichen Anteil daran trägt, dass wir vital und frei von Krankheiten bleiben. Ein großer und bereits etliche Jahre zählender Apfelbaum verkraftet es auf jeden Fall, wenn ein paar Zweige davon entnommen werden. Denken wir dabei an den Rückschnitt der Äste, der ohnehin Jahr für Jahr notwendig ist, um einen guten Ertrag zu gewährleisten. Als Nebenprodukt fällt dabei oft sehr viel an Rindensubstanz an.

Die Haut stärken

Von fingerdicken Zweigen des Apfelbaumes schält man die frische Rinde und trocknet sie gründlich. Danach zerkleinern und gut aufbewahren. Von dieser wertvollen Ware nimmt man 100 g, stellt sie in 2 Liter kaltem Wasser zu und kocht sie gut auf. Dann gleich abseihen und als Zusatz ins Badewasser gießen. Ca. 20 Minuten ein Vollbad in der Wanne nehmen, um so die Haut zu entspannen und gleichzeitig reinigend zu stärken.www.kraeuterpfarrer.at

 

Apfelblütenzweig mit Schmetterling ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

Gerbstoffe im Winter

Liefern die Blätter der Erdbeeren 

Exotische Früchte gibt es wohl zuhauf, die auf ganze verschiedene Art und Weise hierzulande im Handel angeboten werden. Vieles davon hat auch einen hohen gesundheitlichen Wert. Schließlich benötigen wir Vitamine, Ballaststoffe und Mineralsubstanzen, um eine Einseitigkeit in der Ernährung zu verhindern. Was nun in der kalten Jahreszeit ebenso nicht zu kurz kommen sollte, sind die Wirkstoffe, die in den heimischen Kräutern stecken. Daher möchte ich mich heute den Blättern der Walderdbeeren (Fragaria vesca) zuwenden. In der Regel erntet man diese natürlichen Gaben im Frühsommer bis hin zur Sommer-Sonnenwende (21.6.). Die Inhaltsstoffe der Erdbeerblätter werden vor allem von Gerbstoffen, etwas ätherischem Öl und so genannten Flavonoiden bestimmt. Hauptsächlich in jungen Blättern sind diese Substanzen in einem geringeren Maß vorhanden, so dass sie für unseren Körper und auch für den Gaumen verträglich sind. Jetzt im andauernden Winter wird die ganze Physis unter eine Bewährungsprobe gestellt. Das ganze Immunsystem erfährt praktisch permanent eine immense Herausforderung. Die Abwehr von drohenden Krankheiten wird übrigens auch von unserem Darm unterstützt und sogar gesteuert. Und somit ist es ganz förderlich, den Verdauungsschlauch mit Gerbstoffen zu versorgen, um gerade diesem wichtigen Bereich zu helfen und ihn zu festigen. Das ist eigentlich ganz einfach zu bewerkstelligen. Solange man getrocknete Blätter der Walderdbeeren zur Verfügung hat, kann man dahingehend tätig werden.

Regelmäßig Tee trinken

Getrocknete Blätter der Walderdbeeren werden vorerst zerkleinert. Dann nimmt man 2 Teelöffel voll davon, um sie mit 1/4 Liter siedendem Wasser zu übergießen und 15 Minuten zugedeckt ziehen zu lassen. Leidet man unter einer schlechten Verdauung oder gar unter einem Magen-Darm-Katarrh, so kann man bis zu 3 Wochen lang jeweils in der Früh und am Abend eine Schale davon trinken. Andernfalls dient der Tee das eine oder andere Mal dazu, um Gerbstoffe in den Verdauungstrakt vorbeugend einzubringen. www.kraeuterpfarrer.at

Walderdbeere mit Blüten und Früchten (Fragaria vesca) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya