Fit in den Tag

Mit Löwenzahn durchstarten 

Die Sonne tut uns allen gut. Zumindest verbinden wir das mit einem Aufatmen, wenn eine lange Phase nebeliger Tage oder durchgehend wolkenbehangenen Himmels hinter uns liegt. Zudem fällt einem bei heiterem Wetter das Spazierengehen leichter, das ein gesundheitsförderndes Bewegen in der frischen Luft mit einschließt. Es gibt einige Kräuter, die mit ihren Blüten gleichsam als Spiegelbild der Sonne gelten. Es wird ja gottlob nicht mehr so lange dauern, bis der Löwenzahn (Taraxacum officinale) genau das millionenfach auf unseren Wiesen und Weiden umsetzen wird. Es zählt wohl zum Fortissimo des Frühlings, da ganze Landstriche mit dem Aufblühen des Löwenzahns zu jubeln scheinen. Zudem finden zu jener Zeit die Bienen wiederum eine Fülle an einzubringender Tracht. Die Morgenstunden werden durch das Aufgehen der Sonne bestimmt und somit ist es klug, dann auch einen Augenblick dafür zu reservieren, der dafür genutzt werden kann, um den Körper fit zu halten und die inneren Organe mit all den guten Inhaltsstoffen, die Kräuter parat haben, zu ertüchtigen. Wenn vom Löwenzahn die Rede ist, so sind vor allem in seinen Blättern die Bitterstoffe das Vordergründige, das man dabei in Erwägung zieht. Es gilt durchaus als wissenschaftlich erwiesen, dass die Verwendung des Korbblütlers einen äußerst positiven Einfluss auf die Tätigkeit und die Beschaffenheit der Leber mit sich bringt und den Stoffwechsel fördert. Das ist nötig, um einerseits die Fettverdauung zu unterstützen und andererseits den Entgiftungsprozess des Körpers. Das Immunsystem kann dann auch besser seine wappnende Funktion ausführen, was in Zeiten wie diesen sicher nicht zu verachten ist. Fast bin ich versucht zu sagen: Morgenstund’ hat Gold im Mund – in Form des Löwenzahns.

Tee vor dem Frühstück  

Von getrockneten und zerkleinerten Blättern des Löwenzahns nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Bleibt genug Zeit, so trinkt man den Tee ungesüßt vor dem Frühstück, ansonsten eben während der ersten Mahlzeit des Tages. Das unterstützt das Entschlacken des Körpers und wirkt sich auch klärend auf die Haut aus. Durchaus bis zu 3 Wochen lang praktizieren. www.kraeuterpfarrer.at

Löwenzahn mit Wurzel (Taraxacum officinale) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

Beigabe zu Frühjahrskuren

Das beliebte Gänseblümchen

Das Stichwort, das man häufig im Bereich der pflanzlichen Komplementärmedizin verwendet, heißt Begleitung. Wir Menschen sind nun einmal so geschaffen worden, dass wir während unseres ganzen Lebens in irgendeiner Weise mit der belebten und unbelebten Natur in Kontakt bleiben. Alles andere pervertiert letztendlich unsere Existenz auf dem ohnehin schon vielerorts deformierten Planeten Erde. Es braucht uns daher nicht zu wundern, wenn u. a. das Klima sich schneller ändert als uns lieb ist. Das Gänseblümchen (Bellis perennis) spricht nun schon mit seinen adretten weißen Blüten im Gras die Einladung aus, sich mit seiner Umwelt, die sich nun gerade beginnt zu verjüngen und zu erneuern, wieder mehr auseinanderzusetzen. In jedem Grün stehen uns somit auch wiederum eingelagerte Wirkstoffe zur Verfügung, die ihrerseits mithelfen, unseren Organismus zu stärken und aufzubauen. So stellen Kräuter wie das Gänseblümchen eben eine gute Begleitung durch den Alltag dar, die letztendlich gesundheitsfördernde Folgen hat. Die Inhaltsstoffe des Maßliebchens, wie das Gänseblümchen gerne genannt wird, sind übrigens Bitter- und Gerbstoffe, weiters Saponine und sogar etwas ätherisches Öl. Vielleicht haben sich etliche angesichts der Fastenzeit vorgenommen, eine so genannte Frühjahrskur durchzuführen, wie immer diese Maßnahme dann auch konkret gestaltet wird. Ergänzend und begleitend kann man auf jeden Fall das Gänseblümchen dazuschalten, das man entweder in getrockneter Form zur Verfügung hat oder das von einem sauberen Standort gleich frisch geerntet wird. Wichtig ist mir, dass man an dem kleinen Gewächs nicht achtlos vorübergeht, sondern dankbar auf das blickt, was eben nicht aus Menschenhand gemacht dennoch dem Menschen zur Verfügung steht.

Ergänzung des Alltags

Die Blattrosette des Gänseblümchens ist meist so ausgebildet, dass man daraus die einzelnen Blätter gut entnehmen kann. Diese werden nach dem Abwaschen kleingehackt und zusammen mit den Blüten als Ergänzung einem Salat beigefügt. Zudem kann man das frische Kraut auch mit einer Fruchtpresse entsaften. Vom frischen Presssaft nimmt man dann jeweils 2- bis 3-mal am Tag ein Teelöfferl voll zu sich, um so die Entschlackung des Körpers zu unterstützen. Oder man gießt sich einen Tee aus dem getrockneten Kraut auf. www.kraeuterpfarrer.at

Gänseblümchen (Bellis perennis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

Wenn man den Rücken spürt

Die Weinraute verwenden

Wer als Kind sich auf das Erwachsensein vorbereitet und im Handumdrehen heranwächst, der darf bzw. muss sich vieles aneignen, um für das künftige Leben gerüstet zu sein. Oft bedeutet es, viel Mühe zu investieren, um sich in Mathematik, in der eigenen und in fremden Sprachen und vielen anderen Disziplinen auf der Schulbank und im Hörsaal zu bewähren. Doch ist das noch lange nicht alles. Eine reife Persönlichkeit nimmt auch eine aufrechte Haltung ein, die einem guten Charakter gleichkommt. Mit der Weinraute (Ruta graveolens) möchte ich wiederholt auf die leibliche Zone achten, die uns zur Verfügung steht, um auch physisch aufrecht zu bleiben. Das ist der Rücken mit der im Zentrum befindlichen Wirbelsäule. Solange man jung und auch körperlich elastisch ist, denkt man kaum daran, sich um die dem Blickfeld abgewandte Hälfte des Leibes zu kümmern. Ganz anders ist dies, wenn je nach Belastung der Rücken zu schmerzen beginnt und es einem schwer macht, locker und frohgemut zu bleiben. Die Weinraute hat sich schon lange als heilende und gesundheitsbegleitende Pflanze bewährt. Cumarine, Alkaloide und schließlich ätherisches Öl zählen zu den Inhaltsstoffen der beliebten Gartenpflanze. Auf verschiedene Weise kam sie laut den Zeugnissen und Überlieferungen der praktizierten pflanzlichen Heilpraxis in den Haushalten zur Anwendung. Diesmal möchte ich einladen, sich in Bezug auf einen schmerzenden Rücken ein natürliches Mittel anzusetzen, das man dann bei Bedarf in Erwägung ziehen kann. Und eines sollte man auch nicht vergessen: nach Möglichkeit schon am Morgen durch ein wenig Gymnastik die Rückenmuskulatur zu stärken, damit es uns leichter fällt, uns gerade zu halten.

Zubereitung von Rauten-Öl

Von getrockneten Blättern der Weinraute nimmt man ca. 20 g und übergießt die Pflanzenteile mit 1/4 Liter Pflanzenöl. In einem verschließbaren Glasgefäß 14 Tage lang am sonnigen Fenster stehen lassen, ehe man das Weinrauten-Öl abseiht, abfüllt und dunkel lagert. Bei Rückenschmerzen kann man damit Einreibungen durchführen, ebenso bei Quetschungen und Zerrungen. Das ist eine gute Weise, die schmerzlichen Symptome lindernd zu begleiten. www.kraeuterpfarrer.at

Weinraute (Ruta graveolens) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

 

Stärkendes Heilgewächs

Eisenkraut unterstützt innere Organe

Die heilige Hildegard von Bingen wird von vielen hoch geschätzt und gerade im Hinblick auf die Verwendung von Heilkräutern oft als Referenz zitiert. Aus ihrer Lebenszeit (12. Jahrhundert) stammt auch ein verfasstes Werk über die natürliche Wirkkraft der Dinge, kurz Physica genannt. Darin werden viele Pflanzen beschrieben, unter anderem das Eisenkraut (Verbena officinalis). Und gleich zu Beginn geht der Text auf das Auskurieren von faulem Fleisch ein, das sich rund um Geschwüre, Wunden oder Wurmbefall bildet. Das ist wohl kein Thema, das für Tischgespräche geeignet zu sein scheint, im Mittelalter jedoch anscheinend etwas nüchterner betrachtet wurde. Der wahre Kern, der dabei im Hintergrund steht, ist die Tatsache, dass Eisenkraut prinzipiell ein Heilgewächs ist, in dem sich sowohl Gerb- als auch Bitterstoffe befinden. Dies kann vor allem den inneren Organen zum Vorteil werden, wenn man die Pflanze gezielt und maßvoll einsetzt, auch heute noch. Denken wir dabei an den Magen, der sicher – öfter als uns bewusst ist – eine Unterstützung vertragen kann. Der Darm wird ebenfalls in seiner Tätigkeit gefördert und zudem sind die Nieren dankbar, wenn sie durch das Eisenkraut positiv stimuliert werden. In der Regel wird man darangehen, sich einen Tee aufzubrühen, in dem das gesundheitsfördernde Gewächs den Ton angibt. Aber manchmal muss man gar kein Wasser verwenden. In getrocknetem Zustand steht uns das Eisenkraut ja auch außerhalb der Vegetationsperiode eines Jahres zur Verfügung. Und vielleicht fühlt sich der eine oder die andere gerade in der Bauchgegend nicht so wohl. Das mag ein Grund sein, um nach dem Eisenkraut zu greifen.

Kräuterpulver als Stärkung 

Von getrockneten Trieben und Blättern des Eisenkrautes nimmt man eine genügende Menge, um sie in einem Mörser möglichst fein zu einem Pulver zu zerstoßen und zu zerreiben. Davon kann man 3- bis 4-mal täglich 1/2 Teelöffel voll schlucken, am besten, indem man etwas Marmelade oder Honig dazu einnimmt, sonst wird die ganze Angelegenheit gar etwas trocken. Eisenkraut tut auf diese Weise dem Magen, dem Darm und den Nieren gut und regt den Stoffwechsel an. www.kraeuterpfarrer.at

Eisenkraut (Verbena officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

Erwärmende Maßnahme

Den Salbei heranziehen

Wir bedenken oft kaum, wie viel Energie und damit verbundene Finanzen aufgewendet werden müssen, um Innenräume zu heizen. Viel ist ja in den letzten Jahrzehnten bereits passiert, damit mit der Wärmegewinnung die Umwelt nach Möglichkeit geschont wird. Unser eigener Leib bedarf ebenfalls einer ständigen Regelung seiner Temperatur. Das Blut spielt dabei eine wesentliche Rolle. Somit ist es meiner Ansicht nach an der Zeit, den Salbei (Salvia officinalis) wieder einmal ins Treffen zu führen. Dieses bekannte Heilkraut zählt zur Familie der Lippenblütler. Der ursprünglich bloß im Mittelmeerraum beheimatete Vertreter der Gewürzkräuter ist schon seit sehr langer Zeit quasi fixer Bestandteil von Bauerngärten. Aufgrund des Klimawandels und der folglich meist mild ausfallenden Winterperioden ist es im Flachland kaum ein Problem, ihn draußen im Garten gut über die frostigen Monate zu bringen. Zu seinen Inhaltsstoffen zählen vor allem ätherisches Öl, Gerb- und Bitterstoffe. Bei Erkältungskrankheiten wird der Salbei gerne herangezogen. Aber auch dann, wenn es gilt, eine übermäßige Schweißbildung auf der Haut zu verringern. In einem alten Hausmittel begegnen wir dem Gewächs in Bezug auf die Unterstützung eines guten Blutumlaufes. Vielleicht ist es ja gerade in den Übergangszeiten so, dass man eher ins Frösteln kommt als dies bei extremer Kälte der Fall ist. Dann zieht man sich automatisch wärmer an. Übrigens unterstützt der Salbei auch den Prozess der Reinigung des Blutes.

Wärmender Kräuterwein 

Von getrockneten und zerkleinerten Salbeiblättern nimmt man 1 Esslöffel voll und übergießt ihn mit 1/4 Liter Weißwein. Danach 1 Stunde lang zugedeckt stehen lassen. Zum Schluss abseihen. Vor den Mahlzeiten nimmt man im Lauf eines Tages jeweils 1 Schluck zu sich, vorausgesetzt, dass man eine Anwendung mit einem alkoholischen Anteil auch verträgt und verwenden darf. Der Salbeiwein kann dazu beitragen, dass das Blut seinen Umlauf gut vollzieht und somit für ein Durchwärmen des Körpers sorgt. www.kraeuterpfarrer.at

Salbei blühend (Salvia officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

Unterstützung bei Sodbrennen

Heilziest als mögliche Hilfe

Meine Gedanken gehen schon voraus in den kommenden Sommer. Schließlich möchte ich mich zu jener Zeit wieder vermehrt im Freien bewegen können. Wer weiß, wie viele Interessierte mich oder einen meiner Mitarbeiter im Betrieb des Kräuterpfarrer-Zentrums Karlstein dann begleiten dürfen, wenn es gilt, eine Kräuterwanderung ins schöne Thayatal zu unternehmen. Ziel dieses Erkundungsganges ist es jeweils, den einzelnen Individuen der heimischen pflanzlichen Vielfalt gegenüberstehen zu können. Bei Pflanzen muss man ja gottlob nicht auf einen 2 Meter-Sicherheitsabstand achten, da von ihnen keine virale Gefahr ausgeht. Vielmehr sind es die Hilfestellungen, die u. a. auch der Heilziest (Stachys officinalis) anbieten kann, wenn man ihn für einen gesundheitsbegleitenden Gebrauch aufbereitet. Dieser grüne Freund zählt innerhalb der Familie der Lippenblütler zur Gattung der Betonien. Zu den Inhaltsstoffen des Heilziests gehören Bitterstoffe, Cholin, Betonicin und Stachydrin. Zudem bergen sich auch Gerbstoffe in den Wuchsteilen des Krautes. Die Form seiner Blätter bildet ein charakteristisches Erkennungsmerkmal, denn sie sind in ihrer Gestalt schmaloval und am Außenrand leicht eingekerbt. Im herkömmlichen Gebrauch wurde das Gewächs vor allem herangezogen, um damit die Atemwege zu stärken oder das Abheilen von Geschwüren zu beschleunigen. Interessanterweise gibt es auch einen guten Effekt, der im Bereich zwischen dem Gaumen und dem Magen anzusiedeln ist. Genau in diesem Bereich kann sich ein brennendes Gefühl einstellen, das schlechthin als Sodbrennen bezeichnet wird und meist dann auftritt, wenn jemand auf bestimmte Speisen mit einem vermehrten Reflux der Magensäure reagiert. Da ist es dann ebenfalls möglich, den Heilziest als lindernde Hilfe zu verwenden. Vielleicht pflanzt man die liebenswerte Heilpflanze gleich im eigenen Garten, um sie von dort aus zu nutzen.

Tee bei Sodbrennen 

Von getrockneten und zerkleinerten Triebspitzen und Blättern des Heilziests nimmt man am besten 2 Teelöffel voll. Diese Menge in siedendes Wasser geben und zusätzlich kurz aufwallen lassen. Dann von der Herdplatte wegstellen und zugedeckt 10 Minuten lang ziehen lassen. Vor allem dann, wenn man unter Sodbrennen leidet, nimmt man über den Tag verteilt diesen Aufguss in kleinen Schlucken zu sich. www.kraeuterpfarrer.at

Heilziest, Echter oder Betonie (Stachys officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

Wenn Hühneraugen plagen

Efeu hilft erweichen

Immer wieder dürfen wir für anscheinend Selbstverständliches dankbar sein. So sehr uns die gegenwärtige Pandemie in oft ungewollte Schranken weist, so ist es doch möglich, sich dem eigenen Wohlbefinden zu widmen und sich z. B. vermehrt bei Spaziergängen oder Wanderungen im Freien aufzuhalten. Dazu muss man aber die Füße gut gebrauchen können, deren Dienst nicht hoch genug einzuschätzen ist. Leider gibt es aber Anlässe, die das Gehen schmerzlich beeinträchtigen können. Ein Beispiel dafür sind so genannte Hühneraugen. Ich möchte daher erneut eine mauererobernde Pflanze ins Visier nehmen, die uns dabei helfen kann. Konkret ist es der Gemeine Efeu (Hedera helix). Er ist hierzulande fast überall heimisch. Von einem weit verzweigten Stamm aus, der nach vielen Jahren so dick wie ein Baumstamm werden kann, kriecht er mit seinem Wuchs am Boden dahin oder klettert viel lieber noch an einem geeigneten Untergrund empor. Der Efeu erreicht somit manchmal eine Höhe von annähernd 20 Metern. Übrigens blüht er im Herbst, was viele Bienen und Wespen auszukosten wissen. Die Früchte wiederum werden gern von Drosseln verzehrt. In den heilsamen Wirkungen kennt man den immergrünen Freund – die Blätter enthalten Glykoside, Saponine und Flavonoide – eher im Zusammenhang mit den Atemwegen. Einige pharmazeutische Efeu-Produkte werden ohnehin in den Medien beworben. Für den Hausgebrauch sollte man sich aber beim Efeu nur auf den äußerlichen Einsatz beschränken. Um den Beschwerden, die mit Hühneraugen in Zusammenhang stehen, begegnen zu können, ist es möglich, mit den Blättern des Efeus eine Erweichung der Druckstellen anzupeilen.

Efeublätter aufbereiten

Die Blätter können das ganze Jahr über abgezupft werden. 5 große Exemplare davon legt man in einem Glasgefäß übereinander. Anschließend mit Apfelessig bedecken. Ein paar Tage stehen lassen. Daraufhin nimmt man 5 Tage hintereinander jeweils am Abend 1 Blatt heraus, bringt es auf dem Hühnerauge auf, deckt es mit Gaze ab und fixiert alles mit einem Pflasterverband. Am Morgen wieder entfernen. Am Ende der Frist ein heißes Fußbad mit viel Salzbeigabe nehmen. Kalt abspülen, das erweichte Hühnerauge dann behutsam herausschälen, sofern dies möglich ist und die Stelle mit Arnikatinktur betupfen. www.kraeuterpfarrer.at

Efeu (Hedera helix) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

Schön dreinschauen

Kräuteressig für den Waschlappen

Für die Fastenzeit, die nun im Kalender steht, gibt es ganz verschiedene Vorschläge und Empfehlungen. Was wir dabei beachten sollten, ist die Gefahr, dass manches an Entsagung und Kasteiung in einen Leistungssport ausarten kann, der letztendlich niemandem dient, schon gar nicht der Gesundheit. In der Bibel – genauer im Matthäusevangelium ­ finden wir sogar die Aufforderung Jesu, sich beim Fasten das Haar zu salben und das Gesicht zu waschen (Mt 6, 17), um nicht trübsinnig oder gar griesgrämig zu erscheinen. So liegt es mir nahe, genau dafür zwei Kräuter auf das Tablett dieser Kolumne zu legen. Das eine ist die Birke (Betula pendula). Ihre Blätter enthalten u. a. Wirkstoffe, die den Kreislauf ankurbeln und die Reinigung des Blutes unterstützen. Sie besitzen darüber hinaus einen erfrischenden Effekt. Der Lavendel (Lavandula angustifolia) wiederum trägt einiges dazu bei, um die Nerven zu stärken. Mit seinen ätherischen Substanzen wird außerdem die Durchblutung der Haut gefördert. Um nun besser dreinzuschauen, wie es in der Überschrift einladend anklingt, kann man die natürlichen Gaben wie eben Birkenblätter und Lavendelblüten in eins bringen und am Gesicht landen lassen. Gottlob dauert die Fastenzeit noch länger an, so dass es möglich ist, in diesem zeitlichen Rahmen auch meine Empfehlung umzusetzen und zur Anwendung zu bringen. Es ist zudem sicher spannend, sich zuhause ein Hausmittel unter eigener Aufsicht anzurichten, von dessen Qualität man selbst überzeugt ist und das zudem die eigene Beziehung zur Verwendung von Heilkräutern vertiefen kann.

Birkenblätter und Lavendel in Essig

Als Zutat bedarf es 15 g getrockneter Birkenblätter und 15 g getrockneter Lavendelblüten. Beides zusammen mit 1/2 Liter naturreinem Obstessig übergießen. 8 Tage lang in einem verschlossenen Glasgefäß auf einer Fensterbank im Wohnbereich stehen lassen. Dann abseihen und filtrieren. Zusätzlich noch 10 Tropfen ätherisches Lavendelöl dazugeben. Um sich das Gesicht zu erfrischen, nimmt man einen feuchten Waschlappen, gibt ein wenig vom Kräuteressig darauf und wischt die Haut damit ab. Das verleiht dem Antlitz letztlich ein besseres Aussehen. www.kraeuterpfarrer.at

Birkenzweige mit Blättern und Büten (Betula pendula) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

Beruhigend und schmerzlindernd

Die Rinde von den Weiden nutzen

Alle, die sich ein bisschen mit der Natur befassen, merken auch die Vorgänge, die sich im Freien das ganze Jahr über abspielen. Diese Fähigkeit scheint jedoch immer seltener zu finden zu sein, da man sie sicher nicht auf irgendwie gearteten Bildschirmen oder Displays einüben, sondern sich höchstens darüber informieren kann. Sich mit einem Lebewesen wie einer Pflanze zu konfrontieren, heißt konkret ihr mit wachen Sinnen gegenübertreten. An den Weiden (Salix) scheint vielleicht da und dort noch Ruhe zu herrschen, doch im Inneren der Gewächse waltet bereits Hochbetrieb. Immerhin animiert der Lauf der Sonne den Saftfluss der Pflanze, auf volle Fahrt zu schalten, denn die Zeit des Blühens bricht bald an. Und daher sammeln sich auch in der Rinde der wasserbegleitenden Bäume besondere Vorzüge an, zu denen u. a. Gerbstoff und Salicylsäure zählen. Diese Wirksubstanzen können auf mehrere Weisen aufbereitet werden. Es ist auch möglich, sie in Form eines Bades an den Adressaten Körper zu bringen und die damit verbundenen Effekte weiterzuleiten. Man kann diese Wirkung als schmerzstillend und beruhigend umschreiben. Vielleicht gibt es ja für viele den einen oder anderen Anlass, um genau dies für sich in Anspruch zu nehmen. Wenn sich der Winter verabschiedet, wird der Organismus vermehrt z. B. durch die sich verändernden meteorologischen Vorgänge herausgefordert. Daher kann es dann sein, dass es vermehrt dort und da einmal zwickt und schmerzt sowie gleichzeitig der in der Regel erholsame Schlaf darunter leidet. Um etwas dagegen zu tun, besteht die Möglichkeit, sich am Abend ein Stelldichein mit der Weidenrinde zu geben.  

Badezusatz mit Weidenrinde 

Von gut durchgetrockneter und zerkleinerter Weidenrinde nimmt man 250 g und setzt sie 8 Stunden lang tagsüber in 3 l kaltem Wasser an. Danach 15 Minuten lang aufkochen und abschließend abseihen. Dem ziemlich warmen Badewasser hinzufügen und ca. 20 Minuten lang in der Wanne bleiben. Diese Anwendung kann dazu beitragen, besser zur Beruhigung und Entspannung zu finden und zudem eine Linderung vorhandener Schmerzen zu erfahren. www.kraeuterpfarrer.at

Weide (Salix) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

 

Auf den Magen schauen

Fenchel & Co für die Verdauung

Es klingt ein wenig eigenartig, wenn ich zu Beginn der Fastenzeit mit der heutigen Überschrift einlade, auf den Magen zu achten. Die Mäßigung samt einem einfachen Lebensstil wurde am Vortag noch propagiert und jetzt scheint es damit schon wieder vorbei zu sein. Doch um gleich vorweg ein Missverständnis auszuräumen: es geht mir nicht darum, den Verdauungsmuskel so gut als möglich zu befüllen, sondern viel eher auf seine Tätigkeit und seine Konstitution zu achten. Mit dem Fenchel (Foeniculum vulgare) möchte ich das tun und zusätzlich mit dem, was zur diesmaligen Empfehlung beiträgt. Ein Aspekt, der zum Magen direkt dazugehört, ist die Produktion des Sekretes, das der darin landenden Nahrung zugeführt und für gewöhnlich als Magensaft bezeichnet wird. Nun ist es einmal so, dass es davon ein Zuviel und auch ein Zuwenig geben kann. Bei Letzterem ist der Fenchel eine begleitende Hilfe, die dafür sorgt, die Produktion des Magensaftes anzukurbeln. In den Samenkörnern des Doldenblütlers finden sich wertvolle Inhaltsstoffe, die vor allem durch das Vorhandensein von ätherischem Öl geprägt ist. Das stellt einen Vorteil dar, wenn man verschiedene Organe des Körpers unterstützen möchte. Die Atemwege können davon bei verschleimten Bronchien genauso einen Nutzen ziehen wie etwa auch die Augen oder die Haut. Aber heute bleiben wir beim Magen und dem Prozess der Verdauung. Weiß man darum, dass man im Bezug auf das Vorhandensein des Magensaftes einen Mangel aufweist, ist vielleicht der Fenchel eine Möglichkeit, den Bruder Leib damit dahingehend zu begleiten.

Anregung der Magensäurebildung 

Wer einen Mangel an Magensäure bzw. des Magensaftes aufweist, dem wird angeraten, sich vermehrt an der frischen Luft zu bewegen. Als weitere begleitende Maßnahme kann man darangehen und 3-mal täglich 1 Teelöffel voll pulverisierter Fenchelkörner zu sich nehmen. Das tut man am besten, indem man hinterher ein wenig (1 Esslöffel voll) Schwarzen Johannisbeer-Saft zu sich nimmt. Im Sommer ist es überdies möglich, im eingangs angesprochenen Anliegen von frischen Walderdbeeren 3-mal täglich 1 Esslöffel voll zu sich zunehmen. www.kraeuterpfarrer.at

Fenchel (Foeniculum vulgare) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya