Zur Stärkung der Blase

Die Blätter der Schwarzen Ribisel

Wir müssen noch ein wenig zuwarten, bis sich die Gärten vor der eigenen Haustür in kleine Paradiese verwandeln. Das ist meines Erachtens erst dann der Fall, wenn ein Erfolg all dessen abgelesen werden kann, der aus der aufgebrachten Mühe des vergangenen Herbstes und des gegenwärtigen Frühlings resultiert. Damit meine ich Umgraben des Erdreichs, Düngen, Säen, Vereinzeln, Einsetzen, Zurückschneiden und schließlich auch das Gießen. Erst dann kann man sich dementsprechende Früchte erwarten, vorausgesetzt, dass auch das Wetter mitspielt. Bei den Schwarzen Ribiseln (Ribes nigrum), die im allgemeinen und vor allem außerösterreichischen Sprachgebrauch als Schwarze Johannisbeeren bezeichnet werden, braucht man aber nicht erst warten, bis die Beeren richtig sonnengereift und somit genussfähig sind. Das Blätterkleid dieser Art von Ribiseln ist ja auch nicht zu verachten. Die Inhaltsstoffe der grünen Wuchsteile bestehen aus Gerbstoffen, Flavonoiden und Phenolcarbonsäure. Sobald also die Blätter austreiben und eine annehmbare Größe erreicht haben, kann man sie bereits abzupfen und so manchen frischen Salat damit ergänzen. Das bringt ein wenig Abwechslung auf den Küchentisch, was sicher nie schaden kann. Und zudem weiß die Tradition der angewandten pflanzlichen Naturheilkunde um den Vorteil, den die Johannisbeer-Blätter für die Harnwege bzw. den Blasenbereich mit sich bringen. Einerseits geht es darum, diese sensible Zone keim- und entzündungsfrei zu halten und andererseits benötigt der Schließmuskel der Blase ebenso bei nicht wenigen eine Unterstützung. Daher kann man gerade jetzt noch etwas tun, um hier eine kleine Kur durchzuführen. Die getrockneten Blätter des vergangenen Sommers hat man entweder selbst geerntet und eingelagert oder man bezieht sie aus der Apotheke oder dem Fachhandel. Prinzipiell steht Ihnen das Team im Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein am Telefon zur Verfügung, um noch weitere Tipps zur Begleitung von Blasenproblemen zu geben.

Tee aufgießen und trinken

Von getrockneten und zerkleinerten Blättern der Schwarzen Johannisbeeren nimmt man 2 Teelöffel voll. Mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen und 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Zum Schluss abseihen und den Tee abkühlen lassen. Zur Stärkung des Schließmuskels der Blase kann es hilfreich sein, 6 Wochen lang jeden Morgen auf nüchternem Magen 1 Tasse davon schluckweise zu trinken. www.kraeuterpfarrer.at

Schwarze Ribisel (Ribes nigrum) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Wertvoller Naturschatz

Die Schafgarbe für Magen und Darm

In dieser Zeit der beschränkenden Maßnahmen, die dazu dienen, dass sich ein bedrohlicher Virus nicht weiter verbreiten und damit großes Unheil anrichten kann, ist es für viele gar nicht leicht, sich zu treffen und zusammenzukommen. Man muss sich eben anderer Mittel bedienen, um die Distanz zu überbrücken. Telefon und moderne Medien erweisen sich nun als wahrer Segen. Im Hinblick auf die Gesundheit gilt es auch Phasen durchzustehen und zu meistern, die für Leib und Seele zu einer großen Herausforderung werden können. Die Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium) ist auf den ersten Blick eher wenig dafür geeignet, um mithilfe ihrer Stängel oder ihrer fein ziselierten Blätter einen Übergang technischer Art zu bauen. Gewiss werden diesen Umstand kleine Insekten wie etwa Ameisen anders beurteilen, aber wir sind nun eben einmal Menschen, die eine größere Tragkraft unter den Füßen benötigen als jene. Unterschätzen wir jedoch als Erdenbürger nicht die Inhalte, die in der Schafgarbe vorhanden sind. Flavonoide, ätherisches Öl, Bitterstoffe und selbst antibiotische Substanzen sind in den Blüten und Blättern des Korbblütlers gespeichert. Wenn uns nun also vom Bauch her nicht wohl zumute ist, so geben vorerst einmal uns bekannte Symptome ein Signal, dass es im Inneren des Leibes zu einer Veränderung gekommen ist. Meist geht dann auch eine Verminderung unserer Leistungsfähigkeit einher. Der Darm ist ganz konkret eine äußerst wichtige und zugleich sehr sensible Zone unseres Bauches. Von eben diesem Teil des Verdauungstraktes können die vorhin geschilderten Signale ausgehen. Bis es zu einer eindeutigen Diagnose der Gravität dieses Missstandes kommt, braucht es Zeit. Als erstes kann die Schafgarbe mithelfen, um dem Magen und dem Darm eine Stärkung zuteilwerden zu lassen.

Schafgarben-Tee für die Verdauung

Wenn es im Bauch zu Unwohlsein kommt, kann es sich als günstig erweisen, eine Tasse voll frisch aufgebrühten Tee aus getrocknetem und zerkleinertem Schafgarbenkraut langsam und schluckweise zu trinken, um dem Darm etwas Stärkendes angedeihen zu lassen. Dazu nimmt man 2 Teelöffel voll der zerkleinerten Droge. Mit ¼ Liter kochendem Wasser übergießen und 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Abseihen, abkühlen lassen und den Tee ungesüßt schluckweise trinken. www.kraeuterpfarrer.at

Schafgarbe mit Wurzel (Achillea millefolium) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Haut von innen heraus stärken

Sauerkraut hilft bei Furunkeln

Der vor dem Osterfest gut sichtbare Vollmond war besonders schön zu betrachten. Vor allem bei seinem Aufgang im Osten bot er sich äußerst prächtig dar. Mit einem Fernglas in der Hand hat man prinzipiell eine gute Möglichkeit, sich den Mond am nächtlichen Himmel näher anzusehen. Noch besser geht das mit einem qualitätsvollen Teleskop, das den angepeilten Himmelskörper in eine scheinbar unmittelbare Nähe rückt. Gut zu erkennen sind dabei die zahlreichen Krater, die von den Einschlägen verschiedener Meteoriten zurückblieben. Aber gehen wir wiederum zurück auf die Erde, wo wir keine vergrößernden Objektive benötigen, um die Leiden unserer Mitmenschen zu entdecken. Dazu zählt unter vielem anderen auch das Auftreten von Furunkeln. In dem Zusammenhang möchte ich heute auf den Wert des Sauerkrautes hinweisen. Dieses enthält u. a. Milchsäurebakterien, die sich über den Darm auf den ganzen Körper positiv auswirken. Sauerkraut hilft zudem durch darin enthaltene Senföle mit, dass das Blut den Reinigungsprozess bei Infizierungen noch steigern kann. Auf der Haut bilden sich Entzündungsherde (Furunkel) vornehmlich dort, wo auch Haare die äußerste Schutzschicht des Körpers durchbrechen. In den Haarbalg nisten sich dann Bakterien ein, die für die infektiöse Erscheinung verantwortlich zeichnen. Die Haut, aus der in weiterer Folge Eiter austritt, hinterlässt daraufhin meist Narbenstellen, die ein wenig an die Krater auf dem Mond erinnern. Auf keinen Fall sollte man die Furunkel auf die leichte Schulter nehmen, wenn sie einmal auftreten. Sie verändern nämlich nicht nur unser Äußeres zum Nachteil, sondern wirken sich zudem negativ auf naheliegende Organe und Gefäße aus. Eine fachärztliche Behandlung ist auf jeden Fall in Anspruch zu nehmen. Wie aber bei vielen anderen Beschwerden kann auch hierbei eine naturheilkundliche Begleitung des Krankheitsverlaufes zusätzlich zur Besserung der Symptome beitragen. Denn wie so oft hilft eine vernünftige Ernährung ganz gut mit, sich wiederum ohne Beschwerden den alltäglichen Herausforderungen widmen zu können. Beim Trinken sollte man auf jeden Fall vermehrt auf Fruchtsäfte zurückgreifen, die möglichst keine chemischen Konservierungsstoffe beinhalten.

Begleitendes Hausmittel

Um Furunkel wiederum zum Abklingen zu bringen, erweist es sich als äußerst vernünftige Maßnahme, täglich nach einer Möglichkeit zu suchen, um rohes Sauerkraut zu essen. Voraussetzung ist dabei nur, dass man dieses auch im Magen verträgt. Varianten des Verzehrs gibt es genug. Entweder regt man den Appetit damit an, indem es als Salat vor der Hauptspeise konsumiert wird. Oder man nimmt das Sauerkraut im Zuge einer Jause vormittags oder nachmittags ein. www.kraeuterpfarrer.at

Kraut oder Weißkohl ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Blüten für die Gesundheit

Am Schlehdorn finden

Steigerung und Wachstum sind Komponenten, die wir uns in allen positiven Belangen wohl von ganzem Herzen wünschen. In der Musik kommt das z. B. sehr schön zum Ausdruck, indem es einen Zuwachs an Stimmen, Instrumenten und Laustärke gibt, wenn das Werk zur Aufführung gelangt. Bei den Zuhörern erweckt das Erstaunen und Begeisterung. In der Natur draußen finden wir durchaus Vergleichbares. Sobald der Schlehdorn (Prunus spinosa) blüht, erkennen wir, dass es mit der grauen und kühlen Phase des Winters endgültig vorbei ist und alles der neuen sonnenreichen und warmen Zeit zusteuert. Das Leben drängt überall nach einer Vermehrung und Fülle, die alles Alte und Verbrauchte hinter sich lässt. Wir dürfen in dem dornenbewehrten Rosengewächs Schlehe einen wahren Schatz entdecken. In erster Linie erfüllt der mittelgroße Strauch die Funktionen des Schutzes und der Bodenbefestigung. Angesichts der Tatsache, dass unberührte Bereiche an Rändern von Feldern und Wäldern immer mehr zur Mangelware werden, sollte uns bewusst werden, dass wir den Schlehdorn für ein ausgewogenes Gleichgewicht in der uns umgebenden heimischen Natur unbedingt benötigen. Die Früchte des Strauches zeichnen sich dadurch aus, dass sie viel an organischen Säuren und Gerbstoffen enthalten. Sie wären aber nicht da, würde die Zeit der Blüte nicht die Voraussetzungen für ihre Existenz schaffen. Und um die weiße Pracht an den Stauden geht es mir heute. Wenn also an warmen Tagen die Blüten ganz geöffnet sind, sollten sie gepflückt werden. Man kann auch die bereits abfallenden Kronblätter sammeln und behutsam und gründlich im Schatten trocknen. Im Hinblick auf ein sauberes Blut sind sie durchaus zu gebrauchen. Günstig ist es, die Phase des Blühens an den Waldsäumen und Wegrändern nicht zu verpassen, um sich so ein gutes Hausmittel einzulagern. Und dann kann man es bald für die eigene Vitalität auch nutzen.

Schlehdorn-Blüten aufgießen

Nachdem man die Schlehdornblüten gut durchtrocknen ließ, nimmt man von ihnen 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. Danach 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und abseihen. Schluckweise trinken. Das kann sich als hilfreich erweisen, wenn man eine stuhlfördernde Unterstützung braucht. Den Blüten wird auch eine krampflösende Wirkung zugeschrieben. Und ein sauberes und gereinigtes Blut kann man mit diesem Aufguss ebenso ansteuern. 2 Tassen am Tag reichen davon. www.kraeuterpfarrer.at

Schlehdorn oder Schwarzdorn (Prunus spinosa) mit Blüten und Früchten ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein verjüngendes Korn

Der Buchweizen tut den Arterien gut

Die Phantasie ist die Gabe der Klugen. Das möchte ich einfach so einmal in den Raum stellen. Denn immerhin hilft uns diese Tugend nicht bloß, um am Tag im wachen Zustand ein wenig zu „träumen“, unerfüllten Wünschen nachzuhängen oder sich eine perfekte Welt auszumalen. Sie hilft überdies mit, ganz neue Erkenntnisse zu erlangen und sich in der Not Auswege jedweder Art zu suchen. Die Phantasie brauchen – so denke ich – auch alle, die Tag für Tag am Herd stehen, um sich hie und da etwas Neues für den Speiseplan einfallen zu lassen. Der Buchweizen (Fagopyrum esculentum) gehört zu den Reserven im Haus, die oft eher stiefmütterlich behandelt werden. Natürlich ist das bei jenen, die u. a. unter einer so genannten Glutenintoleranz leiden, sicher anders. Denn sie müssen sich um Alternativen zu herkömmlichen Produkten aus Weizen, Roggen und Gerste umsehen. Da der Buchweizen botanisch gesehen zu den Knöterichgewächsen zählt, bezeichnet man ihn als Pseudogetreide. In den Samenkörnern der Pflanze sind wertvolle Eiweißstoffe und Rutin enthalten. Der Genuss des Buchweizens kann vor allem jenen empfohlen werden, die etwas gegen einen ständig erhöhten Blutdruck unternehmen wollen. Und überdies kann auch vorbeugend etwas getan werden, um eine vielbesprochene Arterienverkalkung hintanzuhalten. Der Buchweizen ist ohnehin im Handel erhältlich und kann somit leicht eingekauft werden. Alle jene, die jetzt vorsichtshalber das Haus hüten, sollten ihn einfach auf den Zettel schreiben, wo auch die anderen Sachen draufstehen, die jemand aus der Nachbarschaft oder aus der Familie für einen besorgt. Hat man das Korn zur Verfügung, dann ist wiederum die Phantasie gefragt. Den Buchweizen kann man prinzipiell so zubereiten wie Reis. Er stellt eine gesunde Alternative zu dem dar, was man für gewöhnlich Tag für Tag zu sich nimmt. Wenn der Organismus dadurch fitter und unbelasteter wird, fühlt man sich automatisch gleich wieder jünger!

Salate und Müsli aufbessern

Die Körner des Buchweizens kann man kochen, dünsten oder einfach zum Keimen bringen. Wenn man z. B. einen Bärlauchsalat zubereitet, kann man den Buchweizen dazu nehmen. Auch bei anderen Salaten kann dies der Fall sein. Oder man ergänzt einfach gleich das morgendliche Müsli mit dem aufbereiteten Buchweizen. Die Gesundheit sollte es uns wert sein, ihn öfter zu konsumieren. www.kraeuterpfarrer.at

Buchweizen (Fagopyrum esculentum) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Erweichendes für die Haut

Feigen und Eibisch für Abszesse

Not macht erfinderisch. Das besagt eine allseits bekannte Redewendung. Und Beispiele gibt es wohl genug dafür, auch aus jüngster Zeit. Gerade dann, wenn man der eigene Herr oder die eigene Frau im Haushalt ist, bedarf es oft der eigenen Spitzfindigkeit, um etwas zu bewerkstelligen oder eine Aktion zuwege zu bringen. Sich nur von Fachkräften und Spezialisten alles erledigen lassen zu wollen, bleibt wohl für die meisten ein frommer Wunsch. Hausmittel gehören meiner Meinung auch in diese Kategorie, fernab jedes Dilettantismus. Feigen (Ficus carica) und Eibisch (Althaea officinalis) sind zwar keine Werkzeuge für technische Anforderungen, sehr wohl aber hilfreiche Gaben pflanzlicher Natur. Erstere gehören zu den Vorzügen der mediterranen Lebenswirklichkeit, die wir gern auch zu Hause als Köstlichkeiten in Anspruch nehmen. Gerade zur Winterszeit sind sie als getrocknete Früchte sehr begehrt. Und der Eibisch wiederum hält eine gehaltvolle Wurzel für uns bereit, die meist bei Problemen mit den Atemwegen herangezogen wird. Feigen und Eibischwurzeln sind botanisch nicht miteinander verwandt. Aber beide speichern in ihrem Inneren Schleimstoffe, die man auch für die Haut nutzen kann. Dort können sich aufgrund von Bakterien, die in eine Wunde oder Öffnung eindringen, Entzündungsherde und Eiteransammlungen bilden, die sich mit der Zeit abkapseln und verhärten. Und dann gilt es auf etwas zurückzugreifen, was eine erweichende und lösende Wirkung mit sich bringt. Sofern es keines ärztlichen Eingriffes bedarf und man sich zu Hause auf verantwortungsvolle Weise bei diesen Beschwerden weiterhelfen möchte, kann ich hier einen Tipp für bewährte Hausmittel weitergeben. Generell aber sollte man auch Abszesse nicht auf die leichte Schulter nehmen und dafür eine kompetente Diagnose seitens ärztlicher Fachkenntnis in Anspruch nehmen.

Umschläge und Kompressen

Hat man einen geschlossenen und verhärteten Abszess auf der Haut, dann kann man eine Erweichung desselben mit getrockneten Feigen anstreben. Ein paar davon kocht man in Milch weich, schneidet sie anschließend durch und befestigt sie mit einem Umschlag einige Zeit auf dem Abszess. Oder man kocht 10 Minuten lang eine Handvoll getrockneter und zerkleinerter Eibischwurzeln in 1/2 Liter Wasser. Nach dem Abseihen verwendet man das Eibischwasser für warme Kompressen. www.kraeuterpfarrer.at

Feigenfrucht (Ficus carica) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





In den Mund schauen

Hirtentäschel zum Gurgeln

Wir wissen doch alle, dass man die Freiheit so richtig erleben kann, wenn man sich in der Natur aufhält und z. B. bei einem Spaziergang bzw. einer Wanderung ganze Landstriche erkundet. Für gewöhnlich verbinden wir auch das Osterfest mit einem Gang nach draußen. In verantwortungsvoller Weise und dann, wenn es den Vorgaben der derzeitigen Regelungen für die Abschwächung der Pandemie entspricht, kann dies auch jetzt praktiziert werden. Die Gedanken dürfen aber auch in die Vergangenheit zurückgehen, wo vor allem die Hirten ein Leben unter Gottes freiem Himmel verkörperten. Diese sind hierzulande ganz selten geworden. Ein Heilkraut namens Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris) hält aber gleichsam die Erinnerung an diese Sparte der Viehzucht noch wach. Diese Pflanze zählt zu den Kreuzblütlern und ist eigentlich recht häufig auf naturbelassenen Flächen anzutreffen. Das Hirtentäschel bevorzugt mageren Boden. Zu den Inhaltsstoffen des Krautes zählen Saponine, Gerbstoffe, Choline und auch ätherisches Öl. Hat sich die Pflanze einmal voll entwickelt, so fällt Folgendes an ihrem äußeren „Gehabe“ auf: es blüht nicht nur das ganze Jahr über, sondern fruchtet auch gleichzeitig. Oben stehen die Blütenknospen, dann die Blüten und noch weiter unten findet man bereits die gestielten, dreieckigen Kapselfrüchte, die einer kleinen ledernen Tasche eines Hirten ähneln. Daher rührt auch der Name dieses Gewächses. In den Belangen der pflanzlichen Naturheilkunde schätzt man vor allem den adstringierenden – also zusammenziehenden – Effekt, den man von der aufbereiteten Droge abrufen kann. Und so möchte ich heute vor allem die Mundhöhle als physische Zone wieder einmal hervorheben, wo das Hirtentäschelkraut seine gute Wirkung entfalten kann. Immerhin bleibt dieser sensible Bereich nicht vor Infektionen gefeit.

Spülmittel aus der Natur

Von getrocknetem und zerkleinertem Kraut des Hirtentäschels nimmt man 2 Teelöffel voll und gießt 1/2 Liter kochendes Wasser darüber. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Noch bei mäßig warmer Temperatur oder ganz ausgekühlt dient dieser Aufguss dazu, Infektionen und Fisteln im Mund durch mehrmaliges Spülen und Gurgeln am Tag wiederum zu mindern. www.kraeuterpfarrer.at

Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Leichter und freier werden

Der Estragon regt die Nieren an

Allen wünsche ich ein frohes und lichtreiches Osterfest! Christus ist erstanden! Halleluja!
In einer Zeit, die viele Einschränkungen mit sich bringt, ist es umso wichtiger, sich von innen heraus zu stärken und sich vor allem von niemandem die Freude nehmen zu lassen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Aber liegen nicht Tage und Wochen hinter uns, in denen sich nicht wenige freiwillig im Konsum verschiedenster Genüsse und Vorzüge zurückgehalten haben, um zumindest körperlich abzuspecken? Ein Kraut, das wir mit durchaus kulinarischen Wonnen in Verbindung bringen, möge heute den Ostersonntag gleichsam einläuten. Sein Name ist Estragon (Artemisia dracunculus). Die wissenschaftliche Bezeichnung des Gewächses verrät bereits den Kundigen, dass es sich hierbei um eine verwandte Pflanze des Wermuts und des Beifußes, der auch Wilder Wermut genannt wird, handelt. Alle drei sind Mitglieder der botanischen Familie der Korbblütler. Der Estragon kommt an manchen Orten Südeuropas heutzutage als verwilderter Neophyt vor. Dennoch dürfte seine ursprüngliche Heimat in Asien gewesen sein. Über Handelswege und dem damit verbundenen Austausch verschiedenster Waren gelangte er auch in den europäischen Bereich. Als Heilpflanze dürfen wir ihn ihm die Inhalte wie ätherische Öle, Gerb- und Bitterstoffe sowie Flavonoide schätzen. Am ehesten verbinden wir mit dem Gewürzkraut seinen typischen Geschmack, der vor allem in Kräuteressig oder eingelegtem Gemüse zum Tragen kommt. Vergessen wir aber nicht die harntreibende Wirkung, die mit diesem Gewächs einhergeht. In unserem Leib staut sich oft so manches an, vor allem Flüssigkeiten, die in weiterer Folge zu Anschwellungen führen können. Je weiter das Lebensalter voranschreitet, desto mehr sind derlei Belastungen zu verzeichnen. Gewiss sollte man diese Veränderungen unbedingt durch eine ärztliche Untersuchung abklären lassen. In Absprache mit den Medizinern ist es zusätzlich möglich, sich mit dem Estragon eine pflanzliche Unterstützung an die Seite zu holen. Danken wir dem Schöpfer an diesem hohen Fest besonders für seine vielen Geschenke in der pflanzlichen Natur!

Tee aus Gewürzkraut

Von getrocknetem und zerkleinertem Kraut des Estragons nimmt man in diesem Falle bloß 1 Teelöffel voll. Mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen und dann 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Um Wasseransammlungen im Körper besser abführen und die Nierentätigkeit anregen zu können, trinkt man pro Tag 2 Tassen davon. Zuvor sollte man aber darauf achten, ob die Verfasstheit des Herz- und Kreislaufsystems das auch zulässt. Am besten mit dem Arzt Rücksprache halten. www.kraeuterpfarrer.at

Estragon (Artemisia dracunculus) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Wenn’s schmerzt und reißt

Kartoffel als Hilfe

Karsamstag – Tag der Grabesruhe des Herrn. Mit dem Blick auf den vom Kreuz genommenen und bestatteten Jesus gehen die Gedanken vielleicht an die eigene zeitliche Begrenztheit des Lebens. Und der Leib bzw. seine Asche wird einst in die Erde kommen. Irgendwie ist das wie ein Einswerden mit der Welt. Und dieser unser Planet besteht eben nicht nur aus Oberfläche und Fassade. Vieles, was wir nicht sehen, existiert und schenkt uns Kraft. Das plakativste Beispiel hierfür sind wahrscheinlich die Kartoffeln (Solanum tuberosum), die man hierzulande wohl besser als Erdäpfel bezeichnet. Solange sie heranwachsen, sich vermehren und schließlich zur vollen Größe heranwachsen, bleiben sie unter der Oberfläche der eigens in niedrigen Reihen angehäuften Agrarfläche. Erst bei der Ernte wird man dann des Erfolges nach dem Anbau ansichtig. Als Nahrungsmittel sind die Erdäpfel aus unserem Kulturkreis nicht mehr wegzudenken. Entsinnen wir uns nur all der Zeiten der Not der vergangenen Jahrzehnte seit dem 19. Jahrhundert, da es jeweils galt, die Bevölkerung mit dem Lebensnotwendigen zu versorgen. Die ursprünglich aus Amerika stammenden Kartoffeln enthalten u. a. viel pflanzliches Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe. Durch deren Genuss wird man eben nicht bloß satt, sondern versorgt den ganzen Organismus mit basischer Kost, sofern die Erdäpfel nicht zu viel mit Fett beim Zubereiten bestückt werden, wie etwa beim Frittieren. Einen Aspekt möchte ich heute von der auch als Grundbirne bezeichneten Knolle herausgreifen. Es ist die rohe Frucht, die ebenso schon früher als Hausmittel zum Einsatz kam. Es geht dabei um eine rein äußerliche Anwendung in Zusammenhang mit Schmerzen verschiedenster Art. So kann man sich z. B. bei Kopfschmerzen die Stirn mit einer halben aufgeschnittenen rohen Kartoffel einreiben. Oder man führt ein Bad durch.

Rohe Erdäpfel in der Badewanne

Zuerst benötigt man ca. 2 kg rohe Erdäpfel. Gut abwaschen und reinigen. Danach reiben und in ein Leinensäckchen geben. Zugebunden legt man es in die bereits mit warmem Wasser gefüllte Wanne. Ca. 20 Minuten darin baden, ehe man wieder heraussteigt. Dieses Bad hilft mit, um mit rheumatischen Gliederschmerzen und gichtischen Gliederanschwellungen besser zurechtzukommen. Überdies geht damit auch eine Festigung des Hautgewebes einher. www.kraeuterpfarrer.at

Kartoffeln oder Erdäpfel (Solanum tuberosus) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein bekannter Baum

Lindenblüten besänftigen die Haut

Heute am Karfreitag wird das Kreuz in den Mittelpunkt der Betrachtung des religiös christlichen Vollzuges gestellt. Dort, wo der Erlöser Jesus Christus sein Leben ausgehaucht hat, wächst auch die Erinnerung an einen Baum, der bereits in den Paradieses-Erzählungen der Bibel eine große Rolle spielt. Er stand im Zentrum des Garten Edens und durfte auf keinen Fall abgeerntet und dessen Frucht verkostet werden. Wie die Geschichte ihren Verlauf nahm, wissen wohl alle. Das Kreuz ist der andere Baum des Lebens, an dem Christus die Sünde von Adam und Eva wiedergutmachte. Als hölzernes Gewächs soll uns daher heute die Linde (Tilia) durch den Tag begleiten. Diese meist stattliche Erscheinung einer Pflanze hat viel mit unserer Lebenskultur zu tun, da der Baum besondere Plätze in den Dörfern und Punkte in der Landschaft ziert. Das Holz der Linde gilt ob seiner weichen Konsistenz als sehr begehrt bei den Schnitzern und Bildhauern, wie die vielen Beispiele aus den vergangenen Jahrhunderten bis zum heutigen Tag belegen. Für die pflanzliche Naturheilkunde hingegen stehen die Blüten der Lindenarten an oberster Stelle. Im Sommer dürfen wir wohl wieder erleben, wie die Bäume dann ihre ganze Umgebung in einen angenehmen honigartigen Duft hüllen. Auch die Bienen lassen es sich nicht zweimal sagen, dass die Linden blühen, und besuchen emsig die Zweige, bis der letzte Tropfen Nektar zur Gewinnung des Honigs in den Stock eingebracht wurde. Die Lindenblüten sind reich an ätherischem Öl, an Flavonoiden und zudem an Schleimstoffen. Sie gelten seit jeher als schweißtreibende Droge, was man sich vor allem zu Zeiten von grippalen Infekten zunutze machen kann. Ich möchte aber zusätzlich darauf hinweisen, dass man diese Pflanzenteile auch für die Pflege der Haut heranziehen kann. Wie der Name des Baumes schon zum Ausdruck bringt, steht eine lindernde Wirkung mit diesen Gaben der Natur in Verbindung.

Waschungen mit Tee

Von getrockneten Lindenblüten nimmt man 1 bis 2 Esslöffel voll. Mit 1/2 Liter kochendem Wasser übergießen und 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Danach abseihen und warten, bis der Tee ausgekühlt ist. Hat starke Sonneneinstrahlung die Haut im Gesicht gereizt oder irritiert, dann ist es möglich, eine Waschung mit Lindenblütentee durchzuführen, um dem Antlitz eine lindernde Pflege zukommen zu lassen. www.kraeuterpfarrer.at

Lindenblütenzweig (Tilia) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya