Nährend und reinigend

Leinsamen für Magen und Haut

In einem Museum bewahrt man wertvolle Exponate auf, die Auskunft über die Lebenskultur vergangener Epochen geben können. Vieles davon ist staunenswert, ganz egal ob es sich dabei um höchste Kunstwerke oder Gegenstände des alltäglichen Handwerks handelt, die dennoch liebevoll ohne Hilfe von Maschinen geschaffen wurden.
Was jedoch nicht in eine Einrichtung dieser Art gehört, das sind alte Kulturpflanzen, die als Alternativen zu herkömmlichen Agrarprodukten stetig an Beachtung und Interesse zulegen. Dazu zählt sicher auch der Gemeine Lein (Linum usitatissimum). Die Fasern, die aus den Stängeln dieser Pflanze gewonnen werden, stellen einen wertvollen Rohstoff dar, der vielfach und vor allem regional verarbeitet werden kann. Angesichts sozialer Schieflagen, die im Zuge weltweiter Baumwollproduktion entstehen, ist dieser Aspekt durchaus bedenkenswert. Doch an dieser Stelle geht es mir heute mehr um die Frucht des Leins, dem so genannten Leinsamen. Er enthält viele gute Substanzen, so z. B. pflanzliches Fett und wasserquellende Faserstoffe, die vom Organismus gern aufgenommen und verwertet werden. Gerade was eine geregelte Verdauung betrifft, sollte der Leinsamen immer wieder in die Nahrungsaufnahme mit Maß und Ziel integriert werden. Denken wir hierbei nur an die Trägheit des Darmes, die so gemindert werden kann. Doch vergessen wir ebenso die Haut nicht, die sich vor allem im Gesicht mannigfaltigen Herausforderungen wie Sonneneinstrahlung, Wind, Wetter und auch der trockenen Zimmerluft stellen muss. Weist sie zudem noch einen überdurchschnittlichen Gehalt an Fett auf, so neigt sie leicht zu verstopften und verunreinigten Poren. Diesem Umstand kann Abhilfe geleistet werden. Leinsamen ist durchaus dafür geeignet.

Maske aus Leinsamen

Von Leinsamenkörnern nimmt man eine genügende Menge, die man im Mörser zerquetscht und anschließend mit warmem Wasser zu einem Brei rührt. Diesen legt man dann auf die Gesichtshaut auf und lässt ihn 20 Minuten lang einwirken. Das reinigt und nährt die äußerste Schicht unseres Antlitzes. Danach einfach mit Wasser wieder abwaschen. Das ist eine natürliche Weise der Kosmetik, die sich jeder leisten kann.

Leinpflanze mit Samen (Linum usitatissimum) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Stärkungsmittel aus der Natur

Die Nelkenwurz verwenden

Angesichts des eben erfolgten Temperatursturzes in den vergangenen Tagen verwundert es nicht, wenn sich das Leben von den Straßen und Plätzen genauso rasch ins Innere der Häuser und geschützten Geschäftspassagen verlegt. Die Schanigärten haben wohl für dieses Jahr bereits ausgedient. Im Herbst ist es sowieso gang und gäbe, dass der Schutz vor Frost und Kälte angestrebt wird. Die Pflanzen ziehen sich quasi vielfach auf ihre Wurzeln zurück, um unter der Erde dem nächsten Frühling entgegen zu harren. Also ist es nur folgerichtig, dort die Kräfte aufzusuchen, die uns weiterhelfen. Die Nelkenwurz (Geum urbanum) ist eines der botanischen Exempel, die der Mensch seit Urzeiten zu verwenden weiß. Mit dem Grün und den zarten gelben Blüten dieses Heilkrautes fängt man – gelinde ausgedrückt – eher weniger an. Doch braucht man diese Wuchsteile sehr wohl, um damit die Pflanze an und für sich lokalisieren zu können. Sie findet sich bei uns in feuchten Wäldern, an Waldrändern, Hecken und Mauern. Gesammelt wird der Wurzelstock, den man im späteren Frühling oder eben jetzt im Herbst ausgräbt. Unter kaltem Fließwasser reinigt man diesen. Danach mehrmals mit einem scharfen Messer spalten und bei zugiger Luft im Schatten gut durchtrocknen lassen. Bitterstoffe, Gerbstoff und ätherische Öle bestimmen die Wirkkraft der Nelkenwurz. So war es bereits Paracelsus, der dieses Kraut bzw. dessen Wurzel bei Katarrhen von Magen und Darm empfahl. Dies gilt übrigens bis heute, wo man sich gerade bei Durchfall wieder mithilfe der Nelkenwurz Linderung verschaffen kann. In diesem Falle kann man die getrockneten Pflanzenteile im Heißaufguss anrichten. Damit gewinnt man ebenso ein Mundwasser, das die Beschaffenheit der Schleimhäute in der Mundhöhle zu stärken vermag. Herbstzeit ist generell Wurzelzeit. Daher dieser Tipp zum heutigen Tag.

Zubereitung eines Tees

Von der getrockneten und zerkleinerten Wurzel der Nelkenwurz nimmt man 2 Esslöffel voll. Mit 1/2 Liter kochendem Wasser übergießen und 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Dann abseihen und in eine Thermosflasche füllen. Bei Magen- oder Darmkatarrh über den Tag verteilt schluckweise trinken. Oder zur mehrmaligen Spülung des Mundes bei Entzündungen und Zahnfleischproblemen verwenden.

Nelkenwurz (Geum urbanum) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ausgleich am Abend

Melisse an die Haut lassen

Das Jahr schreitet voran und die Tage bis zum Silvesterabend sind bereits gezählt. Das kann man ganz gelassen betrachten oder es bereitet einem Sorgen. Denn vieles gehört bis dahin noch erledigt, im Handumdrehen steht Weihnachten wieder vor der Tür und schließlich wird man auch nicht jünger. Da tut es schon gut, wenn man zwischendurch an Pausen und Erholung denkt, denn immerhin sind wir Menschen und keine Maschinen. Gott sei’s gedankt, dass die Natur von jeher so eingerichtet und gleichsam programmiert ist, um uns in sämtlichen Lebenslagen eine Ergänzung zu bieten. Eine liebenswerte Begleiterin in dieser Hinsicht ist die Melisse (Melissa officinalis), die auch gerne als Zitronenmelisse bezeichnet wird. Ich selbst kann nur jedem Gartenfreund wärmstens empfehlen, dieses Kraut auf ein Beet zu setzen, um das frische Grün der Blätter, das diesen Lippenblütler auszeichnet, allein schon mit den Augen zu genießen. Die Melisse, deren Name der Tatsache geschuldet ist, dass sie gerne während der Blüte von den Bienen heimgesucht wird, besitzt aber auch eine Reihe von Wirkstoffen. An erster Stelle stehen dabei ätherische Substanzen, die man übrigens auch mit der Nase feststellt, wenn das herrliche Aroma den frisch gepflückten Trieben entströmt. Diese wirken vor allem sehr beruhigend und ausgleichend auf den Organismus. Es ist daher nur recht und klug, wenn man sich im Sommer bereits einen Vorrat an getrockneten Melissenblättern angesammelt und aufbewahrt hat. Denn somit ist es leicht möglich, dieses geschätzte Kraut auch zur Anwendung zu bringen. Gerade am Abend sollte man sich hin und wieder ein ausgleichendes Bad gönnen.

Badezusatz mit Melisse

100 g getrocknetes und zerkleinertes Melissenkraut wird zu allererst mit 2 Liter kochendem Wasser übergossen. Danach 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Dem warmen Badewasser in der Wanne hinzugeben und 20 Minuten darin genüsslich baden. Das erfrischt die Haut und lässt gleichzeitig angespannte Nerven zur Ruhe kommen. Somit wird in weiterer Folge ein erholsamer Schlaf ermöglicht.

Melisse oder Zitronenmelisse (Melissa officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Beerenmahlzeit

Ebereschen zum Frühstück

Der Hunger meldet sich prinzipiell von selbst. Darauf machen schon kleine Babys aufmerksam, die zu weinen und zu schreien beginnen, wenn sich der Magen meldet und meint, mit Nachschub gefüllt werden zu müssen. Also ist es von vornherein wichtig, die Nahrungsaufnahme in geregelte Bahnen zu leiten, damit keine Mangelerscheinungen auftreten oder Schwäche die Oberhand gewinnt. Wenn ich heute wieder einmal die Eberesche oder Vogelbeere (Sorbus aucuparia) aus den herbstlich aktuellen Früchten herausgreife, so ist es aber kaum mein Bestreben, mit diesem Angebot von den Bäumen hungrige Mäuler zu stopfen. Das überlasse ich den Vögeln, die während der frostigen Winterszeit für diese Aufbesserung der ornithologischen Speisekarte durchaus dankbar sind. Für den menschlichen Hausgebrauch hingegen reichen kleinere Mengen, die zudem speziell aufbereitet werden. In den Früchten der zu den Rosengewächsen zählenden Ebereschen sind u. a. Gerbstoffe, Fruchtsäuren, Harze und Mineralsubstanzen enthalten. Diese können dazu beitragen, dass Verdauung und Stoffwechsel besser vollzogen werden können. In der Tradition der Naturheilkunde haben diese Gaben des Herbstes also durchaus einen angestammten Sitz. Die Eberesche kommt in den Wäldern häufig vor, sodass man meist nicht lange suchen muss, um derartige Exemplare samt fruchtiger Bestückung zu finden. In den Siedlungen und Gärten wiederum werden gerne Zuchtformen dieser Pflanze gesetzt. Vor allem die Mährische Eberesche ist es, die größere Beeren hervorbringt als ihre Stammform in den Forsten. Also, ein kleiner Beitrag zur Aufrechterhaltung der Gesundheit kann dann schon in aller Früh geleistet werden.

Getrocknete Früchte

Von der Eberesche pflückt man nach den ersten Nachtfrösten die Beeren und trocknet sie gründlich durch. Es reichen 5 Stück, die man vor dem Frühstück gut durchkaut und schluckt, um so die Verdauung anzukurbeln. Obendrein wirkt diese Anwendung auch harntreibend und somit blutreinigend. Der Organismus wird auf diese Weise in vitalerem Zustand gehalten.

Eberesche oder Vogelbeere (Sorbus aucuparia) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Für den Bewegungsapparat

Mit Beifuß baden

Wer ein Auto besitzt, hat den Vorteil, sich unabhängig von einem Ort zum anderen bewegen zu können. Gleichzeitig bedeutet es, sehr viel Geld zu investieren. Das gilt sowohl für den Kauf eines PKWs als auch für dessen Instandhaltung samt Services und Treibstoff. Der menschliche Körper ist ebenso dafür ausgerüstet, um sich mit dem ganzen Bewegungsapparat von A nach B transferieren zu können. Die Abläufe des Gehens, Laufens und Kletterns werden vom Gehirn aus koordiniert und im wahrsten Sinne des Wortes in Gang gesetzt. Der Beifuß (Artemisia vulgaris) soll uns heute helfen, sich dieser motorischen Kraft, die uns innewohnt, zu besinnen. Gleichzeitig sollen wir dankbar dafür sein, wenn in dieser Hinsicht alles klaglos funktioniert. Wir haben leider auch viel zu viele Beispiele von Menschen, die sich nach einem Unfall oder einer Blutung im Gehirn bis aufs Äußerste mühen und anstrengen müssen, diese Fähigkeit wieder einigermaßen zurück zu erringen. Der Beifuß, der auch Wilder Wermut genannt wird, birgt in seinem Inneren ganz wertvolle Bitterstoffe. Deswegen verwendet man ihn auch seit jeher gerne, um Bratengerichte und andere Speisen mit einem hohen Anteil an tierischem Fett damit zu würzen, um so der Verdauung bei ihrer zerlegenden Arbeit zu helfen. Leber und Galle profitieren auf jeden Fall davon. Was es aber ebenfalls nicht zu übersehen gilt, ist die Tatsache, dass die nervliche Steuerung und die gesamte Tätigkeit des Gehirns auch eine Unterstützung durch die Verwendung des Beifußkrautes abschöpft. Diesen Effekt kann man übrigens gut über die Haut zur Wirkung bringen. Mit Bädern, die man in regelmäßigen Anständen durchführt, ist es möglich, die motorische Kraft des Bewegungsapparates im Falle einer Beeinträchtigung gut zu animieren.

Beifuß-Bad durchführen

Vom getrockneten, zerkleinerten Beifußkraut nimmt man eine Menge von ca. 150 g. Dies übergießt man mit 2 Liter kochendem Wasser. 1/2 Stunde zugedeckt ziehen lassen. Danach abseihen und dem warmen Badewasser in der Wanne hinzufügen. 20 Minuten darin baden, ehe man wieder heraussteigt. Diese Anwendung hat neben einer beruhigenden Wirkung auch einen positiven Einfluss auf die Tätigkeit des Kleinhirns und somit auf die motorische Kraft der Physis.

Beifuß mit Wurzel und Blütendetails (Artemisia vulgaris) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Hilfe vom Apfel

Für den Magen

Unlängst durfte ich noch einen Vortrag für eine Seniorengruppe in meinem Heimatkloster Geras halten. Dabei war es mir ein Anliegen, auf das Einfache, das uns in unmittelbarer Umgebung zur Verfügung steht, hinzuweisen, um es zu schätzen und zu nutzen. Das betrifft die früher meist verschmähten Heilgewächse, die aber wohl heute kaum jemand mehr als Unkraut bezeichnet. Darüber hinaus sind Obst und Gemüse wunderbare Reserven für die Pflege der Gesundheit, die uns vor allem im Herbst und im Winter am Herzen liegen darf. Daher möchte ich aus diesem Schatz einmal mehr den Apfel (Malus domesticus) herausgreifen. Denn bei dem eingangs erwähnten Vortrag hat mich eine Dame darauf hingewiesen, dass es doch schade ist, so viel Obst herumliegen zu sehen, wenn man spazieren geht. Gewiss gibt es da und dort eine Überfülle an reifen Früchten, die es schwer machen, alles aufzusammeln und zu verarbeiten. Aber dennoch darf man gerade jetzt den Wert der Äpfel wieder erkennen. Werden diese roh genossen, so liefern sie dem Organismus Vitamine und Mineralstoffe. Darüber hinaus sind auch Pektin und Ballaststoffe ganz kostbare Inhalte der Äpfel. Im Hinblick auf den Magen kann diese Gabe aus dem Garten einiges bewirken. Der Verzehr eines Apfels tut generell der gesamten Verdauung gut. Darüber hinaus tragen manche das Leiden mit sich herum, das man als nervösen Magen bezeichnen kann. Weil die Nerven in einem direkten Zusammenhang mit dem Verdauungsmuskel stehen, heißt das konkret, dass man auf jede Art derartiger Belastung mit einem Unwohlgefühl in der Bauchgegend reagiert und auch der Appetit nicht der beste ist. In einem solchen Fall wird der Apfel extra aufbereitet. Manchmal kann ein einfaches Hausmittel eine sehr gute Begleitung darstellen.

Apfelspalten aufgießen

Frische feingeschnittene Apfelspalten werden mitsamt der Schale zerkleinert, nachdem man sie zuvor unter fließendem Wasser gründlich gereinigt hat. Dann nimmt man davon 1 vollen Esslöffel und übergießt ihn mit 1/4 Liter siedendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, danach aber nicht abseihen. Stattdessen den gesamten Inhalt am besten auf nüchternen Magen auslöffeln. Das tut man gleich in der Früh und am Abend wiederum, um einen nervösen Magen zu beruhigen.

2 Äpfel und Apfelhälfte ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Abreibung am Abend

Ringelblumentee für die Haut

Schön ist es allemal, wenn das Farbenspiel des Herbstes nun auf einen Höhepunkt zusteuert, den wohl nur die gottverdankte Schöpfung bieten kann. Es ist so, als ob man alles Leidvolle und Anstrengende des bisher abgelaufenen Jahres vergessen machen wollte. Doch wissen wir alle, dass darin bloß ein Abschied zum Ausdruck kommt, der Neuem Platz machen möchte. Dieser Austausch findet übrigens auch permanent auf unserer Haut statt. Die Ringelblume (Calendula officinalis) ist jene unter den Gartenfreuden, die sich fast trotzig noch mit ihren Blüten unter die herbstliche Blätterpracht mischt, solange extreme Fröste sie nicht dazu zwingen, ebenfalls im wahrsten Sinne des Wortes das Feld zu räumen. Nun zurück zu unserer Schutzschicht Haut. Sie ist an der Oberfläche mit Zellen bestückt, die sich ständig erneuern. Das merkt man allein schon dadurch, dass sie schuppt, wenn man intensiver darauf kratzt. Der Sinn einer Kosmetik, die mit pflanzlicher und somit natürlicher Unterstützung arbeitet, liegt in erster Linie darin, die Außenseite des Körpers zu pflegen und in ihrer Konsistenz zu festigen. Die Blütenblätter der Ringelblume enthalten ätherisches Öl, Saponine, Bitterstoffe und Glykoside, die allesamt der Haut guttun. Darüber hinaus wirken sie auch noch an anderen Stellen unserer Physis und unterstützen viele Organe mit ihren positiven Effekten. Um an diese heranzukommen, kann man mehrere Wege beschreiten. Eine besondere Zeit des Tages, um wieder einmal auf sich zu schauen, ist der Abend. Den kann man vor allem vor dem Zubettgehen nutzen, um auch für die Haut etwas Gutes zu tun. In weiterer Folge hat der ganze Bruder Leib etwas davon.

Die Haut abreiben

1 voller Esslöffel getrockneter Blütenblätter der Ringelblume wird mit 1/2 Liter kochendem Wasser übergossen. 20 Minuten zugedeckt ziehen lassen und schließlich abseihen. Einen Waschlappen damit tränken und den ganzen Körper damit abreiben. Das schenkt ein Wohlgefühl zum Abschluss des Tages, reinigt fettige Haut und fördert überdies die Schlaffreudigkeit. Man muss sich nur genug Zeit dafür nehmen, um an diese gute Wirkung heranzukommen.

Ringelblumenzweig mit Einzelblüte und Knospe (Calendula officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein stärkender Saft

Frisch aus Karotten pressen

Die zu nutzende Energie ist für uns alle wichtig. Bedeutender ist aber noch die Frage, woher wir diese beziehen. Über den Quellen fossiler Stoffe oder atomarer Gewinnung derselben stehen zu Recht ganz große Fragezeichen. Und selbst alternative Weisen haben Nebeneffekte, die der Natur nicht gut tun. Schauen wir daher auf die Pflanzen, die ihre Kraft aus der Erde und von der Sonne beziehen. In weiterer Folge wird vieles Nutzbare für uns Menschen daraus aufbereitet. Ein Paradebeispiel dessen sind für mich die Karotten (Daucus carota). Sie werden Gott sei Dank recht häufig in den Gärten angebaut und in der Folge auch geerntet, sofern nicht die Wühlmäuse sich einen Weg bahnten, um ein unterirdisches Festmahl zu veranstalten. Gerade jetzt im Herbst gehört es zu den gewinnbringenden Tätigkeiten, die voll ausgebildeten dicken Wurzeln aus dem Erdreich zu ziehen, sie vom Grünzeug zu befreien und schließlich kühl und frostsicher in einem Sandbeet im Keller zu lagern, damit sie möglichst lange gelagert werden können. Gewiss muss dafür auch die Luftfeuchtigkeit stimmen, die man in einem abgedämmten Kellergeschoß eines modernen Baus nicht wird vorfinden können. In der Karotte sind von vornherein zahlreiche wichtige Vitamine enthalten. Zudem birgt sich eine hohe Menge an Spurenelementen in ihnen. Jung und Alt können daher durch die gute Ware aus eigener Produktion unterstützt werden. Dazu sollte man die Karotten jedoch entsaften. Ganz klar, dass man aus einer ganzen Karotte kaum eine Flüssigkeit pressen kann, wenn man bloß darauf drückt. Daher ist es notwendig, sie zu reiben bzw. zu Mus zu zerkleinern. An praktischen Küchengeräten, die das für einen erledigen, mangelt es ohnedies nicht. Eine begleitende Kur mit Karottensaft ist gerade jetzt sinnvoll, da die Nebel fallen.

Karottensaft löffelweise

Um die Gesundheit der ganzen Physis zu steigern und zudem die Sehkraft der Augen zu stärken, führt man am besten eine sechswöchige Kur durch. Als Tagesration reicht für Kinder je 1 Teelöffel voll in der Früh und am Abend. Erwachsene nehmen dagegen am besten 3 Esslöffel voll Karottensaft pro Tag zu sich. Das ist vor allem dann auch angebracht, wenn man nach Überwindung einer schweren Krankheit geschwächt ist und an Appetitlosigkeit leidet.

Karotten (Daucus carota) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Erdbeeren im Herbst

Die Blätter davon verwenden

Oft, wenn ich bei jemandem zu einem guten Essen eingeladen bin, komme ich in den Genuss eines wohlmundenden Desserts. Da kann man nur staunen, was dafür in den Küchen gezaubert und schließlich auf den Tisch gestellt wird. Im Sommer werden hie und da die frischen Erdbeeren aus dem eigenen Garten verarbeitet. Dieses schmackhafte Angebot kann man dann kaum ablehnen, unabhängig vom Blick auf die gewünschte schlanke Körperlinie. Damit nicht beim Leser zu sehr das Wasser im Mund zusammenläuft, schwenke ich zu einem anderen wertvollen Gut, das man an den Wald-Erdbeeren (Fragaria vesca) entdecken darf. Hierbei handelt es sich um die Blätter, die man in der freien Natur häufig antrifft, wenn man seinen Blick über den Wegrand oder über den Boden lichter Wälder schweifen lässt. Gewiss steigt einem der gute Duft, der von den reifen Beeren ausgeht, an warmen Tagen von selbst in die Nase und verführt uns zum gesunden Naschen. Die Blätter der wilden Erdbeeren (nicht zu verwechseln mit der invasiven Indischen Scheinbeere) enthalten Gerbstoffe und Flavonoide. Werden diese vor der Blütezeit geerntet und getrocknet, dann gewinnt man dadurch eine wertvolle Droge die man separat oder in zusammengestellten Mischungen zu einem Tee aufgießen kann. Dieser fördert die Tätigkeit der Leber und der Galle und unterstützt generell einen geregelten Stoffwechsel. Man kann aber ebenso darangehen, um einen derartigen Aufguss als Badezusatz anzuwenden. Das bringt Vorteile für die Funktion des Darmes mit sich, wirkt erfrischend und reinigend.

Baden mit Erdbeerblättern

Von getrockneten und zerkleinerten Blättern der Wald-Erdbeere nimmt man 150 g. diese Menge übergießt man mit 2 Liter kochendem Wasser. 20 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Dem Badewasser beigeben und ca. 15 Minuten lang in der Wanne bleiben, ehe man wieder heraussteigt. Bei dieser Anwendung nimmt die Haut die Wirkstoffe der Blätter auf und gibt sie an den gesamten Organismus weiter. Tut dem Darm im Speziellen gut, reinigt und stärkt aber auch die Haut selbst.

Walderdbeere mit Blüten und Früchten (Fragaria vesca) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Früchte aus dem Süden

Feigen für Leber und Galle

Die generelle Urlaubszeit, wo Familien es sich leisten können, in einer Destination ihrer Wahl über mehrere Tage und Wochen die Seele baumeln zu lassen, ist nun schon längere Zeit vorüber. Die Verpflichtungen in Schule und im Beruf leiten uns an, das Leben in den gewohnten Bahnen zu führen. Und das ist auch gut und recht so. Wir wollen ja hier vor Ort gestalten und etwas weiterbringen, was ebenfalls seine schönen Seiten hat. Dennoch will ich heute eine Frucht vor den Vorhang bitten, die zwar auch hier in milden Klimazonen geerntet werden kann, die jedoch vor allem rund um das Mittelmeer so richtig gut gedeiht und zur vollen Süße gelangt. Es sind die Feigen (Ficus carica), die ich mit diesen Zeilen im Geiste auf das häusliche Obsttablett legen möchte. Damit gehen meine Gedanken gleichzeitig zurück in die Zeit, da man sich als Kind noch darauf freute, dass es endlich Winter wird, weil damit die Möglichkeit einherging, Orangen, Mandarinen und eben auch getrocknete Feigen kaufen und verspeisen zu können. Das ist zwar aufgrund eines ganzjährlichen Angebotes der genannten Früchte längst vorüber, nicht jedoch der gesundheitliche Wert dieser exquisiten Gaben. In den Feigenfrüchten befinden sich eine Reihe von wertvollen Spurenelementen und Mineralstoffen, die den ganzen Organismus unterstützen. Zudem nimmt man beim Genuss Zellstoffe zu sich, durch deren Präsenz die Tätigkeit des Darmes angekurbelt wird. Wer aber dazu noch von den Feigen profitiert, das ist die Leber. Dieses wichtige Organ bedarf immer wieder einer Unterstützung. Am besten wird dieses Ansinnen durch eine vernünftige Ernährung gewährleistet. Mit den Feigen kann man einen zusätzlichen Beitrag zur persönlichen Gesundheit leisten.

Hausmittel für die Leber

Man nimmt 5 getrocknete Feigen und schneidet sie in kleine Stücke, die man in 1/4 Liter kaltem Wasser über Nacht ansetzt. Am Morgen dann auslöffeln. Über einen längeren Zeitraum durchgeführt, unterstützt man die Leber und die Galle damit, besonders dann, wenn sich dort Erkrankungen einstellen. Diese Maßnahme jedoch mit dem behandelnden Arzt abklären.

Feigenzweig mit Früchten (Ficus carica) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya